"Unsere Sexualität ist anders - Freud hat sich geirrt"

Redaktion, 4. April 2007, 12:53
  • Artikelbild
    foto: archiv
    Marie Langer
    (1910 - 1987)
  • Artikelbild
    foto: kore verlag

Psychoanalytikerin Marie Langer plädierte in "Mutterschaft & Sexus" bereits 1951 für die Selbstbestimmung der Frau

Spätestens seit dem Erscheinen ihres Hauptwerks "Mutterschaft & Sexus. Körper und Psyche der Frau" zählt die Wiener Psychoanalytikerin Marie Langer zu den wichtigsten KritikerInnen der Freudschen Weiblichkeitstheorie. Auch wenn Langer, wie sie sagte, "es in einem gewissen Sinn als Sakrileg" empfand, in einigen, jedoch grundlegenden Punkten von den einseitigen, weil phallischen Konstruktionen Freuds abzuweichen, so war ihre Kritik konstruktiv und für die 50er-Jahre - ihr Buch erschien 1951 - nahezu revolutionär.

Von der Menarche bis zum Klimakterium spannt sich der Bogen in "Mutterschaft & Sexus", in dem die Wissenschafterin die Wechselwirkungen innerhalb des weiblichen Sexus anhand psychoanalytisch-psychosomatischer Studien darlegt und dabei - und das kann Freud nicht nachgesagt werden - fundierte kulturell moralische Ursachen nicht ausspart. Insoferne steht sie auch, zumindest die Konzeption des frühödipalen Stadiums betreffend, im gleichen Kontext wie Karen Horney, Helene Deutsch, Melanie Klein und Margaret Mead.

Die Untersuchung dessen, was Freud noch als "dunklen Kontinent" bezeichnet und ihn trotzdem nicht davon abgehalten hat, ein äußerst degradierendes und einengendes Geschlechterkorsett zu erstellen, nämlich die weibliche Sexualität, durchwebt hingegen Langer mit Vergleichen und Beispielen aus Geschichte, Ethnologie und Anthropologie.

"Ich begriff, dass unsere Sexualität anders ist...

... als die, die Freud uns zugeschrieben hat und dass er sich wirklich geirrt hat. Damals fing ich an über die Frau zu schreiben, über psychogene Unfruchtbarkeit, Menstruationsprobleme, Frigidität usw.". Und kam dadurch zu anderen Ergebnissen. Entgegen dem vorherrschenden politisch-psychologischen Frauenideal der 50er Jahre sprach sich Langer für die Vereinbarkeit von Beruf und Mutterschaft aus: "Eine Frau, die ausschließlich Mutter ist, wird mit ihrem Schicksal nicht zufrieden sein."

Ihr Plädoyer für Beruf und Selbstbestimmung der Frau war eines mit Wechselwirkungen. Umgekehrt würde auch der Verzicht auf die Mutterschaft möglicherweise Defizite bescheren, denn so Marie Langer "jeder Verzicht hat seine Folgen". Und diese wiederum könnten eine Verbitterung herbeiführen und den Glauben, sie sei weniger wert als der Mann; negative Wirkungen, welche von Generation zu Generation weitergegeben würden. Doch "die Frauen können genausoviel wie die Männer hervorbringen, auch wenn viele ihrer Werke in mancher Hinsicht ander sind..."

Marie Langer, Psychoanalytikerin der dritten Generation und Antifaschistin der ersten Stunde, lebte von 1910 bis 1987. (dabu)

Marie Langer:
Mutterschaft und Sexus
Körper und Psyche der Frau
Kore Verlag 1989
ISBN: 3-926023-10-4-sfb
384 Seiten mit Fotos
24,80 EUR
Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 55
1 2
Eine Kreatur
00
11.9.2008, 16:05
naja ..

für die selbstbestimmung von frauen waren frauen schon viele jahrzehnte vorher und es wurden auch bücher darüber geschrieben ..

nur verdrängen halt die "gewinner" der weltgeschichte immer die "verlierer" ..

PräsidentIn der Gesellsch. für Geschlechterstudien
34

Zumindest haben beide AutorInnen gemeinsam dass ihre Erkenntnisse zu dem Thema rein theoretischer Natur sind.

ero
01

Dann berichten Sie uns doch bitte aus der Praxis, Frau Präsidentin.

4simo
01
erich fromm hat in seinem buch *größe und grenze der psychoanalyse*

eine situation zitiert. freud hat einen seiner träuem selbst analysiert und sei zu folgenden schluß gekommen (frei formuliert): *jetzt müßte ich annehmen, neidig zu sein, aber da ich ja eine selbstterhapie hinter mir habe, is folgende analyse richtig....*
:)
er war in erster linie ein mensch, der vieles wahrgenommen hat, und einiges weder von seiner zeit noch von seiner eigenen geschichte trennen konnte.... und über die vergangenheit zu urteilen ist leichter als es in der jetztzeit besser zu machen.....

Herr Franz, Kellner iR
33
na bitte

die erklärung für die vorgänge in diesem forum und die erfindung des feminismus: "Umgekehrt würde auch der Verzicht auf die Mutterschaft möglicherweise Defizite bescheren, denn so Marie Langer "jeder Verzicht hat seine Folgen". Und diese wiederum könnten eine Verbitterung herbeiführen und den Glauben, sie sei weniger wert als der Mann; negative Wirkungen, welche von Generation zu Generation weitergegeben würden."

Nik M
26

Wie koennen die negativen Folgen des Verzichts auf die Mutterschaft von Generation zu Generation weitergegeben werden?

Chien de Pique
00
Weil eine solche Erfahrung, Sicht bzw. Wertung weitergegeben

werden kann, oder auch losgelöst von der individuellen Frau existieren, z.B. als Dokument, Stereotyp, literarischer Topos, Redensart usw.

Herr Franz, Kellner iR
33
geh bitte

kommens mir jetzt nicht auch noch mit kleinkarierter logik... ;o)

Rote Zecke
04
Ja, genau. Nur keine Logik!

Die strapaziert so manches Posterhirn zu sehr ...

Herr Franz, Kellner iR
31
ich meinte eigentlich eher

posterinnenhirn.
apropos hirn, wußten sie schon folgendes: "Für den Intelligenz-Zuwachs in den ersten Lebensjahren sorgt hauptsächlich die Mutter. Ihre Liebeszuwendungen stimulieren neuronale Verbindungen und damit die Entwicklung des Gehirns."
schön, gell?

Rote Zecke
00
Ja, das finde ich auch schön!

Herr Franz, Kellner iR
00
na dann

genieße ich diesen kurzen augenblick der harmonie, bei dem es sich nur um zehntelsekunden handeln kann, und verabschiede mich ins wochenende nicht ohne darauf hinzuweisen, daß ich obiges zitat in jugendlichem frühlingsüberschwang von frau tethys gefladert habe.
dehre.

Kosmos 100001
01
Wieso besteht eigentlich dieser Komplex "Mutter sein",

mit allen seinen unterschiedlichen Positionen, der den Frauen zugeschrieben wird.
Wieso fragen sich die Männer nie, wieso sie da mitreden wollen? Ich habe schon oft beobachtet, dass Männer, die ewiggestrige Ansichten haben, auf biegen und brechen für der Mutter Rechte eintreten, für die Mutter gegenüber jedem anderen, auch dem ewiggestrigen Papa, feministische Ansichten vertreten, aber wenn´s die eigene Partnerin oder grundsätzlich andere Frauen sind, dann sind sie lieber wie der Papa, weil sie vor der eigenen Frau und vor anderen Frauen Angst haben. Ich glaube so was nennt sich Mutterkomplex. Es gibt natürlich auch jene, die nicht mal ihre eigene Mutter schützen. Die Männer müssen sich mit „Mutter sein“ beschäftigen, nicht die Frauen.

4simo
00
:))))

und die eigenartigen reaktionen der männlichen poster ist wohl mit der angst vor der urmacht der frauen begründet......

manchmal ist ein zitat einfach nur ein zitat....
und ja, zu möglichen vollständigkeit gehört uU auch Mutter sein... ein zustand in der langen liste der dinge, denen man sich stellen sollte.... oder auch nicht,. je nachdem...

bor
21
Genauso wie manchmal ein Zigarre nur eine Zigarre ist.

Herr Franz, Kellner iR
00
welche

eigenartige reaktionen?
ein zitat ist ein zitat, aber es soll ja auch etwas aussagen.

4simo
00
och da gibt es einige.... :)))

ein zitat aus dem zusammenhang zu reissen, und damit zu versuchen die eigene interprattion des verhaltens der mitdisku tanten zu untermauern... ist nicht das wahre.......
die aussage, die sie zitieren ist eine einfache: auch das verleugnen des mutterseins, kann für frauen negative konsequenzen haben.. das steht nicht mehr drinnen....
der rest des zusammenhangs ist ihre interpretation.... und nur diese....

Rote Zecke
47
Gehn'S, Herr Franz, wär's nicht besser, sich erst einmal mit der Geschichte des Feminismus zu befassen, bevor Sie hier so einen unfundierten Schmarrn von sich geben?

Herr Franz, Kellner iR
12
treffer, versenkt

ich hab hier gar nichts großartig von mir gegeben, sondern zitiert. und anscheinend voll ins schwarze getroffen.

Vorlauter_Ernst
04
Herr Franz Kellner,

Zitate - das habe ich zumindestens gelernt - sind nicht immer das, was die Person eigentlich ausgesagt hat, sondern sind nur ein Herausgerissener Teil.

Z.B: Zitat Herr Kellner: "ich hab hier gar nichts großartig von mir gegeben". Das war Herr Kellners Meinung zum Posten in die Standard....

Gala Biondi
12
Feminismus

Wer das Recht auf Gleichheit zwischen Mann und Frau generell in Frage stellt, ist ein Menschenfeind.

Herr Franz, Kellner iR
36
feminismus

allein der name meint nur ein geschlecht. also ist der feminismus menschenfeindlich, wollen sie das sagen?

Rote Zecke
22
"Die Erklärung für die ... Erfindung des Feminismus" ist also ein Zitat?

Jetzt ja. In Ihrem Posting war es das allerdings nicht.

Aber spielen Sie ruhig weiter Schifferlversenken. Das entspricht Ihrem intellektuellen Niveau ohnehin mehr ...




Herr Franz, Kellner iR
33
uiiii

jetzt wird sogar das "intellektülle niewoh" bemüht. ich finde das zitat trotzdem treffend, so wie sie.
zu ihrer schlechten laune nur eine kurze frage: pms?

Rote Zecke
32
Netter Versuch. Aber meine gute Laune lasse ich mir von einem grantelnden alten Ober nicht verderben ...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 55
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.