Ein Großteil der Betroffenen bleibt unsichtbar: Caritas bietet Unterstützung für Mütter und Alleinstehende
Wien - "Armut ist weiblich." Diese Erkenntnis aus dem
jüngsten Armutsbericht kann die Caritas aus der Erfahrung ihrer
täglichen Arbeit bestätigen. Doch ein Großteil der Frauenarmut ist
versteckt. "Wir sehen das in unseren Einrichtungen für allein
stehende Frauen ebenso wie im Mutter-Kind-Haus, aber auch in der
Sozial- und Familienberatung", sagt Caritasdirektor Michael Landau
und fordert endlich Taten, unter anderem Verbesserungen beim
Kindergeld für Alleinerzieherinnen, aber auch mehr Plätze in
Mutter-Kind-Einrichtungen.
Dringender Handlungsbedarf
Im Mutter-Kind-Haus der Caritas im 20. Bezirk bemühen sich die Mitarbeiterinnen um die derzeit dort lebenden 23 Frauen und mehr als 30 Kinder. Das Leben hat es mit ihnen nicht
immer gut gemeint: Gewalt in der Beziehung, Geldnot und dann der
Wohnungsverlust sind die Ursachen, warum Frauen mit ihren Kindern
plötzlich auf der Straße stehen und nicht wissen wohin. "Die
Nachfrage nach Plätzen in Mutter-Kind-Einrichtungen in Wien ist groß,
hier besteht dringender Handlungsbedarf", so Landau. Nur jede zehnte
Frau könne derzeit aufgenommen werden. Die Caritas bietet in dieser
Situation nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern einen Ort, um zur
Ruhe zu kommen, Kräfte zu sammeln für einen Neubeginn - in einer
eigenen Wohnung, mit einem Job, von dem Mutter und Kind(er) auch
leben können. Dazu begleiten die Sozialarbeiterinnen zu Ämtern und
Behörden, beraten in rechtlichen und finanziellen Angelegenheiten,
helfen bei der Jobsuche.
Ähnliches gilt für das Haus Miriam im 18. Bezirk und das
FrauenWohnZentrum in der Leopoldstadt, wo wohnungslose Frauen wieder
auf die eigenen Beine kommen können, um den Schritt zurück in ein
eigenständiges Leben zu wagen. Oft geht die soziale Notlage einher
mit einer psychischen Krise, die aufgearbeitet werden muss, damit der
Neubeginn klappen kann. Das Überhangswohnhaus Miriam bietet Platz für
38 Frauen plus vier Notbetten, 105 Frauen haben vergangenes Jahr
vorübergehend dort gewohnt. Das FrauenWohnZentrum bietet 32
Einzelzimmer bzw. Kleinwohnungen und ein Tageszentrum, in dem sich
Frauen vom Leben auf der Straße erholen können, essen, duschen,
Wäsche waschen.
Individueller Anspruch auf zustehende Teil-Leistung
Auch wenn das Geld knapp wird und die Familie nicht mehr weiß, wie
sie über die Runden kommen soll, sind es die Frauen, die sich an die
Caritas-Sozialberatung oder die Familienhilfe wenden. Fast drei
Viertel der KlientInnen dort sind Frauen. "Armut ist weiblich, Armut
ist erblich und Armut macht krank", fasst Landau zusammen. "Doch wir
dürfen sie nicht hinnehmen: wir können etwas ändern und sollen das
auch."
Ein Ansatzpunkt dafür seien Verbesserungen beim Kindergeld
speziell für Alleinerzieherinnen, aber auch eine Umdenken bei der
Sozialhilfe: "Die viel diskutierte Mindestsicherung muss vor allem
auf die Situation von Frauen in familiären Krisensituationen
Rücksicht nehmen", fordert Landau. Die Sozialhilfe gehe hier von
einer Unterhaltspflicht des Mannes aus, deren Durchsetzung in der
Praxis vor allem bei Trennung wegen Gewalt in der Beziehung völlig
illusorisch sei. Frauengerechtigkeit hieße, dass es einen
individuellen Anspruch auf die zustehende Teil-Leistung geben muss. (red)