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Obwohl Magersucht, in der Fachsprache "Anorexia Nervosa" genannt, bereits 1873 erstmals vom Arzt Charles Lasègue beschrieben worden ist, war sie bis vor etwa vierzig Jahren eine noch selten auftretende Krankheit. Heute steigt die Zahl der Betroffenen von Jahr zu Jahr stetig an, wobei sich die Altersgruppe nicht weiter auf den Kreis der 15- bis 30-Jährigen beschränkt, sondern bereits Acht- bis Zehnjährige und auch immer mehr Frauen in der Lebensmitte von der Sucht befallen sind.
Laut der Gesellschaft für Therapeutische Hypnose und Hypnoseforschung (GTH), die das Instrument der Hypnose als Hilfsmittel bei Anorexie erforscht, werden 30 Prozent der Erkrankten wieder gesund, 35 Prozent können soweit stabilisiert werden, dass keine Gesundheitsgefahr besteht, 25 Prozent bleiben chronisch krank und zehn Prozent sterben daran (Suizide inklusive).
Die Ursachen und Auslöser für die Krankheit sind bis dato nicht zu Gänze geklärt. Zumeist handelt es sich um mehrer Faktoren, von denen die meisten in der Kindheit wurzeln. Einigkeit der ExpertInnen besteht jedoch darin, dass ein frühest mögliches Erkennen der Krankheit die Heilungschancen enorm erhöht. Tiefenpsychologisch liegt beim Symptom der Magersucht eine Trennung von Körper und Seele vor:
"Auch wenn der Kopf an einem Punkt erkennen kann, dass da ein Problem sein könnte, hat das Bewusstsein keine Kontrolle mehr darüber. Durch Erhebungen mittels Fragebogen versuchten wir, die Gefühle dieser jungen Menschen zu erkennen. Deutlich wurde, dass die meisten jungen Frauen den eigenen Körper hassen, die natürliche weibliche Form verabscheuen... Die Weiblichkeit wird also unterdrückt... es besteht eine Ablehnung des Körpers. Der eigene Körper wird vom Betroffenen nicht akzeptiert", heißt es in einem Aufsatz der GTH.
Durch Nahrungsverweigerung und die schmerzhaften Folgen derselben würden sich die an Magersucht Erkrankten bestrafen und gleichzeitig Kontrolle über den verhassten Körper erreichen. Eine Kontrolle, die symbolisch für alle Bereiche des Lebens stehe.
Hypnotischer Therapieansatz
Mit der hypno-integrativen Therapie in Hypnose werde die gesamte Lebensgeschichte der Betroffenen betrachtet. Unter dieser sogenannten bewussten Hypnose - es wird also wahrgenommen, was während der Hypnose passiert - könnten unbewusste Zusammenhänge bewusst und verständlich werden, wodurch es möglich sei, sich mit der Situation zu versöhnen und Widerstände loszulassen.
"Wenn die Arbeit gründlich, Schritt für Schritt und integrativ gemacht wird, findet die Person den Kontakt zu sich selber wieder und kann die inneren Blockaden lösen, und somit auch das eigene Gleichgewicht in sich selbst wieder erreichen. Das bedeutet, dass sie das Symptom, die Magersucht, loslassen kann, weil sie sich selber wieder als Ganzheit wahrnehmen kann", erklärt die GTH die Funktion dieses Therapieansatzes.
(dieStandard.at/dabu, 15.08.2007)
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