Die Pionierin der Frauengeschichts-Forschung Gerda Lerner erhielt den Bruno-Kreisky-Preis für ihr Lebenswerk
Wien - Bundeskanzler Alfred Gusenbauer überreichte am Montag
im Prunksaal der Nationalbibliothek der Wissenschafterin
und Pionierin der Frauengeschichtsforscherin Gerda Lerner den Bruno-Kreisky-Preis
für das politische Buch für ihr Lebenswerk. Lerner sei "nicht nur
Doyenne und Pionierin der Frauengeschichtsschreibung, sondern auch
die Person, die sich am meisten für die wissenschaftliche Anerkennung
und Institutionalisierung der Frauengeschichtsschreibung eingesetzt
hat", hob Gusenbauer in seiner Festrede hervor.
Die "Godmother of women's history", wie Gusenbauer die New York
Times zitierte, sei weit über das universitäre Feld bekannt und habe
ihre Tätigkeit für die "Anderen", jene am Rand der Gesellschaft,
immer als eminent politisch angesehen. Die historische
Benachteiligung von Frauen sei nur eine, aber eine "bedeutende Form
der Diskriminierung", da Frauen "die Gruppe von Menschen sind, die am
längsten als 'Andere' stigmatisiert wurden", so der Bundeskanzler.
Lerner, die als Kind jüdischer Eltern geboren wurde, musste vor den
Nationalsozialisten mit ihrer Familie ins Exil flüchten und habe erst
"in den USA zu einer anerkannten Bürgerin und Wissenschafterin"
werden können. Ihr gelang es 1972 den ersten Studiengang und 1980 ein
Doktorratsstudium für Frauengeschichte in den USA zu etablieren.
Den Frauen ihre Geschichte gegeben
Es sei Lerner zu verdanken, dass sich "das Umfeld für Frauen in
der Wissenschaft verändert hat", nach ihr konnten sich "Generationen
von Frauen an ihrem Vorbild orientieren und auf Unterstützung
verlassen", honorierte Gusenbauer das Schaffen Lerners. Es sei "immer
ihre Absicht gewesen, mit ihren Arbeiten der unterdrückten Mehrheit,
den Frauen, endlich jene Vergangenheit zu geben, die die
Männergeschichte ihnen so lange verwehrte", unterstrich der
Bundeskanzler. Lerner sei es gelungen den Frauen, über die sie
schrieb, eine Stimme zu geben. Ihr sei es "früher als anderen klar
gewesen, dass gesellschaftliche Benachteiligungen komplex sind und
Ausbeutung, Unterdrückung und Benachteiligung Ergebnisse historischer
Prozesse sind", so Gusenbauer.
"Sie ist die aktivste und scharfsinnigste Historikerin am Beginn
der neuen Frauengeschichtsschreibung. Sie ist Vorbild und Gefährtin -
eine eindrucksvolle Persönlichkeit über die Grenzen der Profession
hinaus", resümierte der Bundeskanzler, es sei ihm eine Ehre der
"hervorragenden Bürgerin und Wissenschafterin" den Bruno
Kreisky-Preis für das politische Buch übergeben zu dürfen. (red)