Böse, blöde, unbrauchbar?

Redaktion, 20. Mai 2007, 17:00
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    "forever young? Die Unsichtbarkeit alter Frauen in der Gegenwartsgesellschaft", Elisabeth Hellmich, milena Verlag 2007, Wien, 165 Seiten.
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    foto: standard/robert newald
    Mit ihrem leicht lesbaren Buch legt Elisabeth Hellmich den Finger auf tatsächlich schwer wiegende Diskriminierungen.

Abwertung prägt Bilder alter Frauen in der Öffentlichkeit – wenn sie überhaupt auftauchen: Elisabeth Hellmichs Buch "forever young"

Aggression und Abwertung prägen die Bilder alter Frauen in der Öffentlichkeit – wenn diese überhaupt auftauchen, sagt Soziologin Hellmich in ihrem Buch "forever young". Gerlinde Pölsler hat es für dieStandard.at gelesen - eine Rezension.


Früher, in den Märchen, wurden die alten Frauen "verbrannt, erhängt, ertränkt, ... erschlagen, gefoltert, sie mussten sich tot tanzen oder wurden zu Tode geprügelt". Seit Jahrhunderten schon stehen sie für eine Verkörperung des Bösen, häufig traten sie in den Gestalten gefährlicher Schwieger- und Stiefmütter auf. Heute geht es etwas subtiler zu, doch die Sprache, die verwendet wird, wenn es um Alte und insbesondere um alte Frauen geht, enthält oft nach wie vor aggressive Aspekte. "Pest, Hunger und Krieg sind glücklich überwunden – nun sind die Alten da", schreibt "Die Zeit". Alte Frauen werden entweder als "Schwiegermonster" oder als lächerlich, dumm oder nutzlos hingestellt. Meistens aber werden Frauen ohnehin "aus der öffentlichen Wahrnehmung wie dem Fernsehen eliminiert, wenn sie 45 sind", wie Frank Schirrmacher, der Autor des Buches "Das Methusalem-Komplott", feststellt.

"Gefährliche Kreuzung"

In ihrem Buch "forever young? Die Unsichtbarkeit alter Frauen in der Gegenwartsgesellschaft" greift Elisabeth Hellmich ein brisantes Thema auf, das uns künftig noch zunehmend beschäftigen wird: Obwohl der Anteil alter Menschen und insbesondere alter Frauen an der Gesellschaft zunimmt, sind diese und ihre vielfältigen Lebensrealitäten in der Öffentlichkeit, in Medien und Werbung kaum präsent, ja finden sich gar kaum verhohlener Feindseligkeit gegenüber. Für alte Frauen ist dies noch in verschärftem Maße der Fall, da sie sich auf einer "gefährlichen Kreuzung" befinden, wo sich Sexismus und "Ageismus", Altersfeindlichkeit, treffen. Entstanden ist das Buch aus der Dissertation der 78-jährigen Soziologin Hellmich, die erst in der Pension zu studieren begonnen hat. Sie fasst darin sowohl aktuelle Altersdiskurse zusammen als auch analysiert sie Zeitschriften und Karikaturen.

"Zwischen Kompetenz und Defiziten", so beschreibt sie die beiden Pole der öffentlichen Diskussion. Alten Menschen werden alle möglichen Fähigkeiten abgesprochen, wichtig Hellmichs Hinweis darauf, dass "Testergebnisse, die die Defizite alter Menschen bestätigen, häufig durch die Testbedingungen beeinflusst sind" – schließlich verfügen die Generationen über sehr unterschiedliche Bildungsvoraussetzungen. Aber auch die neue Rede von den ewig jungen, aktiven Alten entlarvt die Autorin als altersfeindlich: Schließlich stehe dahinter die Frage, was denn die Alten der Gesellschaft noch bringen, und die Erwartung, möglichst lange möglichst reibungslos zu funktionieren, setze viele unter Druck. Schließlich weist sie auf die Altersfeindlichkeit in der Sprache hin, die sich einerseits in Bezeichnungen wie "Grufties" oder "Überalterung" äußern, aber auch in Beschönigungen wie "älter" und "3. Lebensphase". Als nicht zu vernachlässigenden Faktor, der zur Unsichtbarwerdung beiträgt, rückt Hellmich auch die Armut ins Licht, die ja wiederum alte Frauen in weit stärkerem Maße betrifft als ihre männlichen Altersgenossen.

Unter Feministinnen ist es nicht besser

Weiter führt Hellmich zu den Bildern alter Frauen im kollektiven Unbewussten: die alte Jungfer, die weise Alte, die böse Alte und die gute Großmutter. Eine wichtige Rolle spielt offenbar die Menopause als Zeichen des Endes der Gebärfähigkeit, was häufig als Nutzlos-Werden der Frau betrachtet wird. Als sehr zielführend erwiesen sich die Analysen von Karikaturen in Zeitungen und Zeitschriften: Die beschriebenen Stereotype wie Lächerlichkeit, Dummheit und Boshaftigkeit waren darin deutlich gezeichnet. Wobei das Böse aktuell wohl vor allem in Form von rücksichtslosem, als unverdient betrachteten Wohlstand thematisiert wird.

Etliche LeserInnen überraschen – und manche Hoffnungen zerstören – wird die Antwort auf eine weitere Frage, der Hellmich nachging: Ist es im feministischen Umfeld besser? Nimmt diese Szene alte Frauen eher wahr, und das auch weniger klischeehaft? Hellmich kann dies nur schlicht verneinen, nachdem sie Interviews mit älteren und alten Frauen aus der Szene geführt sowie einige feministische Zeitschriften analysiert hat. Auch dort wurde sie alter Frauen nur selten fündig, auch dort fand sie wenig Reflexion, dafür Abwertungen. Zwar huldigten Feministinnen einigen alten Heldinnen, deren Ausnahmeleben habe jedoch mit der Masse der Frauen nichts zu tun.

Mit ihrem leicht lesbaren Buch legt die Autorin den Finger auf tatsächlich schwer wiegende Diskriminierungen – liegt doch ein Keim der Gewalt darin, dass oft suggeriert wird, die Alten bedeuteten ohnehin nur eine Last und wären besser schon weg, statt dass die errungene Langlebigkeit positiv gewürdigt würde. Auch hat Hellmichs Analyse, wonach Frauen stärker von dieser Aggressivität getroffen seien, zweifellos volle Berechtigung. Als Leserin hätte man sich bloß noch etwas mehr davon gewünscht. Viele hoch interessante Aspekte werden relativ kurz abgehandelt. Und beim Abklopfen der feministischen Szene auf das Vorkommen alter Frauen hätte sich noch angeboten, auch die Buchneuerscheinungen der letzten Jahre zu sichten. Das Buch ist fast zu schnell gelesen – was gleichzeitig darauf hinweist, wie flott es geschrieben und wie gut das Thema getroffen ist. (Gerlinde Pölsler)

Links

Die Gefahr der Ausnahmefrau
Portrait der Soziologin und Autorin Elisabeth Hellmich
  • "Beige und ruhig durchs Leben gehen" [9]

    Dagmar L. ist 66 Jahre alt und hat drei erwachsene Töchter. Sie unterrichtete Deutsch an einem Wiener Gymnasium.

  • Die Unsichtbaren [93]

    Wo sind die älteren Frauen? Es ist schon seltsam, wie wenige Bilder uns als Antwort zu diesen Fragen einfallen. Die Analyse eines traurigen Versäumnisses

  • Porträt: Der Löwe und die Frau Magister [57]

    TitelbildDie Diplomarbeit der Seniorin Mary Hoschek hat bereits die dritte Auflage erfahren - Der Titel hilft zur Selbst-Behauptung

  • "Drumherum beim Sex wird wichtiger" [3]

    Sex nach der Meno­pause kann so gut wie im Hollywoodfilm "Was das Herz begehrt" sein, sagen Sexual­wissenschafter Aigner und Pflegedienstleiterin Backer - Diskussion

  • Der weise Leichtsinn [22]

    Was in frühen Jahren nicht gelebt werden konnte, kommt spätestens ab fünfzig - Wiedergelesen und noch immer gut - Buchtipp

  • Buchtipps

    Die Weise Alte [3]

    Warum alte Frauen degradiert werden, zeigt Barbara G. Walker mit einer Spurensuche durch die Kulturgeschichte

  • Böse, blöde, unbrauchbar? [135]

  • Wie kluge Frauen alt werden [2]

    TitelbildHeidi Witzig hat Feministinnen im Alter zwischen 63 und 90 Jahren zu Erfolgen, Misserfolgen und zum Älterwerden befragt

Kommentar posten
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nick morgenland
 
00
26.5.2007, 08:08
statt ausgrenzung partizipation - statt diskriminierung generationenparität - mehr junge mit charakter und lebenserfahrung - mehr alte mit charakter und lebenserfahrung - die alten sind einmal das gedächtnis des stammes gewesen - sandwich=nein danke


die abwertung und benachteiligung der alten steigert die angst vor dem alter (angst lähmt).

ein rascher schritt zur aufwertung der alten (und des alters) wäre die benachteiligung in der politik aufzuheben.

in österreich regiert die sandwichgeneration hat mir vor ein paar jahren ein sekretär eines "seniorenverbandes" mitgeteilt. das wort ist für mich neu gewesen (gemeint hat er die 40- bis 60-jährigen). tatsächlich gibt es auch relativ viele junge (aber nicht immer die besten), die politische spitzenfunktionen erhalten (traumkarrieren machen). mir fällt dazu das schlagwort "vitamin-b-familie" ein:
die kombination aus beziehungen, familiären konstellationen und hilfen diverser vorfeldorganisationen (freunderlwirtschaft).

stimmt's?

nick morgenland
 
00
26.5.2007, 07:56
kasperltheater


gerade eben im orf-kinderprogramm = die charakterisierung der hexe durch den kasperl:

dumm, alt und schiach.

alt zu sein, ist ein fehler.

esther vilar hat einmal gesagt: die frau von stil macht sich älter.

in japan machen sich männer älter, um beruflich ihre chancen zu steigern.

in österreich gilt es als chique, alte menschen von politischen funktionen auszuschließen (ich meine nicht politiker und politikerinnen, die seit jahrzehnten an ihren sesseln kleben, ohne sich bewährt zu haben; ich meine politisch junge alte: sie haben keine chance, weder in der spö, noch in der övp, noch bei den grünen (einzige mir bekannte ausnahme = der neue bezirksvorsteher der josefstadt), noch bei den blauen oder orangen (spitzenfunktionen betreffend).

nick morgenland
 
10
24.5.2007, 05:24
political correctness = null


alt samma, schiach samma, und leit' ausricht'n tamma a.

zitat aus einem orf kostüm-film (vor etwa 15/20 jahren) vor einem schlösschen der jahrhundertwende.

sexismus ist ein tabuthema (wenn männer davon betroffen sind). ein anderes thema ist die frage der fehlenden generationenparität (in der politik). nicht einmal diskutiert wird darüber (von den vertreter(inne)n der frauen auch nicht) - in der öffentlichkeit zumindest nicht. was spricht dagegen, omamas (auch kinderlose) und opapas (auch kinderlose) ins parlament zu lassen (wenn sie erfahrungen haben und sich bewährt haben), politisch junge alte so zu sagen?

wer nicht im parlament sitzt, ist ein dummi (rückkopplungseffekt). aufwertung der alten und des alters: politisch vor allem.

presonic
00
15.11.2007, 12:16
und

demokratisch wäre die aufwertung der alten auch!!

nick morgenland
 
00
24.5.2007, 05:19
mit 66 jahren da fängt der abstieg an.

marion dönhoff ist wie alt gewesen?

insgesamt stimmt es aber schon (die alten werden verachtet - vor allem in österreich - vor allem auch die männer).

alte männer sind alte "krauterer" (kräutersammler).
alten männern fallen die haare aus, sie sind "impotent", sie spielen keinerlei rolle im österreichischen parlament (früher eine allzu große, jetzt gar keine mehr). wieviele 66 jährige plus gibt es im parlament (meines wissen keine(n) einzige(n))? mit 66 jahren fängt der abstieg an (vor allem, wenn es kein kleingeld gibt: um sich ein plätzchen an der sonne, in mallorca, auf den kanaren, am kreuzfahrtschiff, in der senior(inn)enresidenz leisten zu können). vielen alten geht's zu gut, viele alte sind verzweifelt (finanziell und sozial bed.).

nick morgenland
 
00
24.5.2007, 05:11
als es noch demokratie gegeben hatte


wer hat eigentlich anfang der dreißiger jahre für die kpd gestimmt bzw. für die nsdap?

sind das nur die männer gewesen?

ist es unbekannt, nicht zu erahnen gewesen: wie diese parteien (in der realität - nicht in der idealität = kp) mit missliebigen, minderheiten umgehen würden (rübe ab)?

wer hat für nixon, putin und bush gestimmt?

wie sollte man mit verbrechern umgehen (n.m.)?
die größten verbrecher sind die politischen. die größten unter ihnen werden auch noch geehrt (f.m.).

nur eine minderheit (dieser verbrecher(innen)) ist von den podesten gestürzt worden (stalin).

queen (maximale ausdehnung der kolonialgebiete) victoria (z.b.: gewaltsame öffnung chinas = opium) gilt nicht als kriegsverbrecher(in) (kaiser franz joseph auch nicht).

nick morgenland
 
10
24.5.2007, 05:04
auch frauen denunzieren (inquisition zum beispiel) - rädchen im getriebe der macht - auch im dritten reich


>Früher, in den Märchen, wurden die alten Frauen "verbrannt, erhängt, ertränkt, ... erschlagen, gefoltert, sie mussten sich tot tanzen oder wurden zu Tode geprügelt".<

die alten frauen sind nicht nur in den märchen verbrannt, erhängt, ertränkt, erschlagen, gefoltert worden (die katholische kirche hat sich darum gekümmert, später haben sich auch repräsentant(inn)en protestantischer glaubensgemeinschaften um diese "aufgabe" gekümmert = wobei es allerdings keine alterslimits gegeben hat). in den usa (zum beispiel) werden auch (heute noch) junge menschen zu schwersten strafen verurteilt (in god we trust & in cruise missiles).

dass es auch positiv besetzte alte gegeben hat (in den märchen z.b.), ist unbekannt?

frau holle ist eine junge frau?

Emil i Lönneberga
13
23.5.2007, 10:49
"...sie mussten sich tot tanzen ..."

Tot tanzen musste sich Sneewittchens Stiefmutter. Die war aber nicht alt sondern die zweitschönste im ganzen Land.

maleficarum malleus
11
22.5.2007, 19:47

deswegen wurden hier auch mal, als man alte schönheiten vorstellte, deren jugendphotos gezeigt

- entlarvt! gotcha!

nick morgenland
 
11
22.5.2007, 01:41
in vielen staaten werden alte menschen geschätzt (nach wie vor). in österreich political correctness gegenüber alten = gleich null.

verdienstvoll, das thema alter anzusprechen.
anmerken möchte ich, dass sowohl alte frauen als auch alte männer in österreich abgewertet werden.
die suizidrate alter männer (> 75) ist die vierthöchste der welt (zehnmal höher als in england). die drei staaten, die vor "uns" liegen in der statistik des schreckens und der verzweiflung, sind alle arm (ungarn. litauen, kuba). den einen geht's gut (wien = fünftreichste region der eu), den anderen geht es überhaupt nicht gut (depression, abwertung, verzweiflung).
es ist mir unbegreiflich, warum kein einziger alter mensch (> 70, vermutlich auch kaum jemand > 65) eine rolle im österreichischen parlament spielt (ich meine politisch junge alte, unverbrauchte, die soziales engagement gezeigt haben).

asta nielsen
02
22.5.2007, 16:58
es ist mir unbegreiflich, warum kein einziger alter mensch (> 70, vermutlich auch kaum jemand > 65) eine rolle im österreichischen parlament spielt

Wie bitte??? Wo leben Sie? Österreichische Politiker kleben solange an ihren Sesseln, bis es nicht mehr geht. Und wenn sie aus dem Nationalrat ausscheiden, werden sie mit wohldotierten Posten von ihren Parteien weiter versorgt.

nick morgenland
 
10
24.5.2007, 05:25
siehe originalzitat

ich meine politisch junge alte, unverbrauchte, die soziales engagement gezeigt haben

nick morgenland
 
21
23.5.2007, 06:25
forderung = parität und generationenparität = gender und generationen mainstreaming in allen bereichen


ich fordere, dass menschen, die sich bewährt haben, politisch junge alte, frauen und männern, in allen bereichen der politik vertreten sind, insbesondere dort, wo es um macht geht (nationalrat, regierung, gemeinderäte, stadträte, bürgermeister). keine rede kann davon sein.

ich fordere eine quote, entsprechend dem anteil der bevölkerung (der wahlberechtigten - zukünftig = der 16-plus-generation = von 16 bis 106).

wieviele alte menschen sind im parlament vertreten? kein einziger mensch über siebzig, wohl auch kaum jemand über fünfundsechzig. woran liegt das? cui bono. damit die postenkleber(innen) mehr platz haben. ich will menschen haben, die geist haben und herz: keine parteisoldat(inn)en, die den putins und den bushs hineinkriechen.

maleficarum malleus
00
23.5.2007, 18:48

das wesen der demokratie ist, dass eben gerade nicht nach willkür eingesetzt wird. und das ist das schöne an ihr und diesem ideal sollten wir versuchen so nahe wie möglich zu kommen u daher uns ihm immer mehr anzunähern und nicht uns zu entfernen.

nick morgenland
 
00
26.5.2007, 00:30
altenfrei


ist es demokratisch, dass in österreich, alte menschen von politischer betätigung (ich meine die zentren der macht - nicht einen zirkel im altenheim oder eine funktion als parteikassier) ausgeschlossen werden?

das ist kein zufall, dass es so ist.
die einen bekommen nicht genug:
dafür müssen andere ausgeschlossen werden.

würden wir ein gesetz erlassen, dass es menschen im alter zwischen fünfzig und sechzig verbietet, sich politisch zu betätigen: gäbe es protest.

warum stört es niemanden, dass es ab dem alter von 65 jahren, keinen einzigen politiker, keine einzige politikerin im parlament gibt und dafür andere jahrzehnte lang? die situation in österreich ist wohl ein unikum (ich meine: in dieser extremen ausprägung). warum ist das so?

nick morgenland
 
10
24.5.2007, 03:38
pseudosolidaritäten und parteisoldat(inn)entum = das ist die realität = und eitle selbstdarsteller = mit des kaisers kleidern (nackerpatzerln) = überbewertete = die besten werden abgeschreckt (flüchten in elfenbeintürme, wirtschaft, resignation)


>das wesen der demokratie ist, dass eben gerade nicht nach willkür eingesetzt wird. und das ist das schöne an ihr und diesem ideal sollten wir versuchen so nahe wie möglich zu kommen u daher uns ihm immer mehr anzunähern und nicht uns zu entfernen.<

schön wär's.

ist es gut, wenn sich immer die mehrheitsmeinung durchsetzt. wir brauchen schutz vor der demokratie (sonst gehen die minderheiten unter). das bedeutet nicht, dass oligarchien und aristokratien besser sind. es geht um aristokratien des geistes (im sinne von friedrich schiller und oskar werner). dazu brauchen wir offene diskussionen (für alle offen). alle können besser sein (a. = die besten). alle betroffenen sind zu hören (alle). wir haben pseudoeliten (fehl geleitete auch).

jumpingjack flash
01
24.5.2007, 09:53

sie begehen einen fehler - ideal (= unerreichber) (ihr persönliches ideal!) in der realität zu fordern - das ist, da eben unerreichbar unmöglich.
politische prozesse unterliegen auch der evolution - das beste (das praktizierbar ist) setzt sich durch.

nick morgenland
 
00
25.5.2007, 23:47

utopien sind (per definitionem) unerreichbar. für ideale und visionen gilt das eigentlich nicht.

sie schreiben: politische prozesse unterliegen der evolution und das beste setzt sich durch (mit besonderem hinweis auf die praktikabilität).

evolution ist keine religion (und auch kein naturgesetz). dass sich das beste durchsetzt: da kommt es wohl darauf an, welchen zeitraum man betrachtet? ein philosoph hat darauf hingewiesen, dass es nahe liegt, bilder aus der biologie, der technik, dem sozialen system als modell zu betrachten (für alles mögliche) und sogar darauf zu vergessen, dass es sich um ein modell handelt (irrationalität, religiöser wahn, ideologie). wenn man das bild akzeptiert (aus der biologie): was ist schon ein fortschritt?

jumpingjack flash
00
28.5.2007, 21:16

evolution funktioniert so - "fehler" entstehen und probieren aus ob sie sich weiterntwickeln (praktiziernbar) oder nicht.
insoweit geb ich ihnen recht - wenn die erde so versaut ist dass nur mehr insekten überleben ists halt evolution - ob "fortschritt" ist zu hinterfragen - aber wie gesagt: was ist fortschritt?

nick morgenland
 
00
28.5.2007, 23:45
fortschritt


die basis dafür zu schaffen, dass projekte entwickelt werden, die langfristig angelegt sind, langfristig wirksam sind (vorausschauend geplant) und der entwicklung der kritikfähigkeit, der kreativität (wirklicher kreativität) und der friedlichen zusammenarbeit (hebung der konfliktkultur) dienen.

zu einer anderen frage: nichts spricht gegen sezessionen und unionen (außer wenn es sich um goldminen handelt).

nick morgenland
 
00
28.5.2007, 23:43
beispiele

wenn ich nur daran denken, wofür bestimmte leute ihr leben riskieren, ihre lebenszeit einsetzen (für welche ziele). ein praktisches beispiel: wie ist es möglich, dass menschen, die flüchten könnten, ihr leben in einem ungerechten krieg aufs spiel setzen? das hängt mit dem verlust an selbstbestimmung zusammen (wenn ich jahrelang vorgebe, was zu tun ist, nehme ich die chance auf die entwicklung, reifungsprozesse werden erschwert (abgesehen von einer minderheit, die es immer gibt, die sich auflehnt).

was ist fortschritt? das leben zu verlängern: je länger ein leben dauert, desto mehr weisheit lässt sich erringen (nicht bei allen, aber bei einigen oder vielen). die ressourcen so zu nützen, dass es zu keiner erschöpfung oder vergiftung kommt.

nick morgenland
 
00
28.5.2007, 23:39

fortschritt = minimalstandards = menschliche würde und entwicklung betreffend (davon sind wir meilenweit entfernt, auch in österreich, wenn ich an die situation und diskriminierung bestimmter bevölkerungsgruppen denke). sozial positives verhalten (langfristig gesehen vor allem) sollte belohnt werden: davon kann keine rede sein. bestimmte leute profitieren von privilegien (aller art). leistung sollte sich lohnen (aber wirkliche leistung bitte - ausbeutung und entmutigung sind keine leistungen). fortschritt = entwicklung fehlerverzeihender politischer systeme. ich gehe davon aus, unser zeitalter wird belächelt und bedauert werden, die menschen werden den kopf schütteln und ungläubig stauen (dieses ausmaß an egoismus und irrationalität).

nick morgenland
 
00
24.5.2007, 03:34
vorschlag = ein jahr nachdenkpause (mit feldversuchen) = wie ist korruption (im engeren und im weiteren sinne zu verhindern) = geringere gehälter oder kürzere karrieren?


steuerungsmechanismen zu ersinnen, die die personelle auswahl radikal verbessern.

rhetorisch nützliche landesschulsprecher(inne)n, nützliche systemerhalter(innen):
in der regel = nein danke.
aus ihnen werden (in der regel) langzeitpolitiker(innen).

die verführung ist zu groß:
ewig in der politik zu bleiben (weil es so schön ist).
warum "opfern" sich die menschen auf (für diesen harten job, manchmal ist er wirklich hart)?
startklar für österreich (gusi)?
khol bis zum pensionsalter.
gehrer, schüssel, haider: im dienste der republik.

warum nicht lebenserfahrene zu nehmen (ganz junge, ganz alte).

maximum 15 jahre (auch in der "krone" veröffentlicht) = "führet uns nicht in versuchung" = kompromisse zu verhindern = machterhalt = unmutigkeit.

nick morgenland
 
00
24.5.2007, 03:28
was ist der fehler?


es ist vor allem verabsäumt worden, die demokratischen systeme (besser = die ideenfindungssysteme, die ideenkultur, die entscheidungskultur, die konfliktkultur) weiter zu entwickeln.

seit dem ende der monarchie (konstitutionell) hat es kaum veränderungen gegeben (nur marginale - volksbegehren, volksabstimmungen, mehr abgeordnete, vorzugsstimmen), um die grundprobleme zu lösen.

in anderen bereichen hat es große veränderungen gegeben (technisch, naturwissenschaftlich), positive und negative, jedenfalls rasante, auch in der wirtschaft (zum wohle welcher menschen, zum nachteil welcher menschen). das nützt alles nichts, wenn die politik versagt (bei fast allen themen kommt sie zu spät): personell und ideell.

system ist zu verändern.
wie? wo?

jumpingjack flash
01
24.5.2007, 10:01

schweiz - hie stimmen die bürger ab! super! einschränkung - die paar die noch hingehen.
ansiedelung von "usländern" - beste chance bei "deutschem" namen - mustafa, kemal kommt nicht so gut. da flattern dann von den werbern selbstverfasste "werbezettel" ins haus - wir sind zwar türken(namen) aber tochter studiert, ich arbeit immer brav auf bau und koch täglich käsefondue...wohn seit 10 jahren hier - bitte lasst mich weiterhin hier wohnen nur als schwyzer"
o-ton meiner fraunde - natürlich wollen wir bestimmen wer in unserer nachbarschaft (100 häuser weiter) einzieht - und türken wollen wir nicht.
gelebte volksabstimmung - mir ist die praxis in meinem gemeindebau lieber (wegen/trotz türken).

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