Menschenrechtssprecherin Korun will geflüchtete Mädchen nicht in Frauenhäusern unterbringen
Wien - Die Wiener Grünen fordern mehr Hilfe für die Opfer
von Zwangsheirat. Notwendig wäre eine eigene - auch psychologische -
Beratung für die betroffenen Frauen und Mädchen sowie die Schaffung
eigener Notunterkünfte in allen Bundesländern, so
Menschenrechtssprecherin Alev Korun am Mittwoch in einer
Pressekonferenz. In Wien würden als erster Schritt zehn Wohnplätze
benötigt, meinte sie.
Zahl der Betroffenen
Wie viele Frauen in Österreich von der zwangsweisen Verheiratung
betroffen sind, ist nach Angaben der Grünen unbekannt. Der Verein
"Orient Express", der sich in Wien der Problematik angenommen hat,
hat im Vorjahr 46 Personen beraten, davon 27 mit österreichischer
Staatsbürgerschaft, so Korun. Als Herkunftsländer der Familien
scheint eine Vielzahl von Ländern auf, von der Türkei über Indien bis
Ägypten. Die vom Wiener Frauenressort versprochene Studie dazu liege
noch nicht vor, hieß es.
Die von Korun geforderte Opferschutzeinrichtung für Wien könne sich an der Berliner Einrichtung "Papatya" orientieren (siehe: "Zwangsheirat ist das Ende eines Leidensweges". Die bestehenden
Frauenhäusern seien der falsche Ort für die Betroffenen.
Gesetzliche Mängel
In Zusammenhang mit dem Thema Zwangsheirat kritisieren die Grünen einmal mehr die gesetzlichen Bestimmungen für durch Familienzusammenführung eingewanderte Migrantinnen. In den ersten fünf Jahren ihres Aufenthalts erhalten sie keine vom Ehegatten unabhängige Aufenthaltsgenehmigung, was zu großer Abhängigkeit gegenüber dem Ehemann führt. Die Grünen fordern deshalb die Schaffung eines eigenständigen Aufenthaltsrechtes inklusive Arbeitsmarktzugang für jene Frauen.
In Wien vermissen die Grünen die Unterstützung der
Stadtregierung für ihre Forderungen. In Sachen Beratung sei etwa das von der Rathaus-SPÖ
immer wieder ins Treffen geführte Krisenzentrum für Mädchen in
Nußdorf nicht ausreichend, so Korun. Die Schaffung einer eigenen
Einrichtung sei jedoch bei den rot-grünen Verhandlungen im Vorjahr in
Wien am Widerstand der SPÖ gescheitert.
SPÖ setzt auf Aufklärung
Die SPÖ betonte in einer Stellungnahme die Zusammenarbeit der Stadt Wien mit dem Verein "Orient Express". Des weiteren hätten bereits diverse Seminare für Wiener PflichtschullehrerInnen zum
Thema Zwangsheirat begonnen. Für Herbst kündigte die stellvertretende
Vorsitzende des Wiener Integrationssausschusses, Gemeinderätin
Martina Ludwig, die Publikation einer Studie zum Thema Zwangheirat an. "Auf
Basis der Studien-Ergebnisse sollen in weiterer Folge
maßgeschneiderte Maßnahmen gegen Zwangheirat konzipiert und umgesetzt
werden", heißt es in der Aussendung. (APA/red)