Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Da ist einerseits die Kluft zwischen den Gebildeten und den Unterschichten, der Graben zwischen den politischen, nationalen und religiösen Lagern. Dann noch die innere Spaltung derjenigen, die das Privileg hatten, im Ausland studieren zu dürfen, und die dann ihre Loyalität zwischen der bewunderten europäischen oder amerikanischen Kultur und der eigenen Herkunft aufteilen sollen.
Verräter
Das ist umso schmerzlicher, als diejenigen, die sich an europäische, speziell britische Attitüden klammern, um sich von Rest des eigenen Volkes abzusetzen, von diesem als Verräter angesehen werden. Das bietet Zündstoff für nationalistische Ausbrüche und Radikalisierungen, mit deren Hilfe man das Selbstwertgefühl wiederherzustellen sucht.
Der Roman spielt in Kalimpong, dem alten Stützpunkt der BritInnen, im Grenzland zwischen Sikkim, Bhutan und Indien, wo sich Berg- und Tropenklima mischen und die ständige Feuchtigkeit alles in kurzer Zeit verrotten lässt. Auch das Haus des pensionierten Richters, einst der koloniale Sitz eines Schotten, ist vom Zerfall bedroht. Das Holz wird aufgefressen, Schimmel, Kälte und Düsterkeit bestimmen die sinistre Atmosphäre, in die Sai, die Enkelin des Richters, einbricht, nachdem sie ihre Eltern verloren hat und ihre christliche Klosterschule verlassen musste.
Das isolierte Haus in seiner atemberaubenden Lage hat schon lange nichts Großartiges mehr. Als letzter Bediensteter werkt ein alter Koch, dessen ganze Freude sein illegal in die USA eingewanderter Sohn ist. Dieser ferne Hoffnungsträger, dessen paradiesisches Leben man sich in der Bergheimat in den leuchtendsten Farben ausmalt, jobbt in Wirklichkeit als verstörtes U-Boot in abgetakelten Ethno-Lokalen New Yorks. Das ist die Alternative zur Armut zu Hause: brutale Ausbeutung in der Fremde, Verlust der Würde und der Druck der grandiosen Erwartungen der Daheimgebliebenen.
Sai hat keine Ahnung, wie die Menschen im nächsten Dorf leben; man liest britische Schriftsteller und National Geographic, Asterix und Obelix, verwendet Unterhosen von Marks & Spencer und ist peinlich berührt, wenn man merkt, dass der Mathematiklehrer das Essen mit Messer und Gabel nicht gewöhnt ist. Aber der Lehrer aus der unbekannten Unterschicht ist das einzige greifbare männliche Wesen für Sai, und so entwickelt sich geradezu zwangsweise ein Verhältnis.
Bald bietet sich für sein Gefühl der Unterlegenheit und der Wut auf die Privilegierten der Radau-Nationalismus als ein willkommenes Ventil. Dieses dumme, verwöhnte Teenager-Mädchen in dem unangemessen riesigen Haus beginnt er zu hassen. Seine Pflicht ist es, endlich den dauernd benachteiligten indischen Nepalesen zu ihrem Recht zu verhelfen. Man will mit dauerhaftem Terror einen eigenen Staat erzwingen, und da dürfen persönliche Gefühle keine Rolle spielen. Also gibt es in Kalimpong und Darjeeling einmal mehr von der Welt völlig unbeachtete "Unruhen".
Bollywood-Drama
Desais Synthese aus politischen, historischen und psychologischen Fakten mit einem Schuss Bollywood-Drama und feiner Satire mutet manchmal wie aus einem vergangenen Jahrhundert an. Doch es ist die Gegenwart, in der sich die ethnischen und religiösen Konflikte immer noch und immer wieder entladen. Die ahnungslosen TouristInnen, die sich Darjeeling anschauen wollen und in einen Ausnahmezustand hineingeraten, weil wieder einmal ein Lokalpolitiker auf offener Straße erstochen wurde, können beim besten Willen nicht hinter die exotischen Kulissen blicken. So bleibt diesen komischen Randfiguren nur der ekstatische Aufschrei, wenn der eisige Mount Everest in der Ferne sichtbar wird. Dass da seit Menschengedenken die Nepalis als Arbeiter schuften, ohne dass ihnen je eine einzige Plantage gehört hätte, müssten sie bei Desai nachlesen. (Ingeborg Sperl, DER STANDARD, Print, 7./8.10.2006)
Hilde Spiel durchschaute schon in jungen Jahren die Differenz der Geschlechter - Nun wurde ihr Debütroman "Kati auf der Brücke" neu aufgelegt
20 Jahre nach der "Riot Grrrl-Revolution" im US-Städtchen Olympia macht sich ein deutschsprachiger Reader auf die Suche nach dem Erbe der Riot Grrrls - und wurde fündig
In ihrem eindringlichen Comic-Debüt erzählt Paula Bulling vom Alltag von AsylwerberInnen in Deutschland
dieStandard.at las die Geschichte einer Frau, die alles sein und können will und trotzdem manchmal das Interesse am Leben verliert
Comedian und Serienmacherin Tina Fey schreibt in "Bossypants" über ihre Erfahrungen, die sie gelehrt haben: "Das beste Photoshop machen Feministinnen"
Das Sparen von CO2-Ausstoß und Kalorien-Zählen weisen erstaunliche Parallelen auf - Nadja Buchers Roman beleuchtet Gründe für radikalen Umweltschutz mit ironischem Witz
Isabella Lechner zeichnet in "Wienerinnen, die lesen ..." die Geschicke historischer Persönlichkeiten in Wien nach
Roman über die Zellen-Spenderin Henrietta Lacks, die 1951 mit 31 Jahren in Baltimore an Eierstockkrebs starb
Die britische Journalistin hat ein witziges, aufrichtiges und empathisches Buch über die Kunst des "Frauseins" geschrieben
Dorfeskälte: Evelyn Grills neu aufgelegter Roman über eine problematische Zweisamkeit und menschliche Abgründe
Alice Schwarzer legt ihre Autobiographie vor und erzählt weniger aus ihrem privaten denn aus ihrem politischen Leben - So manche Frage muss offen bleiben
"Ich empfinde nicht die Bohne von Schamgefühl, dass ich nicht der arschgeile Fegerscharf bin" - Virginies Despentes Essay-Sammlung "King Kong Theorie"
Von der Bestseller-Autorin zur HartzIV-Empfängerin: Katja Kullmann fordert in ihrem neuen Buch die kreative Klasse auf, sich nicht mehr selbst zu belügen
Ein tragikomischer Fiktion-Roman der Autorin Hülya Özkan
Sabine Gruber verknüpft in "Stillbach oder die Sehnsucht" drei Frauenleben und dokumentiert politische Zeitgenossenschaft
"Das Leben meiner Mutter": Die Kindheits- und Jugenderinnerungen von Doris Lessing sind soeben als Hörbuch erschienen
Mit ihrem Roman "Wir machen Musik" legt die deutsche Schriftstellerin Gisela von Wysocki ein poetisch klangvolles Erzählkunstwerk vor
Marlene Streeruwitz schickt in ihrem Roman eine Arbeitslose nach London
"Drei starke Frauen": Marie N'Diayes großartiger, 2009 mit dem Prix Goncourt ausgezeichneter Roman
"Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud" von Christa Wolf ist erschienen - Alexandra Föderl-Schmid bespricht es
Fotoband über 48 Europäerinnen aus Politik, Kultur und Wirtschaft von Bettina Flitner
In ihrem neuen Roman macht Gerda Sengstbratl "Afrika in Österreich" zum Thema
"Eines Dienstags beschloss meine Mutter Deutsche zu werden" ist ein satirischer Einbürgerungsroman
Ihr subjektiver Aufschrei aus der Kleinfamilien-Hölle ließ in Schweden kaum jemand kalt: Nun ist die "Bitterfotze" von Maria Sveland auch auf Deutsch erschienen
TouristInnEn und BritInnEn schreiben.
schwierig finde ich die Handhabung dann allerdings bei zb.
"...einen Termin mit eineRem A(e)rztIn vereinbaren.."
.. da bin ich mir nie sicher ob man da nicht eher "eineREm" und "AErztIn" schreiben müsste, aber vielleicht gibts ja hier im Forum einEn WissendeN, derIe mir da Auskunft erteilen kann.
"...von diesem als Verräter angesehen werden..." oder
"...dass da seit Menschengedenken die Nepalis als Arbeiter schuften..."
da es sich endeutig nicht um männliche verräter oder arbeiter handelt, müsste es verräterIn und arbeiterInnen heißen.
ich verstehe diese inkonsequenz nicht ganz.
entweder - oder!
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.