Dichter Homer war laut britischem Forscher eine Frau

Redaktion, 15. Dezember 2006, 12:13
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    Der Name Homer steht für den Beginn und ersten Höhepunkt der europäischen Literatur. Er (Sie) lebte im ionischen Kleinasien des 8. Jahrhunderts v. Chr. Die Antike schrieb ihm (ihr) die "Ilias" und die "Odyssee" sowie die "homerischen Hymnen" zu. Im 19. Jahrhundert entbrannte ein wissenschaftlicher Streit um Autor(innen)schaft und dichterische Einheit der Epen. Heute wird für die endgültige Formung der Epen eine große Dichter(innen)persönlichkeit angenommen, wobei die "Ilias" das ältere Werk ist, die Entstehung der "Odyssee" liegt wahrscheinlich etwa eine Generation später, die "homerischen Hymnen" sind noch jünger.

Andrew Dalby verweist auf weibliche Tradition der Geschichten- Überlieferung - und ist damit nicht der Erste

New York/Wien - Der antike griechische Dichter Homer, Schöpfer von Ilias und Odyssee, war nach Meinung eines britischen Gelehrten eine Frau. Andrew Dalby, Historiker und Linguist, behauptet in seinem Buch "Rediscovering Homer", die Dichterin habe als Frau für Frauen geschrieben, berichtet die italienische Zeitung "Corriere della sera" in ihrer Internetausgabe.

Tradition der Geschichten-Überlieferung

Dalby ist nicht der Erste, der diese These vertritt. Schon im Viktorianischen Zeitalter hatte der Brite Samuel Butler gemeint, Homer müsse eine Frau gewesen sein, weil sie sich so stark in die weiblichen Figuren hineinversetzen konnte.

Dalby dagegen kommt - weitaus fundierter - aufgrund vergleichender und anthropologischer Analysen zu seiner Erkenntnis. Er weist darauf hin, dass es Frauen waren, die Lieder, Geschichten und Volkssagen über Generationen weitergegeben haben. Er stützt sich dabei auf die klassischen amerikanischen Gelehrten der 30-er Jahre, Milman Parry und Albert Long.

Adelige Ehefrau

Die Autorin von Ilias und Odysee war nach Meinung Dalbys möglicherweise die Ehefrau eines griechischen Adligen, der im siebenten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung lebte und die sich, da genügend SklavInnen da waren, nicht um den Haushalt kümmern musste. Indizien dafür seien die Figuren der Helena und der Andromache in der Ilias und der Penelope in der Odyssee.

Angebliche Innensicht

Nur eine Frau, so der britische Gelehrte, habe diese Gestalten "auf diese eminent weibliche Weise" beschreiben können. In beiden Homer-Werken würden die sexuellen Beziehungen in einer Welt beschrieben, wo Frauen mehr oder weniger als "Konsumgüter" betrachtet worden seien, zugleich aber eine erotische und häusliche Macht besessen und dabei gleichzeitig den Eindruck völliger Unterwerfung unter den Mann vermittelt hätten. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 63
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Lilith Boessse
 
00
16.9.2009, 13:18
sehr schade, aber "hineinversetzen" alleine ...

... kanns nicht sein!
tom robbins schreibt entzückend süße, spannende und erotische frauenfiguren. smilla ('s gespür für schnee) ist auch von einem mann kreiert und sooo gut getroffen........
deren gibt es viele beispiele

wie gesagt: sehr schade, der titel war verheißungsvoll ;o)

1337 camp0r
00
12.6.2007, 23:43
...

alice schwarzer ist, ja wenn man gerüchten glaubt, auch eine frau.

Tong P
00
21.12.2006, 17:45
Also,

ich habe schon Frauen mit einem Schatten auf der Oberlippe gesehen. Aber so einen, wie diese Büste zeigt, hatte nicht mal Andreas Hofer.

markus grabner
00
19.12.2006, 13:45
so neu is das nicht

zumindest wenn man stuart kelly in "the book of lost books", 2005, penguin books, glauben schenkt, der angibt, dass samuel butler 1897 in "the authoress of the odyssey" angibt, dass "at least half of homer was a woman."

1 fenasi kerim
00
18.12.2006, 15:35
ALSO!!!

Das kann ich bei meinem Vater ausschließen!!!
Da bin ich mir sicher!
mfg

snap>shot
00
16.12.2006, 16:41
ein mann hat's erfunden/herausgefunden ...

schon irgendwie interessant, dass sich ein männlicher forscher (das vermute ich jetzt mal, in 2000 jahren wird sicher jemand was anderes behaupten) anmaßt, dass der text eine "weibliche Weise" hat.
für mich klingt das jetzt eher so, als hätte der dichter und sein interpret die gleiche ("eminente") vorstellung von "weiblichkeit" und so haben sie sich selbst im text wiedergefunden ... .

Chien de Pique
03
16.12.2006, 15:43
Falls "Homer" nicht nachweislich eine besonders überzeugende

Beschreibung von Wechseljahren, Geburtswehen, weiblichem Orgasmus o.ä. geliefert haben sollte, überzeugt mich diese Argumentation der Einfühlung nicht wirklich. Selbst dann könnte er aber noch ein Mann sein, der nur seiner Frau aufmerksam zuhört.
Die Geschlechterrollen bei den Griechen waren ohnedies nicht deckungsgleich mit unseren Vorstellungen z.B. - Einkaufen = extrem männlich besetzte Tätigkeit
Die andere beliebte Variante dieses literaturwissenschaftlichen Gesellschaftsspiel (die jede seriöse, empirische Wissenschaft in Verruf bringt), "Dichter XY war homosexuell" ließe sich aus der Ilias mindestens ebenso überzeugend ableiten, wahrscheinlich aber viel leichter (diese Einfühlung in homophile Macho-Männer beim Militär).

an kog
03
16.12.2006, 14:49
Dieser Argumentation zu folge ist Margaret Thatcher aber auch ein Mann.

Hatschepsut334
01
15.12.2006, 20:22
Warum nicht ?

War SAPPHO auf Lesbos nicht auch eine Frau ?

Ne Vim
00
20.12.2006, 14:43

Voll das Argument!

Andreas Schneider
06
15.12.2006, 11:53
interessant, aber...

dass in vielen kulturen frauen - (ur)(groß)mütter - die geschichten erzählen, stimmt. obs bei den griechen so war, weiß ich nicht, angesichts der absoluten männerdominanz in philosophie und literatur (sapphos kreis war doch eher die ausnahme) würde es mich aber überraschen.

eine groteske übertreibung ist jedenfalls die behauptung, nur eine frau könne solche figuren "auf diese eminent weibliche weise" beschreiben. hmmm... wie groß ist noch mal der frauenanteil an ilias und odyssee? und wer hat all die eminent männlich dargestellten männerfiguren geschrieben, wenn männer nur aus männlicher und frauen nur aus weiblicher sicht schreiben können?

homer muss hermaphrodit gewesen sein.

flieger1961
14
15.12.2006, 08:49
In 3000 Jahren wird eine ForscherIn

bestimmt nachweisen, daß Schiller eine Frau war.

Trost & Rat
00
17.12.2006, 20:23
Etwas Ähnliches habe ich auch gedacht.

Wenn man nur den Text hat, kann man so lange Worte klauben, bis man die Belege findet, die man braucht.

Von mir aus kann die Homer ruhig eine Frau gewesen sein. Wahrscheinlich war sie aber doch eines dieser Aliens, die in den Filmen immer so einen Ostküstenakzent haben.

pimp jur weiffordenextsentury
01
14.12.2006, 22:49
ich habe mir schon immer gedacht

bei gelben männchen aus springfild usa mit den vier fingern ist noch mehr schief gelaufen

es ist ja auch nicht logisch, dass homer und bart männer sein sollen und march und lisa weiblich sein sollen

die intelligenten sind die männer und das sind demnach march und lisa, bart und homer sind dumm und daher weiblich

so passt wenigstens mein weltbild wieder, uff bin ich froh

oh du fröhliche, oh du selige oh du... weihnachtszeit

a d
00
14.12.2006, 21:06
Der schmollende Achilles

legt eine Autorin nahe

ulli52
 
01
14.12.2006, 20:20
ich kann mir schwer eine frau als verfasserin vorstellen

eine frau hätte möglicherweise eine andere sicht auf den trojanischen krieg. aus sicht der kassandra, die irgendwie mit den amazonen verwandt war, stünde sicher nicht der gegensatz zwischen achilles und agamemnon im vordergrund, sondern vielleicht die rolle des weibchens - der schönen helena. auch hekabe, die mutterfigur, würde von einer frau anders gesehen werden.

golem schmolem
04
14.12.2006, 20:04
interessant. nichts desto trotz...

"doch wir horchen allein dem gerücht und wissen durchaus nichts."
(homer, ilias)

abischle
03
14.12.2006, 19:21
Lest Homer anstatt über Homer, es lohnt sich.

lukesfx
02
14.12.2006, 18:54

toll daß er sich auf gelehrte aus den 1930ern stütz - die waren ja sozusagen fast noch selbst dabei als die werke entsatanden....*pruust* vielleicht aber war homer ja schwul oder einfach ein frauenversteher (letzteres hat es in der griechischen hochkultur sicher auch schon gegeben) also ich glaube der herr dalby wollte einfach mal ins fernsehen und in die zeitung kommen - toll dalby ...vielleicht ist er ja eine frau? (wegen seinem (ihren) bedürfniss nach anerkennung...)

Cassius
16
14.12.2006, 17:09

"Wie schaffen sie es nur sich so in Frauen hineinzuversetzen :-)".

"Ganz einfach ich stelle mir einen Mann vor und subtrahiere Zurechnungsfähigkeit und Verstand :-)))".

emanze c
00
21.12.2006, 14:07

Durch solche Äußerungen führen Sie die These selbst ad absurdum - zum Glück.

le geres (in exile)
00
15.12.2006, 17:02

der film ist genial.

pimp jur weiffordenextsentury
10
14.12.2006, 22:55
den humor hast noich vergessen, nicht zu verwechseln mit dem homer

Endlichdreißig
11
14.12.2006, 21:36

Nein, wie lustig.

Lectrice
00
16.12.2006, 19:44

Er zitiert aus einem Film (für eigene Zitate reicht's nicht) indem ein neurotischer Schriftsteller (J. Nicholson), das auf die Frage einer Verlagssekretärin antwortet u. eigentlich ziemlich schlecht wegkommt (bis ihn eine Frau aus seinem Macho-Neurosengehabe "befreit" indem Sie ihn solange anrennen lässt bis er es kapiert ;-) ).

Der Film "Besser geht's nicht" ist aber durchaus sehenswert und witzig.

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