Scham am ganzen Körper

von Redaktion  |  17. Oktober 2007, 14:26
  • Artikelbild: "Massenhaft Scham" bildet der gesellschaftliche Umgang mit Nacktheit und Sexualität, meinen die StudienautorInnen. - Foto: APA/epa/Alejandro Ernesto
    "Massenhaft Scham" bildet der gesellschaftliche Umgang mit Nacktheit und Sexualität, meinen die StudienautorInnen.
  • Artikelbild: DDr.in Klaudia Odreitz hat Pädagogik, Psychologie und Philosophie studiert. Ihre aktuelle Disseration thematisiert das Schamverhalten Jugendlicher in der Mediengesellschaft. - Foto: Privat
    DDr.in Klaudia Odreitz hat Pädagogik, Psychologie und Philosophie studiert. Ihre aktuelle Disseration thematisiert das Schamverhalten Jugendlicher in der Mediengesellschaft.

Mädchen schämen sich für den ganzen Körper, Jungen eher für den Penis - Studie zum Thema Jugend und Scham zeigt große geschlechtsspezifische Unterschiede

Mädchen haben ein größeres und umfassenderes Schamgefühl in Bezug auf ihren Körper als Jungen im gleichen Alter. Dies geht aus einer aktuellen Studie hervor, die ForscherInnen an der Universität Klagenfurt kürzlich präsentiert haben. Dabei wurden 523 BerufsschülerInnen aus Kärnten zum eigenen Körpergefühl, zu Sexualität und zu Scham befragt. Während sich Jungen vor allem für ihre Geschlechtsteile schämen (etwa wegen der Penisgröße, Dicke, Aussehen), bezieht sich das Schamgefühl bei Mädchen weniger auf die primären Geschlechtsorgane, als auf den gesamten Körper.

"Zentrales Thema der Studie war die Frage, wie Jugendlich heute mit ihrer Körperscham umgehen", so Mit-Autorin Klaudia Odreitz im Gespräch mit dieStandard.at. Die Jugendlichen sind mit einer Vielzahl von Ideal- und Zerrbildern von Nacktheit und Sexualität konfrontiert: "Diese produzieren nicht nur bei den Jugendlichen massenhaft Scham", weiß die diplomierte Pädagogin.

Schambegriff

In der Studie wird Scham als eine anthropologische Konstante bschrieben, die nicht erst in bestimmten Epochen entsteht. Zugleich ist sie jedoch auch historisch und geschlechtsspezifisch geprägt. Grundlegend für die interdisziplinär angelegte Studie war ebenso Hegels Schambegriff, der diese als "Wirkung der Liebe" beschrieb. Die Scham werfe den liebenden Menschen ob seiner Unvollständigkeit auf sich selbst zurück, beobachtete der Philosoph. Im Zusammenhang mit der eigenen "Minderwertigkeit" stehe der zur Scham gehörende Handlungsimpuls, entweder sich selbst oder Teile von sich selbst zu verbergen, so die Autorin.

Methode

Klaudia Odreitz und ihr Kollege Mario Obersteiner befragten die Jugendlichen anhand mehrerer standardisierter Fragebögen zu ihrem Schamgefühl und der Beurteilung ihres eigenen Körpers.

Zentrales Ergebnis: Annähernd 70 Prozent der Schülerinnen schätzen ihre körperbezogene Scham als "sehr stark" bis "ziemlich stark" ein. Bei männlichen Jugendlichen sind es nur etwa 30 Prozent, die so über ihren eigenen Körper empfinden. "Die Mädchen reagieren extrem stark auf Nacktheit, die nicht nur auf das weibliche Geschlechtsorgan bezogen ist, währenddessen die Burschen auf die Genitalscham mit höheren Schamrohwerten reagieren", erläutert Odreitz die Ergebnisse.

Geringer Selbstwert

Gleichzeitig haben die Jugendlichen einen sehr selbstkritischen Umgang mit ihrem Körper. "Sie vergleichen sich ständig mit dem in unserer Gesellschaft als Idealbild geltenden Körper, der aber aufgrund seiner Künstlichkeit nicht zu erreichen ist". Das Gefühl der Minderwertigkeit und der daraus resultierende geringere Selbstwert ist bei Mädchen ausgeprägter. Umgekehrt lässt sich feststellen, dass ein schlechteres Körperempfinden auch zu mehr Schamgefühlen führt.

Geschlechtsidentität

Bezüglich Geschlechtsidentität und Sexualverhalten zeigte sich, dass sich fast alle Jugendlichen im Körper, den sie haben, beheimatet fühlen. Fünf Prozent der Jungen und zehn Prozent der Mädchen gaben an, sich vom eigenen Geschlecht angezogen zu fühlen. Beide Geschlechter hielten den richtigen Zeitpunkt für den ersten Geschlechtsverkehr zwischen 14 und 16 Jahren für gekommen.

Etwas mehr als zwei Prozent der männlichen Jugendlichen machten in ihrer Kindheit Missbrauchserfahrungen, hingegen fast neun Prozent der Mädchen. Weiters sprachen 12 Prozent der Jungen und 14 Prozent der Mädchen von "unangenehmen Berührungen", denen sie in ihrer Kindheit ausgesetzt waren.

Körperakzeptanz

Interessante Ergebnisse zeigten sich auch in Bezug auf die Körperakzeptanz des/ der SexualpartnerIn. Während sich fast alle Jugendlichen (Jungen wie Mädchen) vor ihren eigenen Körperflüssigkeiten ekeln, werden diejenigen des/der PartnerIn nicht als unangenehm wahrgenommen. Die Frage, ob sie sich von ihrem/ihrer PartnerIn körperlich akzeptiert fühlen, bejahten sowohl Jungen als auch Mädchen ausdrücklich.

Während beide Geschlechter den Körper ihres/ihrer PartnerIn "sehr mögen", zeigte sich bei der Zufriedenheit mit dem eigenen Erscheinungsbild wieder ein großer geschlechtsspezifischer Unterschied. Jungen äußerten sich wesentlich zufriedener mi dem eigenen Körper als Mädchen.

Das schlechtere Körpergefühl bei Mädchen und die damit einhergehende höhere Schamschwelle leiten die beiden ForscherInnen aus der geschlechtsspezifischen Sozialisation ab. Odreitz warnt in diesem Zusammenhang davor, dass die weibliche Geschlechtlichkeit und Körperlichkeit Gefahr läuft, "durch Eigen- und Fremdabwehr zu erkranken." (freu, dieStandard.at, 30.8.2007)

Studie

Odreitz, Klaudia, Obersteiner, Mario (2007): Sexualwissenschaftliche Untersuchung zu Sexualität, Scham, Nacktheit, Körperbild und Selbstwert von Jugendlichen im Alter von 15 bis 20 Jahren", Dissertation an der Alpen-Adria- Universität in Klagenfurt, Publikation in Vorbereitung

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Gemeinschaftspraxis von Klaudia Odreitz und Mario Obersteiner

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inness robins   
02.09.2007 09:09
Pissoir

schämen sich dann die Burschen in der Schule beim gemeinsamen Urinieren?

Thomas Felder
02.09.2007 10:10

ja

inness robins   
02.09.2007 12:06
und wie?

macht sich das bemerkbar?

Thomas Felder
03.09.2007 16:52

indem viele sich entweder an die wand stellen oder in ein klo gehn

jumpingjack flash
05.09.2007 09:43

na hoffentlich - ein gegenüberstehen beim pinkeln wär fatal!

DieDickeFrauVonObenAuf
02.09.2007 19:41

Klofrau fragen

inness robins   
03.09.2007 13:05
klofrau?

gibts in der schule und beim Bundesheer!

Pianta
01.09.2007 08:11
Sprachforschung

Lassen sich geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen Dreieck, Hügel, Lippen, Beinen, Beutel und Scham festmachen?

Thomas Felder
01.09.2007 14:35

wos ?

Pianta
31.08.2007 13:50
Warum ein Idealbild erreichen müssen?

Warum gehen wir denn überhaupt davon aus, dass ein Idealbild erreicht werden MUSS?

ero
01.09.2007 12:03
Interessant vor allem, dass es beim Thema "Scham"

auch sofort wieder um Idealmaße geht und nicht etwa um geschlechtliche Scham:-)

Meine persönliche Interpretation: wir alle schämen uns heute für unsere normalen Durchschnittskörper.
Wie müssen sich heute Menschen fühlen, denen die Natur wirklich einen entstellten Körper gegeben hat?
Stichwort Sexualität mit Behinderung: vielleicht gehts denen wirklich besser als uns Durchschnittlern, weil sie von vornherein wissen, dass sie von der Norm abweichen.

Wir gaukeln uns ja vor, dass wir es mit Anstrengung und Disziplin doch irgendwie schaffen könnten :-)

jumpingjack flash
05.09.2007 09:50
heute?

also der obige artikel ist ja leider wenig aussagekräftig und tlw. unverständlich - entbehrt auch nicht einer gewissen komik - odenrei(t)z erlätuert die schamrohwerte??
schm ist anscheinend etwas wichtiges dass es immer gab - zu den vorbildern - gabs das früher nicht genauso - denken sie an griechische schönlinge in stein gemeisselt

ero
05.09.2007 11:04

Die Scham hat doch vorwiegend mit Erkenntnisfähigkeit zu tun und muss bald nach Entstehen des menschl. Bewusstseins, also am Übergang zwischen Primat und h.s. entstanden sein.

Mit Scham kann man kokettieren, sie auch bewusst einsetzen, sie ist keine Basisemotion mehr, sondern braucht höhere kognitive Fähigkeiten.

Die Schuld liegt ganz in ihrer Nähe und ich wünsche niemandem, dass er/sie sich ob seines/ihres Körpers schuldig fühlt, ganz egal, wie der aussieht.

jumpingjack flash
05.09.2007 11:39
oder unsicherheit?

lt. dem link schämen sich tiere auch. wenn wir ohne schuld wären wär es auszuhalten - wie wär es wenn wir alle schamlos wären?
als einstieg: http://www.extradienst.at/jaos/page... e_id=20830

Onkel Ludi
05.09.2007 15:55

Wie fühlt sich das denn an?

ero
05.09.2007 13:55

Beran ist mir hier zu biologistisch, ich sehe Scham als eine strukturelle Emotion, die ein Selbstkonzept voraussetzt und das fehlt Primaten. Natürlich hat jede Emotion auch eine physiologische Komponente, aber gerade bei der Scham erscheint mir die kulturelle Dimension doch überwiegend.

Wenn wir keine Scham mehr hätten? Scham hat doch viel mit Moral zu tun, bei der halte ich es so: so viel wie nötig, so wenig wie möglich, sonst wird das Über-Ich zu stark :-)

jumpingjack flash
06.09.2007 14:43

:-) ja nur das "es" nicht zu kurz kommen lassen!
leider weiss ich zuwenig über scham - hat da wer umfassender drüber geforscht? - muss mich da mal informieren - jedenfalls schön mit ihnen drüber ein paar worte wechseln zu können - das forum hier ist leider zusehr in die schönheitsdebatte (zu dick zu dünn) abgeglitten

Tante ?
11.09.2007 19:19

Einsicht, seht, seht!!

ravenna
31.08.2007 03:52
Idealbild nicht zu erreichen?

Wenn es normal ist, taeglich zu naschen, Cola zu saufen und Burger in sich hineinzustopfen natuerlich nicht. Vor rund 20 Jahren hatte ein grosser Teil der Maedchen hinsichtlich Figur/Koerpergewicht keinen grossen Unterschied zum aktuellen Idealbild. Wer heute schlank ist, wird ja sofort als Magersuechtig geoutet.

Beim Maenner-Idealbild sieht es schon anders aus. Die Muskelfuelle, die Schauspieler und Models heutzutage haben, laesst sich auf normalem Wege nicht erreichen. Selbst Profi-Sportler oder die "Muskelmaenner" aus frueheren Film-Zeiten koennen da nicht mithalten. Da hilft nur Bodybuilding mit reichlich Chemie.

Lectrice
01.09.2007 22:13

Wer hatte vor 20 Jahren einen idealen Körper - verglichen mit dem heutigen Ideal????

Entweder sind sie sehr jung oder haben vor 20 Jahren Scheuklappen aufgehabt. Was vor 20 Jahren eine durchschnittlich schlanke Frau war gilt heute fast als mollig.

dakila dakila
31.08.2007 21:01
Auch Schlanke sind in der Mehrzahl vom Idealbild weit entfernt,

denn dünn sein bedeuet ja nicht notwendigerweise auch schön sein.

Am Intolerantesten gegen dicke Geschlechtsgenossinnen sind signifikanterweise hässliche dünne Frauen.

die rote baronin
31.08.2007 13:44

Das Übergewicht ist ein Probelm, dass nicht nur Frauen betrifft. Und das Idealbild bezieht sich ja nicht nur auf das Gewicht. Zudem: das Problem liegt nicht daran, dass schlank als magersüchtig ausgelegt wird, sondern dass teilweise das als schlank angesehen wird, was unter dem Normalgewicht liegt (d. h. Normalgewicht ist schon dick).
Im Übrigen sind die meisten männlichen Models und Schauspieler nun wirklich nicht übermäßig muskulös.

DieDickeFrauVonObenAuf
01.09.2007 15:22

Das Thema hat mit Gewicht genau gar nichts zu tun.

Emil i Lönneberga
01.09.2007 00:49

Schon vor 30 Jahren wurde ein Unterschied gesehen zwischen den IDEALgewicht (fuer die Gesundheit) und dem NORMALgewicht (noch nicht uebergewichtig). Heutzutage ist man auch recht schnell mit dem Urteil "magersuechtig". Ich hatte ine Kollegin, die man auf den ersten Blick als magersuechtig bezeichnet haette. Jeder der sie naeher kannte, wusste aber, dass sie in Sportarten aktiv war, die eine Magersucht gar nicht zuliessen (Rudern, Schwimmen) und dementsprechend aß wie ein Scheunendrescher (allerdings keine Pommes frites, Cola,...)

die rote baronin
01.09.2007 10:17

Gesundheitliches Idealgewicht und Normalgewicht unterscheiden sich überhaupt nicht. Zudem gibt es Menschen, die leichtes Unter- oder Übergewicht haben und gesundheitlich topfit sind, sowie auch überdurchschnittliche sportliche Leistungen erbringen können. Und sicherlich - dieses Abwiegen und Vergleichen ist nicht wirklich sinnvoll, da Menschen immer einen unterschiedlichen Körperbau haben. Und hier liegt ja das Problem. Viele Menschen können gar nicht so dünn sein, wie es von diversen Seiten gefordert wird, ohne ihre Gesundheit zu schädigen, einige halt schon.

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