74-Jährige ist überzeugt, dass sie Asiatinnen vom "Madame-Butterfly- Image" befreit und einigen die Angst vorm Altern genommen hat
Bremen - Schwarz gekleidet, mit elegantem Hut und
Sonnenbrille - für Yoko Ono ist das Älterwerden kein Problem. "Wenn
man nicht darüber nachdenkt, wie alt man ist, wird man nicht alt", meint die 74 Jahre alte Künstlerin, Filmemacherin und Komponistin. Sie selbst habe nie darüber nachgedacht.
"Bester Partner meines Lebens"
Die in New York lebende Japanerin erinnerte anlässlich der Vernissage ihrer frühen Werke in Bremen auch an die
Ehe mit dem 1980 ermordeten Beatle John Lennon: "John war der beste
Partner meines Lebens. Mit ihm habe ich großartige Aktionen
verwirklicht." In der Ausstellung seien jedoch vorwiegend Dinge zu
sehen, die lange vor ihrer Begegnung mit Lennon entstanden sind.
Neben Texten auf Japanisch und Englisch gibt sie jetzt in Bremen
erstmals auch in einer deutscher Übersetzung provozierende
Anweisungen zum Umgang mit Kunst. "Benutze dein Blut zum Malen",
heißt es auf einem ihrer handschriftlichen Blätter. Ein anderes
fordert auf, Löcher in die Leinwand zu bohren, um den Himmel zu sehen
oder ein fertiges Gemälde mit einer Zigarette anzuzünden, um die
Bewegung des Rauchs zu beobachten.
Liebe und Frieden
"Ich will die Fantasie des Betrachters aktivieren", sagte Ono über
diese frühen Werke. Mitten in der Gemäldesammlung eine Etage höher
sind drei der 1969 gemeinsam mit Lennon entworfenen Antikriegsplakate
platziert, die zu Liebe und Frieden aufrufen und Ono weltberühmt
gemacht hatten. In der Bremer Innenstadt hat das Museumsteam darüber
hinaus mehr als 1.000 aktuelle Plakate mit der schlichten Aufschrift
"Fenster" und den Initialen "y.o." aufgehängt. Die Aktion soll den
Blick der BetrachterInnen verändern, hieß es. "Mit meiner Kunst, mit
meiner Musik, meinen Filmen habe ich Fenster geöffnet. Wer das nicht
akzeptiert, kann das Fenster einfach schließen", sagte Ono dazu.
Keine Angst vorm Altern
Mit ihrer Kunst sei sie vielen Vorurteilen ausgesetzt gewesen,
weil sie Asiatin ist, weil sie Frau ist und damals noch zu jung war,
um ernst genommen zu werden, erinnert sich Ono weiter. Heute seien
ihr viele Frauen dankbar, gerade in Asien. "Ich habe sie von dem
Madame-Butterfly-Image befreit. Und die jungen Mädchen haben keine
Angst mehr, 70 zu werden, weil sie wissen, dass es nicht so schlimm
ist."
Welche Kunstprojekte sie künftig anschieben wird, wollte Ono
nicht verraten: "Mein Weg führt durch so etwas wie Wasser oder Luft,
es gibt keine festgetretenen Linien. Es passiert einfach etwas: it
just happens." (APA/dpa)
LinksWerke aus den frühen 60er Jahren in der Ausstellung "Yoko Ono - Fenster für Deutschland" sind in der
Kunsthalle Bremen bis zum 5. August zu sehen.
Wiki-Wissen über
Yoko Ono