Dringender Handlungsbedarf
Im Mutter-Kind-Haus der Caritas im 20. Bezirk bemühen sich die Mitarbeiterinnen um die derzeit dort lebenden 23 Frauen und mehr als 30 Kinder. Das Leben hat es mit ihnen nicht immer gut gemeint: Gewalt in der Beziehung, Geldnot und dann der Wohnungsverlust sind die Ursachen, warum Frauen mit ihren Kindern plötzlich auf der Straße stehen und nicht wissen wohin. "Die Nachfrage nach Plätzen in Mutter-Kind-Einrichtungen in Wien ist groß, hier besteht dringender Handlungsbedarf", so Landau. Nur jede zehnte Frau könne derzeit aufgenommen werden. Die Caritas bietet in dieser Situation nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern einen Ort, um zur Ruhe zu kommen, Kräfte zu sammeln für einen Neubeginn - in einer eigenen Wohnung, mit einem Job, von dem Mutter und Kind(er) auch leben können. Dazu begleiten die Sozialarbeiterinnen zu Ämtern und Behörden, beraten in rechtlichen und finanziellen Angelegenheiten, helfen bei der Jobsuche.
Ähnliches gilt für das Haus Miriam im 18. Bezirk und das FrauenWohnZentrum in der Leopoldstadt, wo wohnungslose Frauen wieder auf die eigenen Beine kommen können, um den Schritt zurück in ein eigenständiges Leben zu wagen. Oft geht die soziale Notlage einher mit einer psychischen Krise, die aufgearbeitet werden muss, damit der Neubeginn klappen kann. Das Überhangswohnhaus Miriam bietet Platz für 38 Frauen plus vier Notbetten, 105 Frauen haben vergangenes Jahr vorübergehend dort gewohnt. Das FrauenWohnZentrum bietet 32 Einzelzimmer bzw. Kleinwohnungen und ein Tageszentrum, in dem sich Frauen vom Leben auf der Straße erholen können, essen, duschen, Wäsche waschen.
Individueller Anspruch auf zustehende Teil-Leistung
Auch wenn das Geld knapp wird und die Familie nicht mehr weiß, wie sie über die Runden kommen soll, sind es die Frauen, die sich an die Caritas-Sozialberatung oder die Familienhilfe wenden. Fast drei Viertel der KlientInnen dort sind Frauen. "Armut ist weiblich, Armut ist erblich und Armut macht krank", fasst Landau zusammen. "Doch wir dürfen sie nicht hinnehmen: wir können etwas ändern und sollen das auch."
Ein Ansatzpunkt dafür seien Verbesserungen beim Kindergeld speziell für Alleinerzieherinnen, aber auch eine Umdenken bei der Sozialhilfe: "Die viel diskutierte Mindestsicherung muss vor allem auf die Situation von Frauen in familiären Krisensituationen Rücksicht nehmen", fordert Landau. Die Sozialhilfe gehe hier von einer Unterhaltspflicht des Mannes aus, deren Durchsetzung in der Praxis vor allem bei Trennung wegen Gewalt in der Beziehung völlig illusorisch sei. Frauengerechtigkeit hieße, dass es einen individuellen Anspruch auf die zustehende Teil-Leistung geben muss. (red)
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Frauen sind an Armut eher gewöhnt, daran, dass sie nicht selbst über so viel Einkommen verfügen können, dass sie frei und selbständig leben könnten wie sie möchten. Man sieht es daher nicht so sehr als Zeichen von Armut, wenn Frauen über so gut wie kein Geld verfügen können. Eine Mutter mit 5 Kindern, die am Hof des Mannes hausen muss und nicht weg kann, egal was passiert und wie ihr der Sinn steht, die hat mitunter keinen Cent für sich.
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