Notwendigkeit eines "zweiten" Arbeitsmarktes

von Redaktion  |  15. Dezember 2006, 09:01
  • Artikelbild: Lobbyismus für jene, die keine Lobby haben:Das österreichische Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung, die Armutskonferenz, enagiert sich seit nunmehr über zehn Jahren für eine Verbesserung der Lebensumstände armer und armutsgefährdeter Menschen.FACTSAls armutsgefährdet gilt, wer mit weniger als sechzig Prozent des mittleren Einkommens auskomen muss. Das sind derzeit 848 Euro im Monat für einen Einpersonenhaushalt. In einem Mehrpersonenhaushalt wird das Einommen der weiteren Personen "gewichtet", d.h. fünfzig Prozent des o.g. Betrags für jede/n weitere/n Erwachsene/n, dreißig Prozent für jedes Kind gerechnet. - Foto: APA/Jäger
    Lobbyismus für jene, die keine Lobby haben:
    Das österreichische Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung, die Armutskonferenz, enagiert sich seit nunmehr über zehn Jahren für eine Verbesserung der Lebensumstände armer und armutsgefährdeter Menschen.

    FACTS
    Als armutsgefährdet gilt, wer mit weniger als sechzig Prozent des mittleren Einkommens auskomen muss. Das sind derzeit 848 Euro im Monat für einen Einpersonenhaushalt. In einem Mehrpersonenhaushalt wird das Einommen der weiteren Personen "gewichtet", d.h. fünfzig Prozent des o.g. Betrags für jede/n weitere/n Erwachsene/n, dreißig Prozent für jedes Kind gerechnet.

Debatte um Grundsicherung greift zu kurz, es fehlt an politischem Willen: Michaela Moser von der Armutskonferenz im dieStandard.at-Interview

"Über eine Million Menschen müssen in Österreich mit einem Einkommen auskommen, das unter der Armutsgrenze liegt und gelten damit als armutsgefährdet; fast die Hälfte davon lebt in akuter Armut, also mit massiven Einschränkungen im Bezug auf die Deckung von Grundbedürfnissen, sowie Möglichkeiten der politischen, kulturellen, gesellschaftlichen Partizipation."

Nach Ansicht der Armutskonferenz greift die derzeit geführte Debatte um eine materielle Grundsicherung zu kurz, um den Realitäten beizukommen: Michaela Moser betont im dieStandard.at-Interview, dass die Frage zur Gewährleistung des Zuganges zu sozialen Dienstleistungen ebenso gestellt werden muss, wie Entscheidungen für eine qualitätvollere und wirksamere Arbeitsmarktpolitik getroffen werden müssen. Birgit Tombor stellte die Fragen.


dieStandard.at: Sie haben der neuzubildenden Regierung das "Mindestsicherungs-ABC" ans Herz gelegt. Wie schätzen Sie die Chancen auf eine Berücksichtigung durch SPÖ und potenzielle Koalitionspartner ein?
Michaela Moser: Strategien und Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und –vermeidung müssten angesichts der Zahlen in jedem Regierungsprogramm Priorität haben; dass das Thema Grundsicherung einen breiten Raum in den Koalitionsverhandlungen einnimmt, ist also positiv. Was in den öffentlich geführten Debatten fehlt, ist die deutliche Einsicht aller Beteiligten, dass es – jenseits unterschiedlicher Zugänge und Ideologien – in erster Linie darum gehen muss, gemeinsam wirksame Maßnahmen zu beschließen, die die Lebenssituation von hunderttausenden armutsbetroffenen Frauen, Männern und Kindern tatsächlich verbessern.
Dabei greift die Debatte um eine materielle Grundsicherung aus unserer Sicht zu kurz und muss um die Frage nach dem Zugang zu sozialen Dienstleistungen und Gütern und um Entscheidungen für eine qualitätvollere und wirksamere Arbeitsmarktpolitik ergänzt werden.

Ungleich-Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit

dieStandard.at: Der scheidende Kanzler stemmt sich ja vehement gegen ein "Einkommen ohne Arbeit" und hat eine anscheinende Mehrheit der ÖsterreicherInnen hinter sich - was halten Sie dagegen? Wie sieht ihr Konzept von Grundeinkommen aus?
Michaela Moser: Die Diskussion läuft teilweise oberflächlich und vermischt unterschiedliche Modelle der Grundsicherung – vom derzeit am Tisch liegenden Modell, dass sowohl die Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt als auch eine Bedarfsprüfung vorsieht bis hin zu einem bedingungslosen Grundeinkommen; die verschiedenen Modelle werden seit Jahren innerhalb der Armutskonferenz diskutiert.
Auch und gerade die Frage nach der Verbindung zwischen Einkommen und (Erwerbs-)Arbeit verdient hier einen genaueren Umgang. Die Frage nach Bedeutung und Stellenwert von Erwerbsarbeit im Hinblick auf soziale Absicherung müsste grundsätzlicher diskutiert werden. Dabei muss auch die Ungleich-Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit (die großteils entlang der Geschlechterlinie läuft) in den Blick genommen werden und damit Tatsache, dass nicht zuletzt im Bereich der Reproduktions- und Hausarbeit – aber auch in anderen Bereichen gesellschaftlich notwendiger Arbeit – sehr viel Arbeit ohne Einkommen geleistet wird.

Berücksichtigt werden muss weiters die Tatsache, dass auch immer mehr Menschen mit Erwerbsarbeit als sogenannten "working poor" unter der Armutsgrenze leben – insgesamt betrifft dies bereits acht Prozent der Erwerbstätigen, Tendenz steigend.

Ein weiterer relevanter Diskussionsstrang wäre, die hohe Zahl an Menschen, die dem Arbeitsmarkt – aufgrund von Krankheit, Behinderung etc. – nur eingeschränkt zur Verfügung stehen und derzeit zum überwiegenden Teil dadurch gänzlich vom Arbeitsmarkt ausgegrenzt sind.

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Armutskonferenz

Arbeitsgruppe Frauen und Armut
Die Gründung erfolgte unmittelbar nach der 1. Österreichischen Armutskonferenz, die im Herbst 1995 in Salzburg stattgefunden hat.
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25 Postings
Anton Hauser   
23.10.2006 20:19
Du Volk,

was meinst du ? Können wir mit dem Fortschritt nicht Umgehen ? Volk steh auf und werde wach, denk über deine Zukunft nach- Nicht 134 Politiker sollen entscheiden, nein das Volk soll das letzte Wort haben.
Vorteile:Wir braichen keinen Bundesrat und nicht den Verfassungsgerichtshof
hauser.elfi@aon.t

hanslblasta 
26.10.2006 08:53
wer ist "das Volk"? - das ist ein Konstrukt, kein

"überschaubarer" Begriff; kennst du tausend Menschen persönlich? nein? wie soll das mit 8 Mio. gehen, wenn nicht über Wahlen und politische Vertretungen? wie soll das bei schwierigen Sachthemen gehen? kann sich jede/r überall schlau machen? wohl nicht; wer ist das Volk? der Supermanager wohl genauso wie die Hausfrau, der Ingenieur genauso wie die Kassierin;
nb: bei 12 einer Gruppe von Menschen gibt es eine halbe Milliarde an Kommunikationsmöglichkeiten; wer wollte diese überschauen? der Traum von einer Gesellschaft als "Gemeinschaft" ist obskur und unrealistisch;

Anton Hauser   
26.10.2006 09:51
hansiblasta,

warum geht es in der Schweiz?
mfg.hauser.elfi@aon.at

hanslblasta 
26.10.2006 15:05
die Schweiz ist ein Mythos

dort gibt es genauso eine repräsentative Volksvertretung - und wer sagt, dass das Schweizer System um soviel besser sei?

Anton Hauser   
27.10.2006 21:00
Direkte Demokratie

Ich habe in der Schweiz gearbeitet und habe Erfahrungen gesammelt.
Die Schweizer haben gegen die Verkürzung der Wochenarbeitszeit gestimmt weil die Unternehmer sagten, daß sie zu sehr belastet würden.
Das Volk hat bei wichtigen Entscheidungen das letzte Wortb auch sie entscheiden über einen Kauf von Abfangjäger. Wenn wir die direkte Demokratie hätten, hätte es kein Zwentendorf, kein Hainbuurg,keinen Haider-Schüsselpakt und keine Abfangjäger üsw gegeben. Viel Geld hätten wir uns erspart.Drum Volk steh auf und werde wach, denk über deine ukunft nach!
mfg Anton Hauser 2763 Pernitz
hauser.elfi@aon.at

15adu
28.10.2006 15:01

finden sie es etwa witzig oder originell wenn sie goebbelsreden abwandeln?

Anton Hauser   
29.10.2006 16:46
Ja,

wenn ich bei meinem Wunsch , Einführung der direkten Demokratie hätte, so wie sie in der Verfassung verankert ist wär ich glücklich.
Frage an Sie ,wieso kennen Sie das ?
Bei mir ist es erlebte Vergangenheit.
mfg. hauser.elfi@aon.at

15adu
29.10.2006 17:01

was haben sie erlebt, die direkte demokratie oder die rede?

Anton Hauser   
30.10.2006 20:18
!000-jähriges Reich,


wieso sind Sie so gut unterichtet,ich konnte mich gar nicht erinnern,daß.das von Goebels stammte.
Doch desto troz: Volk steh auf und werde wach, denk über dein Zukunft nach. Heute im Parlament konnte man sehen wie wichtig die direkte Demokratie wäre.
mfg. hauser.elfi@aon.at

15adu
31.10.2006 21:58

ja, schulbildung ist ja mittlerweile im pisazeitalter überraschend :)

manfred ortner
22.10.2006 22:08
KEINE öffentliche Grundsicherung für Menschen mit Betreuungs- und Pflegepflichten in "gebundenen" Beziehungen!

Eine öffentlich-rechtliche Grundsicherung gibt es vor allem für Menschen, die NICHT arbeiten wollen. Für die, die auch allgemein wichtige Betreuungs- und Pflegefunktionen im innerfamiliären Bereich wahrnehmen und in einem "gebundenen" Verhältnis (= Ehe) leben, wird dieser Sachverhalt PRIVATISIERT. Da hält sich auch die SPÖ-NEU an den 2500 Jahre alten römischen Grundsatz des "pater familias", den man "um die Burg" nicht aufheben will, vielleicht gerade deswegen nicht, um gegen diese "konsvervative" Familienstruktur um so leichter polemisieren zu können!?

PS: Die Grundsicherungswerte für Kinder sind mit € 300,--/Kopf viel zu niedrig bemessen!

talula
23.10.2006 14:58
die nicht arbeiten WOLLEN??

die finanzierung/durchführung von unbezahlter betreuung, pflege und haushalt bedarf endlich einer lösung. meiner meinung ist diese übernahme/verantwortung/finanzierung des staates .
familien bekommen zu wenig, da gebe ich hr. ortner recht.
dass hr. ortner gleichzeitig davon spricht, dass menschen nicht arbeiten WOLLEN? zeigt wie alltäglich so eine meinung ist, die nach 2-klassen-gesellschaft schreit und den unwillen in unserer ich-gesellschaft ausdrückt armut erfolgreich zu bekämpfen.
viele menschen bekommen einfach keine arbeit, egal wie sehr sie wollen. oder werden gezwungen eine anzunehmen, die auch armut bedeutet. (hartz 4 wird auch in ö kommen). mindestlohn und solidarität sind hier die richtigen ansätze.

15adu
28.10.2006 15:03

mit mindestlöhnen sollte man sehr vorsichtig umgehen

hanbal
23.10.2006 14:12
Das Grundeinkommen ohne Arbeit werden wir bald brauchen

...weil die Arbeitnehmer, auch wenn sie noch so toll sind, rausgeschmissen werden. Meine Dienststelle stellt trotz explodierenden Minus lauter Freie ein, das altbewährte Personal, soferne keine Beamten und begünstigten Behinderten, werden rausgeschmissen, der Versuch ist gescheitert. Ich bin als Vertragsbedienstete nicht so leicht kündbar, aber es redet keine äußere Stelle mit und ich kriege keine wirksame Hilfe bis jetzt. Ich kann mir auch mit den 800 Euro bar auf die Hand die Kugel geben. Das reicht ja nur für das Lebensnotwendige. Das sollten schon 1500 sein, wenn sich der Betreffende nachweislich um Arbeit bemüht oder im Haushalt beschäftigt ist. Mit Kontrollen natürlich. Wenn das zu unfinanzierbar sein sollte, HER MIT DEN JOBS.

Hugo Wiesinger
22.10.2006 20:01
"mangelnder Zugang zu Bildugnsmöglichkeiten"

im Zeiten des Internets ein immer schwächer werdendes Argument.

hanslblasta 
26.10.2006 08:57
man braucht eine Menge an "Vorbildung"

und Vorwissen, um erfolgreich im Internet unterwegs zu sein - und Schas von Wertvollem unterscheiden zu können;
eine der Grundlagen für diese Bildung ist eine "bildungsaffine" soziale Umgebung - nach wie vor der Grund, warum Kinder aus Akademikerfamilien besser dastehen als Kinder aus Arbeiterfamilien;

bocat
24.10.2006 11:05

Im Internet surfen ist für mich auch keine Bildung, man kann, wenn man geziehlt Sucht zwar etwas finden, muß aber schon wissen wonach man sucht aber allgemein verliert man sich im Internet, man klickt hier, man klickt da, kommt auf eine Spieleseite und schon spielt es sich ein.

Lectrice
23.10.2006 20:27

Genau - wikipedia die neue Bibel

Also zu Bildung gehört schon etwas mehr als im Internet zu surfen u. alles was dort zu finden ist für bare Münze zu nehmen.

becauseitsme
23.10.2006 15:27
internet?

bildung hat ja auch mit persönlichkeitsentwicklung und entwicklung der sozialen kompetenzen zu tun.... und das ist genau das problem beim internet: diese möglichkeit gibts nämlich nicht!!!

wonderbrass
23.10.2006 13:11

Das Internet kostet!

florus flagrantius
23.10.2006 01:54
das internet ist nicht wirklich ein bildungsinstrument

bor
22.10.2006 19:27
Frauen müssen grundsätzlich sichtbarer gemacht werden.

hanslblasta 
26.10.2006 09:07
mit einem "bedingungslosen Grundeinkommen"

könnte man Frauen sozialpolitisch ganz phantastisch "ruhigstellen"; "maximal Teilzeit von acht bis zwölf" und "eigentlich möcht ich bei den Kindern zu Haus bleiben" ist dann überhaupt kein Problem mehr;
dass Mütter nach Jahren des zu Hause seins Arbeitskompetenz verlieren bzw diese ihnen nicht mehr zugetraut wird und die Frauen damit (vom "Vater Staat") abhängig bleiben, ist die andere Seite der Medaille;
dass junge Mädchen uU erst gar keine Motivation und dann auch keinen Antrieb von außen mehr für eine Ausbildung haben, gehört dazu;

bocat
24.10.2006 11:06

Wieso, sind die unsichtbar?

4simo   
27.10.2006 13:43
nicht unsichtbar

aber gerne übersehen

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