"Wir sind nahe am Bürger"

von Redaktion  |  26. Jänner 2007, 20:46
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    Zur Person

    Susanne Schaefer-Wiery ist seit April 2002 Leiterin des Polycollege.

Das Polycollege in Wien ist die älteste Volkshochschule Österreichs: Die Polycollege-Direktorin Susanne Schaefer-Wiery im STANDARD-Interview

STANDARD: 120 Jahre Polycollege bedeutet auch 120 Jahre Volkshochschule: Wie behaupten sich die VHS zwischen anderen Bildungsanbietern?

Schaefer-Wiery: Die VHS kommen nahe an die Bürger heran. So gibt es fast in jedem Wiener Bezirk eine VHS-Zweigstelle. Bestimmte Menschen machen den Schritt zur Bildung nicht von sich aus, darum gehen wir auf sie zu. Wir bieten z. B. Deutschkurse in Moscheen an. Dazu versuchen wir, sozial verträgliche Preise anzubieten. Die Grundbedürfnisse der Menschen haben sich in den 120 Jahren nicht gravierend verändert, unser Auftrag blieb im Wesentlichen derselbe.

STANDARD: "Bildung für alle" war seit jeher Anspruch des Polycollege: Bringen Sie Handwerker, Hausfrauen und Hochschullehrer unter einen Hut?

Schaefer-Wiery: Ja, die bringen wir zusammen. Aber wie viele klassische Arbeiter gibt es heute noch? Das Ausbildungsniveau hat sich verschoben, das ist klar. Dennoch hat Österreich zu wenig Maturanten und Akademiker. Es ist nicht alles so perfekt, wie es oft dargestellt wird. Wir springen ein, wo man uns braucht, und das ist nicht nur bei Bildungsabschlüssen der Fall. Tatsache ist, dass Maturanten und Uni-Absolventen kaum praktisches Wissen mitbekommen. Und da sitzt unser Anspruch! Die reine, hehre Wissenschaft ist nicht unser Auftrag.

STANDARD: Welche Rolle spielen die VHS künftig? Der Trend geht weg vom Gemeinschaftslernen, hin zu neuen Medien ...

Schaefer-Wiery: Am Polycollege spielt E-Learning eine Rolle, aber nicht in dem Sinn, dass jeder daheim sitzt, wie es früher gedacht war. Das funktioniert kaum, weil Menschen direkten Kontakt brauchen! Man muss die Technik einsetzen, wo es Sinn macht, aber es wird nie so sein, dass man den PC einschaltet und plötzlich alles kann. Man kommt nicht um das echte Lernen herum.

STANDARD: Sie feiern 2007 ein persönliches Jubiläum: fünf Jahre Direktorin am Polycollege. Ihr vorläufiges Fazit?

Schaefer-Wiery: Wichtig war die Einführung des Qualitätsmanagements für unser Angebot. Zudem bin ich Geschäftsführerin von Polyfilm und dem Filmcasino. Die Trennung dieser Bereiche, die vollkommen aus dem Volkshochschulbetrieb genommen wurden - das war organisatorisch nicht leicht, aber sehr wichtig.

STANDARD: Auch das neue Filmcollege geht auf Ihre Kappe ...

Schaefer-Wiery: Ja, das wurde im Vorjahr gegründet, da bin ich auch stolz drauf. Die Anregung kam von außen, weil unsere geschäftlichen Grundlagen das anbieten. Ich denke, es ist uns gut gelungen - im Februar startet der zweite Jahrgang. Eine Herausforderung ist, dass aufgrund der Ausbildungsdauer - drei Jahre - ein Schulcharakter entsteht, was in der Erwachsenenbildung unüblich ist. Wir entschärfen das mit der Arbeit in Modulen.

STANDARD: Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Schaefer-Wiery: Da steht vor allem unsere räumliche Erweiterung an: Wir eröffnen bald eine neue Filiale, und unser Werkstättenzentrum wird erweitert und näher am Hauptstandort angesiedelt.

STANDARD: Gibt es noch dieses klassische Männerbedürfnis nach handwerklicher Arbeit?

Schaefer-Wiery: Im Mittelpunkt steht das gehobene Kunsthandwerk, etwa das Vergolden und Restaurieren alter Möbel. Das hat definitiv eine Zukunft. Es ist ein Ausgleich zum Schreibtischjob, und es ist kein Zufall, dass man viele ehemalige Manager in diesen Kursen findet. Wir merken auch, dass beim Heimwerken die Frauen im Vormarsch sind. Die praktische Tipps, um verschiedene Dinge selbst zu erledigen. Denn Wohnen ist schließlich etwas Essenzielles. (Die Fragen stellte Bernhard Madlener, DER STANDARD, 27./28.1.2007)

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mlp
28.01.2007 09:10
Und wie sieht es mit "der Nähe zur Bürgerin" aus?

- stellt sich mir die Frage.

SuperOesi
28.01.2007 02:05
warum steht dieser Artikel auf DIEstandard.at?

..oder werden jetzt alle interviewten Frauen nur mehr auf DIEstandard.at veröffentlicht?

Gaia2
27.01.2007 19:46
Angebot zu teuer

Für ein Institut der VOLKSBILDUNG finde ich die Kurse ganz einfach zu teuer. Gibt es für diese Bildungssparte keine Subvention? Mit einem Nettogehalt von ca. € 900 - 1000 sind Kurse mit € 150 ganz einfach zu teuer. Und eigentlich sollte diese Institution ja nicht das Freizeitvergnügen von Managern fördern, sondern die untere bis mittlere Bildungsschicht, die vom Elternhaus nicht eine entsprechende Ausbildung finanziert bekommen haben. Auch die Kosten für Studienberechtigungsprügungen, Sprachzertifikatslehrgängen etc. sind wesentlich zu teuer.

King Carl
28.01.2007 11:23
Bildungsgutschein

Insgesamt sind die Kurse zu teuer, so kosten z.B. in deutschen Volkshochschulen vergleichbare Sprachkurse (Bereich € 115 - 140,-) lediglich € 30,-.

Zum Glück gibt es die Bildungsgutscheine der Arbeiterkammer Wien (jährlich € 100,-), die aber leider nicht auf alle Kurse anwendbar sind.

K

Gaia2
28.01.2007 11:34
Gutscheine der AK

Leider sind diese nicht auf alle Personen anwendbar.

Die Politik und die Medizin fordert immer lebenslanges lernen, ein Pensionist (soferne nicht Beamter) kann sich diese Kurse nicht leisten.

Und gerade Sprachkurse würde Demenzkrankheiten entgegenwirken. Abgesehen von der Lebensqualität.

Ant
27.01.2007 16:30
"Wissen ist Macht...

...und wir sind der Vermittler" so stehts geschrieben im Programmheft des Polycollege. Eine sehr befremdliche Auslegung von Bildung - eine Volkshochschule die "Macht" vermittlen will (möglicherweise auch eine maßlose Selbstüberschätzung?!).
Gerade weil ich die Institution sehr schätze, ist mir dieser Zugang zuwider.

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