Aufregung um Prostituierten-Liste

von Redaktion  |  18. April 2007, 13:01
  • Artikelbild: Im Falle bezahlter Sexarbeit soll Anspruch auf Grundversorgung überprüft werden. - Foto: AP/Edgard Garrido
    Im Falle bezahlter Sexarbeit soll Anspruch auf Grundversorgung überprüft werden.

Innenministerium lässt in Wien Asylwerberinnen überprüfen - NGOs protestieren: Liste stigmatisiert

Wien - Eine Liste mit Namen von über hundert angeblichen Prostituierten sorgt derzeit für Aufregung unter Asylwerberinnen und ihren BetreuerInnen in Wien. Das Papier stammt aus dem Innenministerium und wurde vor rund einem Monat dem Fonds Soziales Wien (FSW) übermittelt, der in der Bundeshauptstadt die Asylwerberversorgung über hat - mit dem Auftrag festzustellen, ob die aufgelisteten Frauen tatsächlich der bezahlten Sexarbeit nachgehen.

Ist dies der Fall, so ist laut ministeriellem Begleitschreiben der Anspruch auf Grundversorgung streng zu überprüfen. Die Grundversorgung besteht aus Sozialversicherung und maximal 290 Euro pro Monat, jedes Einkommen, das 100 Euro monatlich übersteigt, wird davon abgezogen.

"Wir sollen die Frauen, wenn sie bei unserer Servicestelle vorsprechen, befragen, ob sie die Prostitution gewerbsmäßig ausüben und wie viel Einkommen sie daraus beziehen", schildert FSW-Sprecher Florian Winkler im Standard-Gespräch. Auch bei der von der Caritas betriebenen Servicestelle wird der Erhalt der Liste bestätigt. Schon 2004 sei ein solches Schreiben gekommen, zum Teil stünden jetzt dieselben Namen auf der Liste wie damals.

"Woher kommen die Namen auf der Liste?", fragt indes Renate Blum vom Wiener Verein Lefö, der unter anderem Sexarbeiterinnen berät. Die Daten der Frauen - übrigens zum Großteil Afrikanerinnen - könnten eigentlich nur von dorther stammen, wo sich Prostituierte registrieren lassen, wo sie ihren "Deckel" bekommen: von der Polizei. Im Innenministerium weiß man von Namenslisten nichts, bundesweit sei derzeit eine Grundversorgungsüberprüfung im Gang.

Stigmatisierend

"Eine solche Liste stigmatisiert die Frauen zutiefst", sagt Blum. Die Bemühungen von Lefö, Frauen aus der illegalen in die legale Prostitution zu holen, würden auf diese Art "zunichte gemacht". Im Jahr 2003 hatten Lefö-Mitarbeiterinnen mehrere Asylwerberinnen beim "Deckel" holen begleitet. Angesichts der Existenz von Listen würden diese und andere Frauen vielfach wieder die Illegalität vorziehen - "und wenn sie dann bei einer Razzia geschnappt werden, ist ihr Asylverfahren in Gefahr".

Die Lage der betroffenen Frauen - die unter Asylwerberinnen nur eine kleine Minderheit darstellen - sei alles andere als rosig, bestätigt Eva van Rahden vom Prostituiertenberatungsprojekt Sophie. Zur Sexarbeit kämen sie, weil sie wie alle Asylwerber keine Chance auf Jobs hätten. Der Gang in die Prostitution, die sie als "neue Selbstständige" ausüben, werde ihnen hingegen nicht verwehrt: "Wenn es sich herumspricht, dass die Frauen von der Liste Probleme bekommen, wird es mehr illegale Prostituierte geben", meint auch van Rahden. (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe 18.04.2007)

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Alexander Gottermeier  
26.05.2007 02:16

also sie werden hierhergeholt und 'dürfen' dann als asylwerberinnen als prostituierte arbeiten? na dann isses ja klar, wer hier wen in den bordellen 'haben' will.

sexarbeiterInnen ja bitte, zwangsprostituierte nein danke!

mikep13
19.04.2007 13:53
Man wird sich was dabei gedacht haben

ohne alles der Öffentlichkeit auf die Nase zu binden.

ja aber
18.04.2007 12:06
Versteh ich das richtig?

Versteh ich den Artikel richtig? Da kommen Asylwerberinnen nach Österreich, lassen sich dann bei der Polizei als Prostituierte registrieren und arbeiten dann so? Und das geht ohne Folgen? Also so gesehen, schaut das für mich als Asylmissbrauch aus.

Abgesehen davon ist die Weitergabe von der Liste an die defacto Öffentlichkeit eine Frechheit.

Kill R. Argument
18.04.2007 18:22
Es ist seltsam, aber ich habe mir erklären lassen daß es so ist.

Asylantinnen dürfen keiner Arbeit nachgehen. Allerdings dürfen sie Prostitution ausüben. Eine seltsame Logik!

Toni Blaher
18.04.2007 17:53

Was ist daran ein Asylmissbrauch wenn wer die Beine für Geld breit macht?

katkaa
18.04.2007 13:36

Was ist daran Asylmissbrauch? Denken Sie etwa Frauen aus Westafrika z.B. kommen nach Österreich mit dem Plan hier die Prostitution auszuüben?

blackhawk
18.04.2007 15:00

.. andernfalls würden viele zuhause die Prostitution ausüben!?!
Der Unterschied ist in Ö bekommen sie dafür mehr Geld!


(PS: für alle die anderer Meinung sind einfach mal z.B. nach Kenia fahren)

katkaa
18.04.2007 15:44

viele der asylwerberinnen die sich hier prostituieren tun dies um das geld für ihre "einreise" zurückzahlen zu können, sprich ihren schlepper zu bezahlen von dem sie sich abhängig gemacht haben. einer anderen arbeit dürfen sie ja nicht mehr nachgehen.

der schönste mann v. wien 
19.04.2007 02:02
schlepper die sich *nach* erbringung ihrer...

...dienstleistung in raten bezahlen lassen - das gibt's wirklich?

owen breon3
18.04.2007 18:27
dann macht sich der staat aber mitschuldig .. finden sie nicht?

halvar van flake 
18.04.2007 08:48
ich versteh den artikel offenbar nicht

dh. registrierte prostituierte werden befragt, ob sie den job tatsächlich ausüben? mmh.

wahre Lüge   
17.04.2007 21:22
Schindlers Liste

oder was

pluppblubb
18.04.2007 07:56
?????

Ich glaube Sie haben da was nicht verstanden! Schindlers Liste hat Leben gerettet, war also positiv! Diese Liste hingegen stigmatisiert Frauen! Frauen, die ohnehin nicht viel Erfreuliches in ihren Leben haben!

Baerald 
18.04.2007 13:59
Aha - und wie stehen Sie dann zum sog.

"Deckel"???

pluppblubb
19.04.2007 07:56
Im Sinnes des Datenschutzes

Selbstverständlich ist nichts verwerfliches dabei, wenn Prostituierten die Möglichkeit gegeben wird, sich durch eine Eintragung in ein Gewerberegister/Handelsregister, wie es auch Handwerker und andere Unternehmer tun, sich Sozial-, Kranken-, Arbeitslos- und Rentenversichern zu lassen. Allerdings ist es absolut unmöglich diese Liste dann in einem Asylverfahren gegen die Betroffenen einzusetzen.

Baerald 
19.04.2007 09:40
Im Prinzip richtig.

Sie wissen aber schon, dass Gewerbe- und Handelsregister (korrekt: Firmenbuch) "öffentliche Bücher" sind, in die JEDERMANN Einsicht nehmen kann.
Sollte die Staatsgewalt nicht unter dieses "JEDERMANN" fallen, wär das doch mehr als seltsam?!

u_topia
17.04.2007 19:10

ganz klar: ich bin auch fürs überprüfen. zb, ob in der staatskasse nicht doch noch etwas geld zu finden ist. als grundsicherung für die frauen!!! und kontrollfreaks könnten wir dann mit den eurofightern in die karibik abschieben und ihnen 200 euro jedes monat überweisen.

Mann40
18.04.2007 10:05

Tatsache ist, ein Missbrauch des Asylstatus ist nicht akzeptabel.

Andreas Prucha
18.04.2007 14:14

Inwieweit ist das ein Missbrauch des Asylstatus? Die Tätigkeit sagt ja nichts drüber aus, ob sie nun in ihrer Heimat verfolgt waren oder nicht.

Petra Zack
29.04.2007 12:10
Hoppala !

Es gibt hier in Österreich klare Gesetze, und die AsylerWERBERInnen haben sich gefälligst daran zu halten, sonst möge die sich anderwos umschauen!
Einerseits eine Grundversorgung aus den Taschen der österr. Steuerzahler zu erhalten und andererseits illegal/daneben einem lukrativen Gewerbe nachzugehen ist absolut inkompatibel!

Mir ist es gleich, was die betreffenden machen, solange sie es legal machen und solange sie sich dazu/daneben nicht Sozialleistungen aus unseren Taschen erschleichen

Eine Frechheit sondergleichen ist Ihr Mosern über die angeblich zu geringen Gelder für die Asyl-WERBER, die sollen hier über die Runden kommen und nicht eine Sozial-Zumutung für kleine österreichische HackerlInnen sein!

Mann40
17.04.2007 18:50

ich finde das Überprüfen ok, schliesslich stammt das Geld für die Asylbewerber aus der Staatskasse

Harper Lee Kingsley
18.04.2007 09:33

das ist nicht überprüfen.

das ist
1. völlig inakzeptable weitergabe sehr sensibler daten (die bei der polizei erfasst werden)
2. stigmatisierung einer gruppe, die legal als selbständige arbeitet
3. pauschale zuordnung dessen, wieviel die frauen verdienen würden
4. verbreiten einer rassistischen liste zur verstärkung der bestehenden rassistischen strukturen

abgesehen davon, daß das zuverdienstverbot bei einer grundsicherung von EUR 290 pro monat wohl ein witz ist!

anders and 
18.04.2007 14:17
wieso ist die Liste rassistisch?

Haben Sie Hinweise darauf, dass nicht-schwarze Asylwerberinnen, die einen "Deckel" haben, systematisch nicht auf diese Liste gesetzt wurden?

Mann40
18.04.2007 10:04

natürlich hat der österr. Staat das Recht zu überprüfen ob der Asylbewerber sich an die Vorgaben hält.
Wenn sich der/die Asylbewerber/in nicht daran hält kommt es eben zu Konsequenzen, egal ob weiss,schwarz oder andersfarbig.

Ob 290.- Euro ein Witz sind oder nicht, der Mensch wird von Österr. aufgenommen, bekommt Unterkunft, Essen, Geld. Und das ist ok so.

Österreicher, die illegal arbeiten und erwischt werden, spüren genauso die Konsequenzen (Finanzamt, Sozialversicherung, usw).

Harper Lee Kingsley
19.04.2007 10:30

sie fantasieren.

asylwerberInnen bekommen EUR 290 pro person und monat - maximum. und aus.

das beinhaltet EUR 180 und - bei vorlegen eines mietvertrages - EUR 110 mietzuschuss. dieses geld inkludiert *alles*, wovon asylwerberInnen leben sollen. außer: sie gehen bestimmten selbstständigen tätigkeiten nach, die für sie zugänglich sind (und nicht z.b. gewerbe mit "inländerschutz" sind). u.a. z.b. die arbeit in der prostitution.

leben sie mal von EUR 290 pro monat und fühlen sich dann noch dankbar und als gast von österreich "aufgenommen".

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