Vom Kindsmord zur Verhütung

Redaktion, 12. September 2007, 13:47

Das Wiener Museum für Verhütung und Schwangerschafts- Abbruch stellt den Kampf um die Kontrolle der Fruchtbarkeit dar

Vor drei Monaten eröffnete das bisher einzige Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch seine Pforten in Wien. Nach vierjähriger Aufbauarbeit und vorübergehender bloß virtueller Präsenz sind die rund 900 Objekte und etwa 450 Bücher nun auch real vor Ort in der Nähe des Wiener Westbahnhofs zu besichtigen. Das Museum ist von Mittwoch bis Sonntag zwischen 14 und 18 Uhr geöffnet bzw. auf der Homepage rund um die Uhr zugänglich.

******

"Versuche, den natürlichen Kreislauf von Sexualität und Fruchtbarkeit zu durchbrechen, sind so alt wie die Menschheit selbst", erklärt der Gründer des Museums und Gynäkologe Christian Fiala. Gelungen ist dieses Bestreben jedoch erst seit relativ kurzer Zeit. Erst in den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts wurde es in den Industrieländern tatsächlich möglich, ungewollte Schwangerschaften wirksam zu verhüten oder sicher sowie gesundheitlich ungefährlich abzubrechen. Erfindungen wie Kondom, Spirale, Anti-Baby-Pille und Co sind heute so selbstverständlich, dass dabei das Wissen über das Wesen der Fruchtbarkeit weitgehend verloren gegangen sei, meint Fiala. Denn kaum jemand weiß noch, dass der sogenannte Froschtest vor gar nicht langer Zeit die sicherste Methode zum Schwangerschaftsnachweis dargestellt hat, oder wie die Großeltern verhütet haben, oder dass Frauen unter katastrophalen Bedingungen verzweifelte Abtreibungsversuche mit Stricknadeln und Seifenlaugen unternommen haben und viele von ihnen dabei elend zugrunde gegangen sind. Christian Fiala hat es sich zum Ziel gesetzt, diese teils grauenvollen, teils skurilen Kapitel der Fruchtbarkeit rechtzeitig zu dokumentieren, so lange noch ZeugInnen und Wissen darüber existieren.

Wie es begann

Halbverblutete oder sterbende Frauen hatten den Gynäkologen bei seinem Hilfseinsatz in Afrika die unvorstellbaren Auswirkungen des Abbruchverbotes vor Augen geführt. In einer kleinen Box hatte er begonnen, zu sammeln, was verzweifelte Frauen oder deren HelferInnen für ihre Versuche benutzt hatten: spitze Zweige des Kassawa-Strauches, Äste, Drahtstücke, Plastikschläuche... Dabei sei ihm bewusst geworden, dass auch in den Industrieländern der Zugang zu sicheren Methoden der Verhütung und des Schwangerschaftsabbruchs erst kurze Zeit möglich ist und zugleich "das Wissen über die unerbittliche und - oft rücksichtslose Kraft der Fortpflanzung" sukzessive verloren geht. Als erstes gründete er einen gemeinnützigen Verein, dessen Ziel der Aufbau und Betrieb eines Museums für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch war. Möglichst viele Menschen sollten sich über die Zusammenhänge von Sexualität und Fortpflanzung informieren können und erfahren, wie über Jahrhunderte verzweifelt versucht worden ist, diese natürliche Verbindung aufzubrechen.

Das Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch ist weltweit einzigartig. Obwohl jenseits der Wiener Initiative einige Sammlungen zu Verhütung bestehen, sind diese jedoch entweder unvollständig oder fokussieren um einzelne Aspekte der Thematik. Mit dem Projekt von Christian Fiala ist es gelungen, die historische Entwicklung von den Engelmacherinnen bis zu den aktuellen Forschungen zu neuen Verhütungsmethoden in allen Aspekten - sowohl medizinisch als auch gesellschaftlich und gesetzlich darzustellen.

Aufruf zur Sammelarbeit

Trotz des beträchtlichen Umfangs an Exponaten sucht das Museum weiterhin nach Objekten und Leihgaben: Filme, Plakate, Broschüren, Bücher, Dokumente, Statistiken, Hilfsmittel und Gerätschaften zur Verhütung, zu Schwangerschaftstests und zur Abtreibung. Desweiteren ist auch die Übernahme von Sponsorships für Objekte erwünscht, da das Museum ohne öffentliche Gelder arbeitet. (dabu)

Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch:
Mariahilfer Gürtel 37 / 1. Stock
1150 Wien
Tel.: 0699 178 178 04
http://www.muvs.at/

Eintritt: 8 Euro
Ermäßigung bis 22 Jahre: 4 Euro

Führungen gegen Voranmeldung:
Tel.: 0699 178 178 02 oder Email
Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 76
1 2 3
Recht auf Verhütung, Recht auf Abtreibung, Recht auf Kinder

für mich ist Verhütung, Abtreibung oder sich für´s Kind zu entscheiden gleichwertig.

Wenn ich kein Kind möchte dann verhüte ich, wenn die Verhütung versagt, dann bin ich froh darüber die Wahl zu haben mich für´s Kind zu entscheiden oder eben nicht. Alleine die Gewissheit zu haben das ich die Wahl habe beruhigt mich ungemein. Nur weil ich für den legalen Zugang zu Abtreibung bin, heißt das nicht das ich jemals in die Lage kommen werde, eine Abtreibung vornehmen zu lassen.

interessanter Denkansatz

Nun ein paar Exponate kann Herr Fiala doch aus seiner Klinik mitbringen.

Im Glas und in Alkohol ...

Ihre Frage an mich wurde nicht veröffentlicht.

Notwehr ist natürlich nicht per se eine vorsätzliche Tötungshandlung, auch oder schon gar nicht "für mich".
Sie kann aber eine sein, wenn es darum geht, dass der/die Angreifer/in mich umbringt, wenn ich ihn/sie nicht umbringe.

Herr Dr. Fiala könnte sich bezüglich Exponaten in Formalin auch

an Herrn Dietmar Fischer, Chef von HLI, weden,
der verfügt auch darüber,
spannend ist halt nur, wo er die Exponate her hat!

Wieso, ist es etwa verboten, sich im Spitalsmüll zu bedienen?

ja, das ist es -

abgesehen davon ist ihre meldung wirklich zutiefst degoutant.

Degoutant?

Ich habe mich nur an den hier üblichen Sprachgebrauch angepaßt. Was beim Abbruch entfernt wird, ist unerwünschtes "Gewebe", ein "Zellhaufen" - und landet im Müll. Und alle sind nachher erleichtert, ganz wie bei jedem anderen medizinischen Eingriff auch. Das kann man natürlich auch anders sehen, und wie Sie offenbar nicht erkannt haben, sehe ich es auch anders. Ironie heißt auf Deutsch: "Anschein von Unwissenheit".

Quod erat demonstrandum

Gott weiss alles, Eris=FranziskaMalestesta usw. weiss alles natürlich viel besser.
Nicht die von ihr so angegriffenen Poster missbrauchen das Forum, sondern sie selber tut das ausschliesslich zu Selbstdarstellung ihres grandiosen Wissenschatzes, sei dieser auch noch so fragwürdig.

Quod erat exspectandum

Es ist völlig unnötig, daß Sie Ihre Abneigung gegen mich immer wieder betonen. Es war zu erwarten, daß das kommen würde. Daß Menschen aber auch so berechenbar sind!

Ihre grenzenlose Selbstüberschätzung

ist schon mehr als peinlich, sie haben das letzte Wort, es desavouiert sie sowieso.

spinnentierchen

don't feed the trolls!

Und wieder wird Verhütung durch die Kategorisierung in DIEstandard offenbar zum Thema nur für Frauen gemacht. Schade.

der straffrei gestellte..

..oder legalisierte schwangerschaftsabbruch war ein erfolg des feminismus, der zur freiheit der frau vor ungewollter geburt beitrug. fragwürdig aber notwendig. das war der konsens der siebziger jahre. 30 jahre später (so war es ziel, siehe emma essay 08/1978) sollte mit aufklärung zur verhütung die zahl der abtreibungen dramatisch gesenkt sein. davon kann mitnichten die rede sein, trotz aufklärung und "pille danach" ist die zahl der abtreibungen höher, als damals. da aber die feministische bewegung (das beweisen die feministischen posterinnen hier) inzwischen zur wertekonservativen bisweilen sogar reaktionären bewegung verkommen ist (ähnlich wie viele linke strömungsträger), ist die diskussion über abtreibung leider unmöglich...

nun, cih erinnere mich noch gut an den furor,

mit dem kirchlich-konservative kreise sich gegen initiativen zur sexualaufklärung in schulen gewandt haben. übrigens wurden sehr ähnlich argumente verwendet wie bei der abwehr von flächendeckender kleinkindbetreuung: das gehöre "in die familie", die schule habe dabei nichts zu suchen (im klartext: lasst's uns alein mit den schweinigeleien).

die övp (grosso modo) hat einen teil des von ihnen richtig beschriebenen paktes aufgekündigt (bzw. politisch nichts gegen die vereitelung getan).

vielleicht können auch Leute wie Sie sich dazu entscheiden,

dieses Problem globaler zu sehen.
Die Ausgangslage ist bei weitem nicht in jedem Land gleich - siehe Polen, Deutschland und Österreich.
Da gibt es schon ganz gewaltige Unterschiede - sowohl was den Zugang zu Verhütungsmitteln, die wirken, geschweige denn für die Hälfte der Bevölkerung völlig ungefährlich sind, weil sie sie nicht verwendet - bishin zu den gesetzlichen Regelungen....

Die Schätzungen

vor der Fristenlösung waren ca 100.000 Abbrüche pro Jahr, jetzt gehen sie von ca 40.000 pro Jahr aus.
Genaue Zahlen gab und gibt es aber nicht.

Bei ca. 38.000 weiblichen und 42.000 männlichen Lebendgeburten wäre das also ein Drittel aller Schwangerschaften.

Das heißt nicht, dass all diese Kinder lebend zu Welt gekommen wären. (auch ohne Abtreibung)

Die Kindersterblichkeit bewegt sich seit Jahrzehnten im Promillebereich.

In dne ersten paar Wochen treibt die Natur oftmals ganz von alleine ab. Manchmal bemerken Frauen nichtmal dass sie schwanger waren. Gott ist der größte Abtreiber von allen.
Und warum bewegt sich die Kindersterblichkeit im Promillebereich. Ein Grund ist, dass Frauen Kinder, die keine Überlebenschance haben wenn sie auf der Welt sind, abtreiben können.

Diese Argumentation greift so nicht. Zum Zeitpunkt der (legalen) Abtreibung ist noch keine halbwegs sicher pränatale Diagnostik möglich.


Ginge man davon aus, müssten in Österreich jährlich zehntausende abgetrieben werden weil Missbildungen festgestellt wurden. Davon würde man aber hören und gäbe es dazu medizinische Statistiken.

Auch hier Promillebereich bei medizinisch indizierter Abtreibung.

Ich habe bloss gesagt, dass auch ohne Abtreibung nicht all diese Kinder auf die welt kommen würden. Also nix mit 40000 Abtreibungen wären 40000 pumperlgesunde Kinder gewesen. Es gibt medizinsch begründete Abtreibungen und es die Natur treibt selbst gerne ab.

Und selbst wenn es so wäre, ist es in jedem einzelnen Fall die Sache der Frau, die frei über ihren Körper entscheiden kann.

"Und selbst wenn es so wäre, ist es in jedem einzelnen Fall die Sache der Frau, die frei über ihren Körper entscheiden kann."

Das bleibt Ihnen auch unbenommen. 40.000 in einen Topf mit medizinisch indizierten Abtreibungen zu werfen ist das was 'rübergekommen ist.

nein, natürlich nicht alle, aber genausowenig wären alle natürlich durchgekommen (so hart das jetzt klingt)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 76
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.