TCM empfiehlt Kombination aus Ernährung, verschiedenen Massagetechniken und Bewegungstherapie
Wien - Bis zu 80 Prozent der Frauen in den westlichen
Industriestaaten haben im Klimakterium Beschwerden. Etwa ein Drittel
leidet so sehr, dass die Betroffenen medizinische Hilfe, häufig in
Form von individuell rezeptierten Hormongaben, benötigen. Sofern es
möglich ist, wünschen sich aber viele Patientinnen auch alternative
Behandlungsoptionen. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)
bietet eine Kombination aus Ernährung, Massage und Bewegungstherapie
auf.
"Frauen in den Wechseljahren sollten ganz besonders auf ihre
Gesundheit Acht geben und sich regelmäßig beim Arzt untersuchen
lassen", betont die TCM-Expertin Wen Shi Chun. In ihrem Wiener
Zentrum beklagen sich Betroffene meist über Wallungen,
Unausgeglichenheit, Schwitzattacken, Selbstzweifel, Depressionen,
Schlaflosigkeit, Vergesslichkeit, Kopfschmerzen, unregelmäßigen
Zyklus und ein geschwächtes Immunsystem.
Nicht überreagieren
"Die Beschwerden und ihre Auswirkungen sind unterschiedlich,
manche verspüren gar nichts, manche leiden sehr darunter, manche
weniger", so Wen. "Wenn sie auftreten, sollte man nicht
überreagieren, aber rechtzeitig vorsorgen und die Situation unter
Kontrolle bringen."
"Die TCM glaubt, dass Wechselbeschwerden auf Nieren-Milz-Schwäche
und Leber-Herz-Unausgeglichenheit zurückzuführen sind", erläuterte
Wen. Auf Nieren-Schwäche führt die traditionelle
Medizin zum Beispiel Kreuzschmerzen, verstärkten Harndrang und
verringerte Abwehrkräfte zurück. Durch Milz-Schwäche entstehen
Erschöpfung und Übergewicht. Wallungen und Stimmungsschwankungen
seien auf "Leber-Unausgeglichenheit" zurückzuführen.
"Herz-Unausgeglichenheit" sei eine Ursache für Schlaflosigkeit,
Selbstzweifel, Vergesslichkeit und Unruhe.
Ernährung
"Empfehlenswert sind Milz-Nieren-Herz stärkende Lebensmittel", so
die Expertin. Dazu gehören Äpfel, Kiwis, Trauben, Litschis, Datteln,
Mais, Sellerie, Schnittlauch, Spargel, Ginkgo, Morcheln, Bohnen,
Sojamilch, Eier, Honig, Weizen, Süßkartoffeln, Radieschen, Hühner-
und Entenfleisch sowie Buchweizen. "Bei übermäßiger Menstruation
sollte die Frau nach Eisen- und blutstärkenden Lebensmitteln
greifen." Das seien beispielsweise Sojaprodukte, Spinat, Paradeiser,
Karotten, Champignons, Seetang, Morcheln, Pfirsiche, Marillen,
Mandarinen und Innereien.
Regelmäßiges Schröpfen
"Außerdem sollte man jede zweite Woche schröpfen", rät Wen Shi
Chun. Schröpfen - der Therapeut setzt gläserne Saugglocken entlang
der Reflexzonen auf den Rücken der Patientin - gehört zu den
bekanntesten der traditionellen "ausleitenden" Heilverfahren. Es gilt
als schmerzlindernd und durchblutungsfördernd.
Weiters sollen Tuina Anmo - "Tui" (Schieben), "Na" (Greifen), "An"
(Drücken) und "Mo" (Streichen), eine der ältesten manuellen Therapien
und wichtiger Bestandteil der TCM -, sowie Gua Sha - Reibung der
Körpermeridiane mit Hornblättern - hilfreich sein. Die Wirkung beruht
auf einer "Öffnung" blockierter Leitbahnen und der Anregung von Blut-
und Energiekreislauf mit dem Ziel, das gestörte Gleichgewicht von Yin
und Yang wiederherzustellen. Und: "Mit der passenden
TCM-Meridianbewegungstherapie beugt man auch Übergewicht vor" sagt
Wen Shi Chun. (APA)