Unterschiedliche Frauenrollen und Elfriede Jelineks Lieblingsfilme im Rahmen des Internationalen Filmfestivals in Wien
Spielfilme
"L'Année suivante" (F 2006): Die 17-jährige Emmanuelle wohnt in einem Pariser Vorort. Jeden Tag fährt die junge Frau in das Spital, in dem ihr todkranker Vater liegt. Als dieser stirbt, bleiben Mutter und Tochter alleine übrig, aber nur Emmanuelle scheint den Vater zu vermissen. Sie schaut sich alte Fotos an und lauscht den Tonbandaufnahmen seiner Stimme. Für die Mutter geht das Leben weiter, während Emmanuelle keinen Bezugspunkt mehr hat und keine Freude am Leben mehr empfindet. Ruhe findet sie nur in den endlosen, täglichen Pendelfahrten mit Bus und U-Bahn, die ihrem Leben einen Rhythmus geben und sie an die letzten gemeinsamen Momente mit ihrem Vater erinnern. "L'Année suivante" ist ein Film über den unwiderruflichen Verlust eines geliebten Menschen, über das Ende der Jugend und den abrupten Beginn des Erwachsenenlebens. "Ça brûle" (F 2006): Ein junges, leidenschaftliches Mädchen, das sich in einen um vieles älteren Mann verliebt. Ein Begehren wider alle Vernunft und gerade deshalb so stark und erfinderisch, um in einer Gesellschaft zu bestehen, die eine solche Verbindung nicht will. (Filmvorführung in Anwesenheit von Claire Simon.) "Come Early Morning" (USA 2006): Lucy ist eine Frau Mitte dreißig aus einer Kleinstadt im Süden der USA. Im Normalfall beginnt für sie der Tag damit, dass sie mit einem furchtbaren Kater aufwacht - und neben einem Mann, den sie am liebsten nicht einmal mehr ansehen möchte. Angetrieben von einer nuancierten Darbietung Ashley Judds und einer effizienten Erzählweise geht es in "Come Early Morning" um Lebensübergänge, der Suche nach Liebe und den Lasten, die wir alle mit uns herumschleppen. "Digital Short Films 2006 - Talk to Her" (Zwei Spielfilme aus Südkorea 2006): "No Day Off" von Eric Khoo verfolgt über einen Zeitraum von vier Jahren das Leben von Siti, einer jungen Frau, die ihren Mann und ihr Kleinkind in ihrem Heimatdorf zurücklässt, um als Dienstmädchen in Singapore zu arbeiten. Aus der Perspektive Sitis erzählt, schildert der Film von den Prüfungen und Leiden, welche die junge Frau in den Diensten dreier verschiedener Familien durchlebt. "Du hast gesagt, dass du mich liebst" (D 2005): In diesem Film von Rudolf Thome ist Hannelore Elsner eine Frau zwischen Areit und Einsamkeit, zwischen Älterwerden und neuer Liebe. (Filmvorführung in Anwesenheit von Rudolf Thome und Hannelore Elsner.) "In Between Days" (USA/Kanada 2006): Der Film der Regisseurin Kim So erzählt von einem pubertierenden Mädchen aus Südkorea, das so viel Sprachlosigkeit und Verlorenheit aus ihrem alten Leben mit nach Toronto genommen zu haben scheint, dass sie sich in ihrem neuen, kanadischen fast völlig isoliert. "Kaleldo" (Philippinen 2006): Der verwitwete Holzschnitzer Mang Rudy hat drei Töchter: Grace, die jüngste, die zu Beginn heiratet. Lourdes, die mittlere, die berufstätig ist und eine Affäre mit einem Kollegen hat. Und Jeff, die älteste, die aus ihrem Lesbisch-Sein kein Geheimnis macht. Die vier Elemente - Wasser, Feuer, Erde, Luft - geben den einzelnen Kapiteln ihre Titel. Währenddessen wechseln die Jahreszeiten. Und geschehen einschneidende Veränderungen. "Masters of Horror": Die Filme aus den USA 2005 im Horrorgenre drehen sich u.a. um eine gnadenlose Schönheit mit teilweise tierischer Herkunft ("Deer Woman") und eine junge Frau als entstelltem Monster ("Jenifer"). "Montag kommen die Fenster" (D 2005): Eine neue Stadt, ein neues Haus - es könnte ein glücklicher Moment sein im Leben einer Kleinfamilie. Die Ärztin Nina (Isabelle Menke) hat ein paar Tage Urlaub genommen, ihr Mann Frieder legt Fliesen, und Tochter Charlotte spielt in ihrem Kinderzimmer. Auch die Anlieferung neuer Fenster wird bereits erwartet. Doch Nina steht entfremdet in den halbleeren Räumen - und lässt ihre Familie ohne Nachricht zurück ... Ulrich Köhlers zweiter Spielfilm erzählt von der Orientierungslosigkeit der Mittelklasse. (Filmvorführung in Anwesenheit von Ulrich Köhler.) "Nokofurin Toraretaonna" (Japan 2004): Die Geschichte einer jungen Frau, die sich am Vorabend ihrer Hochzeit in ein heftiges erotisches Abenteuer stürzt, ist ein ungewöhnlicher Grenzgang zwischen erotischem Kino und unabhängigem Film. "Nue propriété" (B/F/LUX 2006): Pascale lebt mit ihren zwei Söhnen, den zweieiigen Zwillingen Thierry und François, auf einem alten restaurierten Bauernhof. Obwohl sie den beiden sehr nahe steht, sehnt sie sich nach einer Veränderung in ihrem Leben. Ihr Traum, die Arbeitsstelle aufzugeben, das Haus zu verkaufen und sich zusammen mit ihrem Freund, dem Nachbarn Jan, selbstständig zu machen, stößt bei den Söhnen, insbesondere bei Thierry, auf starke Ablehnung. Und Thierrys Auseinandersetzungen mit seiner Mutter belasten auch das Verhältnis der beiden Brüder zueinander. Als Pascale die Situation schließlich nicht mehr ertragen kann, zieht sie vorübergehend aus und lässt die beiden alleine im Haus zurück. "Rabia" (Chile 2006): Camila ist 25 Jahre alt, seit mehr als einem Jahr arbeitslos und auf der Suche nach einer Stelle als Sekretärin. Ein Bewerbungsgespräch folgt dem nächsten, und Camila muss dabei stets die gleichen unsinnigen Fragen über sich ergehen lassen: Trotz ihrer Ausbildung scheint sie für keine Stelle qualifiziert genug. Der Film beschreibt nicht nur den Hindernislauf einer jungen Frau in einem Land vor dem Hintergrund einer angespannten wirtschaftlichen Situation, sondern enthüllt zugleich eine Abfolge von oberflächlichen Beziehungen und endlosen Enttäuschungen. "Romance & Cigarettes" (USA 2005): Der Stahlarbeiter Nick und seine sanftmütige Frau Kitty sind seit Jahren miteinander verheiratet. Sie haben drei fast erwachsene, aber noch zu Hause lebende Töchter und wohnen in einem bescheidenen Häuschen in der Nähe des Flughafens von Queens, New York. Das Familienglück endet jedoch an dem Tag, an dem Kitty entdeckt, dass Nick sie mit der rothaarigen Verkäuferin Tula betrügt. Mit Susan Sarandon, Kate Winslet. "Sa-kwa" (Südkorea 2005): Nachdem Hyun-Jung, erfüllt vom Wunsch nach Unabhängigkeit, ihren langjährigen Freund verlassen hat, lernt sie einen anderen Mann kennen. Unsicher über ihre Zukunft gibt sie schließlich dem Werben nach, willigt in eine Heirat ein und bringt wenig später sogar einen Sohn zur Welt. Doch die ersten Trennungsgedanken tauchen bald im selben Ausmaß auf wie ihr ehemaliger Freund. "Stephanie Daley" (USA 2006): Stephanie Daley ist knapp 16, als sie beschuldigt wird, ihr Kind getötet zu haben. Obwohl sie ihre Unschuld beteuert, wird eine Untersuchung eingeleitet. Lydie Crane, eine auf Verbrechen spezialisierte Psychologin, wird beauftragt herauszufinden, was sich hinter dem hartnäckigen Leugnen der jungen Frau verbirgt. Lydie, nach einer Fehlgeburt wieder schwanger, wird dabei mit ihren eigenen Ängsten konfrontiert. Die Begegnung führt dazu, dass beide Frauen sich ihren Problemen stellen.
Hochkarätig besetzt mit Tilda Swinton, Timothy Hutton sowie der brillanten Amber Tamblyn in der Titelrolle, handelt "Stephanie Daley" von zwei Menschen, die von den Ereignissen überrollt werden. Regisseurin Hilary Brougher arbeitete mit natürlichem Licht, das die Gefühlswelt der Figuren reflektiert und die Angstzustände nachvollziehbar macht. "Toi et moi" (F 2005): Die Geschichte zweier Pariser Halbschwestern und ihrer Liebesnöte: Ariane ist eine etwas exzentrische Texterin von Fotoromanen (Julie Depardieu), Léna (Marion Cotillard) eine ernsthafte Cellistin. Die Wirren der beiden beginnen damit, dass sich erstere zwischen einem wohlhabenden, aber betrügerischen Charmeur und einem freundlichen Bauarbeiter entscheiden muss, und zweitere zwischen ihrer ein wenig langweiligen Sandkastenliebe und einem attraktiven Kollegen. "Vibrator" (Japan 2003): Rei, eine junge freiberufliche Journalistin, lebt ganz in ihren Gedanken versunken, scheint zusehends imaginären Stimmen zu verfallen. Was als inneres psychologisches Drama beginnt, verwandelt sich alsbald in ein flottes Roadmovie. Die Fahrt, die für Rei zugleich Befreiung und Flucht bedeutet, bringt das geistige Erwachen der jungen Frau zum Ausdruck. "Yawarakai seikatsu" (Japan 2005): Ein kleines Essay über das Leben selbst: Die 35-jährige Yuko lebt als Single, und obwohl Männer in ihrem Leben durchaus eine Rolle spielen, verzichtet die junge Frau auf echte, tiefe Beziehungen. Vielmehr gibt es für jedes ihrer Bedürfnisse einen speziellen Mann.