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Die Initialien M.K. sind ein frei erfundenes Kürzel, um die Anonymität der Interviewten zu schützen. Das Gespräch führte Dagmar Buchta.
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dieStandard.at: Sie sind jetzt 38 Jahre alt. Wann ist Magersucht bei Ihnen erstmals aufgetreten bzw. wann erhielten Sie die Diagnose "Anorexia nervosa"?
M.K.: Richtig vehement war es vor etwa acht / neun Jahren. Da konnte ich kaum was zu mir nehmen, nur einen Apfel und eine halbe Semmel am Tag. Da hab' ich nicht mehr hinunter gebracht und bin eines Tages zusammen gebrochen. Und mein damaliger Mann hat mich in die Klinik gebracht. Da gab es die Diagnose, dass ich magersüchtig sei. Aber ausgebrochen ist die Krankheit schon viel früher. Ich erinnere mich, mit dreizehn meine erste Diät gemacht zu haben und von da an hab' ich immer auf meine Figur geschaut, Kalorien gezählt...
dieStandard.at: Wieviele Kilos wogen Sie bei der Einlieferung und welche Therapie erhielten Sie?
M.K.: Ich hatte nur mehr 36 Kilo bei einer Größe von 1,70. Auf der physischen Ebene wurde ich "aufgepäppelt", bekam fünf kleine Mahlzeiten am Tag, um zuzunehmen. Von einer Magensonde wurde abgesehen, weil ich freiwillig aß, zwar nicht alles, aber guten Willen zeigte. Dazu bekam ich eine psychologische Betreuung, aber um ehrlich zu sein, die half nicht. Diese Person kam nicht an den Kern des Problems heran. Was auch schwierig ist, und ich auch selbst erst seit zwei Jahren weiß, was der Grund für meine Magersucht ist. Ich habe im Anschluss noch eine Therapie gemacht, drei Jahre lang, und da ging auch nichts weiter.
dieStandard.at: Was ist passiert, dass Sie es trotzdem geschafft haben?
M.K.: Ich habe mein Leben verändert, vor allem meine Einstellungen dazu. Schon im Krankenhaus habe ich gewusst, ich will nicht sterben, ich will ja leben, aber halt nicht so wie bisher. Als ich wieder draußen war, trennte ich mich bald von meinem Mann. Das war der erste Schritt. Von da an ging es mir ein bisschen besser. Ich blieb relativ stabil auf 45 Kilo. Ich bin dann vom Land in die Stadt gezogen und habe mir einen anderen Job gesucht. Die Lebensfreude kam zurück, zwar zögerlich, aber doch.
dieStandard.at: Was war der Auslöser für den Ausbruch der Anorexie? Die Ehe allein wird es wohl nicht gewesen sein.
M.K.: Rückblickend sehe ich: Meine Ehe war sicherlich das Tüpfelchen auf dem I, aber nicht der alleinige Grund. Die Ursache liegt weiter zurück, in meiner Kindheit. Aber diese Ehe war destruktiv, fast zerstörerisch.
dieStandard.at: Was ist in Ihrer Mädchenzeit passiert?
M.K.: Neben den üblichen Demütigungen, die fast jedes Kind erleben muss, also, dass es nicht so angenommen wird, wie es ist, sondern an ihm herum erzogen und geformt wird, bis es psychisch verkrüppelt - bei manchen mehr, bei anderen weniger - und bei Mädchen halt mehr, da gibt es ja diese traditionelle Dressur auf die Weibchenrolle und eben auf die Schönheit, auf das Objekthafte - also neben diesen Deformierungen wurde ich auch physisch misshandelt, geschlagen und vergewaltigt. Also total gebrochen. Zumindest wurde das versucht.
dieStandard.at: Wie war das, der Drill auf die weibliche Rolle?
M.K.: Ich wurde absolut nicht Ernst genommen, als Person nicht respektiert, meine Begabungen herunter gespielt bzw. verleugnet. Und mein Bruder, der wurde dagegen vergöttert, er wurde nie zur Hausarbeit angehalten, weil er ja ein Bub war, ein männliches Wesen. Aber ich wurde immer gestört, wenn ich lernte, spielte, las usw. und musste dann im Haushalt helfen. Das war schon sehr geschlechtsspezifisch, genauso wie das Augenmerk auf mein Aussehen. Das war das einzig Positive, das man mir sagte. Dafür bekam ich Anerkennung, aber nicht für meinen Intellekt usw... Ich lernte damals: "Schönsein" ist das Wichtigste und dazu gehört auch Schlanksein.
dieStandard.at: Welche Rolle spielte Ihre Mutter dabei? Ich meine in Bezug auf die Vorbildwirkung, eine schlanke, schöne Frau sein zu müssen?
M.K.: Meine Mutter hat immer Diät gehalten, solange ich denken kann. Hat alle Diäten ausprobiert und nie ein normales Verhältnis zum Essen gehabt. Ist sich immer zu dick vorgekommen, obwohl sie das nie war, sondern immer vollschlank, aber nicht dick... Das hat mich sicher geprägt. Dass Nahrung nicht einfach aufgenommen wird, sondern genau geschaut, was und vor allem wieviel.
dieStandard.at: Sie haben vorhin den sexuellen Missbrach erwähnt. Möchten Sie dazu noch etwas sagen?
M.K.: Das passierte in meinem ersten Jahrzehnt. Mehr möchte ich nicht sagen... Nur vielleicht soviel: Seit zwei Jahren weiß ich, dass es da einen Zusammenhang gibt zwischen den Vergewaltigungen und dem Dünnsein-Müssen. Weil das Fleisch ist ja bedrohlich. Es wurde besudelt, verletzt, beschmutzt, ja ... vergiftet. Und je mehr Fleisch, umso grauenvoller die Erinnerung. Wenn es weniger ist, ist es besser, fast beruhigend... Und da ist dann auch der Bezug zu meiner Ehe. Da ist das ja nochmals passiert, noch einige Male, die Gewalt. Und dann das Nicht-mehr-essen-Wollen und -Können ausgebrochen. Aus Ekel. Ich wollte das loswerden.
dieStandard.at: Und heute? Glauben Sie, die Magersucht überwunden zu haben?
M.K.: Ich glaube, wirklich los wird man das nicht. Eine Heilung ist meiner Erfahrung nach nur bis zu einer gewissen Stabilisierung möglich. Also soviel Fleisch / Kilo an sich auszuhalten, dass es nicht lebensbedrohlich ist. Aber die Kontrolle bleibt. Es darf nicht zu viel werden.
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Was war der Auslöser für den Ausbruch der Anorexie?
Die Ursache liegt weiter zurück, in meiner Kindheit.
Was ist in Ihrer Mädchenzeit passiert?
M.K.: Neben den üblichen Demütigungen, die fast jedes Kind erleben muss, also, dass es nicht so angenommen wird, wie es ist, sondern an ihm herum erzogen und geformt wird, bis es psychisch verkrüppelt - bei manchen mehr, bei anderen weniger - und bei Mädchen halt mehr, da gibt es ja diese traditionelle Dressur auf die Weibchenrolle und eben auf die Schönheit, auf das Objekthafte -
und erst jetzt kommt:
also neben diesen deformierungen wurde ich auch psychisch misshandelt
sollts ja phyisch heißen.
eine erklärung wäre auch: die alltagmißhandlung und kinderpsychenvergewaltigung muss eh nicht mehr als emotionaler terror erwähnt werden, weil allgemein gültig und von GENeration zu GENeration weitergeben - geduldet und erlaubt ist....
fuer alle besser weiss.
Halt Dich einfach in Zukunft zurueck mit Deiner Ueberheblichkeit und Deiner Besserwisserei, vor allem bei Themen, die Frauen betreffen, und Du brauchst nicht als beleidigte Leberwurscht im forum herumzukrebsen.
Sie müssen schon mal entschuldigen, denn es sollte "sie wäre nicht das erste Kind, das vom Vater vergewaltigt wurde" heißen.
Die Mutter hatte sie ja erwähnt, die hatte auch einiges falsch gemacht, aber nicht so schwerwiegend, dass sie über DIE reden konnte. Was "oberflächlich " sein soll haben SIe mir noch nicht gesagt (geschrieben).
Die Mütter sind sicher für einiges verantwortlich, aber nicht für alles. Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung etwas mitteilen, was ich noch niemendem erzählt habe und auch nur hier erzähle, weil mich hier niemand kennt. Mein Vater hat, als ich noch Kind war, sehr viel getrunken und meine Mutter immer dann wenn er "voll" war "vergewaltigen" wollen, sie sich aber immer sehr gewehrt hat und dadurch auch wir Kinder aufmerksam wurden und alles mitbekamen. Trotz alledem bin ich ein normaler Mensch geworden, ohne Komplexe, weder sexuell, noch andere. Also ist es doch auch eine Sache der eigenen Stärke und Bewältigung mit so einer Geschichte. Essstörungen habe ich deswegen auch nicht, sondern esse gern ohne hinterher zum Klo zu laufen.
Eigene Erfahrungen berühren nicht die breite Masse. Kindern die von Müttern missbraucht oder misshandelt werden oder wurden können noch weniger auf Hilfe hoffen. Wer, abgesehen vom Fachbereich, glaubt so eine Geschichte.
Lesen Sie die Literaturtipps und staunen Sie.
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