"Lebendig begraben"

Redaktion, 13. Juli 2006, 07:00
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    Häufig erhalten die Patientinnen vor Operationen nicht genügend Informationen.

Karin P. wurden beide Eierstöcke und die Gebärmutter entfernt. Im dieStandard.at-Interview spricht sie über das Leben danach

Vor fünf Jahren wurden Karin P. beide Eierstöcke und die Gebärmutter entfernt, seither ist nichts mehr wie vorher. Die Diagnose des Arztes: Die damals Vierzigjährige hatte Krebs, ein Adenokarzinom im Anfangsstadium. Zuerst hieß es, nur die Gebärmutter müsse entfernt werden, doch nach der Operation kam das böse Erwachen: "Zur Prävention" – wie der Arzt erklärte, hatte man Frau P. auch beide Eierstöcke entfernt. Sexuelle Lustlosigkeit, Depressionen und körperliche Beschwerden können die Folgen einer Eierstockentfernung sein. Mehrere ÄrztInnen erklärten Frau P. im Nachhinein, dass eine solche Totaloperation in ihrem Fall nicht nötig gewesen wäre. Eva Rasky von der Medizin-Uni Graz meint hingegen, bei Frau P.s Befund sei es üblich, Gebärmutter und Eierstöcke zu entfernen, um zu verhindern, dass der Krebs sich ausbreite. Auch wenn die Totaloperation die einzig lebensrettende Maßnahme gewesen sein sollte, bleibt eine Patientin, die sich über Folgen und Umfang ihrer Operation schlecht aufgeklärt fühlt.

dieStandard.at: Wie haben Sie erfahren, dass Sie operiert werden müssen?

Karin P.: Mein Arzt hat mir am Telefon gesagt, dass ich Krebs habe und sterben muss, wenn ich mich nicht operieren lasse. Im Krankenhaus war dann plötzlich die Rede von einer leichten Operation.

dieStandard.at: Man hat Ihnen vor der Operation ausdrücklich gesagt, ihre Eierstöcke werden nicht entfernt. Wie haben die ÄrztInnen begründet, dass sie doch entfernt wurden?

Karin P.: Als ich meinen behandelnden Arzt danach fragte, wusste er zunächst nichts davon. Später meinte er, man werde die Eierstöcke wohl vorbeugend entfernt haben. Ein anderer Arzt erklärte mir, dass man nur einen Teil der Gebärmutter entfernen hätte müssen, nicht die ganze, geschweige denn die Eierstöcke.

dieStandard.at: Wie ging es Ihnen nach der Operation?

Karin P.: Nach zwei Monaten fiel ich in ein tiefes Loch. Meine Libido war dahin und ich bekam ständig Schweißausbrüche. In dieser Zeit hatte ich oft Selbstmordgedanken. Plötzlich ist man weder Frau noch Mann – man fühlt sich wie lebendig begraben.

dieStandard.at: Was haben Sie unternommen?

Karin P.: Die PatientInnenanwaltschaft hat mir geraten, wegen der mangelnden Information zu klagen. Aber ich war so wütend, dass ich zu meinem Mann sagte, ich würde in die Stadt fahren, eine Waffe kaufen und die Ärzte erschießen, die mir das angetan haben. Ich fuhr dann tatsächlich in die Stadt, trank einen Kaffee und beruhigte mich wieder. Als ich nach Hause kam, hatte mein Mann die Polizei gerufen – für ihn ist die Situation auch nicht leicht. Nach dem Vorfall steckte man mich in die Psychiatrie. Am nächsten Tag holte mich die PatientInnenanwaltschaft wieder heraus.

dieStandard.at: Was haben Ihnen die Ärzte und Ärztinnen geraten?

Karin P.: Man wird immer wieder damit konfrontiert, dass einen Ärzte für verrückt erklären. Eine Frau darf sich nicht nur über ihre Gebärmutter und die Eierstöcke definieren, heißt es. Man will die Frauen mundtot machen.

dieStandard.at: Wie geht es Ihnen heute?

Karin P.: Es wird langsam besser, aber ich fühle mich, als wäre ich innerlich eine siebzigjährige Frau, ich habe auch untypische Beschwerden für mein Alter: offene Beine, Gelenksbeschwerden. Die Libido ist teilweise wieder zurückgekehrt, aber es ist nicht mehr das Gleiche wie vorher.

dieStandard.at: Fällt es Ihnen schwer, über die Operation zu sprechen?

Karin P.: Ich wohne in einem kleinen Dorf in Kärnten, wo ich mittlerweile viele Frauen mit einem ähnlichen Schicksal kennengelernt habe, die sich nicht darüber sprechen trauen. Aber wir dürfen uns nicht mundtot machen lassen. Wenn ich diesen Frauen die Homepage-Adresse von unserer neuen Selbsthilfegruppe femica gebe, sind sie sehr interessiert.

dieStandard.at: Was raten Sie Frauen in einer ähnlichen Situation?

Karin P.: In manchen Fällen ist eine Operation unumgänglich. Aber die Frauen sollten mehrere Ärzte konsultieren. Wichtig wäre, dass man genug Informationen bekommt, damit man selbst entscheiden kann und sich der Folgen bewusst ist. Mir wurde gesagt, nach der Operation sei alles gleich wie vorher. Wenn man die Entscheidung selbst treffen kann und sich der Konsequenzen bewusst ist, kann man auch leichter damit leben. (Donja Noormofidi)

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Posting 1 bis 25 von 187
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Böses Beelzemädchen
00
19.9.2007, 12:33
Wohin wenden?

Eine jugosl. Bekannte, die eine 2-Mann-Putzfirma hat, hat 2 (6cm) Myome in der Gebärmutter. Sie ist 40 Jahre u. hatte gestern Termin f. Total-OP., welchen sie verschob, da sie soviel zu putzen hat u. nach OP 6 Wo nicht schwer heben darf. Was kann ich ihr raten? Wer kann objektiv u. gebärmuterfreundlich beurteilen, ob OP notwendig ist oder nicht?

syber
00
im akh

ansehen lassen, da entscheidet nicht ein arzt allein.

Xochil
00
30.12.2007, 00:31

Und warum nicht Miomentfernung??? Warum muss gleich alles raus???
Ich hoffe, sie hat es noch nicht machen lassen.

grgr grn
00
18.9.2007, 23:36
Videodokumentation der OP?

Möglich? Erwünscht? Urheberrechtsprobleme?

Wolfs Mutter
01
was

haben die ganzen Haberer eigentlich ihre Klappe auzureißen, wie die Befindlichkeit der Betroffenen zu sein hat?

gehts eich no guat, Burschen?

Böses Beelzemädchen
00
23.9.2006, 21:38
Karin P. ist für mich die erste Frau, die nach einer

Entfernung der Gebärmutter u. d. Eileiter Libidoverlust beklagt. Es wird immer proklamiert, dass Hysterektomie der Libido keinen Abbruch täte, was ich bezweifle, da bei mir der Orgasmus durch d. Gebärmutter geht. Ich bin froh, dass Karin P. das aufzeigt u.das sollten auch andere betroff. Frauen äußern. Dann könnte bald kein Arzt behaupten, dass Hysterektomie keine Veränderungen mit sich bringt, nur weil Betroffene schweigen. Bei Krebserkrankung muss unbed. auch Risiko bedacht werden im Vermeidungsfalle. Der Mann meiner Nachbarin ist an Krebs gestorben. Seine Frau behauptet, dass er nur desh. gestorben sei, weil Krebs von d. entfernten Niere deshalb in Blase u.dann Leber gewandert sei, weil Ärzte vergessen hätten die Harnleiter zu entfernen.

Susi Stattnam
00
18.7.2006, 10:41
Noch arg: Mit gestrigem Datum wurde von der

Krankenkasse die Uebernahme von Kosten fuer Vaginalsonographie gestrichen....

Ich dachte ich hoere nicht richtig.

Wie soll hier denn ordentlich diagnostiziert werden? Mit Abtasten?????

Dann wird es ja noch mehr zur Zweiklassenmedizin:
die Frauen, die sich alle zwei Jahre die 60 Euro leisten koennen, und auch bei Ueberpruefung, ob die Wucherungen auf eventuell alternatives Treatment ansprecehn, haben Glueck, die anderen werden auf Krankenkassenkosten zum Ueberpruefen aufgeschnitten?

Wer weiss darueber Bescheid?

syber
00
mein gyn

will euro 50 fuer s ultraschall

athene 2003
00
26.10.2006, 23:29
wie bitte?

das stimmt nicht und kann auch nicht sein. vielleicht meinen sie eine sono in der arztpraxis direkt. aber die kostet m.w. doch immer schon. die kasse zahlt im akh - und das muss sie ja wohl auch, da geht es um kein brillengestell.

nina yankow
00
16.7.2006, 03:32
unglaublich I

was sich hier für postings finden! natürlich macht es keinen sinn, sich über die fortpflanzungsorgane als frau zu definieren, und natürlich müssen bei krankheiten wie krebs verschiedene dinge gegeneinander abgewägt werden, aber es sollte genauso eine selbstverständlichkeit sein, dass JEDER arzt 1. seine patienten vollständig über möglichkeiten, pro und contra, etc aufklärt, dass 2. JEDER arzt beschwerden ernst nimmt und sie nicht mit einem "kann nicht sein" abwinkt (vor allem dann nicht, wenn er ohnehin schon über solche beschwerden und die ursachen bescheid wissen müsste), dass im OP arbeitende menschen bei der sache sind und nur das tun, was sie tun "dürfen".

rosaluxembourg
00
16.7.2006, 12:27
danke für dieses posting-ich stimme Ihnen 100%ig zu

Genau das wollen die betroffenen Frauen aufzeigen. Denn sie sind alle mit großem Vertrauen zu den Operationen gegangen - und hinterher kam dann das böse Erwachen, das Erkennen über das Unwissen mancher ÄrztInnen und noch dazu die Demütigungen. Und jeder weiß, dass es in Österreich die Patientenrechte gibt...Was aber niemals heißt, dass das jeder Frau passiert ist. Es gibt viele extrem gute und einfühlsame MedizinerInnen. Und genau die müssen den anderen zeigen, wo es lang geht! Die Fortbildung muss per Gesetz überprüft werden! Und es muss das Tabu über die möglichen Folgen dieser Operationen fallen (auch in sexueller Hinsicht) - die Frauen und ihre Familien haben das Recht darauf!

nina yankow
00
16.7.2006, 03:32
unglaublich II

in diesem sinne ist es absolut zu befürworten, dass im medizin-studium ausgesiebt wird. solange im studium allerdings nicht ein korrekter umgang mit dem patienten erlernt und die (selbst)kritikfähigkeit geschult wird (ersteres nicht nur mit ein paar stündchen trockener vorlesung) nützt das natürlich auch nicht auch nicht viel

Birgit Fath-Jakusch
00
11.3.2010, 12:12
Zum derzeitigigen Ärzteimage

Ja, das ist das, was ich immer schon gesagt habe:
Solane den Bewerbern bei der Aufnahmeprüfung das Bild des abgehobenen Technikers, für den das Interesse am Patienten zweitrangig ist, und die Notwenigkeit, mit diesem zusammenarbeiten, nicht einsichtig sein muss, vermittelt wird, wird sich an diesem Zustand auch nicht viel ändern.

dr mike
00
23.10.2006, 11:05

Schreiben sie das etwa aus Erfahrung ?

hans wurst
 
01
16.7.2006, 12:37
was heißt da "was sie tun dürfen"

wenn der Arzt nicht operiert und der patient stirbt, steht er vor Gericht und ist auch der Buhmann.
Immer dieses scheinheilige Ärztebashing.

athene 2003
00
26.10.2006, 23:42
manchmal steckt einfach nur geld dahinter

eine freundin hat ihr erstes baby in einer privatklinik entbunden und sich später vorwürfe gemacht, weil man ihr solange einen kaiserschnitt aufschwatzte und angst machte, bis sie einwilligte. beim zweiten kind, das jetzt wirklich kein zentimeterchen schief lag, wollten sie ihr das wieder einreden. sie wechselte das kh und entband sehr normal und sehr schnell binnen keinen zwei stunden.

rosaluxembourg
00
16.7.2006, 13:52
niemand hat behauptet, dass ein Arzt nicht operieren darf! Es geht um die Aufklärung, mögliche Alternativen und Nachbetreuung

Wie oft muss man das hier noch ausdrücklich sagen, bis das endlich begriffen wird und die Dinge nicht dauernd verdreht werden!
Wo lesen Sie da ein "Ärztebasihng" heraus? Die Folgen spürt der Patient am eigenen Körper und jeder gute Arzt ist dankbar, wenn der Patient alles rückmeldet, wird alles tun, um ihm zu helfen, damit die Medizin immer besser wird und die neuesten Methoden auch angewandt werden!

Susi Stattnam
00
falls Sie es noch bekommen:

danke fuer Ihre Informationen und postings.
Ich konnte mich im Spital dadurch einer sogen. "Notoperation" entziehen und bin dabei alternative Moeglichkeiten auszuforschen.... die Zysten sind sehr gross geworden und ein Eierstock ist verstopft. Ohne die postings hier und die Information haette ich der Operation so wie der Arzt getan hat, sofort zugestimmt. Er hat uebrigens behauptet, die Eierstöcke haetten ausser zur Reproduktion (Kinder) keine Aufgabe. Auf der Gyn im AKH!!!! Danke.

athene 2003
00
26.10.2006, 23:36
vielsagend.

ich hatte anfang des jahres in einer andere sache im akh zu tun, die sich allem anschein nach als harmlos herausstellte, weil sich alles wieder einrenkte. deswegen ließ ich es dabei, ein lat. fremdwort nicht zu googeln. heute habe gegoogelt, und weiß, dass ich mir falsche vorstellungen vom organ/leiden gemacht habe. und weiß auch, dass ich bei aufklärung, was mein leiden hätte sein können, auf eine nachuntersuchung bestanden hätte. diesmal gehe ich der sache sehr genau nach. wahrscheinlich irrt man sich meistens. allein das gefühl aber, nicht richtig aufgeklärt oder verstanden zu werden, sollte man nicht so stehen lassen. man könnte es bereuen.

15adu
00
16.7.2006, 07:33

wird sicher nicht besser nach immer schlechterwerdendem bildungsniveau u mcdonaldsakademikern.

15adu
21
15.7.2006, 23:09

"Aber die Frauen sollten mehrere Ärzte konsultieren." oba geh

siliconvalley
00
19.7.2006, 23:30
2. Meinung

man sollte mindestems eine 2. Meinung einholen, bevor man jemanden an sich rumschnippeln laesst. Wenn ich daran denke, welch gequirlte Sch... ich mir von Aerzten schon anhoeren musste. Mich hat man mit Lungenkrebs fehldiagnostiziert (obwohl der bei 40 jaehrigen Nichtrauchern nicht ganz so hauefig vorkommt), die gesunde Lunge samt Lymphknoten rausgeschnitten. Die Folgen: katastrophal, Lungenvolumen schlechter als meine 69 J. alte Mutter. Nach der OP hat mich die Chirurgin noch angelogen, um den Fehler zu vertuschen, sprach von "niedriggradigem Krebs" wo gar keiner war. Die Wahrheit erfuhr ich nach Einsicht in meine Unterlagen. In USA ist das Einholen einer 2. Meinung vor OP normal, sollte auch in Oe. Standard werden.

athene 2003
00
26.10.2006, 23:38
das ist ja katastrophal. ich hoffe, sie haben bald

geklagt, wenig ärger mit der klage gehabt und dass es ihnen besser geht.

15adu
00
26.7.2006, 18:53

das ist wirklich schrecklich, ein verbrechen, einfach schade, dass man hierzulande nicht wie in der usa zu seinem recht kommt.

dr mike
00
23.10.2006, 11:07

Man kann auch in Österrich eine 2 Meinung und noch dutzende weitere dazu einholen ehe man sich zu irgendeiner Behandlung entscheidet.

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