Erneut schlechteres Abschneiden von Frauen bei Medizin-Aufnahmetest

Redaktion, 05. September 2007 11:56
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    Eine vom Wissenschafts- Ministerium in Auftrag gegebene Studie soll die Geschlechterdifferenz bei den österreichischen EMS-Tests klären helfen.

Selbes Ergebnis auch in Graz, wo kein EMS absolviert wird - ÖH sieht Diskriminierung - Broukal: "Test hat versagt" - Bures "alarmiert"

Wien/Innsbruck - Anfang Juli sind in Wien und Innsbruck die Eignungstests für das Medizin-Studium (EMS) abgehalten worden, am Mittwoch wurden nun die Ergebnisse veröffentlicht. Wie schon im Vorjahr haben sich deutlich mehr Frauen beworben als tatsächlich aufgenommen wurden: "Signifikant schlechter" haben die weiblichen Teilnehmer im Vergleich zu den Männern abgeschnitten, auch in Graz, wo statt des EMS-Tests ein alternativer absolviert werden musste. Der Vize-Rektor der Medizinischen Uni Wien sieht das als Indiz, die Gründe für die Geschlechterdifferenz nicht bei den Aufnahmeverfahren selbst zu suchen.

So ist der Unterschied zwischen österreichischen Männern und Frauen mit 4,9 Punkten doppelt so groß wie zwischen deutschen Männern und Frauen mit 2,5 Punkten. Der Abstand zwischen österreichischen Frauen und deutschen Männern beträgt sogar acht Punkte. Das beste Testergebnis lieferte allerdings eine Wienerin. Die Österreichische HochschülerInnenschaft zeigte sich in einer Aussendung über die neuerliche "offensichtliche Benachteiligung" enttäuscht.

Wien

In Wien hätten nach der Anmeldeprozedur im Frühjahr 3.723 Personen zum Test antreten dürfen, tatsächlich haben sich dann 2.581 BewerberInnen dem EMS gestellt, um einen der 740 Studienplätze an der Medizinischen Universität Wien (MUW) zu ergattern. 56,6 Prozent waren Frauen, einen Studienplatz ergatterten allerdings nur 41,5 Prozent.

Innsbruck

An der Med-Uni Innsbruck hatten nach der Anmeldung 1.929 Personen die Chance, zum EMS anzutreten, 1.359 haben sie tatsächlich genutzt, um einen der insgesamt 400 Studienplätze zu erlangen. 56,7 Prozent der KandidatInnen waren weiblich, 48,8 Prozent erhalten einen Studienplatz.

Graz ohne EMS

In Graz, wo man statt dem EMS-Test einen dreistündigen Multiple-Choice-Test über Biologie, Physik, Mathematik und Chemie absolvieren ließ, waren von den 639 BewerberInnen 58,4 Prozent weiblich, einen Studienplatz erhalten allerdings nur 48,5 Prozent Frauen.

Für den Vize-Rektor der Medizinischen Universität Wien, Rudolf Mallinger, ist die Tatsache, dass mit einem komplett anderen Verfahren ein ähnliches Ergebnis erzielt wurde, ein "starkes Indiz" dafür, dass nicht der EMS die Ursache der schlechten Frauen-Erfolgsquote ist. Das sei ihm aber schon nach den diesjährigen EMS-Ergebnissen auf Grund der starken Unterschiede in der Erfolgsquote - im Unterschied zu den ÖsterreicherInnen erreichten bei den Deutschen Männer und Frauen ein ausgeglichenes Ergebnis - klar gewesen.

Weitere Hürde

Für jene Frauen, die den Aufnahmetest geschafft haben, wartet eine weitere Hürde: Am Ende des ersten Studienjahrs gibt es eine große Prüfung, die "Summativ integrierte Prüfung" (SIP). Laut Mallinger haben auch bei dieser in den vergangenen Jahren Frauen schlechter abgeschnitten als Männer, Zahlen dazu gebe es aber nicht. Dagegen seien bei den weiteren großen Prüfungen im Medizin-Studium keine Geschlechtsunterschiede festzustellen.

Keine Geschlechterdifferenzen in Schweiz und Baden-Württemberg

Erklärungen für das schlechtere Abschneiden der Frauen hat man in Wien zur Zeit nicht parat. Einerseits verweist man auf die deckungsgleichen Tests in der Schweiz und Baden-Württemberg, wo sich keine signifikanten Geschlechterunterschiede gezeigt hätten. Andererseits müsse man die - nach den bereits im Vorjahr aufgetretenen geringen Frauen-Erfolgsquoten beim EMS - vom Wissenschaftsministerium in Auftrag gegebene Studie der Bildungspsychologin Christiane Spiel abwarten, die im Herbst vorliegen soll.

ÖH: Diskriminierung verhindern

Von Seiten der Österreichischen HochschülerInnenschaft kam Kritik an der "offentlichtlichen Benachteiligung" von Frauen: "Es ist nicht nur bedauerlich sondern nahezu fahrlässig, dass nicht bereits vor den heurigen Aufnahmetests ein Versuch unternommen wurde diese geschlechtergerecht zu gestalten. Immerhin war das Problem seit den Aufnahmetests im Vorjahr bekannt und viel diskutiert." Es bleibe zu hoffen, dass Wissenschaftsminister Johannes Hahn Konsequenzen aus der laufenden Überprüfung der Ungleichbehandlung zieht, um die Diskriminierung "ab sofort" zu verhindern, so das ÖH-Vorsitzteam abschließend.

Broukal: Test hat versagt

Der SP-Wissenschaftssprecher Josef Broukal erklärte indes, seine Geduld mit dem Eignungstests sei zu Ende. Für ihn hat "dieser Test in dieser Form in diesem Land versagt".

Broukal, der bereits im Frühjahr auf die niedrige Frauen-Erfolgsquote beim ersten Test aufmerksam gemacht hatte, will nun mit Hahn und VP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek sprechen, "ob die Politik noch ein drittes Mal bei einem solchen Test zuschauen kann."

Der Mandatar erinnerte daran, dass vor Einführung des Tests sechzig Prozent der StudienanfängerInnen in Medizin Frauen gewesen seien und ein ebenso großer Anteil das Medizin-Studium abgeschlossen habe. "Es gibt keinen Hinweis darauf, dass österreichische Frauen so ungeeignet seien, den Arztberuf zu ergreifen", so Broukal.

Für ihn liegt der Verdacht nahe, dass der Grund in der "zersplitterten" Oberstufe des österreichischen Schulsystems liege, wo offensichtlich naturwissenschaftliches Denken nicht ausreichend vermittelt werde.

Bures: "Alarmierend"

Frauenministerin Doris Bures bezeichnete die unterschiedlichen Ergebnisse indes als "alarmierend". In einer Aussendung am Donnerstag meinte sie, dass es nicht zulässig wäre, Frauen aufgrund eines "fragwürdigen Aufnahmeverfahrens" den Zugang zu einem Studium zu verweigern. Sie unterstütze daher die von Hahn angekündigte Evaluierung der Testergebnisse und forderte gleichzeitig konkrete Maßnahmen, sobald die Untersuchungsergebnisse vorliegen, "um die Benachteiligung von Frauen beim Zugang zum Medizinstudium rasch abzustellen." (APA/red)

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der loge
07.08.2007 22:13

Warum sind die Innsbruckerinnen gescheiter als die Wienerinnen?

Man muss in die Testbeurteilung unbedingt noch einen zusätzlichen Bewertungsfaktor für "Wienerin sein" reingendern. Sonst ist das total ungerecht.

Lethawae
06.08.2007 17:29
Bitte einem dummen Mann wie mir erklären!

Zusammenfassung, ich habe ja meine Probleme mit langen Sätzen und Worten mit mehr als sieben Buchstaben.
Da gibt es einen Test, bei dem Frauen schlechter als Männer abschneiden, und jetzt soll der Test geändert werden, damit Frauen besser dastehen?
Steht das tatsächlich da oben oder habe ich mich irgendwo verlesen?

Susi Stattnam
07.08.2007 13:42
wenn Sie nicht mehr als 7 Buchstaben lesen können,

ist es komplett unerheblich fuer Sie.

Lethawae
07.08.2007 13:56

Wow.
Der war jetzt WIRKLICH gut!

der schönste mann v. wien
 
06.08.2007 18:38
neinnein, so steht es geschrieben. mehr noch, in...

...graz schnitten die damen bei einem alternativen test auch schlechter ab als die männer.
ebenso bei der SIP am ende des ersten studienjahres...

kann nicht sein, darf nicht sein, lösung: test 'gendern'.

wir leben in einer verrückten welt! naja, die wird sich weiterdrehen...muß ja...

Lethawae
06.08.2007 19:14

Also wirklich mehr Fragen über Sex and the City, Schuhe und Menstruation?

Da wäre es ja fast noch ehrlicher, die 50% der besten männlichen und die 50% der besten weiblichen Anwärter durchzulassen.

Silvio Lackner
06.08.2007 14:39

die patienten bitte dringend vergendern

nach ihnen die aufnahmetests

an kog
03.08.2007 10:26
Verstehe ich den Herr Broukal jetzt richtig? Er ortet das Problem zwar in der Oberstufe,


weil er glaubt, dass da den Frauen nicht genug Naturwissenschaft eingepaukt wird.
Fordern will er aber einen Test in dem gleich viele Frauen (österreichische, denn anderswo schein das Problem ja nicht zu existieren) wie Männer gute Werte erreichen.

Irgendwie geht das aber am Problem vorbei, oder etwa nicht?

Zudem ist es sicher wenig spaßig auf Teufel komm raus einen Test zu konstruieren bei dem österreichische Frauen gleiche Werte erlangen wie österreichische Männer während aber andere Nationen auch teilnehmen, bei denen diese Anpassung dann wohl in irgendeine Richtung ausschlägt.

Lösung: Quotenregelung? Österreichischen Frauen werden 10 Punkte Vorsprung gegeben? Weniger naturwissenschaftliche Fragen? Mehr musische (für Medizin?)?

Andreas Prucha
05.08.2007 17:09

Vor kurzem gabs ja eine Studie die rausfand, dass Mädchen in den HS und AHS leichter bessere noten bekommen weil sie meistens umgänglicher sind und Lehrer dies indirekt honorieren. Vielleicht wirkt sich diese Bevorzugung bei den Tests jetzt negativ aus, da dabei eben kein Mädchen-Bonus vorgesehen ist.

Schubidu
03.08.2007 12:44
Anderer Lösungsansatz

Keine Quote sondern beinhart 50% der Plätze für Frauen und 50% für Männer. Die sollen sich dann untereinander darum raufen.

Andreas Prucha
05.08.2007 16:31

Wofür? Eine 50:50-Quote ist ja eigentlich den Frauen gegenüber ungerecht, da sich mehr Frauen bewerben als Männer. Wären alle Frauen gut qualifiziert, müssten es also mehr Frauen als Männer ins Studium schaffen.

an kog
03.08.2007 14:41

Genau das ist ja eine Quote.

Aber Markus H. hat eh schon alles geschrieben.

Markus H.
 
03.08.2007 13:01

"Keine Quote"?

was sie schreiben ist doch gerade eine starre Quotenregelung.

Soll man dann nicht auch gleich für den Rest des Studiums so vorsorgen? Also immer genau 50% der 1er an Frauen/Männer 50% der 2er 50% der 3er, 4er und auch der 5er? Und das ganz unabhängig vom Testergebnis?

Oder soll man nochmal anders machen, gleich mit einen fix voreingeteilten Prozentsatz für jede Note? also die besten 20% der Frauen bekommen nen 1er ... usw. Dan wüsste man auch gleich vom Studienbeginn an wie viele die Prüfungen bestehen und beim Studium durchkommen ....

Schubidu
03.08.2007 15:12
Ich sehe das so, dass eine Quote kann verändert werden kann 80:20, 60:40, 50:50

Wovon ich schreibe ist ein *Recht* der Geschlechter auf 50%. Rechte können in *meinem* Sprachgebrauch keinen Quoten unterliegen.

Andreas Prucha
05.08.2007 16:33

Sobald Frauen ohne Bevorzugung einen deutlichen Überhang hätten würden die Frauen sehr schnell die Abschaffung der Quote verlangen, da dies eine Benachteiligung der Frauen darstellen würde. Und die Kritik wäre sogar gerechtfertigt.

Schubidu
06.08.2007 10:18
Gut möglich...

aber wir sind Männer und haben gelernt uns zu wehren.
Und so lange unsere Väter an den Hebeln der Macht sitzen, und wir das Erlernte beibehalten, nämlich die Frauen klein und schwanger zu halten und auf ihre Plätze zu verweisen, habe ich davor keine Angst :)

chain
06.08.2007 14:24
Bittee klären's mich auf. Wo ist denn "mein Platz"?

anonymous coward
02.08.2007 15:03

wer sagt denn überhaupt, dass die voraussetzungen in den beiden gruppen dieselbe war? wie alt waren denn die männlichen teilnehmer im durchschnitt, wie alt die weiblichen? wieviele männer hatten ihren präsenzdienst bereits abgeleistet, evtl sogar als zivis in einem medizinischen umfeld? wie hoch war der anteil derjenigen in den beiden gruppen, die eigentlich auf eine krankenpflegeschule wollen, nicht genommen wurden und, um die zeit bis zum nächsten versuch in einem artverwandten studium überbrücken wollten? etc.

a priori von einer gleichen ausgangslage der beiden gruppen auszugehen ist imho gewagt.


wieso haben die deutschen bessere ergebnisse, weil wir dümmer sind oder weil diese sich auf das mögliche auslandsstudium besser vorbereiten?

christoph123
02.08.2007 15:57
so

wie ich das gelesen habe stammen die deutschen ergebnisse von dem gleichen test der allerdings in baden-würtenberg durchgeführt wurde.

anonymous coward
03.08.2007 01:13

also doch dümmer! ;)

imho stützt das noch mehr meinen ansatz, dass wir dümmer sind als die deutschen ist wohl das falsche erklärungsmodell. unterschiedliche ausgangslage ist zu berücksichtigen, hier ging es ja um einen test und nicht eine meinungsumfrage, in der die ausgewogenheit des samples einer der wichtigsten parameter ist.

Lethawae
08.08.2007 10:19

"[...]dass wir dümmer sind als die deutschen ist wohl das falsche erklärungsmodell."

Uhuhuh, als in Wien lebender Hamburger fällt's mir wirklich schwer, da jetzt nicht zu diskutieren! :-D

christoph123
03.08.2007 13:47
ich

glaube nicht, dass wir dümmer sind. vielmehr bereiten sich deutsche auf ein medizinstudium glaube ich einfach besser und länger vor, weil das medizinstudium in deutschland schon lange schwer zugänglich ist. bei uns gibts halt den einstiegstest erst seit 2 jahren und die mentalität sich darauf gut vorzubereiten ist einfach noch nicht ausgeprägt!

Schubidu
03.08.2007 12:39
Der ORF ist schuld! Da muss man/frau ja verblöden :)

Mac Smith
03.08.2007 11:13
also doch dümmer! ;)

Nein, nein, nicht alle Ösies, nur Eure Frauen.. :)
*duckundweg*

Dagmar Rehak
 
01.08.2007 20:03

Könnte man bitte endlich akzeptieren, dass die Frauen einfach schlechter abgeschnitten haben?

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