Tirol: 2006 Hälfte der Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs eingestellt

Redaktion, 06. Juni 2007 13:09

Problem laut Behörden späte Anzeigen, da Nachweis oft nicht mehr möglich sei - Mädchen von Missbrauch öfter betroffen

Innsbruck - Von insgesamt 41 Anzeigen wegen sexuellen Missbrauchs bei der Innsbrucker Staatsanwaltschaft im Jahr 2006 ist in elf Fällen Anklage erhoben worden. Es kam zu fünf Verurteilungen und zwei Freisprüchen, in den restlichen Fällen laufen noch die Vorverfahren. Etwa die Hälfte der Verfahren werde eingestellt. Grund dafür sei häufig die schwierige Beweislage, erklärte Staatsanwältin Andrea Klammer am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.

Kinder instrumentalisiert

Häufig werde bei sexuellem Missbrauch erst sehr spät Anzeige erstattet, was zur Folge habe, dass objektive Beweismittel nicht mehr vorhanden seien. Meist komme es erst im Zuge von Scheidungsverfahren und Obsorgestreitigkeiten dazu. Dann stelle sich die Frage, welche Motive hinter der Anzeige stehen. Es komme immer wieder vor, dass Kinder in diesem Fall instrumentalisiert werden, erklärte Klammer.

Zivilcourage fehlt

Bei der Bevölkerung fehle bei der Anzeige von Kindesmissbrauch oft die Zivilcourage, meinte Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth Harasser. Es bestehe eine gewisse Scheu, sich in den Privatbereich von anderen einzumischen. Es seien jedoch die Erwachsenen, die in diesem Fall einschreiten müssten. "Ein Kind kann sich selbst aus der Situation nicht befreien", erklärte sie.

Mädchen öfter betroffen

Nach wie vor seien von sexuellem Missbrauch überwiegend Mädchen betroffen. Von den Opfern seien etwa zwei Drittel Mädchen. Auf der Täterseite überwiege mit ungefähr 95 Prozent bei weitem der Anteil der Männer. In 87 Prozent der Fälle stamme der Täter aus dem Verwandten- und Bekanntenkreis des Opfers. Eine Zunahme registrierte man bei den Fällen von schwerem sexuellen Missbrauch von Minderjährigen durch Jugendliche. Dabei fehle bei den Tätern häufig das Unrechtsbewusstsein. Wenn ein 17-Jähriger Sex mit einer 13-Jährigen habe, sei dies jedoch ein Straftatbestand, führte Edelbert Kohler von der Sicherheitsdirektion aus. (APA)

Kommentar posten
11 Postings
Cassius
03.05.2007 19:42
Die Anzahl

eingestellter Verfahren lässt doch keinen Rückschluss darauf zu ob auch tatsächlich die Frauen alle vergewaltigt wurde, oder ob sie einem Ex eins auswischen wollten.

snake
10.05.2007 10:26

oft genügt es, den namen des postenden zu lesen und schon weiß man, auf welcher seite der natürlich schon wieder einmal steht.

bor
16.05.2007 11:46

Sie haben recht, bzw. unrecht. Man sollte sich immer neutral äußern.

snake
16.05.2007 14:24

was dann posten?

bor
16.05.2007 15:30

So etwas wie Sie. Etwas ohne Inhalt, einfach nichts ...

heiner hecht
 
04.05.2007 01:43
eines steht fest:

der missbrauch von kindern erfolgt in mind. 80 der fälle nicht durch den "schwarzen mann", den kinderverzahrer oder den täter aus dem internet, sondern im familienkreis, durch die väter, stiefväter, lebensgefährten der frau, durch onkel, verwandte, freunde der familie. das macht die sache so grauslich und so gefährlich, weil das opfer gegen diese leute nicht einfach aussagen kann, ohne in teufels küche zu kommen.
dazu kommt: das dulden und wegschauen der frauen und die mangelnde zivilcourage der nachbarn und der umgebung.

ob mit den anzeigen dem ex eins ausgewischt werden soll, ist gegenüber diesen faktoren wirklich sekundär und klingt wie eine schutzbehauptung!

bor
16.05.2007 11:50

Etwa 19.000 Scheidungen jährlich generieren an die 4.500 Besuchsrechtverfahren bei denen ein Ex-Partner den anderen vom Zugang zu den gemeinsamen Kindern ausschließen will.

Da gibt es dann die häufigsten Anschuldigungen. Bezeichnend ist, dass bei etwa 90 Prozent der Anschuldigungen nichts herauskommt, auf Grund der langen Verfahrensdauern das Ziel der Entfremdung der Kinder aber erreicht ist.

Hafniumcarbid
03.05.2007 19:33
"Wenn ein 17-Jähriger Sex mit einer 13-Jährigen habe, sei dies jedoch ein Straftatbestand"...

...und wenn eine 40jährige mit einem Zwölfjährigen schläft, gibt das gerade mal 3 Monate bedingt...

Kill R. Argument
03.05.2007 12:19
Ob da die nicht auch die Medien eine Rolle spielen?

Sex ist überall. Und wenn z.B. eine Sendung nicht dazu passt wird sie passend gemacht. Es wird als ganz normal verkauft, dass das volle Programm durchgespielt werden muss. Alles sei so total normaaaal! Ich kenne z.B. jemanden, der als 17-Jähriger einen flotten Dreier mit zwei 14-jährigen Schwestern hatte.

Insgesamt wundert mich eine Zunahme der Fälle von sexuellem Missbrauch nicht, auch wenn dieser immer schon stattgefunden hat.

Die Frage ist nur, was kann man dagegen machen? Ich glaube mit "Zivilcourage" kann man schon etwas erreichen. Und sei es nur, wenn man auch mal dagegen redet, wenn sich jemand mit den "tollsten" Geschichten brüstet! Und natürlich nicht wegschauen, wenn eine verdächtige Handlung läuft...

heiner hecht
 
04.05.2007 01:45
missbrauch hat immer schon stattgefunden, nur:

er nimmt durch die patchworkfamilien, die stiefväter, lebensgefährten etc. zu und:
es wird halt jetzt mehr drüber berichtet. z.b. auch was hinter klostermauern und unter kirchenkutten passiert(e).
dass die opfer oft erst nach jahrzehnten fähig sind, darüber zu reden, zeigt eben wie tief sitzende traumata da angerichtet werden!

Winni Wahn
04.05.2007 10:00
sex. missbrauch ist sicher kein heutiges phänomen

auch stiefeltern gabs früher sehr häufig, da mütter oft bei geburten starben aber auch die sterblichkeit der ehemänner höher war.
zudem wurden kinder häufig schon im alter von 7, 8 Jahren z.B.: zu fremden Bauern als Arbeitskräfte geschickt und dort oft auch sexuell ausgebeutet.

heute gibt es gesetze und ein generelles unrechtsbewusstsein dagegen, thats it.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.