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Lustverlust
Frau muss sich bereits einer Östrogen-Therapie unterziehen, um "Intrinsa", das Testosteron über die Haut abgibt, verschrieben zu bekommen. Es ist explizit für diejenigen Frauen zugelassen, die durch eine (bilaterale) Ovarektomie und/oder Hysterektomie eine chirurgisch induzierte Menopause erleben. Zu deren Folgen gehören rapider Verlust der sexuellen Lust und Schmerzen bei der Penetration - befriedigende Sexualkontakte sind faktisch unmöglich. Wurden die Eierstöcke und/oder die Gebärmutter enfernt, fallen die Hauptproduzenten von Testosteron sowie Östrogen aus. Die Abnahme letzteren wird überlicherweise mit nicht konjugiertem Östrogen kompensiert, um Hitzewallungen, Depressionen, Trockenheit der Vagina, Schlafstörungen und anderen menopausalen Erscheinungen zu begegnen. Die Abnahme von Testosteron führt neben einem höheren Osteoporoserisiko oder Durchblutungsstörungen oft zum als Hypoactive Sexual Desire Disorder (HSDD) zusammengefassten Lustverlust. Und hier setzt der Haut-Patch des Konsumgüter-Riesenkonzerns Procter & Gamble "Intrinsa" an.
In niedriger Dosis - 300 Mikrogramm in 24 Stunden - wird über die Haut Testosteron abgegeben, sodass der Androgenspiegel nicht anomal niedrig bleibt. Klinische Studien des Konzerns, veranlasst durch das Nachhaken der FDA, die in Zweifel gezogen hatte, dass ein Testosteron-Pflaster tatsächlich einen Gewinn für die weibliche Lust bringen könnte, zeigten einen signifikaten Unterschied bei sexuellen Aktivitäten und sexuellem Erleben zwischen den Probandinnen, die das Pflaster testeten und jenen, die einen Placebo erhielten.
Nicht nur im Kopf
Ein Hoffnungsschimmer also für jene, die durch Totaloperationen oft lange vor der natürlich einsetzenden Menopause eine erzwungene erleben. Dass der (teilweise) Verlust der sexuellen Lust auch mit einer Selbstwahrnehmung als sexuell unzulänglicher, ja von Sexualität ausgeschlossener Frau einhergeht, stellt für die betroffenen Frauen jeden Alters eine schwere Belastung dar. Dass der Kopf allein als das "größte Sexualorgan" nicht ausreicht, wird dann nur allzu klar.
"Intrinsa" ist vorerst das einzige (bald) erhältliche Medikament, eine Testosteron-Creme muss sich in ihrer Wirksamkeit erst beweisen; mit dem Wirkstoff Flibanserin, der den Serotonin-Stoffwechsel im Gehirn mitbedingt - wie genau, ist zur Zeit noch unklar -, wird sich ebenfalls eingehender beschäftigt.
Hormone haben in der Verhütung schon lange ihren Einsatz, mit Nebenwirkungen; auch bei oft vorschnellen Therapien gegen die üblichen Menopausenbeschwerden mit offensichtlichen Symptomen - Nebenwirkungen wurden in Kauf genommen; bei der Hypoactive Sexual Desire Disorder (HSDD) war man nicht so schnell - wegen Nebenwirkungen. Aber auch wegen der Anzweiflung des eigentlichen Nutzens eines Präparates, das Frauen "nur" ihre Lust zurückbringen kann. Die letzte Empfehlung der International Menopause Society (IMS) zielt jedenfalls in Richtung der Hormon-Therapien ab. Für Rückenentdeckung zur künftig intensiveren Erforschung weiblicher Lust und deren Verlust ist gesorgt. (bto)
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