Kurdisches Mädchen im Irak zu Tode gesteinigt

Redaktion, 06. Juni 2007 13:09

17-Jährige hatte muslimischen Araber im Geheimen getroffen - In Region 2007 bereits 40 ermordete Frauen aus Gründen der sogenannten "Ehre"

Die Steinigung eines 17-jährigen Mädchens durch ihre Familienangehörigen in Bashiqa, in der Nähe von Mosul, löste eine Protestwelle von aus, der sich auch Wadi, eine in Irakisch-Kurdistan tätige Hilfsorganisation aus Österreich, anschließt.


Am Freitag wurde bekannt, dass am 7. April in der irakisch-kurdischen Stadt Bashiqa, die 17-jährige Doa zu Tode gesteinigt worden ist. Nach Angaben von Wadi, einer vor Ort tätigen Hilfsorganisation aus Österreich, gehörte das Mädchen einer Yezidi-Familie an, hatte sich aber in einen muslimischen Araber verliebt und diesen im Geheimen getroffen. Als die Beziehung entdeckt wurde, brachte man das Paar auf eine Polizeistation und verhörte sie. Da der Mann Doa nicht heiraten wollte, verboten ihre Eltern die Rückkehr nach Hause. Ein yezidischer religiöser Würdenträger aus Bashiqa nahm sich ihrer an und versteckte sie fünf Tage lang bei sich zu Hause, bis sie Familienangehörigen aus seinem Haus holten, mit dem Versprechen, ihr würde nichts zustoßen. Auf offener Straße wurde sie daraufhin zu Tode gesteinigt, so Wadi.

Ihre Familienangehörigen gehören den mehrheitlich kurdischsprachigen Yezidi an, die selbst - in den letzten Monaten verstärkt - ins Visier islamistischer Terrorgruppen geraten waren, welche sie als "Teufelsanbeter" denunzieren.

Mirza Dinnayi, ehemaliger Minderheitenberater des irakischen Staatspräsidenten Talabani und Koordinator der "Yezidi Democratic Community" in Deutschland zeigt sich über den Vorfall bestürzt. "Alle yezidischen Vereine und Persönlichkeiten haben auf diesen barbarischen Akt voller Bestürzung reagiert. Dass Ehrenmorde nun auch unter Yeziden passieren, zeigt, wie verroht die irakische und die gesamte orientalische Gesellschaft ist."

Fehlender Rechtsschutz

"In einer von ethnisierten und religiösem Fanatismus angeheizten Stimmung und der völligen Abwesenheit einer funktionierenden Staatlichkeit, kommt es immer häufiger vor, dass Familienverbände das Recht in die eigene Hand nehmen", erklärt Wadi-Obmann Thomas Schmidinger den Kontext der Ermordung: "Davon sind offenbar auch Gruppen betroffen, die als Minderheiten selbst Opfer von Gewalt werden."

Kurdische Frauen werden durch einen fehlenden Rechtsschutz immer wieder zum Opfer von Ehrenmorden, erklärt Mary Kreutzer von Wadi. "Dieser jüngste Mord ist jedoch durch die Beteiligung so vieler Personen und die Untätigkeit der anwesenden Polizisten und kurdischen Sicherheitskräften besonders erschütternd!"

Mirza Dinnayi befürchtet, dass sich die Situation für die yezidische Bevölkerung in den nächsten Wochen massiv verschlechtern werde. Er berichtet von manipulierten Videoaufnahmen, die das gesteinigte Mädchen mit Kopftuch und Koran in Händen zeigen. "Kurdische Islamisten verbreiten das Gerücht, dass das Mädchen zum Islam konvertiert sei, und deshalb sterben musste. Sie hetzen mit dieser Falschmeldung die Gemüter auf. In den Moscheen von Mosul kursiert seit der Tat eine Fatwa, die zur Ermordung von Yeziden aufruft. Und vor einer Woche wurden 24 yezidische Arbeiter aus einem Bus gezerrt und hingerichtet."

Tatsächlich zeigen Filmaufnahmen, die mit einer Handy-Kamera gefilmt wurden, dass männliche Familienangehörige des Mädchens (der Onkel, der Bruder und ein Cousin) vor den Augen mehrer hundert Zuseher, das Mädchen nackt auszogen und zu Tode steinigten. Deutlich erkennbar sind ebenfalls Polizisten, die der Steinigung unbeteiligt zusahen und nicht einschritten.

2007 40 ermordete Frauen aus Gründen der sogenannten "Ehre"

So richtet sich die Forderung von Wadi nun auch an die irakischen und kurdischen Behörden entschieden strafrechtlich gegen die Familie des Opfers vorzugehen: "Nur wenn die Täter nun rasch festgenommen werden, ihnen der Prozess gemacht und sie nach dem irakischen Strafrecht bestraft werden, kann der irakische Staat noch glaubwürdig vermitteln, dass er keine Lynchjustiz duldet", stellt Mary Kreutzer klar. "Aber auch die Untätigkeit der anwesenden Sicherheitskräfte muss untersucht werden." Bislang wurden lediglich sechs Personen verhaftet. "Es kann nicht sein, dass der Großteil des beteiligten Mobs einfach unbehelligt bleibt", kritisiert Kreutzer. In diesem Zusammenhang fordert Wadi zudem rechtliche und gesellschaftliche Bemühungen zu intensivieren, die strukturellen Rahmenbedingungen so zu verändern, dass endlich diese in der Öffentlichkeit weitgehend verschwiegenen Verbrechen entschieden bekämpft werden. Allein zwischen Jänner und März 2007 kam es zu 40 Mordfällen an Frauen aus Gründen der sogenannten "Ehre" in Irakisch-Kurdistan, wie UNAMI (United Nations Assistance Mission in Iraq) jüngst berichtete. (red)

Links

Wadi unterhält in Irakisch-Kurdistan Frauenzentren und Frauenschutzhäuser und erhält dabei auch Unterstützung der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit.

Internationale Petition gegen Ehrenmorde und Steinigungen von Frauen in Kurdistan
Kommentar posten
16 Postings
Konky Kinky
21.05.2007 13:29
Eintreten ?

Nachdem ich mit das Video angesehen habe:

Und für diese Menschen soll man eintreten wenn ein Land wie die USA für eigenen Interessen einfallen?

Das was man hier sieht ist doch keine Ausnahme..
Hundert(e?) Menschen drängen eng sich um das leidende Mädchen um auch zutreten zu können, und nachdem sie schon halb ausgeblutet ist kommen noch Menschen mit Steinen um am Spaß teilhaben zu dürfen. Die große Blutlache dient als Hintergrundmotiv für die vielen stolzen Handyfotos.

Das Video zeigt was Menschen sind wenn sie nicht nach westlichen Normen erzogen werden, nicht mehr als brutale intelligente Tiere mit Hang zu hemmungloser Gewalt, solange das Opfer sich nicht wehren kann jedenfalls..

Ein ordentlicher Bürgerkrieg würde nicht schaden.

Bieromane xxx
05.05.2007 10:22
Unpassend

Die Werbung für die Rechtschutzversicherung von Züritel rechts im Artikel finde ich äußerst unpassend und geschmacklos!

owen breon3
07.05.2007 11:53
"google ads"

Schreck
28.04.2007 15:22

Die Bild hat eine Fotostrecke dazu- gefilmt von den Tätern mit dem Handy. Schockierend.
ich weiss nicht, ob soewtas in eine Boulevardzeitung gehört.

fibiundchillie
28.04.2007 09:31

und die Sicherheitskräfte schauen zu. In Angelegenheiten der Familienehre mischt man sich nicht ein, das gehört sich nicht...

emanze c
01.05.2007 13:19

ach nicht nur das, man stimmt dem Werturteil über das Mädchen zu, treibt die Familie dazu. Und hilft nur nicht mit, weil der Familie etwas angetan wurde und die Familie das Recht und die Pflicht hat, das selbst zu tun. Sonst hätten sie gleich mitgesteinigt (passiert auch oft genug).

fibiundchillie
02.05.2007 08:56

eigentlich wär das ja ne romeo u julia-gschicht.
anders: wieviel chancen auf happy-end hätte das paar gehabt, hätte ihre familie zugestimmt oder sich ruhig verhalten? was schätzen Sie?
Interessanter Punkt, eigentlich.

emanze c
08.05.2007 15:01

Ganz verschieden.
Viele Paare, sobald sie weggelaufen sind und heimlich geheiratet haben, werden von der Familie verstoßen, wegen des Ungehorsams, allerdings nicht mehr "angerührt", da sie eh verheiratet sind.
Manche Familien schrecken aber auch nach Heirat nciht davor zurück, das Paar zu töten, eben wegen des Ungehorsams dem Vater gegenüber. HIER ist dann die Motivation eindeutig nicht die Sittlichkeit, und es geht klar gegen die Religion, der die Ehe ja heilig ist. Übrigens wurde in Deutschland vor ein paar Jahren ein kurdisches Paar vom Bruder der Frau aufgespürt und überfallen - die Frau hochschwanger, angeschossen, ihr Mann erschossen. Baby und Mutter haben überlebt. "Romeo&Julia" Geschichten können aber halten - meine eig Erfahrg.:)

owen breon3
27.04.2007 22:31
absolut geisteskrank

Vollkorn21
27.04.2007 14:26
Das sagt ja wohl alles:

"Die Steinigung eines 17-jährigen Mädchens durch ihre Familienangehörigen"

Ein Irrsinn!!!

Lethawae
02.05.2007 17:36

Manchmal frage ich mich wirklich, warum einige Leute für "rot" stimmen.

Lethawae
08.05.2007 17:57

Nochmal zur Klärung - mit "rot" meinte ich keine Parteien wo auch immer sondern die Tatsache, daß es Personen gibt, die den Beitrag meines Vorschreibers mit "rot" bewerten.

Papp Kamerad
03.05.2007 03:01
weil sie einen schuss haben.

ganz klar.

AvniDemir Sinanoglu
 
04.05.2007 19:48
Anbei der link zur besseren Einsicht

http://91.191.161.197/videolar/... autoplay=1

emanze c
08.05.2007 15:25

ich konnte mir nur die ersten 20 sek anschaun. als man das mädchen am boden liegen sieht und die umstehenden männer filmen muss jedem menschen der nur ein bisschen Anstand oder Menschlichkeit hat, das nur tun..
es kann einem nur den magen umdrehen

ich hätte gern, dass dies in medien gezeigt würde, so mancher/m grünen würden seine/ihre floskeln im halse steckenbleiben (von wegen hierzulande werden "auch frauen geschlagen").

fibiundchillie
09.05.2007 09:46
...so mancher/m grünen würden seine/ihre ....

weil wir europäer bei diesen themen wie die sprichwörtlichen "blinden über die farb´" reden.

jaja:
hier werden auch frauen geschlagen.
hier gehen die nonnen auch mit schleier.
hier hängen kreuze in den schulen.
hier durften frauen vor 30 jahren nur mit zustimmung des ehemannes arbeiten gehen.

himmela****undzwirn!

ich habs mir angschaut, btw. bin nicht stolz drauf.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.