Weibliche Mitglieder des Südtiroler Schützenbundes halten nichts von Lederhosen und Waffen und grenzen sich von "Ausnahmefall" ab
Bozen - Die Marketenderinnen im Südtiroler Schützenbund
wollen nicht zur Waffe greifen und auch keine Männertrachten, wie zum
Beispiel Lederhosen, tragen. Dies haben sie am Donnerstag auf einer
Pressekonferenz in Bozen betont. Hintergrund ist die Aufregung über
ein weibliches Schützenmitglied im Pustertal, das in Männertracht und
Waffe bei den Schützen mitmarschiert war.
Verweis auf Prostitution
Der Schützenbund (SSB) hatte dies später untersagt und die
Kompanie Oberwielenbach zur Ordnung gerufen. In der aufgeflammten
Polemik verwies dann die SVP-LAbg. Julia Unterberger darauf, dass
Marketenderinnen oft auch Prostituierte gewesen seien.
Beate Niederstätter, die Jugendreferentin im Schützenbund, wies
dies am Donnerstag entschieden zurück. In Tirol habe es nie
Söldnerheere und Angriffskriege gegeben. Damit habe es auch keine
"Marketenderwagen" zur "Versorgung" der Soldaten gegeben. Dies sei
etwa in Deutschland zum Beispiel während des 30-jährigen Krieges der
Fall gewesen. Dies aber auf Tirol zu übertragen, sei "an den Haaren
herbeigezogen", sagte Niederstätter.
Frau
in Männertracht sei "Maskerade"
Marketenderinnen hätten sich die Erhaltung der Tracht auf die
Fahne geschrieben. Es gebe eben Männer- und Frauentrachten. Eine Frau
in Männertracht sei "Maskerade", betonte Niederstätter mit Bezug auf
den Fall im Pustertal.
Die Ausnahme
Die "Schützin" in Oberwielenbach, Claudia Antenhofer, stehe vor
der Wahl, auszutreten oder wieder die Rolle einer Marketenderin
einzunehmen, erklärte der Kultur- und Bildungsreferent im
Schützenbund, Peter Piock. Piock berichtete, dass Antehofer seit dem
Jahr 2000 mit den Schützen mitmarschiert und auch mit der Waffe
exerziert habe. Dies sei auf Grund eines Versprechens erfolgt, dass
es keine andere Möglichkeit zum Ersatz gebe, wenn ein Mann der
16-köpfigen Formation fehle.
Da dies nur auf das Dorf begrenzt und dies nicht eingehalten
worden sei, habe der Schützenbund im Jahr 2003 die Zulassung zum
Abschießen der Waffe entzogen. Auch dies sei nicht einhalten worden.
Kein Bedarf
Ob es einmal "Schützinnen" in Südtirol geben werde, soll "zu
gegebener Zeit" behandelt, wie es bei der Pressekonferenz hieß.
Derzeit gebe es keinen Bedarf, erklärte die Schützenführung. (APA)