Südtiroler Marketenderinnen: Frau in Männertracht sei "Maskerade"

Redaktion, 07. September 2006 12:34

Weibliche Mitglieder des Südtiroler Schützenbundes halten nichts von Lederhosen und Waffen und grenzen sich von "Ausnahmefall" ab

Bozen - Die Marketenderinnen im Südtiroler Schützenbund wollen nicht zur Waffe greifen und auch keine Männertrachten, wie zum Beispiel Lederhosen, tragen. Dies haben sie am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Bozen betont. Hintergrund ist die Aufregung über ein weibliches Schützenmitglied im Pustertal, das in Männertracht und Waffe bei den Schützen mitmarschiert war.

Verweis auf Prostitution

Der Schützenbund (SSB) hatte dies später untersagt und die Kompanie Oberwielenbach zur Ordnung gerufen. In der aufgeflammten Polemik verwies dann die SVP-LAbg. Julia Unterberger darauf, dass Marketenderinnen oft auch Prostituierte gewesen seien.

Beate Niederstätter, die Jugendreferentin im Schützenbund, wies dies am Donnerstag entschieden zurück. In Tirol habe es nie Söldnerheere und Angriffskriege gegeben. Damit habe es auch keine "Marketenderwagen" zur "Versorgung" der Soldaten gegeben. Dies sei etwa in Deutschland zum Beispiel während des 30-jährigen Krieges der Fall gewesen. Dies aber auf Tirol zu übertragen, sei "an den Haaren herbeigezogen", sagte Niederstätter.

Frau in Männertracht sei "Maskerade"

Marketenderinnen hätten sich die Erhaltung der Tracht auf die Fahne geschrieben. Es gebe eben Männer- und Frauentrachten. Eine Frau in Männertracht sei "Maskerade", betonte Niederstätter mit Bezug auf den Fall im Pustertal.

Die Ausnahme

Die "Schützin" in Oberwielenbach, Claudia Antenhofer, stehe vor der Wahl, auszutreten oder wieder die Rolle einer Marketenderin einzunehmen, erklärte der Kultur- und Bildungsreferent im Schützenbund, Peter Piock. Piock berichtete, dass Antehofer seit dem Jahr 2000 mit den Schützen mitmarschiert und auch mit der Waffe exerziert habe. Dies sei auf Grund eines Versprechens erfolgt, dass es keine andere Möglichkeit zum Ersatz gebe, wenn ein Mann der 16-köpfigen Formation fehle.

Da dies nur auf das Dorf begrenzt und dies nicht eingehalten worden sei, habe der Schützenbund im Jahr 2003 die Zulassung zum Abschießen der Waffe entzogen. Auch dies sei nicht einhalten worden.

Kein Bedarf

Ob es einmal "Schützinnen" in Südtirol geben werde, soll "zu gegebener Zeit" behandelt, wie es bei der Pressekonferenz hieß. Derzeit gebe es keinen Bedarf, erklärte die Schützenführung. (APA)

Nachlese

"Frau als Landeskommandantin unmöglich"
Fall einer Marketenderin, die mit Gewehr und in Männertracht antrat, sorgte für frauenfeindlichen "Unmut"
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13 Postings
cipf
 
08.09.2006 11:38

Möglicherweise bin ich zu blöd die Aussage dieses Artikels zu verstehen.
Isses jetzt gut, wenn auch Frauen "Schützen(Schützinnen)" sind oder nicht?
Ist es besser, wenn Frauen "nur" Marketenderinnen sind oder nicht?
Ist es gut, dass es Männertracht und Frauentracht gibt, oder soll mann zum Gamsbarthut ein Dirndl tragen?
Regt man(n) sich darüber auf, dass eine Frau in ein geschütztes Gebiet eingedrungen ist?
Tu mir ein wengerle schwer mit dem Artikel.

peeperonata
08.09.2006 13:51
die message ist:

seit frau antenhofer mitmarschiert, ist es möglich zur schützenkompanie schützInnenkompanie zu sagen.

bevor sich aber kein marketender findet, der bereitwillig schnaps ausschenkt, heißen die marketenderinnen weiterhin so und nicht etwa marketenderInnen.

siliconvalley
07.09.2006 21:40
Es gebe eben Männer- und Frauentrachten.

na die Kleiderordnung hat sich in den letzten Jahrzehnten aber schon ein bisschen geaendert. Jedenfalls sehe ich kaum Frauen in Korsett und Reifrock herumlaufen. Wenn Frauen im Alltag die ehemals traditionelle Maennertracht "Hosen" anhaben koennen, dann sollte das bei den Schuetzen doch auch gehen. Ein anachronistischer Verein sind sie sowieso.

David Haardt
07.09.2006 16:12
Die ham Sorgen...

Völlig fernab jeder Realität.

Schottentor U-Bahn
08.09.2006 10:36

Fernab IHRER Realität, Signore Haardt.

Für die Leute selbst ist es Realität.

Aber für Sie gibt es ja nur eine Wahrheit, nämlich Ihre eigene, gell?

Herr Franz, Kellner iR
07.09.2006 17:59
warum

fällt mir beim satz "fernab jeder realität" der mai-aufmarsch der wiener sozis ein?
ich komm nicht drauf...

X Y
07.09.2006 20:33
Na,

weil Sie in Wirklichkeit die Performance der jetzigen Bundesregierung meinen!
Und, ist Ihnen jetzt geholfen? Dankesbezeugungen sind gar nicht notwendig. Was tut man nicht alles, um seinem Mitbürger zu helfen.
Ceterum censeo, dass allen Frauen, die das so wollen, unbedingt die Möglichkeit gegeben werden sollte, mit einem Gewehr im Gatsch zu marschieren, womöglich anstatt eines Jungmannes statt nur zur Ergänzung.... halt, Tschuldigung, falsche Kolumne.
Die Schützen sind ja net wirklich eine private Organisation, aber ich nehme an, sie werden als solche behandelt. Daher können Beschwerden wohl gleich ans Salzamt geschickt werden. Da hilft nur eines -auswandern. Je konservativer die Region, desto schlechter die Luft, hohe Berge hin oder her.

Herr Franz, Kellner iR
08.09.2006 16:31
irgendwie

weiß ich nicht wirklich, was sie mir sagen wollen. und deshalb sag ich ihnen eines: schönes wochenende. in südtirol und überall anders auch. ;o)

Günther Schmarl
 
07.09.2006 15:53
Diese Aufregung

Da fühlen sich wohl ein paar meiner Geschlechtsgenossen auf den Schlips getreten. Es ist jetzt wirklich an der Zeit eine Kompanie von Flintenweibern zu gründen um allen denen die sich darüber mokieren , dass auch eine Frau zur Tradition stehen kann eins auszuwischen. Diese Frau ist ganz sicher noch nie mit einem Vollrausch ausfällig geworden wie mancher männlicher Schütze , in solch einem Fall ist noch nie jemand auf die Idee gekommen eine solche falsche Pflege der Tradition anzuprangern. Es gibt kein Gesetz das verbietet dass eine Frau nicht in Uniform bei einer Schützenkompanie mitmarschieren kann . Es ist eine Maskerade wenn sich Männer in Schützentracht sinnlos besaufen und sich benehmen wie das letzte Aufgebot.

peeperonata
07.09.2006 15:20

vermutlich haben die südtiroler marketenderinnen das buch von eva hermann schon vorab bekommen.

Rosa Stahl
07.09.2006 12:19

"zu gegebener Zeit..."

Werte Herren, ihr habt noch nicht begriffen, dass eure Zeit schon längst abgelaufen ist.

Hofrat Geiger
07.09.2006 20:28
Sie finden also ...

... die Frauen sollten als Endziel ihrer Emanzipation dieselben Fehler wiederholen, die die Männer seit Jahrhunderten begangen haben? Das wäre ein Fortschritt, in der Tat.

Nightstallion
07.09.2006 13:24
In der Tat.

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