Adipositas ist seit 2000 von der Weltgesundheitsbehörde (WHO) als chronische Erkrankung eingestuft. Übergewicht ist messbar und zwar mit dem Body Mass Index (BMI), der sich aus Körpergewicht in Kilogramm dividiert durch die Körperlänge in Metern zum Quadrat errechnet. Ein BMI zwischen 20 und 25 ist optimal, von Übergewicht spricht man bei einem BMI von 25 bis 30, alles darüber ist Adipositas, die sich in drei Schweregrade unterteilt. Ein zweiter wichtiger Parameter für das Risiko von Herz-Kreislauf- Erkrankungen ist der Bauchumfang, der bei Frauen nicht über 90, bei Männern nicht über 100 Zentimeter betragen sollte.
In Österreich sind 37 Prozent der Erwachsenen übergewichtig, rund zehn Prozent adipös. Besonders alarmierend: Bereit 15 Prozent aller österreichischen Schulkinder sind übergewichtig.
Neue Epidemie
"Wenn man Übergewicht als neue Epidemie und Volkskrankheit des 21. Jahrhunderts bezeichnet, dann ist das kein Alarmismus, sondern spiegelt tatsächlich eine problematische Entwicklung wieder", konstatiert Michael Kunze, Vorstand des Instituts für Sozialmedizin an der Medizinischen Universität Wien und spricht von einer gesundheitspolitischen Herausforderung. Warum? Es sind vor allem die mit dem Übergewicht einhergehenden Folgeerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, gestörter Fettstoffwechsel oder kardiovaskuläre Erkrankungen, mit denen MedizinerInnen zu kämpfen haben.
Die Therapie: "Adipositas-Patienten dabei zu unterstützen, einen neuen Lebensstil zu entwickeln", sagt Irene Ohnutek, Ärztin in der Adipositas-Ambulanz des Kaiserin-Elisabeth-Spitals in Wien. Statt Crash-Diät, also langfristig geplante Gewichtsreduktion, Ernährungsberatung und psychologische Begleitung.
"Unter ärztlicher Aufsicht können phasenweise auch Medikamente die Essensreduktion unterstützen", sagt Monika Lechleitner von der österreichischen Adipositas-Gesellschaft. Derzeit gibt es zwei Abnehmhilfen: einerseits den Fettaufnahmehemmer Xenical mit "erzieherischer Wirkung" - wer zu viel Fett isst, bekommt Durchfall - andererseits Reductil, ein ursprünglich als Antidepressivum entwickeltes Medikament, das als Appetitzügler eingesetzt wird, auf das PatientInnen aber oft mit Mundtrockenheit oder Schlafstörungen reagieren. "Gerade deshalb sind ärztliche Kontrollen wichtig, nicht jeder verträgt alles", sagt Lechleitner.
Ab Herbst kommt ein drittes Medikament zum Abnehmen dazu. Accomplia, so sein Name, hemmt nicht nur den Appetit durch Blockieren der für den Heißhunger verantwortlichen Endocannabinoid-Rezeptoren, sondern greift zudem Fettzellen direkt an und geht damit gezielt gegen gefährliches Bauchfett zwischen den Darmschlingen vor. Accomplia wiederum, hört man, kann depressiv machen. "Das sind bösartige Gerüchte der Konkurrenz", sagt Bettina Zadera vom Accomplia-Hersteller Sanofi-Aventis.
Das Problem aller drei Präparate: Sie werden von den Krankenkassen nicht bezahlt. Viele Adipositas-Kranke kommen aus einkommensschwachen Bevölkerungsschichten und können sich Medikamente zwischen 50 und 130 Euro die Packung und Monat ohnehin nicht leisten.
Für sehr fortgeschritten Adipositas-Kranke ab einem BMI von 40 ist schließlich die Operation der allerletzte Ausweg. Dabei wird der Magen mit einem Magenband oder Magen-Bypass verkleinert, das Hungergefühl damit reduziert. Langfristig sollten Fettleibige auf diese Weise neue Essverhalten erlernen.
Gegen Kilos kämpfen
Und jetzt die gute Nachricht: Jedes Kilo weniger zählt. "Schon bei einer Gewichtsreduktion von fünf bis zehn Prozent des Ausgangsgewichts ist beispielsweise eine 37-prozentige Verringerung des Krebsrisikos oder eine 44-prozentige Reduktion des Diabetesrisikos zu verzeichnen", berichtet Endokrinologe Bernhard Ludvik von der Medizinischen Universität Wien, wo derzeit auch Magenschrittmacher in klinischen Studien getestet und zudem die Mechanismen von Fettgewebshormonen für zukünftige Therapien genauer erforscht werden. Denn dick ist nicht gleich dick. Adipositas in ihren verschiedenen Schweregraden und die vielfältigen Begleiterkrankungen sind für die Medizin und das Gesundheitssystem generell eine komplexe Herausforderung: Die Gesamtausgaben für Adipositas-Therapie belaufen sich laut Schätzungen auf 1,15 Milliarden Euro pro Jahr.
"In der Betreuung von Adipositas-Kranken steht das Essproblem im Vordergrund. Gestörtes Essverhalten hängt oft mit Traumatisierung oder Vernachlässigung zusammen", erklärt Gabriele Haselberger, Psychologin bei "so what", einem Institut für Essstörungen in Wien. Allerdings: Nicht immer ist eine Essstörung an der Adipositas schuld, auch genetische Veranlagung beziehungsweise eine Kombination aus einer ganzen Reihe von Faktoren können für krankhaftes Übergewicht verantwortlich sein. Adipositas-Ärztin Ohnutek: "Abnehmen beginnt immer im Kopf." Trotz Leidensdruck ist es nicht leicht, weiß Betroffene Jäger: "Niemand lässt sich gerne im Kaffeehaus auslachen, wenn er zwischen den Armlehnen eines Sessels stecken bleibt." (Karin Pollack, DER STANDARD, Print, 10.7.2006)
Kanadische Umfrage bestätigt, dass jede siebente Frau regelmäßig damit kämpft - Ein Viertel der Frauen macht Sport nur aus Figurgründen
Magersucht-Patientinnen weisen auffällige Hirnveränderungen auf, zeigt eine neue deutsche Studie
Aktion à la "Brigitte": Durchschnittsfrauen anstelle von Models in den nächsten Heften
Reduzierte Dichte grauer Zellen könnte der Grund für die gestörte Wahrnehmung des eigenen Körpers sein
DesignerInnen sollen ermutigt werden, verschiedene Konfektionsgrößen, Figuren und Altersgruppen zu berücksichtigen
Das Model antwortete auf die Frage nach Lebensmotto mit "nichts schmeckt so gut, wie sich dünn sein anfühlt"
Vortrag und ChatHelp von intakt, dem Therapiezentrum für Menschen mit Essstörungen
Französische Abgeordnete fordert Kennzeichnungspflicht für bearbeitete Körper
Perfektionismus und Probleme mit Neuem: Neurologie sieht Gründe in Veränderungen im Gehirn, das gelernt hat, alternatives Verhalten zu unterdrücken
Die Forderung der Frauenbewegung "Mein Körper gehört mir!" wird bei der Anorexie in eine kranke Form gebracht, so die Psychologin Rahel Jahoda - dieStandard.at-Interview
Deutscher Philologenverband fordert Sperre der Internetforen
Missionieren Pro-Ana-Seiten zur Magersucht und gehörten verboten oder schaffen sie die Möglichkeit eines unzensurierten Austauschs? Eine dieStandard.at-Rundschau
Ursache, Heißhunger und Gegenstrategien: Die Ernährungswissenschafterin Karin Lobner diskutiert mit dem Soziologen Axel Philipps
Seit 1992 findet der "Anti-Diät-Tag" statt, an dem auf Schädlichkeit von Hungerkuren aufmerksam gemacht wird
Gesetzesentwurf soll Vorgehen gegen Webseiten, die Essstörungen als Lebensstil inszenieren, ermöglichen
Nur die Hälfte der Betroffenen sieht sich selber als zu dünn - Experte sieht gesellschaftlichen Zwang
Claudia Maria Traint analysiert in ihrem Buch "Im Wendekreis der Waage" das gesellschaftlich tabuisierte Thema Dicksein-Adipositas-Esssucht
"Gesundheitsausweis" an Widerstand der Models gescheitert: "Hexenjagd" - Nun wird ein Programm entwickelt
Pubertäre Anorexie beeinträchtigt den Knochenaufbau in einer wichtiger Phase und erhöht das Risiko von Brüchen und Osteoporose im Erwachsenenalter
Gastautorin Bettina F. verarbeitet ihre ambivalenten Gefühle ihrem Symptom gegenüber literarisch
Zum 10-jährigem Bestehen der Wiener Ess-Störungshotline wird Bilanz gezogen - 2000 Mädchen in Wien hätten ein akutes Risiko
Ein Buchtipp zur Psychologie der Dickleibigkeit und den Ursachen der Fettsucht
Essstörungen bei jungen SportlerInnen im Vormarsch - Ästhetische Sportarten besonders gefährdend
Einige Therapieformen, die sich bei Anorexie, Bulimie und anderen Krankheitsbildern mit gestörtem Essverhalten als hilfreich erwiesen haben
Caroline Knapp analysiert in ihrem Buch "Hunger" wie es kommt, dass Frauen heute zwar relativ gleichberechtigt sind, Essstörungen jedoch zunehmen - ein Buchtipp
Eine Puppe verkörpert die Anorexie - Auf einer DVD spricht sie mit einer Expertin über ihre Stärken und wie sie geschwächt werden kann
Was Gleichaltrige, die als Identifikationsfiguren fungieren, als normales Körpergewicht erachten, zählt bei weiblichen Teenagern: Studie zeigt Beeinflussung durch die jeweilige Peergroup
Magersucht als Lifestyle-Phänomen: Die Fotografin Yvonne Thein schockiert in ihrer Ausstellung mit digital veränderten Frauenkörper-Bildern
Eine ehemals an Binge Eating Disorder erkrankte Frau spricht im dieStandard.at-Interview über ihre Erfahrungen, Vermutungen und Hoffnungen
Therapeutin Rahel Jahoda über Ursachen, Therapieformen und Prävention an Schulen - Das Chat-Protokoll zur Nachlese
Bewegungsanalytikerin Gabriele Haselberger, Mitarbeiterin von intakt, hat für dieStandard.at einen Katalog an möglichen Maßnahmen zusammengestellt
Bettina F. hat Bulimie und ist eine von 200.000 Menschen in Österreich, die an einer Essstörung leiden - Eine Betroffene berichtet
Gabriele Haselberger, Expertin bei intakt, erklärte gegenüber dieStandard.at, was bei Binge Eating Disorder und Adipositas getan werden kann
In ihrem biografischen Dokument erzählt Lena S. über ihr Leben mit der Krankheit Anorexia nervosa - ein Buchtipp
Gesetzesentwurf sieht bis zu drei Jahre Haft und eine Geldstrafe von 45.000 Euro vor - Strafbestand soll auch für Internetseiten gelten
Vier Expertinnen eröffneten in Wien das neue Therapiezentrum "intakt" für Menschen mit Essstörungen - mit Ansichtssache
Warnsignale und Hinweise für den Umgang mit Betroffenen - zusammengestellt vom Institut "sowhat"
Das Institut für Menschen mit Ess-Störungen bietet seit kurzem eine neue Beratungs- und Informationsschiene
Die hypno-integrative Therapie in Hypnose scheint dazu geeignet, das Symptom Magersucht los zu werden
Ein geschichtlicher Abriss der Entstehung von Magersucht und Bulimie in medizinisch- psychologischen Wissenschaften
Ein fruchtbarer Versuch, Ess-Störungen literarisch zu bewältigen - Geschichten von Marina Jenkner als Buchtipp
Gabriele Haselberger, Bewegungsanalytikerin, im dieStandard.at- Interview über Körpertherapie bei Ess-Störungen
Essstörungen werden zum Teil von Medien provoziert, doch eindeutig Schuld daran sind sie nicht - Einfluss von Frauenmagazinen auf das Selbstbild junger Frauen untersucht
Ein Manual zur Körperbild-Therapie zeigt mögliche Auswege bei Anorexia und Bulimia Nervosa - Ein Buchtipp
Therapiezentrum bietet nun auch Online-Beratung für Menschen mit Essstörungen an
Eine Broschüre des Instituts "sowhat" klärt über das weite Feld der Ess-Störungen auf
Sabine Fabach und Bettina Reinisch vom Institut Frauensache über Problematik und Therapie von Ess-Störungen
Zitate bekannter Frauen über den weiblichen Körper und die gesellschaftlichen Ursachen des Schlankheitswahns
Eine ehemals an Magersucht erkrankte Frau berichtet in Tagebuchform vom Prozess ihrer Heilung
Was sehen ehemals magersüchtige Frauen als Ursachen für ihre Erkrankung?
Immer mehr Frauen erkranken in der Lebensmitte an Ess-Störungen - Der gesellschaftliche Druck, schlank zu sein, wächst
Linda Stift wählte für das Erzählen der Geschichte einer an Bulimie leidenden Frau eine außergewöhnliche Herangehensweise
Eine von Magersucht betroffene Frau spricht über ihre Krankheit und deren Ursachen
Unsichtbares spielerisch bewusst machen und auf diese Weise Veränderungen herbei führen
Aussagen einiger aktuell und ehemals von Magersucht und Bulimie betroffener Frauen