Schweiz: Zivilstand für Homosexuelle wird der Ehe gleichwertig

Redaktion, 15. März 2007 16:10

Mit einer Registrierung sind Rechte wie auch Pflichten verbunden - Adoption nicht möglich - Männer vermehrt interessiert

Bern - Homosexuelle Paare können sich in der gesamten Schweiz ab 1. Jänner 2007 offiziell als Partner oder Partnerinnen registrieren lassen. Dieser neue Zivilstand ist mit der Ehe praktisch gleichwertig und neben Rechten auch mit Pflichten verbunden. Bisher konnten gleichgeschlechtliche Partnerschaften nur in einigen Kantonen offiziell eingetragen werden.

Im Kanton Bern lassen am ersten Arbeitstag nach den Feiertagen mindestens fünf Paare ihre Partnerschaft registrieren. Walter Grossenbacher, Leiter Zivilstands- und Bürgerrechtsdienst, rechnet mit "wenigen hundert Paaren", die ihre Partnerschaft im Kanton Bern registrieren lassen wollen.

Männer vermehrt interessiert

Bemerkenswert, aber unerklärbar sei, dass sich wesentlich mehr Männer als Frauen für das neue Modell interessierten. Das gleiche wurde im Kanton Zürich beobachtet, wo sich homosexuelle Paare seit Juli 2003 registrieren lassen können.

Laut Ronny Wunderli, Chef der Aufsichtsbehörde Zivilstandswesen des Kantons Zürich, ließen sich seither ungefähr 600 Paare registrieren. 80 Prozent davon waren Männer. Da die eingetragenen Partnerschaften nur im Kanton Zürich gültig sind, müssen sich die Paare nun nochmals nach eidgenössischem Recht eintragen lassen.

Rechte

Die Registrierung hat nicht nur Symbolwert, sondern bringt auch rechtliche Vorteile. Gibt es kein Testament, geht mindestens die Hälfte des Erbes an den überlebenden Partner bzw. die überlebende Partnerin. Heute erhält er oder sie keinen Rappen.

Der Tarif der Erbschaftssteuer ist für hinterbliebene registrierte Partnerinnen und Partner gleich hoch wie jener von Ehegatten oder er entfällt ganz. Unter Bedingungen haben registrierte Partnerinnen und Partner auch Anrecht auf Ansprüche aus der Altersvorsorge.

Aufenthaltsbewilligung

Vorteile bringt die registrierte Partnerschaft binationalen Paaren. Ausländerinnen und Ausländer erhalten mit der Eintragung eine Aufenthaltsbewilligung (B) und nach fünf Jahren in der Partnerschaft eine Niederlassungsbewilligung (C). Im Gegensatz zu Ehegatten gibt es aber kein Recht auf erleichterte Einbürgerung.

Pflichten

Registrierte Partnerinnen und Partner haben gegenseitige Unterhalts- und Unterstützungspflichten. Gibt ein Teil die Erwerbsarbeit auf, um sich um den Haushalt zu kümmern, könnten ihm oder ihr nach einer Trennung Alimente zugesprochen werden.

Keine Adoption von Kindern möglich

Im Gegensatz zu Ehepaaren dürfen eingetragene homosexuelle Paare weder Kinder adoptieren noch zu Methoden der künstlichen Fortpflanzung greifen. Für dieses Recht kämpfen Schwulen- und Lesbenorganisationen weiterhin.

Registrierte Partnerinnen und Partner behalten zudem ihre Familiennamen und Bürgerorte. Anders als bei der Ehe ist bei der Registrierung die Unterschrift auf dem Vertrag und nicht das Ja-Wort maßgebend. Deshalb kann die Registrierung ohne Zeugen und Zeuginnen vollzogen werden.

Regelungen nach Kanton

Heute erlauben neben Zürich auch die Kantone Genf und Neuenburg die registrierte Partnerschaft. Während Zürich sein eigenes Gesetz nun abschaffen will, wollen Genf und Neuenburg ihre Versionen behalten. Damit können sich in diesen Kantonen auch heterosexuelle Paare registrieren lassen statt zu heiraten.

Das Partnerschaftsgesetz wurde am 5. Juni 2005 in einer Referendumsabstimmung gut geheißen. Die Schweiz ist damit das erste Land, das die registrierte Partnerschaft für Homosexuelle nach einem Volksentscheid einführt.

Alle westeuropäischen Länder außer Österreich, Italien und Griechenland erlauben es gleichgeschlechtlichen Paaren, ihre Partnerschaft offiziell anerkennen zu lassen. Eine Heirat ist für Homosexuelle in den Niederlanden, Belgien und in Spanien möglich. (APA/sda)

Kommentar posten
14 Postings
aftermath
 
09.01.2007 10:52
GR westeuropäisches Land?

Hallo?
Also zusammngefasst dürfte es heissen "Alle EU-vor-2004 Länder einzig außer dem orthodoxen Griechenland und den bis in den Knochen erzkonservativen Italien und Österreich .. "

brigitte bergner
30.12.2006 13:03
homosexuell heißt nicht pädophil

warum dürfen für nicht adoptieren ??????

PeterPanVienna
31.12.2006 09:40
Ersatz der natürlichen Eltern

Weil das Adoptionsrecht vom Ersatz der natürlichen Eltern ausgeht, und die sind zweifelslos männlich & weiblich.

emanze c
08.01.2007 13:51

Ach - dann darf eine Einzelperson aber bitte auch nicht adoptieren, da "mangelhafter Ersatz der natürlicihen Eltern". Das ist nämlich rechtlich durchaus möglich.
Überhaupt kann ihre strikte Formel vom "Ersatz der natürlichen Eltern" das Kindeswohl ja nicht mal im Ansatz erfassen. Klar haben ein Mann und eine Frau (künstlihce Befruchtung und Samenbankoption mal völlig außer Acht gelassen - für liberalste Gesellschaften wie die USA greift ihre These schon mal von vornherein nicht) ein Kind gezeugt - nur weil beide biologische Erzeuger sind, sagt das nichts über ihre Fähigkeiten aus, ein Kind aufzuziehen. wenn sich beide aus dem Staub machen, soll dann eher einer Einzelperson als einem homosex.Paar Adoption ermöglicht werden? Wieso?

konski
29.12.2006 20:59
wann heiraten

derstandard und diestandard?

es ist nur noch nervig, wie artikel in die bedeutungslosigkeit verschoben, aus der diskussion genommen aller threads beraubt werden oder erst gar nicht diskutiert werden...

verhalle wieder im nirvana...

seelenklempner
07.03.2007 10:43
der und die standard können nicht heiraten.

Ist Ihnen noch nicht aufgefallen, dass sich einige frustrierte Männlein auf "die.standard" aufführen wie die axt im walde und mit der größeren Duldsamkeit der weiblichen Hauptadressaten dieser Publikation rechnen dürfen? Auf "der.st." müsste man/frau die vermutlich zensieren. Im Schoße der ersatz-mütterlichen Protektion von "die.st." dürfen sie sich einfach ihr Mütchen auslassen. Naja, einige haben dies wohl notwendig. Lassen wir sie also sich "bei der Mami" ausweinen, ihre unbewältigten Trotzphasen artikulieren und ihre Aggressionen auf selbsterwählte Feind(Innen)bilder projizieren, vielleicht richten sie dann im wirklichen Leben weniger Schaden an.

Saurer Zivi
29.12.2006 18:45
Das kann man jetzt schon vorwegnehmen - diese Gesetzesänderung wird den Todesstoß der Schweizerischen Wehrpflicht bedeuten. Da junge wehrpflichtige Männer jetzt die Möglichkeit haben sich aus dem Grund der Wehrpflicht

auf eine Partnerschaft einzulassen. Wenn dies zwei gleichaltrige Wehrpflichtige machen, hat der Schweizer Staat bereits die in den Menschenrechten verankerten Grenzen überschritten. Ganz abgesehen davon, besteht nunmehr für junge schweizer männer die möglichkeit, durch eingehen solcher partnerschaften anspruch auf staatliche entschädigugnsforderungen für den wegfall der arbeitskraft des gatten zu erheben. ähnliches wäre in ö natürlich auch möglich.

Cassius
02.01.2007 04:54

Die Wehrpflicht in der Schweiz ist eh überflüssig. Wen könnten die abwehren ? Villeicht Luxemburg.

konski
29.12.2006 21:03
und wäre das nun schlimm?

glauben sie den blödsinn wirklich?
sind politiker (grasser, schüssel etc.) das dritte geschlecht? nehmlich die, die weder zivil noch militärdienst leisten müssen.

sind sie nun für gleichberechtigung oder nicht?

Der Große von Gegenüber
29.12.2006 12:08
Schau, Schau

sogar in der Schweiz passieren Wunder.

Bleibt bald nur mehr Ö. als letzter Punkt auf der europäischen Landkarte übrig.

Chien de Pique
29.12.2006 12:46
Osteuropa gehört für Sie offenbar nicht zu Europa.

totp2 original
29.12.2006 16:46
AFAIK gibt es

in Slowenien und Tschechien eine Art eingetragene Partnerschaft. Gehört zu Europa?

Chien de Pique
29.12.2006 17:48
Außerdem ist es ja nicht so, dass der Widerstand in Österreich ein besonders ausgeprägter und ungewöhnlicher wäre (siehe neueste Umfrage), im Gegenteil, sondern ergibt sich mehr oder

weniger zufällig daraus, dass eben eine ausgeprägt konservativ-katholische Partei zufällig in jenen Jahren an der Regierung war/ist, in denen sich der Prozess in anderen Staaten vollzog - und dies auch durch die Favorisisierung der anderswo unüblichen GroKo.
Mit etwas mehr Stimmen für die Grünen, geringfügig weniger für das BZÖ, mit einer erfolgreichen Wahlanfechtung, bei Neuwahlen nach Scheitern der Koalitionsverhandlungen... in all diesen Fällen käme es wohl zu einem diesbezüglichen Beschluss in den nächsten Monaten. Wer weiß, vielleicht wäre sogar in einer Rot-grün-orangen Koalition eine abgespeckte Minimalvariante zu realisieren gewesen? Oder in der GroKo, wenn Gusenbauer dafür den €fighter und andere Punkte in Kauf nehmen würde?

Chien de Pique
29.12.2006 17:29
Schon, aber Polen, das Baltikum, der restliche Balkan, die Türkei, die europäischen GUS-Staaten?

Tschechien ist für mich ohnedies noch eher Mitteleuropa, ganz wie Österreich.
Außerdem wären noch zu berücksichtigen die Zwergstaaten (außer Andorra), ich glaube die Slowakei und -noch- Irland (wo Homosexualität noch vor knapp über einem Jahrzehnt strafbar war, gerade jetzt aber, wie in Italien, sich ein Wandel vollziehen dürfte).
Keine Frage, Österreich liegt hinter den nordischen und meisten west/mitteleuropäischen Staaten zurück - und jedes Jahr mehr, wird sich dem starken Zeitgeist auch kaum dauerhaft entgegenstellen können - aber ist einfach unredlich so zu tun, als wäre die Republik ein anachronistisches und gänzlich isoliertes Gallisches Dorf - zumal die österreichische Position international immer noch absoluter Mainstream ist.

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