Bures: "Keine falsch verstandene Toleranz"

von Redaktion  |  14. Mai 2007, 12:54

Frauenministerin entsetzt über Koran-Entscheidung in Deutschland - Plädoyer für Sensibilisierung der Justiz

Wien - Frauenministerin Doris Bures zeigt sich in einer Aussendung vom Freitag entsetzt über den Fall jener Frankfurter Richterin, die in einem Scheidungsverfahren eheliche Gewalt unter Verweis auf den Koran gerechtfertigt hatte. "Bei Gewalt gegen Frauen darf es keine Toleranz geben. Null Toleranz heißt auch: keine falsch verstandene Toleranz", so Bures. "Weder Religion noch Tradition oder irgendwelche festgefahrenen patriarchalischen Strukturen dürfen über das Gesetz gestellt werden, das jede Form von Gewalt in der Familie verbietet", so Bures.

Bewusstseinsarbeit auf allen Ebenen

Die Frauenministerin geht davon aus, dass es sich bei dem Richterinnenspruch um einen Einzelfall handelt. Sie hält trotzdem eine weitere Sensibilisierung von Justiz und Exekutive in der Frage Gewalt in der Familie für dringend notwendig. Was häusliche Gewalt betrifft, sei auf allen gesellschaftlichen Ebenen noch viel an Bewusstseinsarbeit zu leisten. "Es gibt Traditionen, die Gewalt an sich für legitim halten. Gerade im Hinblick auf die Tatsache, dass Migration in unserer Gesellschaft ein Faktum ist, dürfen wir uns gegen traditionsbedingte Gewalt nicht taub stellen", so Bures.

"Gewalt gegen Frauen muss aus den vier Wänden herausgeholt werden", so Bures, "wir haben zwar Gesetze, aber es herrscht noch kein allgemeines Unrechtsbewusstsein". Die Frauenministerin verweist darauf, dass 90 Prozent aller Gewalttaten im familiären und häuslichen Bereich ausgeübt werden. Besonders in Zeiten von Trennung und Scheidung steigen Gewalttaten gegen Frauen massiv an. Mehr als die Hälfte aller Morde im Jahr geschehen im engsten Familienkreis.

Armutsbekämpfung von zentralem Stellenwert

Ganz entscheidend sei aber, die Wurzeln von Gewalt zu bekämpfen. "Angst, Verunsicherung, Machtansprüche, ein unsoziales Lebensumfeld und vor allem Armut sind die Bedingungen, in denen sich Gewaltbereitschaft entwickelt", so Bures. Armutsbekämpfung nehme auch deshalb in der Regierung einen so zentralen Stellenwert ein, verweist die Ministerin auf das Konzept der Mindestsicherung. (red)

druckenweitersagen:
feedback
13 Postings