
Sehr geehrte Damen und Herren,
die gute Nachricht lautet, daß Sie im deutschsprachigen Raum wahrscheinlich die besten Computerseiten nach Heise Online betreiben.
Die schlechte Nachricht ist, daß Sie sich täglicher Sprachverhunzung und der Schaffung von sprachlichen Monstern wie "AnwenderInnenfreundliche Virtualisierung für Linux" (in der Onlineausgabe von heute) schuldig machen.
Sicher sind Sie sich bewußt, daß das auch von der neuen deutschen Rechtsprechung nicht gedeckt ist, sprachlich aufgeblasen wirkt, Texte weniger leserlich macht, nach bemühter politischer Korrektheit riecht und nicht selten an Realsatire grenzt.
Der deutsche Vorreiter solchen Unsinns, die TAZ, hat das wohl längst aufgegeben und mit der irgendwann einmal publizierten Rubrik "LeserInnenbriefInnen" die nötige ironische Distanz bewiesen.
Auch Sie sollten irgendwann die 80er Jahre hinter sich lassen, in der Gegenwart ankommen und Ihren Webredakteuren erklären, wie man es vermeidet, sich täglich aufs neue lächerlich zu machen.
Die Computerseite hätte es verdient. Und ganz unter uns: Computerseiten werden eh nur von richtigen Männern gelesen. Und denen kann man damit nun wirklich nicht imponieren.
Mit freundlichen Grüßen und in der Annahme, damit gar nichts zu bewirken, es aber loswerden zu müssen
Andreas Bretschneider
Das gute und das Schlechte daran
Zuallererst freut es uns für die Kollegen vom "Webstandard", dass ihre Arbeit als das gesehen wird, was sie ist, nämlich großartig - wenn gleich diese Anerkennung den Wermutstropfen der Zweitreihung nach heise.de beinhaltet. Weniger erfreut sind wir naturgemäß über die Rüge an politisch korrekter Schriftsprache, die unseres Erachtens sogar im eigenen Medium des Standard.at nach wie vor unzureichend realisiert wird. Das Gute daran, um an die Bretschneider'sche Positiv-Negativ-Bewertung anzuschließen, betrifft den Lacherfolg, den er damit ausgelöst hat und für den wir ihm an dieser Stelle danken wollen. Herr Bretschneider, Sie haben also doch etwas bewirkt!
Das Amusement in diesem Fall richtet sich an die Umkehrung in der Bewertung: was Herrn Bretschneider emotional erregt - und diese Aufregung wird anhand der Fülle negativer Termini wie "Sprachverhunzung", "sprachliche Monster", "schuldig machen", "sprachlich aufgeblasen" etc. nahezu plastisch, erfüllt uns dagegen mit Genugtuung, mehr noch mit Freude. Denn zum einen nehmen wir löblich zur Kenntnis, dass sogar einige von Männern gemachte Computerseiten, die laut Bretschneiders Meinung "eh nur von richtigen Männern gelesen" werden, sprachlich geschlechtergerecht verfasst werden, und zum anderen richtet sich die von unserem User geäußerte Kritik der "Realsatire", die nach "bemühter politischer Korrektheit riecht" postwendend an ihn selbst.
Und wenn Andreas Bretschneider meint, die Redakteure des Webstandard sollten "die 80er-Jahre hinter sich lassen" und "in der Gegenwart ankommen", so fragen wir: Herr Bretschneider, in welchem Jahrhundert leben Sie? Denn das, was Sie in dem netten Briefchen von sich geben, erinnert schwer an das 19. Jahrhundert. Damals gab es zwar noch keine Computer, aber die Männer durften sich noch unwidersprochen als "richtige Männer" behaupten und politisch korrekt - anscheinend ist das für Sie ein Schimpfwort - mussten sie sich zu einer Zeit, als die Demokratie noch weit entfernt war, auch nicht gebärden. (dabu)
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der soll sich wohl 'mal selbst an der nase nehmen.
desweiteren ist online nicht nur das gesetz der deutschen rechtschreibung gültig. uns was im brief wohl einem "no-no" gleicht, ist im web noch lange erlaubt.
aber zur info des herr'n obergscheid:
die schreibung mit grossbuchstaben innerhalb eines wortes fand wohl schon vorher seinen ursprung in der (C++) programmierung, um namen leichter lesbar zu machen. (z.b. ungarische namenskonvention)
aber der geistige horizont ist wohl eben nur der abstand zwischen der stirn und dem brett vor'm kopf.
void SendToDevNull(char *leserbrief);
lg
wurm
...Sie sich in Ihrer alltäglichen kommunikation an so etwas wie die 'hungarian notation' anlehnen - und etwa das binnen-I verwenden; aber verlangen S' das doch nicht von anderen.
wenn die binnen-Iler sich damit durchsetzen, wird die sprache sich ändern, wenn nicht, müßen sie sich damit abfinden.
ich rate zu einsicht und umkehr - dieser 'k(r)ampf' ist verloren!
übrigens: der begriff 'vorreiter' hat kein geschlecht, bezeichnet jemanden der an der spitze - ev. neue wege - geht.
das ist so ähnlich wie beim 'kleinen mann' oder beim 'tante-emma-laden'. kein vernünftiger mensch käme auf die idee einen gendergerechten 'onkel-otto-laden' zu verlangen, weil der vernünftige so oder so bloß in einer greißlerei einkauft...
...würd' ich gerade auf "diestandard.at" nicht allzuoft verkünden. :)
http://tinyurl.com/2g2r6r
aber natürlich ist manches im leben mehr geschmackssache als feste regel.
was ich ihnen aber doch noch empfehlen würde, wäre, nicht nur zu prüfen, ob ein geschriebener text ihren notationen (oder auch den toleranzen) entspricht, sondern auch den sinn dessen zu erkennen, was abgebildet ist.
davon zu schreiben, dass die "TAZ" diese (un)art eingeführt hätte, oder dass diese notation wohl "altertumswert" hätte, zeigt wohl den geistigen horizont des verfassers.
und der vorreiter ist wohl, in diesem zusammenhang, psychologisch zu werten.
in diesem sinne:
CU + MTFBWY (ROFL)
*Sie* haben 'parallelen' zur hungarian notation gefunden und diesbezügliche betrachtungen angestellt - hr. bretschneider hat sich allein auf's binnen-I bezogen und recht damit, daß dieses experiment mittlerweile altmodisch und nur mehr peinlich ist.
Sie werden sehen, schon in wenigen jahren wird man über diese verirrung lachen, so wie man heute über die überbreiten herrensakko-schultern der 80er oder 'modische' vokuhilas lacht.
das binnen-I bringt keinen praktischen mehrwert, es sieht entsetzlich aus, läßt einen ständig drüber stolpern, kurz: es kann sich von sich aus nicht durchsetzen!
besser man sieht das ein, die diskussionen hier sind doch eh nur mehr rückzugsgefechte...
die schreibweise war im netz lange bevor es die TAZ übernahm. - was schliessen sie daraus?
dass sie meinen hinweis auf diesen irrtum als präferenz für diese schreibweise ansehen, resultiert wohl aus ihren vorurteilen.
und dass dies stilmittel "mittlerweile altmodisch und nur mehr peinlich ist. " ist ihre und bretschneiders subjektive meinung.
genauso, wie seit jahrzehnten verkündet wird, dass der "dieselpreis in kürze höher sein wird, als der benzinpreis", dass "der 3. weltkrieg gleich ausbricht" oder, dass "C++ eine unsichere und aussterbende sprache ist".
publizierte meinungen sind individuell subjektiv, und wenn man auf einer meinung lange genug beharrt, bekommt man auch irgendwann immer recht.
also so long, und viel geduld. :)
über die wertigkeit der grossbuchstaben im wortinneren, im speziellen das binnen-I habe ich mich nie geäussert.
ich selbst (wie man lesen kann) gehe soundso sehr sparsam mit grossbuschstaben um. ;)
meine definition wäre am ehesten "anwender/-innen", gehöre aber prinzipiell zu jenen menschen, die unter "der mensch" keine sexistische anspielung sehen.
ich akzeptiere aber auch jeweils die präferenzen anderer, vor allem, wenn ich mich ihn ihren "jagdgründen" bewege.
die verwendung des grossbuchstaben ist auch eine - IMHO - angenehmer lesbare variante, als die meine.
darum kann ich - gerade auf "diestandard.at" an den AnwenderInnen nichts anstössliches finden.
einfach geschrieben: jedem das seine, und das andere ist auch nicht schlechter.
Sie wissen aber schon, was das generische Maskulinum ist, und was der Sprache verloren geht, wenn man es durch Binnen-I und Beidnennung abschafft? (Denn genau das passiert: durch Binnen-I und Beidnennung wird suggeriert, daß grammatisches und natürliches Geschlecht das selbe sei.) Auf dieses Argument habe ich noch nie ein vernünftiges Gegenargument der Binnen-I-Befürworter (gen. Mask.!) gehört!
mein geschlechtsneutraler vorschlag entgegen der noch weiter spaltenden feministenschiene:
das benutz (fuer der/die/den benutzerInNen)
das handelskauf (fuer der/die/den handelskaufmannFrau)
das geisel (fuer der/die entgegen ihrem willen festgehaltenenInnen)
das frau (fuer die geschlechtsneutrale bezeichnung des durch die geschlechtschromosomenpaare bestimmten biologisch weiblichen geschlechts)
das mensch (fuer der/die MenschInnen)
das mann (fuer die geschlechtsneutrale bezeichnung des durch die geschlechtschromosomenpaare bestimmten biologisch maennlichen geschlechts)
das Binnen-I (fuer den/die schwachsinnInnen)
damit kann ich leben anstatt noch weiter zu differenzieren und stur auf prinzipien herumzureiten die nie welche waren
"Die Feministische Linguistik hat darauf aufmerksam gemacht, dass aufgrund dieser Problematik eine Wahrnehmungsverzerrung stattfindet, die insbesondere immer dann zusätzlich verstärkt wird, wenn das spezifische Maskulinum nicht gekennzeichnet wird".
Sprache ist halt nix "Gottgebebenes", sondern vom Menschen konstruiert. Und auch vom Menschen veränderbar...
ist ms-deutsch, mich krampft es auch jedesmal bei einem update!
aber gecanceled ist mein favoritIn (musste jetzt einfach sein :) ).
auffallend ist bei diesem Innen-unsinn das er nur angewendet wird solange es im artikel um etwas eher positives geht, sobald irgendetwas negatives ins spiel kommt, zb schnellfahren, wird auf diese massnahme sofort "vergessen".
sagen die Hirnforscher.Wie sehr,zeigen die Postings hier zu diesem brisanten Thema.Wir verwenden für vieles männliche Bezeichnungen:für Figuren,Tätigkeiten,Berufe.Wenn wir die Probe aufs Exempel machen u.weibliche Bezeichnungen verwenden od.überhaupt dafür finden,wird klar,dass es da nicht nur um Sprache geht,sondern auch um Werte,Normen u.Hierarchien.Z.B. -Wie heißt das männliche Gegenstück zu Krankenschwester,Klatschtante,zur Prostituierten, zum Dienstmädchen,zur Xanthippe?Wörter,Bilder, Zeichen öffnen uns Welten- das ist ihr Sinn. Genauso haben fehlende Wörter ihre Wirkung-durch diese Schlupflöcher entschwinden Menschen,Dinge, Zusammenhänge,weil sie nicht (mehr) wahrgenommen werden.Warum sind z.B.Wappentiere männlich:der Löwe,der Adler?
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