Hero Talabani: Medien "verzerren" das Bild

Redaktion, 06. Juni 2007 12:39

First Lady und Ministerin Batumubwira schildern Erfahrungen aus dem Irak und Burundi

Wien - Teilnehmerinnen aus dem Irak und aus Burundi haben im Rahmen der von Außenministerin Ursula Plassnik (V) organisierten Nahost-Frauenkonferenz auf die Konflikte in ihren eigenen Ländern hingewiesen. Es stelle sich die Frage, "ob die Macht der Medien dazu benutzt wird, das Leben friedlicher zu gestalten", meldete sich etwa die irakische Präsidentengattin Hero Ahmad Talabani bei der abschließenden Pressekonferenz am Donnerstag zu Wort. Sie selbst habe Bänder über den Giftgasangriff Saddam Husseins auf die Kurden in Halabja 1988 gehabt - und "kein europäischer Sender war bereit, sie zu senden", klagte Talabani.

Die Außenministerin des ostafrikanischen Staates Burundi, Antoinette Batumubwira, hingegen wies auf die Erfahrungen Burundis als "Post-Konflikt-Gesellschaft" hin und bot Ländern in Konfliktsituationen ihre Hilfe an. Auch wenn "der Frieden erst gefestigt werden" müsse, sei die Armee nun ein "Faktor der Stabilität" in ihrem Land. Batumubwira sagte, als eine der ersten Menschenrechtsaktivistinnen im Land sei es "damals sehr schwierig" gewesen. Ihre jetzige Position im Außenamt beweise jedoch, dass eine Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft und Regierungsvertretern möglich sei.

"Das Bild verzerrt sich"

Hero Talabani hatte schon 2003 in einem Gespräch mit der APA die Darstellung der Realität durch die Medien hinterfragt: "Die Medien konzentrieren sich auf bestimmte Punkte. Gewalt ist eine Nachricht und das Bild verzerrt sich. Trotz der fast täglichen Terroranschläge hat sich die Sicherheitslage bedeutend verbessert", betonte die Ehefrau des heutigen irakischen Präsidenten und ehemaligen Kurden-Führers Jalal Talabani.

Der Vorsitzende der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) hatte nach dem Golfkrieg von 1991 eine Hälfte der kurdischen Enklave im Nordirak kontrolliert. 2005 wurde er zum Staatspräsidenten des Post-Saddam-Irak ernannt.

"Women's Bank for REconstruction"

Batumubwira arbeitete vor ihrer Funktion als Außenministerin Burundis als UNO-Beraterin und als Journalistin und drehte mehrere Dokumentationen über ihr Heimatland. 2001 gründete sie die Initiative "Women's Bank for Reconstruction" für Flüchtlinge aus Burundi in der tansanischen Hafenmetropole Dar-es-Salaam. Nach einem zwölfjährigen Bürgerkrieg, bei dem eine Viertelmillion Menschen starben, befindet sich Burundi nun auf dem Weg zu Frieden.

Hintergrund des Konflikts sind die Spannungen zwischen Hutu und der Tutsi-Minderheit, die das Land mit kurzen Unterbrechungen seit Erlangung der Unabhängigkeit 1962 von Belgien regiert hat. Der Bürgerkrieg begann 1993, nachdem der erste demokratisch gewählte Präsident, ein Hutu, von Tutsi-Soldaten getötet worden war. Mehrere Friedensabkommen führten 2001 zur Bildung einer Übergangsregierung. Vergewaltigung und sexuelle Folter wurden laut UNICEF in Kriegsgebieten wie Burundi systematisch als Waffe eingesetzt. (APA)

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