Unkompliziert sollte ich sein

Redaktion, 16. Jänner 2007, 11:26

Sylvia ist gern allein, immer öfter

Eine Sitzfläche, eine Rückenlehne – aus Stein – warm – Sonne im Himmel, im Fluss, im Blattgelb – im Stein: Ich bin allein – durchsichtig vor Erschöpfung nach dem Radfahren – laut die Wasser und türkis und weiß gebrochen – ich bin allein – versinke im Schlaflied des Flusses – in eine dunkle, tiefe Stille inmitten des Rauschens – ich bin allein –

Ich bin gern allein. Zuerst habe ich noch geglaubt, es käme einer nach, der vielleicht zärtlich oder warmherzig oder gütig oder klug – dann habe ich gehofft. Aber Nein! Unkompliziert sollte ich sein und bloß keine Gefühlshudelei. Ich bin kompliziert, empfindsam, widersprüchlich, unberechenbar, verletzbar – verletzt, und mag mir nicht abgewöhnen, Ich zu sagen und Ja und Nein – und bin allein. Manchmal inmitten von Menschen – Lärm im Kopf: Worte, Sätze, Gedanken – stumm - manchmal im Wald – still - . Und dann ein Gesicht, ein vertrautes Gesicht, ein Gesicht, das ich liebe – eine Freundin: Plaudern, kichern, ganz ernst, bedeutungsschwanger, Gelächter ... eins meiner erwachsenen Kinder auf Besuch mit dem Lachen, Raunzen und Streiten meiner Enkelkinder: Klein die Hände, klare Augen, rein die Stirn, zart die Wangen, süß der Mund – und das Mäulchen neugierig und schon ganz gescheit. Manchmal bestelle ich Pizza, der Pizzamann grinst breit. Ich bin allein – ich bin gern allein. Immer? Nein, aber immer öfter! ;-) Grad so wie in einer Zweierbeziehung, Aber: Selbstbestimmter und meckerfrei.

Sylvia – schier schon Fünfzig!