Südafrika: Horrende 1.000 Vergewaltigungen pro Woche

Redaktion, 14. Mai 2007 10:32

Leichte Verbesserungen im Strafrecht für weibliche Opfer, Justiz befindet jedoch, dass Männer nicht vergewaltigt werden können

Johannesburg - 1.000 Vergewaltigungen pro Woche - Südafrikas offizielle Statistik liest sich wie die eines Bürgerkriegslands. Für die Justiz haben die Fälle bisher kaum Priorität - nur fünf Prozent aller Straftäter muss statistisch mit Verurteilung rechnen. Vor allem Vergewaltigung von Burschen und Männern gilt dabei eher als von untergeordneter Bedeutung, wie das Verfassungsgericht gerade bestätigte. Nur für Frauen gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer. Denn das höchste Gericht des Landes hält seit neuestem erzwungenen Analverkehr mit Frauen, aber nicht mit Männern für Vergewaltigung.

"Männer-Diskriminierung"

Richterin Justice Nkabinde sorgte am Donnerstag mit ihrem Spruch für gemischte Reaktionen in dem Land, dessen Vergewaltigungsraten auch Soziologinnen und Soziologen immer wieder verblüffen. "Wir sind angewidert. Das ist Männer-Diskriminierung", entrüstete sich im Rundfunk die Leiterin einer Aktionsgruppe, die zehn Jahre für eine Änderung des Gesetzes gekämpft hat. Denn auch bei Frauen wurde erzwungener Analverkehr als Notzucht gewertet. Nach den alten Definitionen gab es 2005/2006 offiziell 55.000 vergewaltigte Frauen - die Dunkelziffer liegt allerdings vermutlich weitaus höher. Pro Tag sind das im Schnitt 150 Vergewaltigungen - 40 Prozent der Opfer sind Kinder.

Nicht rückwirkend

Richterin Nkabinde selbst sprach nach seiner Urteilsverkündung einen Mann vom Vorwurf der Vergewaltigung frei, der ein neun Jahre altes Mädchen zum Analverkehr gezwungen hatte. Nach Überzeugung der Richterin kann die neue Definition für den Straftatbestand Vergewaltigung nicht rückwirkend angewandt werden, so dass dem Mann lediglich Notzucht mit Minderjährigen vorgehalten werden kann.

Für viele Opfer oft Todesurteil

Sexuell misshandelte Männer oder Burschen sind statistisch kaum erfasst. In den überbelegten Gefängnissen gilt die Vergewaltigung männlicher Häftlinge fast schon als Norm. Auch Hauseinbrüche gehen oft mit Gruppenvergewaltigungen einher - ohne Unterschied von Alter oder Geschlecht. Angesichts einer der höchsten Aids-Raten der Welt kommt eine solche Misshandlung für viele Opfer oft einem Todesurteil gleich. Lobbygruppen befürchten, dass die Tendenz zur Anzeige eines solchen Deliktes nun noch geringer wird.

Opfer lächerlich gemacht

Denn für Notzucht sind untergeordnete Gerichte zuständig, und die Strafen angesichts übervoller Gefängnisse oft relativ milde. "Das Trauma der Männer wird nicht anerkannt und obendrein macht man sich über die Opfer auch noch lächerlich", meinte eine Mitarbeiterin der in Kapstadt ansässigen Hilfsgruppe Rape Crisis im Rundfunk.

Zerrissene Familienstrukturen durch Aids

Schlüssige Erklärungen für die schier unglaubliche Brutalität, die die Kriminalität im Kap-Staat begleitet, sind weiter Mangelware. Mal ist es das Erbe der vor anderthalb Jahrzehnten beendeten Apartheid, das als Ursache bemüht wird, mal der Aberglaube, Sex mit Jungfrauen helfe gegen die Immunschwächekrankheit Aids. Doch in einem Land, in dem weder Babys noch betagte Seniorinnen vor Vergewaltigungen sicher sind, greift diese Erklärung zu kurz. Soziologinnen und Soziologen verweisen vielmehr auf zerrissene Familienstrukturen, die durch die Aids-Epidemie im Lande immer weiter aufklaffen.

Aids-Waisen landen auf der Straße oder finden Unterschlupf bei Banden, die sich ihren Unterhalt mit Raub oder Diebstahl sichern. Der Wert von Menschenleben gilt dabei als gering. Kein Wunder, dass selbst Südafrikas Nachbarn warnten, dass die extrem brutale Gewalt die demokratischen Strukturen des Kap-Staates schädigen könnte. (APA/dpa)

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21 Postings
Mediteranean Sea
05.06.2007 18:43
dass es in afrikanischen

Bürgerkriegen zu grausamen Vergewaltigungen gekommen ist bzw. kommt, war, traurig aber wahr, bekannt. Dass es diese Brutalität aber auch in Südafrika gibt, schockiert noch mehr.

Warum unternimmt der Staat nichts dagegen? Militär, Polizei, ect... Da wäre schnell aufgeräumt.

Solche Berichte erinnern an das Bürgerkriegsdramadrama mit Bruce Willis, Tears of Sun....

Mann40
04.06.2007 12:36

die Vergewaltigung von Jungen und Männern wird schon seit jeher todgeschwiegen, z.B. im 2. Weltkrieg usw. Es ist noch ein letztes Aufarbeitungstabu.
Vergewaltigung ist Vergewaltigung, egal ob bei Frauen oder Männern und gehört gleichgestellt und bestraft.

insertnamehere
 
11.05.2007 17:41
Irrsinn!

Das sind so die Artikel, die einen an der Menschheit verzweifeln lassen könnten.

Timagoras
 
11.05.2007 17:31

im übrigen bin ich erschüttert, über die (glücklicherweise) nicht veröffentlichten "ansichten", die manche hier posten zu müssen glauben :o(

Timagoras
 
11.05.2007 12:19

im weitesten sinne dazu passend ein sehr empfehlenswertes buch des Südafrikaners John M. Coetzee: "Disgrace"

Lord Chaos
11.05.2007 12:16


Der nächste failing State.

JasminSp
11.05.2007 12:10

Für geringere Taten werden höhere Strafen ausgesprochen. Ich bin in solchen Fällen ausnahmslos für die Totesstrafe, vorallem wenn Kinder betroffen sind. Und zwar auf der ganzen Welt.

die rote baronin
15.05.2007 12:55

Blödsinn. Gut, es gibt Verbrechen, wo man zur Ansicht kommen kann, dass neben der Todesstrafe auch die Folter wieder eingeführt werden sollte. Aber - wie viele Unschuldige würden dann auf diese Weise bestraft werden? In den USA - jenem Land mit Todesstrafe wo Angeklagte noch die besten Möglichkeiten haben ihre Unschuld zu beweissen, gibt es nachweisslich viele Personen deren Unschuld man nach der Vollstreckung erkannt hat.

der schönste mann v. wien
 
13.05.2007 23:09
"...vorallem wenn Kinder betroffen sind" - meine stimme haben Sie!

owen breon3
12.05.2007 14:45
wer andere menschen tötet wird mit dem tode bestraft

wenn sie für die todesstrafe eintreten müssten sie also nach dem ersten todesurteil selbst getötet werden.

Endlichdreißig
13.05.2007 15:58

Was für ein Unsinn.

Roland S.
14.05.2007 17:12
Wieso denn.. auch eine mögliche Sichtweise.

Ich sage einfach - laßt eine Gesellschaft ihre Verbrechen so handhaben wie sie es für richtig hält. Wenn es einem nicht passt muss man nicht hinfahren. Und mögen muß man es auch nicht.

insertnamehere
 
11.05.2007 17:52
Nachvollziehbarer Impuls.

Grad auf so eine Horrormeldung hin.

Trotzdem würd das genau nix bringen, ausser dass das archaische Rachegefühl a bissl befriedigt wird und wahrscheinlich auch noch der eine oder andere Unschuldige dabei umkommt. Und bei 5% Aufklärungsrate fällt ein eventueller (und generell eh überschätzter) Abschreckungsfaktor mal genauso flach.

Das lass ma lieber.

Lösung für solche Zustände weiss ich auch keine, die Todesstrafe bringt aber mal nix.

Timagoras
 
11.05.2007 16:33
ich bin ausnahmslos gegen die todesstrafe.

hexe caracas
11.05.2007 11:59
dort soll der Papst hin

gegen Vergewaltiger predigen und nicht armen Frauen in Brasilien drohen

Mediteranean Sea
05.06.2007 18:38
so ist es.

Aber man sieht ja jede Woche aufs neue, was den Papst wirklich interessiert.

Chien de Pique
11.05.2007 12:37
Die Republik Südafrika hat stolze 7,1% KatholikInnen.

Es würde wohl nicht sehr viel bringen.

halvar van flake
11.05.2007 12:50
naja - -7,1% an vergewaltigungen wären auch ein anfang....

;)

Chien de Pique
11.05.2007 14:10
Stimmt. Ich denke aber,

dass auch den katholischen Vergewaltigern bereits jetzt bekannt ist, dass ihre Kirche dieses Verhalten nicht unbedingt lobt und billigt - und eine noch so aufrüttelnde Predigt eher einen Rückgang von allenfalls 0,00071 % bewirken würde.

Di Fazz
11.05.2007 17:22

Kurzfristig vielleicht. Aber langfristig wäre es für die "moralischen Werte" (fällt mir jetzt kein besserer Begriff ein) der Gesellschaft wichtig, dass auch die Kirchen hier Prioritäten setzen:
Weniger Aussagen und Remmidemmi über böse Verhütung und Abtreibung, mehr Anklage zum Thema Gewaltverbrechen ihrer Schäfchen.

spamhunter
11.05.2007 11:00
Ein Wahnsinn.

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