100.000 Opfer, vor allem Frauen und Kinder, allein innerhalb der EU - Globalinitiative vom Roten Kreuz startet
Wien - Der Menschenhandel bildet mittlerweile die
drittwichtigste Einnahmequelle für das Organisierte Verbrechen.
Jährlich werden Schätzungen des EU-Parlaments zufolge bis zu 800.000
Menschen weltweit Opfer dieses Verbrechens. Die meisten von ihnen
sind Frauen und Kinder. Nach Angaben des Europäischen Parlaments gibt
es in der EU etwa 100.000 Opfer des Menschenhandels.
Moderne Sklaverei
40 bis 50 Prozent der im EU-Raum Betroffenen sind Kinder. Die
Leute werden mit falschen Versprechungen in ein anderes Land gelockt
oder regelrecht verschleppt. Sie werden als moderne Sklavinnen und Sklaven gehalten
und zu Zwangsarbeit, kriminellen Handlungen, Prostitution oder zum
Betteln gezwungen. Das Österreichische Rote Kreuz bot der UNO am
Mittwoch angesichts der alarmierenden Zahlen eine stärkere
Zusammenarbeit gegen Menschenhandel an.
"Die Ausbreitung der modernen Sklaverei hat ein katastrophales
Ausmaß angenommen. Kein einziges Land dieser Welt ist immun gegen
Menschenhandel, seien es Ursprungsländer, Transitländer oder
Zielregion. Der Handlungsbedarf ist enorm", warnte Wolfgang Kopetzky,
Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes. Laut ihm
profitieren organisierte Kriminelle von schwachen Rechtssystemen und
mangelnder internationaler Kooperation.
Priorität Bewusstseinsbildung
Nun soll eine im März von der UNO gestartete Globalinitiative
gegen Menschenhandel vom Roten Kreuz an Ort und Stelle mit
ExpertInnenwissen verstärkt werden. "Besonders wichtig ist die
Bewusstseinsbildung. Die Menschen aus betroffenen Ländern müssen auf
die Gefahr angesprochen werden", sagte Kopetzky.
Die Ursachen des Menschenhandels sind laut dem Europäischen
Parlament einerseits Armut, Diskriminierung und Mangel an Bildung und
Wissen, andererseits die Nachfrage nach ihren Diensten und die hohen
Profite, die mit diesen kriminellen Geschäften erzielt werden
können. (APA)