Untersuchung mit 12.000 Probandinnen samt österreichischer Beteiligung erschienen - Effekt soll binnen weniger Jahre auftreten
Boston/Wien - Da wird sich die Gesundheitspolitik in Zukunft
schwer tun, jungen Frauen nicht diese Impfung zur Verfügung zu
stellen: Die Immunisierung mit einem Vierfach-Impfstoff ("Gardasil")
gegen Infektionen mit Human Papilloma Viren (HPV) schützt Frauen, die
mit den Viren noch nicht in Kontakt gekommen sind, zu 98 Prozent vor
Gebärmutterhalskrebs-Vorstufen. Der Effekt ist schon in weniger als
zwei Jahren nach der Impfung sichtbar. Dies hat eine internationale
Studie mit mehr als 12.000 Probandinnen ergeben.
Drei-Jahres-Studie
Die wissenschaftliche Untersuchung wird in der neuesten Ausgabe
einer der angesehensten Medizin-Fachzeitschriften, dem "New England
Journal of Medicine" (10. Mai), veröffentlicht und stand unter der
Leitung von Laura Koutsky von der Abteilung für Epidemiologie der
Universität Washington. 12.167 Frauen im Alter zwischen 15 und 26
Jahren bekamen entweder drei Mal die echte Vakzine oder ein
Scheinmedikament injiziert.
Die Beobachtungszeit betrug drei Jahre. Dann wurde untersucht, ob
die Frauen entweder Vorstufen eines Zervixkarzinoms oder gar Krebs
durch eine Infektion mit den HPV-Stämmen 16 bzw. 18 entwickelt
hätten. Die Vakzine schützt gegen diese beiden Virus-Varianten und
gegen jene mit der Bezeichnung 6 und elf, welche Genitalwarzen
hervorrufen.
Das Hauptergebnis
Bei den durch HPV 16 und 18 verursachten
Krebsvorstufen bzw. Karzinomen lag die Schutzrate bei 98 Prozent.
Unter jenen Probandinnen, die schon einmal durch diese
Papilloma-Viren Probleme gehabt hatten, lag die Schutzrate bei 44
Prozent. Der Effekt trat recht schnell ein. Zwischen allfälliger
Infektion und dem Entstehen von Zervix-Karzinom-Vorstufen lagen oft
nur weniger als zwei Jahre. Damit dürfte die Wirkung einer breiten
Anwendung der Vakzine auch binnen weniger Jahre - und nicht erst nach
Jahrzehnten - in der Krebsstatistik zu beobachten sein.
Zwei weitere Studien mit guten Ergebnissen
In der selben Ausgabe des "New England Journal of Medicine" werden
auch noch die Ergebnisse zweier weiterer Studien mit der Vakzine
veröffentlicht: In einer Untersuchung mit 5.455 Frauen im Alter
zwischen 16 und 24 Jahren wurde die gesamte Schutzwirkung vor
HPV-Erkrankungen bei jungen Frauen untersucht (auch gegen
Genitalwarzen, Veränderungen an Vulva und Vagina). Daran nahmen auch
österreichische WissenschafterInnen unter der Leitung des Wiener
Gynäkologen Sepp Leodolter (Universitäts-Frauenklinik am Wiener AKH)
teil. In dieser Untersuchung betrug die Schutzrate sogar 100 Prozent.
Österreichische Expertinnen und Experten haben in der jüngeren Vergangenheit immer
vehementer die Aufnahme der HPV-Impfung zumindest für alle Mädchen
vor ersten sexuellen Kontakten - HPV wird beim Intimverkehr
übertragen - gefordert. Regulär kostet jede der drei Dosen Impfstoff
in den Apotheken 208 Euro, im Rahmen einer Aktion der Apothekerkammer
gemeinsam mit dem Großhandel beträgt der Preis derzeit 155 Euro.
Geld fehlt
Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky hat erklärt, dass die
Durchimpfung eines Jahrganges derzeit 25 Mio. Euro kosten würde. Das
Geld dafür sei nicht da. Laut Herstellerangaben würden die Ausgaben
für den Bund aber nur bei der Hälfte bis deutlich darunter liegen.
(11,88 Mio. Euro für die Durchimpfung von 85 Prozent der Mädchen und
50 Prozent der Buben). In Österreich sterben pro Jahr rund 180 Frauen
an Gebärmutterhalskrebs. Etwa 5.000 müssen sich wegen Krebs-Vorstufen
chirurgischen Eingriffen unterziehen. (APA)