Problem laut Behörden späte Anzeigen, da Nachweis oft nicht mehr möglich sei - Mädchen von Missbrauch öfter betroffen
Innsbruck - Von insgesamt 41 Anzeigen wegen sexuellen
Missbrauchs bei der Innsbrucker Staatsanwaltschaft im Jahr 2006 ist
in elf Fällen Anklage erhoben worden. Es kam zu fünf Verurteilungen
und zwei Freisprüchen, in den restlichen Fällen laufen noch die
Vorverfahren. Etwa die Hälfte der Verfahren werde eingestellt. Grund
dafür sei häufig die schwierige Beweislage, erklärte Staatsanwältin
Andrea Klammer am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.
Kinder instrumentalisiert
Häufig werde bei sexuellem Missbrauch erst sehr spät Anzeige
erstattet, was zur Folge habe, dass objektive Beweismittel nicht mehr
vorhanden seien. Meist komme es erst im Zuge von Scheidungsverfahren
und Obsorgestreitigkeiten dazu. Dann stelle sich die Frage, welche
Motive hinter der Anzeige stehen. Es komme immer wieder vor, dass
Kinder in diesem Fall instrumentalisiert werden, erklärte Klammer.
Zivilcourage fehlt
Bei der Bevölkerung fehle bei der Anzeige von Kindesmissbrauch oft
die Zivilcourage, meinte Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth
Harasser. Es bestehe eine gewisse Scheu, sich in den Privatbereich
von anderen einzumischen. Es seien jedoch die Erwachsenen, die in
diesem Fall einschreiten müssten. "Ein Kind kann sich selbst aus der
Situation nicht befreien", erklärte sie.
Mädchen öfter betroffen
Nach wie vor seien von sexuellem Missbrauch überwiegend Mädchen
betroffen. Von den Opfern seien etwa zwei Drittel Mädchen. Auf der
Täterseite überwiege mit ungefähr 95 Prozent bei weitem der Anteil
der Männer. In 87 Prozent der Fälle stamme der Täter aus dem
Verwandten- und Bekanntenkreis des Opfers. Eine Zunahme registrierte
man bei den Fällen von schwerem sexuellen Missbrauch von
Minderjährigen durch Jugendliche. Dabei fehle bei den Tätern häufig
das Unrechtsbewusstsein. Wenn ein 17-Jähriger Sex mit einer
13-Jährigen habe, sei dies jedoch ein Straftatbestand, führte
Edelbert Kohler von der Sicherheitsdirektion aus. (APA)