Melissa Pierson beleuchtet die facettenreiche Verbindung von Frauen und Pferden von vielen Seiten
Nach der ersten großen Leidenschaft im Leben befragt, erinnern sich zwei Drittel aller Frauen westlicher Kulturen nicht an den Namen ihres ersten Schwarms, sondern an ein Tier - und sehr, sehr viele davon an ein Pferd! Auffallend viele Mädchen fühlen sich zu Pferden "magisch" hingezogen. Während sie der nächsten Reitstunde entgegenfiebern und sich vom Bildschirmschoner bis zum Zimmerposter alles nur noch um Pferde dreht, entwickelt sich oft eine Leidenschaft, die ein Leben lang anhält. So besitzen in der westlichen Welt mehr Frauen als Männer Pferde.
Melissa Pierson, selbst begeisterte Reiterin und Journalistin, ist dem Geheimnis dieser Leidenschaft auf witzige und vielfältige, fast literarische Weise gefolgt und beleuchtet diese facettenreiche Verbindung von allen möglichen Seiten. Sie veranschaulicht die kulturhistorische Bedeutung der Pferde, dessen Wandel und die damit verbundenen Auswirkungen für Frauen.
Mythische Symbolik
Pierson schildert bilderreich die mythische Symbolik in Literatur, Poesie und Filmgeschichte und reißt die Leserin (den Leser auch?) mit ihrer Begeisterung mit. Die Autorin entführt in die Welten der Psychologie der Anziehungskraft zwischen Frauen/Mädchen und Pferden. Warum Frauen immer wieder sehr anders als Männer mit ihren Pferden umgehen, wird nicht mit ihrer "Natur" sondern mit ihrer Sozialisation erklärt. Sexistische Mythen zu Frauen und Pferden werden entlarvt, was nach der Lektüre diverser Pferdezeitschriften und allgemeiner Pferdebücher eine große Erleichterung ist.
Die Autorin schwärmt von der Liebe der Mädchen und Frauen zu ihren Tieren und von der Kraft und dem Mut der Reiterinnen. Sie erzählt aber auch von den Mühen der Stallarbeit und der Pferdebetreuung, die jedes Mädchen, jede Frau selbstverantwortlich lernt und kann. Das Buch gibt zudem Auskunft über Pferdeberufe - Pferdewirtin, Sportreiterin, Tierärztin, Reitlehrerin, Hippotherapeutin, ... -, welche viele Frauen ergreifen, um mit diesen großen, starken und doch von uns so abhängigen Tieren zu arbeiten und zu leben.
Sie berichtet von Therapieangeboten mit Pferden, die Mädchen und Frauen als Überlebende von sexueller Gewalt wirksam unterstützen. Sie beschreibt die gegenseitigen Zuneigungen und rühmt die Möglichkeit einer so tiefen, befriedigenden Beziehung zwischen zwei so unterschiedlichen Wesen wie Pferden und Frauen. Für Reiterinnen und solche, die es noch werden wollen, ist dieses Buch ein MUSS!
Melissa Pierson ist Journalistin und schreibt für zahlreiche populäre Magazine, u.a. für die Vogue, Harper's und Village Voice. Sie lebt mit ihrem Mann in Brooklyn/USA.
(Ruth Devime, dieStandard.at, 21. August 2007)
Melissa Holbrook Pierson.
Frauen und Pferde.
Eine Leidenschaft.
Gebunden: Hoffmann und Campe 2001.
238 S. / 18,50 Euro.
ISBN 978-3-455-09346-9
Paperback: Piper 2003.
238 S. / 9,20 Euro.
ISBN 978-3-492-23659-1
(Das inzwischen oft vergriffene Buch wird beispielsweise bei Amazon.de am Marketplace angeboten.)