
STANDARD: Frau Schwarzer, wenn ich mir die Diskussion über den Islam in Österreich vergegenwärtige, habe ich den Eindruck einer irgendwie verkehrten Welt. Bei uns ist es Jörg Haider, der "auf den Straßen keine verschleierten Frauen sehen" möchte, während sich etwa SPÖ-Nationalratspräsidentin Barbara Prammer gegen Bekleidungsdiskussionen – aber dabei auch durchaus gegen das Kopftuch – ausspricht. Wie kommt Ihnen das vor?
Schwarzer: Ich bin ein bisschen erstaunt, dass man in Österreich die kritische Diskussion über den politisierten Islam den Rechten überlässt. Das scheint mir fatal. Denn der Islamismus – nicht der Islam! – ist der Faschismus des 21. Jahrhunderts und die größte Bedrohung nicht nur für Frauen, sondern auch für die ganze Demokratie. Die Linke hat leider sehr lang weggeschaut und eine falsche Toleranz gepflegt.
STANDARD: Jörg Haider und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache verfolgen mit ihrer Islam-Kritik aber doch nationalistische Ziele.
Schwarzer: Mag sein. Aber man kann sich doch nicht von der Rechten diktieren lassen, was man denkt und was man sagt. Außerdem steht Islamismus-Kritik für fortschrittliche Menschen in einem anderen Kontext. Für uns ist es schlicht eine Frage der Menschenrechte, die unteilbar sind. Sie gelten für Frauen aus dem muslimischen und christlichen Kulturkreis gleichermaßen. Natürlich bin ich für Religionsfreiheit, und ich bin auch gegen ein Kopftuchverbot auf der Straße – hier muss man diskutieren, aufklären, argumentieren –, aber ich glaube, dass das Kopftuch plus Ganzkörperverhüllung im öffentlichen Dienst in einer Schule überhaupt nichts zu suchen hat, bei Lehrerinnen ebenso wenig wie bei Schülerinnen.
STANDARD: In Österreich, wo die islamische Glaubensgemeinschaft eine staatlich anerkannte Religion ist, bestreiten aber Frauen mit Kopftuch den muslimischen Religionsunterricht. Ist ein solcher Weg der Toleranz ein gefährlicher Weg?
Schwarzer: Ja, auf jeden Fall, ich habe ein ganzes Buch über die falsche Toleranz herausgegeben ("Die Gotteskrieger und die falsche Toleranz", 2002). Ich erinnere mich an die 1960er-Jahre in Deutschland. Auch da hatten wir schon Millionen Türken im Land, doch damals gab es kein Kopftuch, ausgenommen das der anatolischen Bäuerin – oder der steirischen. Das Kopftuch der Musliminnen, wie es heute getragen wird, ist überhaupt erst in den 1980er-Jahren aufgetaucht, als Folge der Politisierung des Islam. Es ist seit Khomeinis Iran die Flagge der Gotteskrieger. Die Islamisten haben die sozialen und ökonomischen Probleme der Einwanderung für ihre Rekrutierung genutzt, sodass heute die dritte Einwanderergeneration schlechter Deutsch spricht als die zweite. Und wir haben die muslimischen Jugendlichen diesen Rattenfängern überlassen.
STANDARD:: Hat das nicht auch mit der Fremdenfeindlichkeit in den Einwanderungsstaaten zu tun?
Schwarzer: Auch, aber die hält sich zumindest in Deutschland in Grenzen – immerhin haben wir aus der Nazizeit unser Trauma weg. Nein, das ist Resultat der erfolgreichen Agitation von Islamisten, ausgebildet im Iran und finanziert von Saudi-Arabien.
STANDARD: Kann eine vehemente Ablehnung etwa des Kopftuchtragens nicht dazu führen, dass sich Musliminnen von der westlichen Gesellschaft abwenden und so dem Ziel der Integration schlechte Dienste erwiesen werden?
Schwarzer: Das tönt sehr nach falscher Fremdenliebe, die nur die andere Seite der Fremdenverachtung ist. Es wäre gut, wenn wir uns nicht immer Stellvertretergedanken machen würden, sondern sagen: Für uns sind die demokratischen Rechte eine Selbstverständlichkeit – und für die Menschen, die zu uns kommen, sollte es ebenso sein.
STANDARD: Für Frauen im Westen ist Ihrer Darstellung nach die Gleichheit bereits errungen worden: Ein Erfolg des Feminismus, wie Sie schreiben. Gleichzeitig kritisieren Sie, dass Frauen sich zum Beispiel einem kindlich-lächerlich machenden oder pornografischen Modediktat unterwerfen. Wie passt das zusammen?
Schwarzer: Theoretisch sind wir gleichberechtigt, praktisch hinken wir hinterher. Wir sind in den vergangenen dreißig Jahren mit Siebenmeilenstiefeln vorangekommen. Doch in Zeiten des Fortschritts gibt es auch Rückschritte, das ist in der Geschichte immer so, denn die bestehende Ordnung wird ja erschüttert. Diejenigen, die an dieser Ordnung ein Interesse haben, versuchen, die Veränderungen aufzuhalten – und verführen Frauen in Zeiten, wo ihnen die Welt offen steht, sich in Schuhe zu zwängen, die ihnen nur Trippelschritte erlauben.
STANDARD: Auf realpolitischer Ebene wiederum wird den Frauen in Deutschland und Österreich die sinkende Kinderzahl vorgeworfen – ebenfalls ein Backlash-Symptom?
Schwarzer: Na na, es gibt doch Untersuchungen, die belegen, dass es vielmehr die Männer sind, die keine Kinder mehr wollen! Ich verstehe das gut, denn im Jahr 2007 heißt Vatersein etwas ganz anderes als vor 30 Jahren. Damals ging man als Vater mit den Kindern einmal in den Zoo, abends küsste man sie vor dem Schlafengehen, und das war's. Doch diese Zeiten sind vorbei, Vatersein heißt jetzt Arbeit und Verantwortung übernehmen – das ist mühsam. Da müssen die Männer umlernen.
STANDARD: Aber kann man dieses Thema wirklich ohne jeden Bezug auf die leeren Pensionskassen diskutieren?
Schwarzer: Ich halte das für ein Pseudoargument. Sobald Frauen eingeschüchtert werden sollen, gibt es demografische Debatten. Es ist doch auch eine Frage des Systems. Ich etwa habe immer eingezahlt, also werde ich im Rahmen der Solidargemeinschaft doch ein gewisses Recht auf eine Pension haben – ob ich ein Kind habe oder nicht. Wenn die Gesellschaft Kinder will, soll sie Bedingungen schaffen – Ganztagskrippen und -schulen –, damit Frauen mehr Kinder bekommen können, ohne dass ihre Rolle als Mutter sie aus der Welt wirft. Das ist meine Antwort. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28. September 2007)
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Ich verstehe eines nicht... hier gibt es diskusionen über das Kopftuch... alle wollen es besser wissen was besser für die moslimische frau ist. Doch wer weiss es besser als wir? Wir leben in einem Rechtstaat in dem jeder sein Selbstbestimmungsrecht hat. Da wir wissen das wir in einem Staat leben der auf solche Dinge wert legt, gehen wir davon aus das es eine selbstverständlichkeit ist sich zu Kleiden wie man möchte. Ich verstehe auch nicht Wieso man immer von befreiung der moslemischen frau spricht. Diese Familien oder Männer die Ihre frauen zum Kopftuch zwingen sind weit entfernt vom islam. Das ist nicht das verständnis des Islams Frauen zu zwingen.
die die Frau Schwarzer ihren Kollegen Frauen aus dem "politisierten Islam" angedeihen lassen will. Schleierverbot, und aus. Jobs bekommen sie deshalb zwar keine, die Ausbildung verstehen sie nach wie vor nicht, die Beratungsstellen sprechen ihre Sprache nicht (wo kommen wir da hin). Dh, in Hinkunft bekommen verschleierte Frauen, wenn ersichtlich, dass sie aus politisiert-islamischen Gruenden einen Schleier tragen, zusaetzliche Probleme in Schulen und Aemtern. Was die Schwarzer da so von sich gibt, toent nach echtem Fremdenhass.
So z.B. hier: Nur weil ich Sie für einen linkslinken Idealisten halte, der schon an der kleinsten Kleinigkeit Anstoß findet, heißt das noch lange nicht, dass ich Sie hasse.
Davon einmal abgesehen ist Verachtung, so sie auftreten, nicht immer schlecht. Vor allem wenn sie gewisse Symbole betreffen.
Wir würden einen Mann, der öffentlich eine Hakenkreuzarmbinde trägt, auch nicht einfach ungeschoren davon kommen lassen. Gerade für manche Feministinnen ist das Kopftuch ein ähnlich Rotes, wie besagte Armbinde für viele andere.
Beides ist ein Symbol der Geringschätzung für gewisse Volksgruppen. Nicht ganz in der gleichen Ausprägung, aber in manchen Staaten auch nicht so weit von einander entfernt.
Und ich bin mit Sicherheit kein Feminist...
die, wie z.B. das Christentum auch, in allen moeglichen Spielarten auftritt - je nachdem, wie ihn der Glaeubige auslegt. Manchmal radikal und menschenverachtend (wie das Christentum auch), manchmal ist er einfach nur eine Stuetze im Alltag.
Das koennen sich nicht mit Hackenkreuzbinden vergleichen. Wenn eine Frau freiwillig einen Schleier tragen moechte, darf sie das tun. Wir koennen uns darauf einigen, Kirche und Staat zu trennen, aber das muss fuer alle Kirchen gelten.
Das ist keine Kleinigkeit! Ich reg mich nur ueber die wirklich wichtigen Dinge im Leben auf, und wuerde mich eher als mitte-linken Realisten sehen.
Falsche Toleranz ist es garantiert auf diverse Aussagen von Frau Schwarzer auch nur einzugehen. Diese Aussagen mit denen so ungefähr die Päpste die Kreuzzüge gerechtfertigt haben, sind nur lächerlich.
Was diese Frau für eine Meinunsdiktatur im Namen der Freiheit betreibt, ist nicht mehr schön. Kein Wunder, dass sie immer mehr alleine dasteht.
das kopftuch für frauen wurde nicht vom islam erfunden. ergo müssten auch alle christlichen frauen kopftücher tragen. bei uns haben sich frauen aber schon vom kopftuch emanzipiert. ich will mich nicht einmischen in das, was die frauen im iran etc. machen, aber ich finde es falsch, dass frauen, die in ihrer heimat kein kopftuch tragen, in österreich plötzlich zu kopftuchfetischistinnen werden.
ist aber m.E. sohin KEINE FEMINISTIN im eigentlichen Sinne mehr.
W e n n ein Kopftuch nämlich jemals für irgendwen eine Art SYMBOL wäre, dann am ehesten für die ISLAMISCHEN FEMINISTINNEN, welche mit dem Slogan: "MEIN KOPF GEHÖRT MIR" vor Gericht ziehen und gleiche Chancen auf Bildung und Arbeit für Frauen einfordern, auch wenn diese ein Kopftuch in frauenspezifischer Art tragen.
Schade, dass die FRAUENRECHTSBEWEGUNG keine Geschlossenheit darin kennt, dass FRAUENRECHTE UNTEILBARE MENSCHENRECHTE sind, welche nicht erst durch irgendwelche Verzichtshandlungen (z.B. auf die liebgewohnte Kleidung) "erkauft" werden
dürfen.
1. Alice Schwarzer aufgrund Ihrer Aussage zu diesem Thema sofort dem rechten Lager zuzuordnen zeigt deutlich wo das Problem dieser ganzen Debatte liegt: man besinnt sich nicht auf das Eigentliche, sondern macht daraus einen politischen Lagerkampf.
2. Das Kopftuch als "Symbol des islamischen Feminismus" zu bezeichnen, finde ich sehr amüsant! Hätten unsere Feministinnen Ihren Freiheitskampf aus dem religiösen, katholischen Selbstverständnis heraus gestartet, wären wir heute in der gesellschaftlichen Entwicklung mindestens 100 Jahre zurück. Erst das Lossagen von den religiösen Vorstellungen (was nichts mit fehlenden Moralwerten zu tun hat!!!) ermöglichte die Befreiung aus der alten Rollenverteilung.
1. Alice Schwarzer aufgrund Ihrer Aussage zu diesem Thema sofort dem rechten Lager zuzuordnen zeigt deutlich wo das Problem dieser ganzen Debatte liegt: man besinnt sich nicht auf das Eigentliche, sondern macht daraus einen politischen Lagerkampf.
2. Das Kopftuch als "Symbol des islamischen Feminismus" zu bezeichnen, finde ich sehr amüsant! Hätten unsere Feministinnen Ihren Freiheitskampf aus dem religiösen, katholischen Selbstverständnis heraus gestartet, wären wir heute in der gesellschaftlichen Entwicklung mindestens 100 Jahre zurück. Erst das Lossagen von den religiösen Vorstellungen (was bitte nichts mit fehlenden Moralwerten zu tun hat!!!) ermöglichte die Befreiung aus der alten Rollenverteilung.
ein Kopftuch zu tragen? Vielleicht liegt es daran, dass sie sich weder hier, noch in der Heimat ihrer Eltern zugehörig fühlt. Sie schließt sich mit Anderen zusammen, denen es ebenso geht und man zeigt die Zusammenhörigkeit durch das Tragen eines Kopftuches.
Mir ist schon klar, dass das alles sehr vereinfacht dargestellt ist, aber wenn es uns besser gelänge, diese Gruppen zu integrieren, würde vielleicht auch ihre Sicht des Islam eine modernere werden...
oder dem traditionellen Männer-Kopftuch, wie es z.B. in Jordanien oder den Golfstaaten noch häufig zu sehen ist, angepöbelt würde oder sonst Schwierigkeiten hätte, würde ich mich gewiss auch für ihn einsetzen.
In den 1960er Jahren hatte einer der berühmtesten Herzspezialisten Österreichs, Professor FELLINGER, einen vornehmen Patienten, der extra seinetwegen regelmäßig nach Ö. kam: den damaligen König Ibn SAUD von Saudi-Arabien. Ihm und seinem Gefolge, alle mit "Männerkopftuch", ist damals allerorts mit Hochachtung begegnet worden.
In der "guten alten Zeit" hatten die Menschen offenkundig noch mehr Respekt vor den Eigenheiten anderer und vor allem mehr Benehmen.
Sie nehmen also für sich selbst die Deutungshoheit über den Feminismus in Anspruch, und sprechen - vor dem Hintergrund Ihrer selbstdeklarierten Deutungshoheit - der Frau Schwarzer ab, eine feministische Position zu vertreten. Ist diese Ihre Position ihrers Erachtens tatsächlich tolerant (oder nicht doch eher nur arrogant)?
Auch will Frau Schwarzer erwachsenen Frauen nicht verbieten, ihre politischen und religiösen Überzeugungen - so reaktionär diese auch sein mögen - , öffentlich zur Schau zu stellen, sondern fordert lediglich einen Freiraum zum Schutz derjenigen, die dies nicht tun wollen. Denn auch nicht-kopftuchtragende Frauen haben einen Kopf, der ihnen selbst gehört. Auch wenn diese i.a. nicht so aggressiv u. medienwirksam auftreten.
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