Österreichische Muslime kritisieren "Fehlurteil" in Saudi-Arabien

Redaktion, 14. Mai 2007 12:55

19-jähriges Vergewaltigungsopfer zu 90 Peitschenhieben verurteilt

Wien - Die "Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen" distanziert sich scharf von der Verurteilung eines 19-jährigen Vergewaltigungsopfers zu 90 Peitschenhieben durch ein Gericht in Saudi-Arabien. Wie aus einer am Wochenende veröffentlichten Pressemitteilung von Imam Tarafa Baghajati hervorgeht, hat sich die von ihm mit gegründete "Initiative" inzwischen direkt an saudische Stellen gewandt. Wie bereits berichtet, soll eine Frau, die von einem Mann erpresst und von einer Gruppe von Männern entführt und vergewaltigt worden sei, von einem Gericht in Saudi-Arabien zu 90 Peitschenhieben verurteilt worden sein. Begründet wurde der Urteilsspruch damit, dass die 19-Jährige einen Mann getroffen habe, mit dem sie nicht verwandt sei, wie die Betroffene in einem anonymen Interview selbst berichtet hatte. Sie sei das Opfer einer Erpressung, sagte die junge Frau. Ein Mann habe sie zu einem Treffen gezwungen, indem er ihr drohte, ihrer Familie über ein angebliches außereheliches Verhältnis zu berichten. Solche Beziehungen sind in Saudi-Arabien verboten.

"Fehlurteil" In einem Schreiben an die saudische Botschaft in Österreich und an den saudischen König Abdullah stellte die "Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen" fest, "dass uns für ein solches Fehlurteil jedes Verständnis fehlt". Die Richter in Katif wurden ersucht, ihr Urteil zu überdenken und im Sinne des Islam zu revidieren.

"Wir können es als Muslime nicht nachvollziehen, dass die Richter der Stadt Katif ein 19-jähriges Vergewaltigungsopfer zu 90 Peitschenhieben verurteilten ... Diese Frau braucht nach der schrecklichen Vergewaltigungserfahrung dringend therapeutischen Beistand von einem kompetenten Expertenteam, zu welchem unbedingt einfühlsame Frauen gehören müssten. Mit einem solchen Fehlurteil wird zusätzlich zur psychischen und physischen Quälerei der Frau ihr und der Gesellschaft der Eindruck vermittelt, selbst an der Vergewaltigung schuld zu sein. Dagegen ist Vergewaltigung ein Verbrechen seitens des Täters und nie des Opfers (...) wir bitten Sie auch zu bedenken, wie das Image unserer Religion unter Meldungen leidet, wenn Frauen in ihren elementaren Rechten und in ihrer Würde scheinbar religiös legitimiert verletzt werden", heißt es in dem Schreiben. (APA/red)

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BK W. Shoyssel
20.03.2007 05:33
Fehlurteil ?

Der Begriff "Fehlurteil" ist geil.
Schandjustiz wäre wohl die richtige Bezeichnung.
Fehlurteil bedeutet ja, dass man die Strafdrohung an und für sich ok findet, falls die Frau wirklich "schuldig" wäre.

Die Abschaffung dieser mittelalterlichen Strafen sollte von Herrn Baghajati gefordert werden. Es ist dem Image des Islam nämlich auch nicht gerade förderlich, wenn "schuldige" Frauen, die es wagen mit einem fremden Mann im Auto zu fahren, ausgepeitscht werden.

Herbstgesang
31.03.2007 16:32
gut und schön

aber was geht uns das an? Wir haben selbst genug Schutt herum liegen.

BK W. Shoyssel
31.03.2007 19:20

na sicher, jeden langen Einkaufsdonnerstag gibts am Hohen Markt zumindest eine Auspeitschung und am ersten Samstag im Monat bei der SCS eine Steinigung

reflexion
19.03.2007 19:09
Die Muslimbruderschaft und die Saudis

Gegen die Saudis zu sein, ein salopper Schachzug. Da kommt mir die Muslimbruderschaft in den Sinn. Der Dipl.Ing. Baghagati ist Techniker, hat an den Demos der Saudi-Arab. Privatschule des ehem Dir. der IRPI im unheiligen Prostestkrieg gg. die Mohammed-Karrikaturen teilgenommen. Interessant ist das schon.Jetzt ist er Imam.

Aristarch
19.03.2007 22:53
Er ist NICHT Imam!

Woher kommt diese Gerücht?

reflexion
19.03.2007 23:02

VON IHM SELBST!

Aristarch
20.03.2007 10:28
Hier leigt wohl ein Missverständnis vor:

Mir gegenüber hat er nie behauptet Imam zu sein. Er tritt nur fallweise in Vetretung des Imams in der Schuramoschee auf. Mir gegenüber hat er ausdrücklich den Ausnahmecharakter dieser Rolle betont. Hier muss es sich um ein Missverständnis handeln.

Siehe auch: http://islaminitiative.at/

reflexion
02.04.2007 22:40

Er setzt sich auch auf alle Podien für den interreligiösen Dialog. Hat schon vielen Menschen den Job gekostet. Die Leiterin der Wr. Büchereien hat ihm die Zähne gezeigt, Henryk Broder war der Buchautor.

reflexion
29.03.2007 22:31
hirtermadl
15.03.2007 08:42
das image der religion leidet?

schlimmer noch: das image ist kaputt. ein aufpolieren nicht mehr möglich und offensichtlich von den religionsvertretern gar nicht erwünscht.
erbärmlich ....

Aristarch
19.03.2007 14:30
Erbärmlich ist es

Leuten, die sich für Menschenrechte einsetzen, in den Rücken zu fallen.

Noch erbärmlicher ist es, dies auch noch auch niedrigen Motiven zu tun: Weil man voller undifferenzierte vorgefasster Meinungen ist und deshalb das positive Engagement, das ein Angehöriger der verhassten Religionsgemeinschaft zeigt, nicht gelten lassen will.

Promille Prolet
22.03.2007 17:55
einspruch

fuer menschenrechte tritt man dann ein, wenn man alle folterstrafen ablehnt. und nicht von fall zu fall entscheidet, ob der deliquent sie vielleicht verdient hat oder nicht.

reflexion
19.03.2007 23:07

Ich kann auch jeder Menschenrechtorg. beitreten.

juliush
14.03.2007 12:39
statt 90 nur 45?

Im Sinne des... ?

Kosmos 100001
13.03.2007 15:39

Bravo an die Aktivistinnen! Hoffentlich schließen sich Muslime anderer Nationen und saudische Musliminnen auch noch an, und hoffentlich ist es für das Mädchen nicht zu spät!

reflexion
19.03.2007 17:14

Ja, übernehmen Sie die Konsequenzen?

krenreiber
15.03.2007 23:44

Imam Baghati gedieh in Rumänien.

Chien de Pique
15.03.2007 21:45
Ja, ganz toll.

Das einzige Problem ist offenbar, dass es um ein Fehlurteil geht; an der Strafe selbst oder einer religiös ausgerichteten Justiz ist offenbar nicht viel auszusetzen.

Kosmos 100001
19.03.2007 17:36
Nein, Sie missverstehen da was, natürlich ist es unisono ein Fehlurteil.

Diese Strafen, die Repressionen sind ein Verbrechen. Das was bei den Saudis passiert, ist ein Regime, dass seine Blütezeit in den Kolonialmächten erfuhr und durchs Öl regelrechten Aufschwung erhielt. Es ist nichts anderes als arabischer Nationalismus, der sich neb. a. durch islamistische Hadithe, die nicht legitimiert sind, erhält. Der saudische König träumt im Einklang mit Anhängern vom „arabischen Großreich“ und glaubt das sei Islam. Das nennt sich Wahabismus und ist außerhalb des Islams. Außerdem ist es so, dass sie grundsätzlich jeden Rülpser, den sie von „außen“ wahrnehmen, als westlichen Imperialismus werten (Imperialismuszwangsneurose?). Im heutigen SA geht’s nicht um Islam, das ist das Problem der Moslems, hier und dort u. überall.

reflexion
19.03.2007 19:40

Kurzum, es ist nicht der reine Islam.

Kosmos 100001
20.03.2007 10:26
Also um hier weiteren Mutmassungen gerecht zu werden, und um allen weiterhin zu sagen woran sie glauben, zeige ich mein Gesicht:

Für Leute wie Krenreiber, bleib ich der Dawa „pur“, für Mamonas, die betrogene naive Konvertitin, für jeden der sich vor Konvertiten fürchtet, bleibe ich grundsätzlich die Österreicherin, die ihr Land „verraten“ hat, außerdem für die klassischen Rassisten eine Ausländerin, am besten aus dem mittleren Osten, die sich außerdem hier eingeschlichen hat, um den Islam zu verbreiten, für die grundsätzlichen Religionskritiker bleibe ich die unbelehrbare Gefangene, die keine Ahnung hat, was Freiheit bedeutet. Für manche einer konservative Religionslehrerein, aufklärende „Kosmose“, die keine Ahnung hat, usw. Damit auch alle nicht vergessen woran sie glauben, wofür sie leben, oder wie „frei“ sie sind, damit auch alle wissen, was sie sind.

krenreiber
15.03.2007 18:54

Der Baghajati ist kein Imam.

fibiundchillie
13.03.2007 20:44
Ihr überschwängliches Bravo für "Aktivistinnen"

die eigentlich nix anderes gemacht haben, als aus dem freien Land Österreich einen Brief nach Saudi-Arabien zu schreiben, erlaubt schon einen -sicher unfreiwilligen- Einblick in Lebens- und Gedankenwelten... naja. Hoffentlich ist es den saudischen Musliminnen überhaupt MÖGLICH, sich anzuschließen. Sie brauchen dazu wahrscheinlich wieder mal zuallererst die Erlaubnis des Familienoberhauptes, des männlichen. Und hoffentlich können sie sich von zu Hause aus anschließen, immerhin dürfen sie ja ohne männlich-familiäre Begleitung nicht auf die Straße. Gott sei Dank kann man sicher sein, dass hier nicht PR gemacht wird für musl. Agenden in Österreich mit SO EINEM häßlichen Fall angewandter Religionsausübung.

Kosmos 100001
13.03.2007 22:13

Gedankelose Kritik lässt Einblick in verzweifelte Welten....
Naja, die Muslime sind nicht hinterher einsichtig, sondern sich dieses Unrechtes, das auch noch im Namen ihrer Religion – wie hier - in Saudi Arabien betrieben wird, sehr wohl dauernd bewusst und haben sehr wohl das Recht sich dagegen zu wehren.
Manchmal erscheint es mir, dass es bei den Islamkritikern nur darum geht Horrormeldungen zu erwarten, damit sie dann auf dem Islam rumtrampeln können, den Moslems alle Schande sagen können, weil sie angeblich nichts gegen Unrecht tun.
Stellen sich Muslime öffentlich zur wehr bzw. bekommen es die Nichtmuslime mit, kommen die Islamkritker daher und beschweren sich, dass sie sich eh nicht wehren können.

fibiundchillie
14.03.2007 07:24
Gedankelose Kritik lässt Einblick in verzweifelte Welten....

Wo sehen Sie eine Einsicht "hinterher"? Wie auch immer. Wenn sich Gruppen wehren wollen, können sie bei mir jederzeit mit Unterstützung rechnen! Mir stößt jedoch sauer auf, wenn gerade solch grausliche Geschichten für PR-Aktionen genutzt werden. Das scheinen Sie verstanden zu haben, denn darauf gehen Sie nicht ein. Und, Liebe: dass Sie auf den Westen hinuntersehen, hab ich längst verstanden. Das ist Ihr Standpunkt, mitten in Österreich. Das hier ist ein freies Land für Alle, die in ihm leben und für alle Standpunkte... (Hätte man das Brieferl in Saudi-Arab. schreiben wollen, wäre man wirklich hochachtungsvoll Aktivistin zu nennen, nebenbei.) So lebt man halt in seiner eigenen Welt und guckt mit Schaudern über den Tellerrand. mfg

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