Frauenarmut in Österreich hat viele Gesichter

Redaktion, 20. Mai 2007 09:00

Ein Großteil der Betroffenen bleibt unsichtbar: Caritas bietet Unterstützung für Mütter und Alleinstehende

Wien - "Armut ist weiblich." Diese Erkenntnis aus dem jüngsten Armutsbericht kann die Caritas aus der Erfahrung ihrer täglichen Arbeit bestätigen. Doch ein Großteil der Frauenarmut ist versteckt. "Wir sehen das in unseren Einrichtungen für allein stehende Frauen ebenso wie im Mutter-Kind-Haus, aber auch in der Sozial- und Familienberatung", sagt Caritasdirektor Michael Landau und fordert endlich Taten, unter anderem Verbesserungen beim Kindergeld für Alleinerzieherinnen, aber auch mehr Plätze in Mutter-Kind-Einrichtungen.

Dringender Handlungsbedarf

Im Mutter-Kind-Haus der Caritas im 20. Bezirk bemühen sich die Mitarbeiterinnen um die derzeit dort lebenden 23 Frauen und mehr als 30 Kinder. Das Leben hat es mit ihnen nicht immer gut gemeint: Gewalt in der Beziehung, Geldnot und dann der Wohnungsverlust sind die Ursachen, warum Frauen mit ihren Kindern plötzlich auf der Straße stehen und nicht wissen wohin. "Die Nachfrage nach Plätzen in Mutter-Kind-Einrichtungen in Wien ist groß, hier besteht dringender Handlungsbedarf", so Landau. Nur jede zehnte Frau könne derzeit aufgenommen werden. Die Caritas bietet in dieser Situation nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern einen Ort, um zur Ruhe zu kommen, Kräfte zu sammeln für einen Neubeginn - in einer eigenen Wohnung, mit einem Job, von dem Mutter und Kind(er) auch leben können. Dazu begleiten die Sozialarbeiterinnen zu Ämtern und Behörden, beraten in rechtlichen und finanziellen Angelegenheiten, helfen bei der Jobsuche.

Ähnliches gilt für das Haus Miriam im 18. Bezirk und das FrauenWohnZentrum in der Leopoldstadt, wo wohnungslose Frauen wieder auf die eigenen Beine kommen können, um den Schritt zurück in ein eigenständiges Leben zu wagen. Oft geht die soziale Notlage einher mit einer psychischen Krise, die aufgearbeitet werden muss, damit der Neubeginn klappen kann. Das Überhangswohnhaus Miriam bietet Platz für 38 Frauen plus vier Notbetten, 105 Frauen haben vergangenes Jahr vorübergehend dort gewohnt. Das FrauenWohnZentrum bietet 32 Einzelzimmer bzw. Kleinwohnungen und ein Tageszentrum, in dem sich Frauen vom Leben auf der Straße erholen können, essen, duschen, Wäsche waschen.

Individueller Anspruch auf zustehende Teil-Leistung

Auch wenn das Geld knapp wird und die Familie nicht mehr weiß, wie sie über die Runden kommen soll, sind es die Frauen, die sich an die Caritas-Sozialberatung oder die Familienhilfe wenden. Fast drei Viertel der KlientInnen dort sind Frauen. "Armut ist weiblich, Armut ist erblich und Armut macht krank", fasst Landau zusammen. "Doch wir dürfen sie nicht hinnehmen: wir können etwas ändern und sollen das auch."

Ein Ansatzpunkt dafür seien Verbesserungen beim Kindergeld speziell für Alleinerzieherinnen, aber auch eine Umdenken bei der Sozialhilfe: "Die viel diskutierte Mindestsicherung muss vor allem auf die Situation von Frauen in familiären Krisensituationen Rücksicht nehmen", fordert Landau. Die Sozialhilfe gehe hier von einer Unterhaltspflicht des Mannes aus, deren Durchsetzung in der Praxis vor allem bei Trennung wegen Gewalt in der Beziehung völlig illusorisch sei. Frauengerechtigkeit hieße, dass es einen individuellen Anspruch auf die zustehende Teil-Leistung geben muss. (red)

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12 Postings
Toni Blaher
 
20.05.2007 23:55
jaja, pöse Männer

Komischerweise sind die ganzen Sandler auf der Straße fast immer Männer.

Tethys
21.05.2007 10:26

Weibliche Obdachlosigkeit manifestiert sich anders als männliche - sie ist u.a. weniger sichtbar. Aber weniger sichtbar heißt nicht weniger vorhanden.

Toni Blaher
 
21.05.2007 10:43

Und was meinen Sie genau?
Das weibliche Obdachlose doch eine Wohnung haben?
Oder das Frauen bevorzugt werden bei der Gewährung von Unterschlupf?

Kantinenessen
21.05.2007 14:28
Frauen kommen oft bei Freunden/Freundinnen unter.

Deswegen haben sie trotzdem keine eigene Wohnung.

metall81
21.05.2007 14:31
Was Toni Blaher's...

...Verdacht bestätigt.

Tethys
21.05.2007 10:53

Zum Beispiel:
Frauen haben durch - ich sag mal beschönigend - One-Night-Stands zumindest für eine Nacht ein Dach über dem Kopf, das heißt nicht, dass sie nicht trotzdem obdachlos wären. Sie schlafen nur nicht auf der Straße, sondern im Bett eines "Freiers".

Jetzt klarer?

metall81
21.05.2007 11:55
Ich finde es ausgesprochen interessant,....

...dass gerade ausgesprochene Feministinnen in der Prostitution DIE logische Konsequenz der Armut sehen. Trauen Sie Ihren Geschlchtsgenossinen so wenig zu?

RuBi
05.06.2007 21:03

Man muss nur das Wort weit genug fassen. Viele sind auch verheiratet oder liiert und wohnen halt so lange wo. Würden Sie selbstbestimmt leben wollen, müssten sie auf der Straße wohnen.

Tethys
21.05.2007 12:25

In der Frage von Prostitution und Armut ist natürlich eine gewisse Korrelation gegeben. Dass es daneben andere Gründe für Prostitution gibt, ist selbstverständlich, aber nicht Gegenstand der momentanen Diskussion hier.

Helmut Kranicher
21.05.2007 09:53
Was lernen wir daraus ?

Sogar als Sandlerinnen sind die Frauen noch gescheiter. Finden sich bessere Plätze als am Gehsteigrand und saufen weniger.

Toni Blaher
 
21.05.2007 10:06

lol

RuBi
05.06.2007 21:05

Frauen sind an Armut eher gewöhnt, daran, dass sie nicht selbst über so viel Einkommen verfügen können, dass sie frei und selbständig leben könnten wie sie möchten. Man sieht es daher nicht so sehr als Zeichen von Armut, wenn Frauen über so gut wie kein Geld verfügen können. Eine Mutter mit 5 Kindern, die am Hof des Mannes hausen muss und nicht weg kann, egal was passiert und wie ihr der Sinn steht, die hat mitunter keinen Cent für sich.

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