2007 schon zwölf bis 15 Fälle verzeichnet: Opfer werden handlungsunfähig - und sie können sich an nichts erinnern
Innsbruck - Eine Häufung von Fällen, in denen Frauen mit
K.O.-Tropfen wehrlos gemacht und anschließend vergewaltigt wurden,
ist in Tirol festgestellt worden. Seit Jahresbeginn habe es zwischen
zwölf und 15 solcher Vorfälle gegeben. Diese Droge werde Frauen
unbemerkt ins Getränk gemischt. Die Folge ist, dass die Betroffenen
mehrere Stunden lang willenlos werden, sagte Univ.-Prof. Walter Rabl,
stellvertretender Leiter der Gerichtsmedizin Innsbruck am Mittwoch
auf einer Pressekonferenz.
Erinnerungslücken
Ein Problem sei, dass die Beeinträchtigung von außen nicht immer
erkennbar sei. Die K.O.-Tropfen würden häufig bereits alkoholisierten
Frauen verabreicht und versetzten sie in einen Zustand der
Willenlosigkeit und Handlungsunfähigkeit. Diese Phase dauere mehrere
Stunden an. Danach können sich die Opfer an nichts mehr erinnern.
"Wenn solche Erinnerungslücken auftreten, ist Feuer am Dach", meinte
Rabl. Vor allem dann, wenn der Alkoholkonsum des Vorabends nicht dazu
passe.
Gläser nicht unbeaufsichtigt lassen
Erste Symptome seien Schwindelgefühl, Übelkeit und eine Art
Dämmerzustand. Treten solche Anzeichen auf, sollte man sich sofort an
Begleitpersonen oder das Lokalpersonal wenden. Univ.-Prof. Christoph
Brezinka, Gynäkologe der Klinik Innsbruck, warnte eindringlich davor,
Gläser unbeaufsichtigt stehen zu lassen und appellierte auch an die
Zivilcourage der Lokalbesucher. Wenn man beobachte, dass jemandem
etwas ins Getränk geschüttet wird, solle man sofort eingreifen.
Aus Scham keine Anzeige
Die Täter seien in vielen Fällen Zufallsbekanntschaften. Aber es
komme auch vor, dass sie aus dem näheren Umkreis des Opfers stammen,
und ein Ex-Freund oder ein Mitglied des Freundeskreises die Tat
begeht. Rabl berichtete von einem Fall, wo in der Wohnung eines
Verdächtigen bereits präparierte Gläser gefunden wurden. "In den
Gläsern war ein Bodensatz der Substanz", erklärte Rabl. Der Täter
habe den Mädchen, die er zu sich eingeladen hatte, dann nur noch
einzuschenken brauchen.
Viele Frauen würden aus Scham von einer Anzeige absehen, sagte
Brezinka. Dies sei aber äußerst wichtig, da man sonst keine Chance
habe, die Schuldigen aus dem Verkehr zu ziehen. Im Fall einer
Verurteilung drohen den Tätern Haftstrafen bis zu zehn Jahren. (APA)