Kiloschwere Tradition am Hals

Redaktion, 20. Mai 2007 07:00

Im Norden Thailands sind "Langhälse" touristische Attraktion - Die Frauen aber leiden und wollen die Messingringe loswerden

Huay Pu Keng - Muko rinnt der Schweiß an ihrem Hals herunter, doch die 15-Jährige kann ihn nicht abwischen. 15 Messingringe verhindern das - schwere Ringe, die um den Hals des Mädchens liegen. Sie wiegen drei Kilogramm und gehören zum traditionellen Schmuck der Karen, der die Frauen besonders schön machen soll. Muko jammert: "Das ist so unangenehm".

Eine Frage des Einkommens

Wie viele andere Mädchen der ethnischen Minderheit aus Birma möchte auch sie den lästigen Schmuck loswerden. Doch Muko lebt in dem Dorf Huay Pu Keng im Norden Thailands, und viele Touristinnen und Touristen kommen extra in die winzige Siedlung, um die "Langhälse" zu sehen. Sie sind für Mukos Familie die einzige Einnahmequelle.

"Ich habe mit fünf Jahren die ersten Ringe bekommen. Seither trage ich sie, 24 Stunden am Tag", sagt das junge Mädchen mit dem runden Gesicht. Bis sie erwachsen ist, kommen immer weitere Ringe hin - bis zu 25 Ringe und damit sechs Kilogramm wird sie schließlich am Hals tragen. Schon jetzt hat Muko Schmerzen und möchte den Schmuck abnehmen, aber ihre Mutter hindert sie: "Keine Ringe, kein Geld", sagt sie. Muko arbeitet mit ihrer Mutter an einem kleinen Souvenirstand, ihre Monatseinnahmen schwanken zwischen 500 und 3.000 Baht (10,74 bis 64,5 Euro). Ihr Leben will Muko damit nicht verbringen, sie träumt davon, Lehrerin zu werden. Doch wie sie dies schaffen soll, weiß sie nicht.

Schwerer Kampf um ein Leben ohne Ringe

Mukos Familie kam vor zwanzig Jahren auf der Flucht vor den Kämpfen zwischen der burmanischen Armee und Karen-Rebellen in die Bergregion, rund 900 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bangkok. Offiziell gilt Huay Pu Keng als Dorf, doch für die 200 Karen, die einzigen EinwohnerInnen, ist es eher ein Flüchtlingslager. Sie leben allein vom Tourismus - und damit von den Halsringen der Frauen. Das macht den Kampf der Mädchen um ein normales Leben so schwierig.

"Ich will mich anziehen wie eine ganz normale Frau, aber meine Mutter sagt, dann kann ich keine Souvenirs mehr verkaufen", klagt auch Amy, eine 15-jährige Christin mit sonnengebleichtem Pferdeschwanz. Viele ihrer Klassenkameradinnen hätten den lästigen Schmuck entfernen lassen, der in keiner Fernsehshow und in keinem Modemagazin Thailands zu sehen sei. Auf Thailands Straßen sind "Langhälse" Exotinnen: "Ich war neulich mit meinen Freundinnen in der Stadt, und sie haben mit Fingern auf uns gezeigt", klagt das Mädchen.

Krankmachende Tradition

Niemand weiß genau, wann der Brauch begann. Die 52 Jahre alte Mayao erinnert sich, dass schon ihre Urgroßmutter die Halsringe trug. Sie gelten als Schönheitsattribut, mit dem Frauen einen guten Ehemann bekommen können - vergleichbar mit dem rund tausendjährigen Brauch in China, jungen Mädchen die Füße abzubinden, damit sie klein bleiben. Erst mit Maos Revolution 1949 wurde die Verkrüppelung der Füße beendet.

Bei den Karen geht der Brauch weiter: Die Ringe verursachen nicht nur ständigen Schmerz in Hals, Kopf und Schultern, sie drücken auch Schultern und Schlüsselbein mehrere Zentimeter nach unten. Doch anders als bei den verkrüppelten Füßen kehren Schultern und Schlüsselbein wieder in die richtige Position zurück, wenn die Ringe entfernt werden.

Schande

Diese müssen von einem Spezialisten/von einer Spezialistin abgenommen werden, eine Operation, die 500 Baht kostet. Amy spart schon heimlich Geld, um sich eines Tages von der Last zu befreien. Mayao kann das nicht verstehen, für die 52-Jährige ist die Haltung der Mädchen eine Schande. "Sie verachten unsere Tradition, die seit Generationen aufrecht erhalten wird", sagt die kleine zierliche Frau und schüttelt mit ihren 25 Ringen am schmächtigen Hals. "Ich fürchte, dass die Bräuche der Karen aussterben." (APA)

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edgar einstein
22.05.2007 19:01
jetzt schreien hier alle gegen diese halsspiralen

-das sind keine ringe- jedoch hat schon mal jemand dieser gegenschreier eine der frauen gefragt obs spass macht oder nicht ? niemand... mit absoluter sicherheit !! der APA beitrag zu diesen thema kann nicht ernst genommen werden. ergo, alle ihr leute redet von etwas von dem ihr nichts wisst, dass ihr nicht versteht, usw. so what ??

Tethys
23.05.2007 08:33
obs spass macht

Spaß und Tradition ist nicht dasselbe. Diese Frauen leiden, halten jedoch die Tradition hoch, weil sie es so gewohnt sind. Wie passt da jetzt der "Spaß" rein? Wie definieren Sie "Spaß"? Haben Sie denn mehr Ahnung von der Sache, als der Durchschnittsösterreicher, dass Sie über den "Spaßfaktor" dieses Schmuckes Bescheid wissen?

Rosa Stahl
22.05.2007 10:56

Was so typisch ist an diesen Traditionen, die Frauen so viel Leid verursachen: Sie werden VON FRAUEN hochgehalten. Und lieber läßt Frau die eigene Tochter leiden, als davon abzulassen.

sonja1978
11.06.2007 10:43

ja, das schockiert mich auch

dass es die mütter sind, die es von den mädchen verlangen
ganz egal um was es geht: die halsringe, die genital-verstümmelungs-vergewaltigung
das tragen von kopftüchern und burkas
oder auch hier das tragen von diesen ringen
viele touristen gehen extra da hin um zu sehen, wie unpraktisch und gruselig das aussieht...

pfui

Dagmar Rehak
 
22.05.2007 18:37
Zustimmung

Das ist bei den afrikanischen Kitzlerabschneiderinnen ganz genau so. Die wehren sich mehr dagegen, dass sie aufhören müssen, als die Männer, die das angeblich verlangen.

Tong P
21.05.2007 11:18
Jaja,

die gute alte Tradition! Dahinter kann man alles Ungemach der Welt verstecken. Wie hinter der NÖ Bauordnung! "Ins Ortsbild passen" bedeutet auch, das einer vor 200 Jahren den Stil vergegeben hat.

Dagmar Rehak
 
21.05.2007 21:10

Die vor 200 Jahren waren eh noch schön.

das böse Binnen-I
21.05.2007 18:31
Was für ein grandioser Vergleich! *kopfschüttel*

edgar einstein
20.05.2007 19:03
also ich hab diesen bericht nochmals

durchgelesen und bin zu dem schluss gekommen das dies geschriebene erdichtet und erlogen ist. ich habe keinen hangfesten beweis dafuer aber ich kenn die mentalitaet- und hirarchiestruktur der leute ziemlich gut. ein padaungmaedchen wuerde es sich NIE trauen in anwesenheit der mutter diese hier angegebenen sachen zu sagen. ich wuerde sagen das der/die author/in die aus mir unerfindlichen gruenden per manipulation zusammengesetzt hat. es gibt eine entfernte moeglichkeit der der/die author gelegt worden ist und zwar dahingehend das ein thai guide mit war -sehr wahrscheinlich- der das so hingebogen hat. der author von der APA bekommt das sowieso nicht mit, oder will es auch gar nicht mitbekommen. weiters wurde nicht beruecksichtigt, vor etwa 2 jahren wollte die zentralregierung in bangkok die leute loswerden und nach myanmar abschieben, die wollten AUCH zurueck. jedoch der gemeinsame protest der dortigen provinzbehoerden und anderen interessierten -die mit denen ihr geld verdienen- verhinderten dies. die padaung haben sich in den vergangenen jahren zu einer derartigen touristenattraktion entwickelt das zuviele thais mit denen geld verdienen, die blos nichts verdienen sind die betroffenen, die padaung.

h 90
21.05.2007 08:07

da habens mal recht......

ero
20.05.2007 23:34
Ich vermute

dass uns dieSta_dard sagen will, dass kein Gebiet der Welt weit genug entfernt sein kann, ohne dass es frauenverachtende und unterdrückende Bräuche gäbe. Mir, die ich nie in dieser Gegend war, erscheinen diese Ringe auch befremdlich, genau so wie mir Lippenpflöcke u.ä. bei AfrikanerInnen befremdlich erscheinen.
Aber auch bei uns zwängten sich Frauen bis vor 100 Jahren in Korsetts bis hin zur Verformung ihrer inneren Organe.
Allerdings haben Sie recht: der Artikel erscheint etwas, hm, zusammengebastelt.

sonja1978
11.06.2007 10:45

oh mein gott
diese lippenschüsseln sind ja sooo grauslich!
tut das den mädchen weh?

allein bei dem gedanken, dass der vater mehr kamele oder ziegen kriegt, je größer der teller ist, der den töchtern in die lippen praktiziert wird

mich graust es

jumpingjack flash
21.05.2007 14:41

hauptsache vorurteile - ist bei uns haarfärben, piercen, tatoos auch "frauenverachtend"? von diversen maipulationen am männlichen genital will ich mal gar nix schreiben - es ist dort eben mode, tradition - und funktioniert seit langm sehr gut.
wahrscheinlich ein weiblicher modegag - sowie schuhwerk das füsse verkrüppelt (gänzlich ohne abbinden wie in china)

sonja1978
11.06.2007 10:49

welche manipulationen am männlichen genital?
wird die eichel abgeschnitten?
wird das loch zugenäht?

biiitte vergleichen sie das doch nicht allen ernstes

empfinden sie die beschneidung beim männl säugling etwa als verstümmelung?
erklären sie mir das bitte
die argumente die ich habe:
religiöse hintergründe
hygienische vorteile
und
zeitgewinn beim geschlechtsakt

achja und absolutem entgegenwirken, von vorhautverengungen, ein problem an dem viele männer leiden, mit vielen nachteilen, die vor allem die mädels ertragen müssen!

jumpingjack flash
11.06.2007 11:06

natürlich ist es eine verstümmelung - und es gibt auch feministinnen die das so sehen - neben möglichen körperlichen problemem gibt es auch psychische.
was ich tat war dies in relation mit dem artikel zu setzen - zu relativieren dass es durchaus nicht nur frauen betrifft. bzgl. einer reihenfolge lass ich ihnen freie hand - was ist schlimmer - am geschlechtsteil haut abschneiden, narben am ganzen körper anbringen, ringe um den hals, teller in der lippe, tatoos, brandings....

ero
22.05.2007 18:15
Entschuldigen Sie vielmals

Für Sie hinzugefügt: Der erste Satz würde sich sehr freuen, wenn man ihm die ihm innwohnende leise Ironie abringen könnte. Es nützt also nix, ich muss wieder den Holzhammer einsetzen.
Aber dass ein körperverstümmelnder Brauch so ganz zufällig nur bei Frauen zur Anwendung kommt, macht Sie so gar nicht stutzig?

jumpingjack flash
22.05.2007 18:24

nein - denn die leben ja sogar davon und müssten ohne die ringe ums überleben kämpfen.
im gegenstz dazu kann mann mt seiner abgefuzelten vorhaut nach der beschneidung rein gar nix verdienen.

jay gatsby
28.05.2007 09:52
einspruch

mit verlaub, aber ihr vergleich ist entweder zynisch, dumm oder naiv. die kampagnen gegen die (bei juden und moslems praktizierte) zirkumzision scheinen nicht nur in den standardforen die neuen rhetorischen speerspitzen der maskulisten-bewegung zu sein. mögliches motiv? um von den in keiner relation stehenden verstümmelungen an mädchen und frauen (eg fgm in afrika) abzulenken. kritisches resumé: meinetwegen berechtigte einwände gegen die männliche beschneidung sollten nicht als ablenkungsmanöver missbraucht werden. diese tendenziösen pr-aktionen sind auch in vielen fgm-threads auszumachen

jumpingjack flash
28.05.2007 19:13

stimmt natürlich - nur gehts bei mir wenn schon um den vergleich beschneidung (männl.) und ringe um den hals von frauen. - wobei beschneidungen im einzelfall durchaus dramatische folgen haben können (penisverlust).

ero
22.05.2007 18:30

Die leben vielleicht JETZT davon.
Hab ich wo behauptet, dass ich Beschneidungen befürworte? Wird nicht toll sein für Buben.

Natürlich haben solche Deformationen kulturelle, oft genug leider religiös-kultische. Und ich glaub auch nicht, dass sich jemand das zum Schaden der Frauen ausgedacht hat.

Deshalb muss ichs aber nicht toll finden und wenn dieses Phänomen einer Frauenseite einen Bericht wert ist: warum nicht?
Mehr Hintergründe wären halt gefragt und nicht das plakative Demonstrieren wie im Kuriositätenkabinett.

jumpingjack flash
22.05.2007 18:55

bis zur volljährigkeit bestimmen die eltern - danach die jungen erwachsenen selber.

jumpingjack flash
22.05.2007 18:54

bin ich einverstanden - an ihrem vorigem posting hat mich nur gestört dass es so klingt als ob sie "körperverstümmelnde" bräuche nur mädchen zuordnen - das ist falsch - auch jungen werden beschnitten, mit narben versehen etc.
ideal wär natürlich möglichst keine eingriffe bis zur violljährigkeit - danach soll jedeR tun was er will.

Rosa Stahl
22.05.2007 10:58

so lange die Frauen das freiwillig tun ist es kein Problem. Ich würde allerdings recht rabitat werden, wenn mir meine Mutter meine Haarfarbe, Tatoos, Pircings oder andere körperliche Verletzungen usw. vorschreiben würde um Traditionen aufrecht zu erhalten.

da klane ferdi
20.05.2007 16:50

wer ist die autorin / der autor dieses berichts und gibt es qualitative studien zu diesem thema?
es ist meiner meinung nach zwar durchaus gut, wenn berichte aus regionen, aus denen man normalerweise nicht so viel erfährt, in die westlichen medien gebracht werden, aber: wo sind die hintergründe, die die komplexität einer sozialen gruppe etwas besser darstellen? wer hat den artikel mit welcher motivation verfasst? gerade dann, wenn man implizit für veränderungen in einer gesellschaft plädiert, sollten zumindest minimale standards der informationsaufbereitung eingehalten werden, das ist bei diesem artikel aber nicht der fall. die beispiele sind völlig aus dem zusammenhang gerissen und ungenügend deutlich dargestellt.

edgar einstein
20.05.2007 22:29
wenn sie unbedingt naeheres wissen wollen

ist es am besten zu http://allmyanmar.com und http://www.bangkokpost.net zu clicken und ein abo bei der bangkokpost zu nehmen ist billig, die bringen berichte ueber die gegend, jedoch vorsicht die sehen die sachen ausschliesslich durch die thai brille und fuehen sich den myanmars reichlich ueberlegen. man kann jedoch manches finden was interessant ist.

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