US-Studien zeigen Zusammenhang zwischen niedrigem Östrogenspiegel durch Entfernung der Eierstöcke und Störungen wie Demenz oder Parkinson
New York - Frauen, die sich vor der Menopause einer Eierstockentfernung (Ovarektomie) unterziehen, haben ein erhöhtes Risiko, neurologische Störungen zu entwickeln. ForscherInnen der Mayo-Klinik in Rochester im US-Bundesstaat Minnesota weisen in der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift "Neurology" mittels zweier Studien auf die Problematiken hin.
Die Funktionsbeeinträchtigungen des Gehirns wie Demenz, Parkinson oder Gedächtnisstörungen seien vorgezogene altersbedingte Erscheinungen, die durch die verminderte Produktion von Östrogen bedingt würden, so das Team um den Studienleiter Dr. Walter A. Rocca.
Signifikanter Unterschied
Die Studien verwerteten Daten von Frauen in Olmsted County, Minnesota, denen zwischen 1950 und 1987 die Eierstöcke prämenopausal entfernt worden waren. 813 davon hatten keine Eierstöcke mehr, 676 einen; 1.471 Studienteilnehmerinnen gehörten der Kontrollgruppe an und wiesen keinen Eingriff auf. Diese wurden nach Alterstufen mit den Operierten verglichen. Mittels Telefoninterviews wurde Gedächtnisleistung, eventuelle Beeinträchtigugen bei Aktivitäten des Alltagslebens, Symptome der Demenz oder Alzheimer abgefragt. Unterschiedliches Alter wurde dabei ebenso berücktsichtigt wie Ausbildung und die Amnamnese von Depressionen.
150 der Studienteilnehmerinnen ohne bzw. mit nur einem Eierstock wiesen Beeinträchtigungen in den genannten neurologischen Bereichen auf, aber nur 98 derjenigen mit intakten Ovarien - ein signifikanter Unterschied.
Rocca und seine KollegInnen stellten weiters fest, dass je früher im Leben die Unterleibseingriffe stattgefunden hatten, die Frauen ein umso stärkeres Risiko für neurologische Defizite aufwiesen. Die Ausnahme: Frauen, die nach der Operation Östrogensubstitute mindestens bis zu ihrem 50. Lebensjahr erhielten.
Parkisonrisiko drastisch erhöht
Auch in der zweiten Studie wurden die Daten derselben Frauen verwendet. Rocca und sein Team stellte dabei fest, dass diejenigen, die sich vor ihrem 42. Lebensjahr einer (bilateralen) Ovarektomie unterziehen mussten, ein mit 75 Prozent signifikant höheres Risiko für Morbus Parkinson entwickelt hatten.
Die Parkinson-Krankheit ist eine der im Alter am häufigsten auftretenden neurologischen Erkrankungen. Zu ihrem Symptomen zählen Tremor, Steifheit der Extremitäten, der Kontrollverlust über Mimik und Körperbewegung, Paralyse und kognitive Dysfunktion.
Östrogen als Schutz
Die ForscherInnen schließen aus den Ergbnissen, dass "der neuronale Schutzeffekt des Östrogens als generell angenommen werden und multiple Mechanismen und unterschiedliche Arten von Gehirnzellen betreffen könne".
Diese Studien seien mit die ersten, die die Hypotese eines "kritischen Altersfensters" für den Schutzeffekt des Östrogens bei Menschen unterstützten, so die ForscherInnen abschließend. (Reuters/red)