
Jeder kennt die Geschichte. Sie ist tausende Male passiert. Adam und Eva, beide berufstätig, gehen eine Beziehung ein. Sie räumen abwechselnd den Geschirrspüler aus, zahlen im Restaurant abwechselnd die Rechnung, fühlen sich als gleichberechtigte Menschen. Weil alles so schön und harmonisch ist, ist ein Kind unterwegs. Und dann schlägt die Geschichte zu. Die beiden haben sich nämlich am Küchentisch zusammengesetzt und überlegt, wie sie das mit dem Kind auf die Reihe kriegen. Adam verdient mehr als Eva (er hat nämlich Informatik studiert, sie Kunstgeschichte). Da ist es nur logisch, dass sie eine Zeit lang daheim bleibt und er das Geld heranschafft. Das sei natürlich nur ein vorübergehendes Arrangement, versichern sie einander. Sobald das Baby krabbeln kann, werde man sich etwas anderes überlegen. Dann wechsle man ab. Dann komme er dran. Dann stelle man einfach wieder auf Gleichberechtigung um. Zu den drögen Mutti-Vati-Eltern gehören wir nämlich nicht, sagen Adam und Eva, nie und nimmer. Küchenschürze und Pantoffeln kommen uns nicht ins Haus.
Dann ist das Baby also da. Die schicke Eva-Mama, den iPod im Ohr, schiebt den Buggaboo über den Naschmarkt und schlägt im Drogeriemarkt die Zeit tot. Abends kommt der schicke Adam-Papa aus der Arbeit, es ist wieder einmal ein bisserl später geworden. Die Verantwortung lastet jetzt schwer auf seinen Schultern, er muss ja neuerdings eine Familie ernähren. Doch, selbstverständlich schaukelt auch er das Baby, wenn er Zeit hat, man ist ja im Prinzip gleichberechtigt. Doch wären die beiden ehrlich, sie müssten zugeben: Aus der Nähe betrachtet, ist das ganze Arrangement dem drögen Mutti-Vati-Modell nicht sehr unähnlich, den iPod vielleicht ausgenommen.
Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt. Das Baby will Brei. Weder Adam noch Eva tragen ein Gen in sich, das sie zum Brei-Anrühren prädestiniert. Aber sie hat, in all den Monaten daheim, schon ein bisserl Routine mit dem Pulverzeug aus dem Drogeriemarkt. Er zögert kurz – vielleicht macht er den Brei zu heiß oder zu bröselig, dann weint das Baby, und er ist schuld? Sie rührt also den Brei. Sie rührt dreimal den Brei. Und wenn er es beim vierten Mal zaghaft versuchen will, schubst sie ihn beiseite, denn jetzt kann sie es besser, garantiert. Eva weiß inzwischen eben genauer, wie das Baby tickt. Sie versteht, was es meint, wenn es sich am Ohr zupft. Sie muss zugeben, dass sich Adam, wenn er dem Baby den Pullover über den Kopf zieht, ein bisserl ungeschickt anstellt. Sie fragt sich, ob man die beiden wirklich den ganzen Tag allein lassen kann. Ob sie nicht doch noch ein paar Monate länger daheim bleiben sollte, zumindest bis das Kleine gehen kann?
Und dann ist es wieder einmal passiert. Während das Baby sich zum Kleinkind ausgewachsen hat, ist Eva Mutti geworden. Sie ist zuständig und wird irgendwie zuständig bleiben, weil sie all die tausend Dinge einfach routinierter, selbstverständlicher auf die Reihe kriegt: Sie hat den Überblick, wann die Feuchttücher ausgehen, sie weiß, welche Salbe für welchen Popozustand die beste ist, welche Sorte Früchtebrei am wenigsten gezuckert ist, und sie wird die Termine mit den Tagesmüttern in ihrem Kalender notieren.
Adam ist gleichzeitig Vati geworden. Er hört sich alles nach Feierabend interessiert an und kommentiert. Aber so wirklich, richtig geht es ihn eigentlich nichts an. Er hat anderes zu tun. Obwohl: Eigentlich hat Eva ebenfalls anderes zu tun. Selbstverständlich arbeitet sie inzwischen wieder, eine dröge Hausfrau wollte sie ja nie sein. Doch sie ist anders berufstätig als er. Sie erledigt einen Auftrag zwischendurch am Küchentisch und macht ihre Telefonate mittags, wenn das Baby schläft. Sie arbeitet, wenn das Kind gesund und fröhlich ist; wenn es hingegen Durchfall hat, verschiebt sie ihre Termine; wenn der Babysitter ausfällt, ebenso. Sie hat ein schlechtes Gewissen, wenn sie aus dem Haus geht, obwohl es gerade Zahnweh hat. Er hat kein schlechtes Gewissen, denn das würde am Zahnweh nichts ändern. So geht die Geschichte, jeden Tag in Österreich. "Was ist das größte Problem für Frauen?", heißt es tausendfach in Zeitungsartikeln, Diskussionsveranstaltungen und Expertenstudien. Die Antwort lautet, tausendfach: "Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie." Einerseits ist diese Diagnose natürlich richtig. Gleichzeitig nervt sie. Sie nervt, weil sie, wieder einmal, Kinder zur Frauensache macht. Sie zurrt die Verantwortung für deren Wachsen, Wohlergehen und Gedeihen an den Müttern fest, und zwar ausschließlich an ihnen.
Eva darf arbeiten gehen - wenn sie das locker mit dem Popowischen "vereinbaren" kann >>>
| 1 | 2 | weiter |
Die Obsorge-Debatte darf, mehreren Debattierenden zufolge, kein Geschlechterkampf sein - "Gene" und "Natürlichkeit" spielten bei RednerInnen dennoch eine Rolle
Magere zwei Prozent lassen Familienstaatssekretärin nicht die Hoffnung aufgeben, dass sich Quote mittelfristig auf 20 Prozent steigert - Längste Variante nach wie vor am beliebtesten
Das Netzwerk Österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen spricht sich gegen den Vorschlag der Justizministerin aus
Frauen, die sich gegen gemeinsame Obsorge entscheiden, hätten "gute Gründe"
Parteien weiter uneinig bezüglich Automatismus - Diskussion über Rahmenbedingungen für Besuchsrechts- und Obsorgeverfahren: Parlamentarische Enquete ließ ExpertInnen zu Wort kommen
Nach Fachtagung fordern ExpertInnen automatische Aussetzung von Obsorge- und Besuchsrechten im Falle häuslicher Gewalt
Gewaltaspekt werde bei Scheidung wenig berücksichtigt - Forderung nach Fokussierung auf Sorgepflicht der Väter
Bevölkerungswissenschaftler Münz über Herausforderung Vereinbarkeit: Gut ausgebildete Frauen werden gebraucht - als Arbeitskräfte und als Mütter
Positionen gehen auseinander: Bandion-Ortner will deutsches Modell, Christine Marek sieht noch Diskussionsbedarf und Heinisch-Hosek ist sehr skeptisch
In der Beziehung arbeiten die Männer meist Vollzeit, die Frauen immer noch Teilzeit
Das einkommensabhängige Kindergeld ist derzeit nur für drei Prozent der Eltern attraktiv. Für die Pauschal-Kurzzeitvariante hat sich nur ein Prozent entschieden. Die Familienstaatssekretärin ist trotzdem zufrieden
Österreich liegt in der Betreuungsquote der unter Dreijährigen noch weit entfernt von den EU-Vorgaben
Heinisch-Hosek will Absetzbetrag für AlleinverdienerInnen streichen - Marek kommentiert Vorschlag nicht: Frauenministerin habe in ihrem Bereich "genug zu tun"
Familienministerium informiert und berät mittels neuer Website
"Ich will gleiche Standards vom Boden- bis zum Neusiedlersee", so die Frauenministerin - Derzeit ist Kinderbetreuung Ländersache
UN-Konvention soll "Türöffner" für Änderung bei Obsorge- und Besuchsrechten sein
Familie Moser zahlt viel Geld für selbstbestimmtes Lernen
7.323 Väter blieben im Dezember bei ihren Kindern
Bandion-Ortner sieht Handlungsbedarf bei Durchsetzung des Besuchsrechts für Väter - Deutsches Modell als Vorbild - Heinisch-Hosek hält Vorstoß für "oberflächlich"
Wenn Eltern streiten, können Kinder künftig bei Obsorge mehr mitreden
Mehr Geld, mehr Karenzpapas: Hoffen auf Anstieg auf 20 Prozent - auch dank einkommensbezogenen Kindergelds
Nur in jeder 100. Familie in Österreich ist ER Alleinerzieher
Nach einem Straßburger Richterspruch ist ein Konflikt entbrannt: Dass unverheiratete Väter gleiches Sorgerecht für Kinder wie Ehemänner haben sollen, entzweit Anwältinnen und Männerberater
Rund 75 Prozent der Väter nehmen Zuschuss nur zwei Pflichtmonate lang in Anspruch - Bei den Müttern sind es nicht einmal ein Prozent
Für einen Vorrang der Mutter beim Sorgerecht oder handelt es sich dabei um Diskriminierung
Haben Trennungen oder Scheidungen diskriminierte Männer zur Folge? "Natürlich nicht" - so Familienrechtsexpertin Helene Klaar im dieStandard.at-Interview
Väter-Anteil aber insgesamt bei geringen 15 Prozent - 70 Prozent haben nur ein Kind
Einkommensabhängigkeit ist größte Änderung - Alle Neuheiten im Detail finden Sie hier
Regelung gilt seit Juli 2001 für alle geschiedenen Ehen
*Beim Eislaufen oder Museumsbesuch soll sie mitkommen. Zu Ostern soll sie Nestchen basteln, im November Laternen, zwischendurch Buchstaben in Kuchenform, und dann bitte auch noch Flöte üben.*
Wer so denkt sollte wirklich keine Kinder bekommen, sondern besser in seiner coolen Bobo-Kommune bleiben.
Das ist es nun mal was Kinder ausmacht. Kinder haben so ein Leben und als erwachsener Mensch bin ich dazu verpflichtet meine eigenen Interessen hinten an zu stellen. Kinder erziehen heisst sich auf seine Kleinen einzulassen und deren Leben zu teilen. Wenn ich, aus welchen Gründen auch immer, eine Abneigung gegen einen gewissen Lebensstil habe darf ich eben keine Kinder in die Welt setzen. Feierabend-Bier in Szenekneipen und Baby geht nicht!
voll aus dem leben gegriffen, beide akademiker.
eva wird mutter, wie grauenhaft.
er arbeitet, wie schrecklich. vermutlich verspielt er sein ganzes geld im casino. oder verwendet er es doch für die familie? eva sucht gerne urlaube aus, lesen wir.
die wichtigen dinge werden nach der arbeit bei einem bier besprochen. aha. also ist er doch nicht akademiker sondern rührt am bau zement an.
altbekannte phrasen: kinder sind eine last, in der gegenwart von kindern verblödet man, mit kindern laternen basteln ist das letzte, männer sind bequem und mies, nur der feminismus kann die welt retten.
frauen, die so denken, rate ich: bitte keine kinder. muß ja nicht sein.
gern geschehen.
Eins davon stimmt sicherlich: 24/7 mit Kleinkindern ist tatsächlich nicht besonders intellektuell anregend. Das heisst nicht, dass sie nicht entzueckend sind und diese Jahre wunderbar; das heisst auch nicht, dass Kinder eine Last sind. Nur: wenn sie klein sind, gibt's weder recht viel Gesrächsstoff (blabb-blubb-guuuuu) noch fordernde moralische Debatten noch nervenzehrende Teeniediskussionen ("Er darf aber auch zum Rammsteinkonzert.") noch ist ein Tag mit Kleinkindern mit beruflichen Leistungen und Erfolgen in einem interessanten, erfuellenden Beruf zu vergleichen.
wer hat denn schon den tollen, erfüllenden beruf mit wahnsinnskarrierechancen und traumgehalt, von dem hier immer die rede ist?
die meisten jobs sind nur armselige routine verglichen mit dem abenteuer, ein kind aufwachsen zu sehen. gerade im ersten jahr tut sich doch wahnsinnig viel: die ersten worte, sitzen, gehen, dinge erkennen etc.
dagegen sind doch meetings mit den immer gleichen leuten und den immer gleichen ergebnissen doch ein komplett lächerlicher schmarren.
manchmal glaube ich, der feminismus wird von der industriellenvereinigung gesponsert.
Klar, aus einer gewissen Entfernung kann man das als großes Abenteuer beurteilen - was es ja auch ist. Aber das macht das tagtägliche stundenlange Einerlei auch nicht wirklich spannender. Stellen Sie sich vor, Sie wären Astronaut: ein total erhebendes, besonderes Abenteuer, das sich aus der Nähe aus lauter mordslangweiligen Routinearbeiten ("Druecken Sie auf diesen Knopf!") und einigen aufregenden Momenten zusammensetzt.
das problem der langeweile im weltraum dürften relativ wenige leute haben. finden sie nicht?
ansonsten kann ich mich nur wiederholen: wem es dermaßen unerträglich ist, wenigstens die ersten jahre mit seinem kind zu verbringen, wer unaufhörlich danach lechzt, sich im wahnsinnsjob zu verwirklichen, der sollte statt der anschaffung von kindern den kauf eines aquariums ins auge fassen.
Nicht unbedingt. Ein Leben dauert ziemlich lang - die Zeit mit Kind ca. 20 Jahre, das war's denn aber auch schon. Ich finde es vertretbar, Kinder zu bekommen und die gut zu erziehen, auch wenn einen Kleinkinder mitunter langweilen, und sich danach wieder in seinen Job zu stuerzen. Diese Fundamentalistenansätze (Entweder 120% lebenslange Karierre ODER 120% lebenslang ein Kind nach dem anderen) bringen doch rein gar nichts!
ich kenne nur wenige Männer, die sich statt Kindern ein Aquarium kaufen, nur weil sie nicht drei Jahre bei ihrem Kind zu Hause bleiben wollen. Bei einer Nicht-Zu-Hause bleib Mentalität ist es Männern nicht eingefallen, Abstand zu halten davon, Kinder zu zeugen, nein, ganz im Gegenteil: je weniger der Gedanke, desto weniger Verhütung.....
"wem es dermaßen unerträglich ist, wenigstens die ersten jahre mit seinem kind zu verbringen, wer unaufhörlich danach lechzt, sich im wahnsinnsjob zu verwirklichen, der sollte statt der anschaffung von kindern den kauf eines aquariums ins auge fassen. "
verstehe ich sehr wohl, aber ihres nicht. was soll "Bei einer Nicht-Zu-Hause bleib Mentalität ist es Männern nicht eingefallen, Abstand zu halten davon, Kinder zu zeugen, nein, ganz im Gegenteil: je weniger der Gedanke, desto weniger Verhütung..... " aussagen? geht das auch in halbwegs verständlichen sätzen?
Sehr viele Frauen HABEN bereits Kinder und kommen DANN drauf, wie anstrengend das Ganze auch ist. Aber ein Umtauschzettel ist in den seltensten Fällen dabei.
Schönreden nützt nix. Kinder sind Freude UND Belastung. Wer behauptet, Kinder zu haben, sei ausschließlich eine Wonne, lügt oder ist ein genialer Verdränger.
Männer, die IHRE Vaterrolle ernst nehmen, brauchen sich von der geäußerten Kritik ja nicht angesprochen zu fühlen.
schönreden nützt nichts. aber wann haben sie hier in diesem forum jemals den satz gelesen "kinder sind eine freude?"
ich nie. hier regiert das exakt andere extrem, hier wird über kinder geschrieben als wären sie eine krankheit.
und was den rest betrifft: das ist ja nicht der bericht irgendeiner frau. die dame ist hauptberuflich journalistin und es darf angenommen werden, daß sie mit diesem artikel etwas aussagen will, ihr handwerk versteht und weiß, wie man das rüberbringt. da soll ja was bewirkt werden.
bis auf ein paar Details. Grundsätzlich traue ich allen Frauen (bis auf psychisch Kranke) zu, ihre Kinder zu lieben, ihr Wohl an die erste Stelle zu schieben und auch Opfer zu bringen, wenn nötig.
ABER FRAUEN RUFEN NICHT DEN GANZEN TAG: Ich liebe mein Kind, Muttersein ist das Beste, was mir je passiert ist. Das ist selbstverständlich für sie.
Und wenn sie sich beschweren, dann wegen ungünstiger Rahmenbedingungen, die ihnen das Leben unnötig erschweren.
So negativ sind die Meldungen bei weitem nicht.
Aber wir können's ja versuchen.
Wer findet, Kinder sind eine Freude, kann hier gruen bewerten, wer findet, sie sind eine Last, rot, wer findet, sie sind beides, beides. Dann haben wir ein huebsches Stimmungsbild, was viel billiger kommt als eine Studie...und schneller geht's auch.
Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.