Frau ohne Schleier als "Ehebrecherin": Nach Ansicht Moktada al-Sadrs sollen sich "Sonderkomitees" um Angelegenheit kümmern
Bagdad/Wien - Der radikale irakische Schiitenprediger
Moktada al-Sadr fordert, dass auch Christinnen im Irak den
islamischen Schleier tragen müssten oder andernfalls Ausgehverbot
erhalten sollten. Das geht aus einem Schreiben der von Sadr
befehligten Mahdi-Miliz hervor, das vor einigen Tagen in Bagdad
verbreitet wurde, wie die italienische Zeitung "
Corriere della Sera"
unter Berufung auf die Nahost-Agentur Aina berichtete.
In dem Brief wird der 1999 ermordete Ayatollah Mohammad Sadiq
al-Sadr, der Vater von Moktada al-Sadr, mit den Worten zitiert: "Die
Jungfrau Maria, heißt es, trug keinen Schleier. Ist es daher den
christlichen Frauen gestattet, das selbe zu tun?" Allah verbiete so
etwas. In dem Schreiben wird weiters behauptet, eine Frau, die keinen
Schleier trage, sei eine "Ehebrecherin", die Allah und seinen
Propheten herausfordere und die Religion missachte und ignoriere.
Notfalls unter Zwang
Dafür, dass die Frauen ihrer Verschleierungspflicht nachkommen,
habe der Vater oder Ehemann zu sorgen - ihn höflicher Form,
nötigenfalls aber auch mit Zwang. Sollten sie sich widerspenstig
erweisen, müssten sie im Haus festgehalten und von "verbotenen
Kontakten mit Männern abgehalten" werden. Abschließend heißt es in
dem Schreiben, es seien bereits "Sonderkomitees" gebildet worden, um
sich dieser Angelegenheit anzunehmen.
In dem "Corriere"-Artikel wird darauf verwiesen, dass es sich um
einen weiteren der zahlreichen Angriffe auf die christliche
Minderheit im Irak handle. Es seien auch Priester entführt, Kirchen
attackiert und Gläubige eingeschüchtert worden. Ein großer Teil der
rund 800.000 Christinnen und Christen, die vor Ausbruch des Krieges 2003 im Irak
lebten, hat das Land bereits verlassen. (APA)