Ornela Vorpsis Erstling "Das ewige Leben der Albaner" schildert den bleischweren Alltag im Albanien des Enver Hoxhas - Buchtipp
Ornela Vorpsi erzählt lebhaft und überzeugt vom Heranwachsen, Leiden und Denken eines klugen, lese- und lebenshungrigen Mädchens. Eine Mädchenwelt mit all den brennenden Dringlichkeiten, Wünschen, Sehnsüchten und auch den Grässlichkeiten einer sehr patriarchalen Gesellschaft taucht bildhaft vor der Leserin auf und wird zum Leben einer klugen, jungen Frau.
Die Autorin begleitet minuziös durch das Leben in Armut, durch die alltägliche drohende Gefahr der sexuellen Gewalt, durch die Willkür der kommunistischen Partei gegenüber dem vermeintlich falschen Verhalten, durch das Groteske, Tragischkomische und Grausliche einer zerbrechenden Mädchenzeit. Dramatisch und banal schildert Ornela Vorpsi die Geschichten des bleischweren Alltags der Menschen im Albanien des Enver Hoxhas.
Feinsinnig ist Ornela Vorpsi in ihrer Sprachwahl. Sie führt die leidlichen Angelegenheiten des Mädchens mit der Leichtigkeit einer guten Schriftstellerin aus. Eine großartige Erzählerin ist sie gewiss und der klare Blick auf das Mädchen fernab von rührseligem Mitleid und psychologischer Interpretation überzeugt endgültig. Der Schluss dieses außerordentlichen Debüts überrascht. (Ruth Devime, dieStandard.at, 20.10.2007)
Das ewige Leben der Albaner
von Vorpsi Ornela;
Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl
Erschienen 2007 im Zsolnay Verlag
ISBN: 3-552-05403-0
ISBN 978-3-552-05403-5
15,40 Euro