"Zwangsheirat steht am Ende eines Leidensweges"

Redaktion, 05. Dezember 2006 11:26

Die Berliner Opferschutzeinrichtung "Papatya" kümmert sich um Mädchen, die vor der Zwangsverheiratung flüchten

"Zwangsheirat" - das Thema hat in den letzten zehn Jahren geradezu einen Hype in Medien und politischen Gremien erfahren. Ein Grund mehr für die Grünen, die Debatte jenseits von Instrumentalisierung und Verharmlosung zu "versachlichen", wie Grünen-Menschenrechtssprecherin Alev Korun vergangenen Dienstag bei einer Diskussionsveranstaltung unter dem Titel "Zwangsheirat – Mythos und Realität" in der Wiener Urania betonte. Zu ebenjener Versachlichung trug ein Vortrag von Birim Bayam von "Papatya" bei, einer Kriseneinrichtung für junge Migrantinnen in Berlin. Seit 20 Jahren arbeiten die engagierten Sozialarbeiterinnen dort mit von Gewalt betroffenen Migrantinnen - das Problem der Zwangsverheiratung kennen sie beinahe ebenso lang.

"Meine Eltern bringen mich um"

Ein Satz, den Bayam oft hört, wenn die Mädchen zu ihnen kommen: "Meine Eltern bringen mich um, wenn sie mich finden". Die Flucht in die Beratungsstelle - meist über Umwege wie Polizei oder Krankenhaus - steht fast immer am Ende einer langen Geschichte von Gewalt und Bevormundung innerhalb der Familie, denen die Minderjährigen ausgesetzt sind. Durchschnittlich 60 Mädchen nimmt die Beratungsstelle pro Jahr bei sich auf. Im Jahr 2004 waren 29 Mädchen von Zwangsheirat betroffen.

Warum die Eltern eine Heirat erzwingen wollen, habe unterschiedliche Gründe, so Bayam. Sie kann als "Disziplinierungsmaßnahme" verstanden werden, ähnlich wie der in unseren Breitengraden bekannte Ausspruch "Jetzt kommst du ins Heim". Eine schnelle Verheiratung biete den Eltern einen Lösungsweg aus der Angst, die Tochter könne einen Freund haben oder sich generell vom erwünschten Lebensstil entfernen.

Stärkung der Familienbande

Neben einer weiteren Immigrationsmöglichkeit sehen viele Familien damit auch eine Stärkung der eigenen Familienbande. Gängig auch die Motivation, die Tochter angesichts der eigenen finanziellen Situation so bald wie möglich zu "versorgen": Bayam verwies darauf, dass eine große Anzahl der Mädchen aus sozial schwachen Familien kommen, 40 Prozent sind sogenannte Scheidungskinder und/oder wurden seit Jahren zwischen den Verwandten hin und hergereicht. "Wenn das eigene Leben schon nicht den traditionellen Bildern entspricht und der Sohn womöglich im Gefängnis sitzt, dann muss zumindest die Tochter jungfräulich in die Ehe gehen", skizzierte die Papatya-Mitarbeiterin die widersprüchliche Sichtweise der Eltern.

Arrangiert oder erzwungen?

Keine klare Unterscheidung gibt es zwischen arrangierter und erzwungener Heirat, doch zumindest bei Minderjährigen spricht man eindeutig von Zwang. Unter welchen Bedingungen eine Zustimmung zu einer arrangierten Hochzeit erfolgt, sei jedoch fraglich: "Viele dürfen nicht einmal über das Modell ihrer Schuhe entscheiden, sollen dann aber wissen, welchen Mann sie heiraten wollen."

Gesetzliche Maßnahmen

Gesetzliche Regelungen, die ihre Arbeit erschweren, kennt Bayam einige. So verwehrt das deutsche Jugendamt, mit dem die Einrichtung zusammenarbeitet, jegliche Unterstützung für volljährige Mädchen. "Wir wissen aber, dass genau im Alter von 18 Jahren viele Mädchen erst den Mut fassen von zu Hause wegzugehen. Zum Teil wollen sie damit ihre Eltern schützen, die ihnen ja meistens auch sehr am Herzen liegen. Der Staat sagt hier aber, jetzt bist du unabhängig, zeig wie du dich durchsetzen kannst." Ein anderes großes Problem sei die Gebundenheit des Aufenthaltsstatuses an einen fixen Wohnort. Zahlreiche Mädchen kann die Einrichtung deshalb nicht bei sich aufnehmen, weil sie in Berlin kein Aufenthaltsrecht haben. Doch gerade im Fall von Zwangsheirat, wo sich die Betroffenen auch Drohungen durch das familiäre Umfeld ausgesetzt sehen, sei ein Ortswechsel oftmals sehr ratsam. Da der Aufenthalt bei Papatya auf zwei Monate begrenzt ist, seien dringend Folgeeinrichtungen nötig sowie Sensibilisierungsmaßnahmen für Lehrkörper, schloss die Expertin. (freu)

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Papatya

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roman_lenzhofer
26.09.2006 09:02
die deutschen grünen sind ja nicht die österreichischen grünen

taz: frauenanwältin gibt auf
http://www.taz.de/pt/2006/0... 169.1/text

die reaktion der deutschen grünen (sinngemäß): es ist schade, dass der staat eine engagierte frau nicht genügend schützt.

ja nicht die gewaltbereiten (moslemischen?) männern sind schuld, der staat hat wieder einmal versagt. die männer sind ja eigentlich auch opfer. weil unsere gesellschaft halt ist wie sie ist.

Susi Stattnam
26.09.2006 10:44
es ist immer noch Aufgabe des Staates die StaatsbuergerInnen

in dem Ausmass zu schuetzen, dass TaeterInnen eben niemanden mundtot machen oder umbringen oder gefaehrden koennen.

Das ist die Aufgabe des Staates. Wenn der Staat da versagt, ist es natuerlich ein Fehler des Staates.

Rosa Stahl
28.09.2006 12:54

Ist halt ein leidiges Problem mit dem Staat. Wo immer er was zu tun hätte macht er Fehler. Staatsversagen nennt man das. Und es ist ein häufiger Fehler. Man darf sich also fragen, ob ein überbordener Staat berechtigt ist.

roman_lenzhofer
26.09.2006 18:17

van gough ein opfer der niederländischen justiz?

oder: willst du muslimische frauen schützen, musst du naher schutzprogramme nützen.

will man dauernd beschattet werden, auch wenn es die polizei ist?

ich bleib dabei. typisch grün: der staat ist täter. die frauenfeindlichkeit, die heute in vielen muslimischen ländern herrscht und nach europa importiert wird, wird nicht einmal angesprochen. solche verhalte löst man mit, der staat hat bei der integration versagt. oder die inländer erschweren die integration durch distanz.

Susi Stattnam
30.09.2006 11:57
ja.

van gough ist ein opfer der niederlaendischen Politik der Toleranz und ein Opfer der niederlaendischen Exekutive, die nicht faehig waren, ihn so zu beschuetzen, dass ihm nichts passieren kann.

Es ist schon klar, dass gegen Terrorismus nicht allzu viele Moeglichkeiten bestehen, aber z.b. einen Polizeischutz abzustellen, z.B. fuer jene Rechtsanwaeltin, die in Deutschland jetzt wegen fehlendem Polizeischutz untertauchen musste, weil ihr Leben dauernd bedroht wurde, waere doch das Mindeste. Ist aber nicht passiert.

roman_lenzhofer
05.10.2006 09:46

ich nehme hiermit zur kenntnis, dass wir verschiedene ansichten zum thema haben und eine weitere annäherung schwer möglich ist.

Susi Stattnam
30.09.2006 11:54
noch einmal>

wer sonst sollte denn bitte schoen Kriminelle verhaften, beobachten etc. als die Polizei? Sonst gibt es ja die Lynchjustiz, die aber ganz sicher nicht das Symbol einer demokratischen Regierung sein kann.

In UK werden Sie eingesperrt, wenn Sie sich in Ihrem eigenen Haus gegen Einbrecher wehren. Einbrecher bekommen Schadensgeld, weil sie beim Einbrechen sich durch unsicheres Dach z.B. Verletzt haben. Das ist dann wieder die andere Seite, wo zu viel Staatsbestimmung herrscht.
Aber Taeter als Taeter bezeichnen, jedoch nichts zu unternehmen, ist wohl doch ein wenig zu viel Selbstbestimmung.

Rosa Stahl
28.09.2006 12:55

Tatsächlich, es ist ein eigenartiges Phänomen bei den Grünen: auf der einen Seite radikalfeminismus, auf der anderen seite werden die muslimischen Ultrakonservativen unterstützt.

nick morgenland
 
25.10.2006 17:42

unterstützung der muslimischen ultrakonservativen?

15adu
28.09.2006 17:50

genau hier wird das in sich widersprüchliche weltbild der grünen evident

Promille Prolet
06.11.2006 11:14
Schnittmenge Selbstzerstörung

Eine elegante logische Lösung des Paradoxons:

Die Grünen befürworten alles, das selbstzerstörerisch wirkt, um ein möglichst grosses Chaos zu erzeugen. Ob radikalislamistisch, ultrafeministisch, oder steinzeitkommunistisch ist dabei egal.

Da haben Sie Ihre Erklärung...
:-)))

sylvia29
26.09.2006 22:06
justiz?

oder doch eher exekutive?

roman_lenzhofer
26.09.2006 19:22

nacher natürlich

Captain Smoker
25.09.2006 21:44
"und der Sohn womöglich im Gefängnis sitzt" - wie vorurteilsfrei.

woessman
 
26.09.2006 11:33
""und der Sohn womöglich im Gefängnis sitzt" - wie vorurteilsfrei"

die worte stammen von frau Birim Bayam.
vielleicht hat sie ja einen gewissen einblick?

Para Dox
27.09.2006 08:28
OT: Woessman, so geht's nicht

Lies mal bitte unter "Zwangsheirat: Grüne fordern ..." unsere Postings nach.

Zuerst postest du in deiner eigenen Verwirrtheit unter das falsche Posting (wie sich nachträglich herausstellt) und unterstellst mir dann auch noch, nachdem ich dich darauf hingewiesen habe, dass dein Posting keinen Sinn ergibt, dass ich einfach blind daruflos poste.

Ich bin aber durchaus bereit eine Entschuldigung zu akzeptieren.

Schubidu
27.09.2006 16:02

Was hast du denn für eine Postingkultur? Heulst hier wie ein in der Ehre Gekränkter herum und stalkst andere Poster :-/

woessman
 
27.09.2006 15:11

was haben die worte von frau Birim Bayam mit dem artikel "Zwangsheirat: Grüne fordern ..." zu tun?

irgendwie scheinen Sie da einiges durcheinander zu bringen.
aber irren ist menschlich, daher fordere ich keine entschuldigung von Ihnen.

Para Dox
28.09.2006 08:57
OT bedeutet Off Topic

Für Newbies:

http://de.wikipedia.org/wiki/Off_topic

Banausen!

Schubidu
28.09.2006 12:06

[ ] Du kennst den Unterschiede zwischen Usenet, Mail und Forum.
[ ] Du hast den Sinn von OT verstanden.
[ ] Du weißt was man unter "Öffnen eines Beitrages" versteht.

anders and
 
26.09.2006 06:14
was ist ein Vorurteil?

Sicher nicht die tägliche Realität, die Frau Bayam da wiedergibt.
Sozial schwache und ausgegrenzte jugendliche Ausländer werden halt stärker beobachtet, schneller angezeigt, schneller verurteilt, wenn sie einen Blödsinn machen, als unsere Mittelschichtkids.
Wahrscheinlich treiben sie auch mehr Unfug, was ja nicht so unverständlich ist.

Promille Prolet
03.11.2006 09:58
Vorurteil...

Es gibt auch Urteile, die nicht Vorurteile sind. Man müßte sie halt Nachurteile nennen.

Die meisten Verallgemeinerungen sind aber Vorurteile.

Huch! Das ist ja schon wieder ein Vorurteil.

uinsel
26.09.2006 00:41

das war wohl verdeutlichung der irrationalität der entscheidung und weniger ein vorurteil.

Rote Zecke
25.09.2006 17:22
Zwangsheirat wie überhaupt Unterdrückung von Frauen ist kein religiöses, sondern tatsächlich ein kulturelles Phänomen - nämlich das einer patriarchalen Kultur,

wie wir sie auch bei uns noch nicht völlig überwunden haben.

All das, was wir heute den Moslems ankreiden, gab es früher auch bei uns, am Land ist es noch gar nicht so lange her. Frauen, die Kopftücher trugen, nicht alleine fortgehen durften, verheiratet wurden, dem Manne untertan zu sein hatten.

Wenn's nach so manchen christlichen Fundamentalisten ginge, hätte sich bis heute nicht viel daran geändert. Es waren die "Sozis" und die "Emanzen", die das bei uns geändert haben, und es wird fortschrittlich denkende Menschen und für ihre Freiheit kämpfende Frauen auch in der islamischen Gesellschaft geben.

Denn diese Art, mit Frauen umzugehen, ist einzig und allein Ausdruck des Patriarchats, welches die Religion als Mittel zum Zweck benutzt.

Promille Prolet
03.11.2006 10:04
Das ist ME schon ein religiöses...

allerdings nicht bloß ein islamisches, sondern alle Religionen betreffendes Problem.

Wahrscheinlich deswegen, weil alle Religionen vor so langer Zeit entstanden sind, und damals die Unterdrückung der Frau überall üblich war.

Religionen lassen sich auch nur sehr widerwillig reformieren. Der Islam dazu besonders schwer, weil er eine direkte Reformverbotsklausel fix eingebaut hat.

Europa hat sich von "seiner" Religion sehr weit entfernen müssen, um eine relativ freie Gesellschaft entwickeln zu können. Das war ein harter und langer Kampf.

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