Körper als Feindbild

von Redaktion  |  18. Juni 2006, 17:00
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    Die Zahlen der Essstörungen sind bei sexuell missbrauchten Frauen deutlich höher.

Studie: Sexueller Missbrauch in der Kindheit führt zu Körperfeindlichkeit und in der Folge zu Ess-Störungen

London/Wien - WissenschaftlerInnen der University of Bristol haben festgestellt, dass sexueller Missbrauch von Mädchen (und auch Buben) häufig im späteren Leben zu Essstörungen führt. In einer groß angelegten Studie wurden 10.000 Frauen untersucht. Die Essstörungen traten bei Frauen, die sexuell missbraucht wurden, doppelt so häufig auf, berichteten die ForscherInnen im Wissenschaftsmagazin British Journal of Psychiatry.

Erhöhte Anorexie- und Bulimie-Rate

Die Frauen, die unter Essstörungen litten, hatten nach Angaben der WissenschaftlerInnen um Rob Senior auch häufiger Gewichtsprobleme während der Schwangerschaft. 79 Prozent der Befragten gaben an, dass sie eine glückliche Kindheit hatten. Diese Frauen litten auch deutlich seltener an Bulimie oder Anorexie. Hingegen waren die Zahlen der Essstörungen der missbrauchten Frauen deutlich höher: 15 Prozent zeigten deutliche Symptome einer Essstörung und 30 Prozent hatten Probleme mit ihrem Gewicht während einer Schwangerschaft. Diese Frauen neigen auch dazu, ihre Babys nicht zu stillen.

In vorhergehenden Studien wurde bereits festgestellt, dass Essstörungen mit Einflüssen einer unglücklichen Kindheit oder einer unglücklich empfundenen Kindheit einhergehen. Dazu zählen etwa Alkoholmissbrauch eines Elternteiles, physische oder emotionelle Gewalt und andere familiäre Probleme. "Sexueller Missbrauch und Essstörungen können sehr wohl zusammenhängen", meinte die Ärztin und Psychotherapeutin Barbara Reiterer im pressetext-Interview. "In älterer Literatur wurde eine Verbindung zwischen den beiden bejaht, nach jüngeren Erkenntnissen allerdings abgelehnt. Die Tendenz geht mittlerweile aber wieder dahin, die beiden Fakten miteinander zu verknüpfen", erklärte die Expertin.

Veränderter Körperzugang

"Durch den Missbrauch entsteht eine Körperfeindlichkeit gegen den eigenen Körper. Der Zusammenhang zwischen sexuellem Missbrauch und Essstörungen liegt in einem veränderten Körperzugang. Es sind verzweifelte Versuche, eine Zufriedenheit herzustellen und das seelische Unbehagen wegzuwischen", so Reiterer. Allerdings könne diese Zufriedenheit nicht erreicht werden, egal wie dünn ein Mädchen ist. Schwangerschaft werde insofern zu einem Problem, als sie auf sexuelle Aktivität hinweise.

Essstörungen seien weit gehend als Selbstwertprobleme zu bewerten. Es komme aber auch vor, dass das Gefallen-Wollen zu Identifikationsproblemen führe oder aus diesen resultiere. Ein anderer Grund für Essstörungen seien gesellschaftliche Werte. "Wenn der Selbstwert über das Gewicht bestimmt wird, ist das problematisch", meinte die Medizinerin. Dabei gehe es vielfach um Gramm, die ausschlaggebend sind. (red)

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15 Postings
4simo   
19.06.2006 16:09
ich find

diese studien immer sehr hinterfragenswert, nicht weil sie sinnlos wären, sondern weil die berichte über sie nichts gutes verheissen... eine angabe in % sagt genau nichts aus.... zumindest ein link auf die stduie selbst sollte vorhanden sein, damit man sich anschauen kann inwieweit das methodische eingehalten wurde.....

Antonio aus hölle
19.06.2006 11:01
Sinnvoller Beitrag vom Standard.

Sinnvoller Beitrag vom Standard.

Ich z. B. wußte das nicht.

Jana P.
19.06.2006 10:01
Ich hoffe für viele Mädchen...

...dass hier nicht viele Psychologen, Therapeuten usw den Umkehrschluss ziehen und jeder mit Essstörungen sexuellen Missbraucht unterstellen, wie es leider oft der Fall ist.
Ich hatte auch ein Gespräch mit einer Psychologin, die sich nach 5 min nur noch mit mir über meinen Missbrauch unterhalten wollte, den ich zweifellos verdrängt haben müsse und bla bla bla.

15adu
29.06.2006 10:27

warum passiert sowas, weil es heutzutage immer weniger professionals gibt, dafür umso mehr halbgebildete akademiker. dafür können wir uns alle über die höhere akademikerquote freuen, ist ja auch was schönes.

LeBro
19.06.2006 08:47
Traumhafter Satz!

"Schwangerschaft werde insofern zu einem Problem, als sie auf sexuelle Aktivität hinweise."

Thomas Felder
19.06.2006 12:34

ausser bei der Jungfrau Maria

Antonio aus hölle
19.06.2006 14:25

Die muß man natürlich im schwer katholischen Österreich berücksichtigen!

Antonio aus hölle
19.06.2006 11:37

Ich bin auch schon darübergestolpert,

der Satz wurde ohne nachzudenken geschrieben.
Und ohne Korrekturlesen.

Susi Stattnam
20.06.2006 11:02
der Satz so wie er geschrieben steht, stimmt schon.

ich habe ihn so verstanden, dass eben eine Schwangerschaft koerperlich permanent erinnert an Sexualitaet, die ja sonst von der Person unterdrueckt gelebt wird oder eben ganz aus dem alltaeglichen Gedanken verbannt wird. Was bei einer Schwangerschaft halt ein bisserl schwer wird.

Dominik Maria Rosenauer
18.06.2006 21:42
Wie mein Vorposter bereits geschrieben hat,

ist der Neuigkeitswert dieser Studie eher nicht messbar. JedeR in freier Praxis arbeitende PsychologIn /PsychotherapeutIn hätte das auf Anfrage sagen können. Ebenso gibt es einen Zusammenhang zwischen Alkoholismus und anderen Süchten mit unglücklich "empfundener" Kindheit (ein schöner Versuch die subjektiven Angaben von Versuchspersonen zu operationalisieren...) oder sexuellem Missbrauch usw. Man könnte fast annehmen, dass (sexueller) Missbrauch von Kindern generell nicht so förderlich für eine psychisch gesunde Entwicklung ist. Wobei die Frage, wie ein *Gebrauch* von Kindern aussieht noch ungeklärt ist.

scorpio rising
18.06.2006 19:33
keine überraschung

etwas das ich in diesem forum schon ein paar mal geschrieben habe und ...dafür wurde ich immer wieder kritisiert.

es wär auch mal eine studie interessant zum thema sexueller missbrauch und prostitution.

Antonio aus hölle
19.06.2006 14:26

Dann schreibens ein Buch!

Ewald Schubart
19.06.2006 13:38

nur zur info:
"Auch Prostitution ist häufig Folge von sexueller Traumatisierung in der Kindheit, Schätzungen besagen, dass ca. 90% der Prostituierten in der Kindheit sexuell traumatisiert worden sind."
auf
http://www.posttraumatische-belastungs-stoerung.de/
auf
http://www.thieme.de/viamedici... rauch.html
langer, ausführlicher beitrag.
sehr wissenschaftlich dann:
http://edoc.ub.uni-muenchen.de/archive/0... Marion.pdf
und ganz konkrete literatur dazu:
Marwitz, G., Hörnle, R. und Luber, E.M. (1990): Prostitution als Bewältigungsform
in der Kindheit erlittenen sexuellen Mißbrauchs mit seinen Folgen, Öff.
Gesundh.-Wes., 52, 658 - 660

scorpio rising
19.09.2006 19:19
danke für die links!

Thomas Felder
19.06.2006 09:43

ich denke, da werden sie keinen finden

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