Tabubruch im Iran: Ahmadinejad umarmt Lehrerin

Redaktion, 14. Mai 2007 12:47

Ultrakonservativer Präsident muss sich nun Kritik wegen "unanständigen Verhaltens" gefallen lassen

Teheran - Irans ultrakonservativer Präsident Mahmud Ahmadinejad hat ein Tabu gebrochen und islamische Geistliche gegen sich aufgebracht: Vor Fernsehkameras umarmte der 50-jährige Staatschef der Islamischen Republik seine 70-Jahre alte frühere Volksschullehrerin und küsste ihr die Hand. Dafür wurde er am Mittwoch in islamischen Kreisen heftig kritisiert. Die Tagezeitung "Hisbollah" nannte das Verhalten Ahmadinejads, der einen Sitten strengen Islam propagiert, ein "unanständiges Verhalten".

Berührungsverbot

Nach dem im Iran geltenden Sittencodex darf ein Mann eine Frau in der Öffentlichkeit nicht berühren. Es war aber das erste Mal in der 28-jährige Geschichte der islamischen Republik, dass ein iranischer Staatsmann öffentlich die Anweisung ignorierte. Der Vorfall, von dem Bilder im Staatsfernsehen gezeigt wurden, ereignete sich bei einer Feier zum "Tag des Lehrers", an dem Ahmadinejad auch seine alte Volksschullehrerin ausgezeichnet hatte. Nach Angaben eines Augenzeuges hatte die gerührte 70-Jährige, die ihren inzwischen prominent gewordenen Schüler erstmals nach 40 Jahren wiedergetroffenen hatte, Ahmadinejad kaum eine andere Wahl gelassen, als sie zu berühren. (APA/dpa)

Kommentar posten
16 Postings
Schreck
03.05.2007 16:25

Aber der Iran ist ein supermordernes Land mit einer grandiosen und völligunreligiösen Gesetzgebung.
Alles klar.

kmmm
03.05.2007 07:56
DER und der bush ...

wenn ich die seh, erinnern's mich an was - ... war's was mit schönbrunn ... ?

sixela
02.05.2007 19:12

Wenn es nicht so abstoßend wäre, könnte man lachen.

Dieses kleine Artikelchen ist aber ein Lehrstück für alle, die immer behaupten, der Iran sei ein normales Land und der Islam als Staatsreligion keine schlechte Sache ansich. Der islamische Sittenkodex ist eine der unmenschlichsten und widerwärtigsten Maßnahmen überhaupt, die für das "Zusammenleben" aufgestellt worden.

Dass ausgerechnet der Ahmadinejad in die Falle tappt, ist allerdings eine köstliche Ironie.

Truhe
 
03.05.2007 13:03

Im Grunde haben sie recht. Allerdings da man das Christentum per se nicht mit Inquisition und Kreuzzug gleichsetzen kann, kann man den Islam nicht grundsätzlich mit Scharia und Djihad gleichsetzen, oder sollte es zumindest nicht. Im Koran steht genausowenig (oder nach Interpretation von schwindligen Greisen genausoviel) von Unterdrückung und Mord wie in der Bibel.
Verstehen sie das bitte nicht als Verteidigung des Islamismus sondern eher als sondern als den funken Hoffnung dass der Islam seine einstige (für damalige Verhältnisse) Fortschrittlichkeit wiedererlangen kann (für heutige Verhältnisse).

Lemure
 
03.05.2007 16:01
Inquisition und Kreuzzug

sind Geschichte, Sharia und Djihad sind noch immer Gegenwart, ein nicht unerheblicher Unterschied. Und wie die alte Lehrerin mit dem Vorwurf im letzten Satz umgehen wird, wird uns wahrscheinlich das wahre Gesicht des Islam zeigen.

Truhe
 
03.05.2007 19:40

Und wenn uns ein wahres gesicht gezeigt wird dann das des fundamentalistischen Islams und nicht die des Islams an sich.

Truhe
 
03.05.2007 19:39

Deshalb die kleinen Anmerkungen in Klammer.

Truhe
 
03.05.2007 21:47

Un wenn sehen wir maximal das Gesicht eines Staates in dem fundamentalistische Mullahs das sagen haben - richtig ich bin wieder auf meinem Djihad gegen Pauschalisierungen :)

die rote baronin
02.05.2007 19:09

Ein Lichtstreifen am Horizont war dies sicherlich nicht. Was ist eigenlich mit den PosterInnen die bei solchen Berichten immer behaupten, im Westen würde es bezüglich Menschenrechte oder Gleichstellung der Geschelchter nicht besser zugehen als im Iran?

Truhe
 
03.05.2007 12:52

In dem Bericht steht weder "Amerika" noch "Großbritannien" noch "Irak". Wenn Wadelbeißer keine Wadeln finden können sie schlecht zubeißen. Allerdings reicht mir der Schwachsinnn die dieselben bei der Geiselgeschichte von sich gegeben haben eh für ein Zeitl. Die Frage ist halt immer welches "Anti" gerade stärker ausgeprägt ist. Mein persönliches "Antidinejad" ist allerdings ein umfassendes welches.

Timagoras
 
03.05.2007 14:20
"In dem Bericht steht weder "Amerika" noch "Großbritannien" noch "Irak"."

das hindert die usual suspects doch sonst auch nicht.

unlängst sah jemand sogar im gegenwärtigen Estland-Russland-konflikt hinweise für "die aktivitäten der usa in der region" ;o)

Truhe
 
03.05.2007 21:49

Das stellen sie in Frage?? Das ist die angloamerikanisch-imperialistische Offensive zur Kolonialisierung der EU, oder was glauben sie denn steht unter Molterers geschwärzten Zeilen?!

°!°
02.05.2007 17:20
BITTE. lest genau bevor ihr hier in Jubel ausbricht, vor allem den letzten Satz!!

die Frau ist fällig, keine Ahnung ob es eine Altersgrenze gibt die vor der Prügelstrafe schützt. Jedenfalls schützt die Zeugenaussage Ahmadinejad und nicht die Lehrerin.

Truhe
 
02.05.2007 15:59

Da sieht man mal was man von seiner alten Lehrerin noch so alles lernen kann.

Petra Wlasak
02.05.2007 15:58

wenn die menschlichkeit den fundamentalismus austrickst...

Endlichdreißig
02.05.2007 15:47

Wasser predigen, aber Wein trinken! HA!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.