Tipps für den Nahkampf

7. September 2011, 10:53

Die Frauenabteilung der Stadt Wien gibt Frauen Tipps, wie sie als Siegerinnen aus Gehaltsverhandlungen steigen können

Wien - Im Vorfeld des diesjährigen "Equal Pay Days" am 4. Oktober präsentiert die Wiener Frauenstadträtin Sandra Frauenberger ein neues Tool, das es Frauen erleichtern soll, Gehaltsverhandlungen erfolgreich zu führen. Die Tipps inklusive Checkliste sind in das praktische Format einer Brieftasche verpackt und wurden auf Initiative der Stadträtin von der Frauenabteilung der Stadt Wien in Kooperation mit der FH Campus Wien erarbeitet.

Zielgruppe

Viele Frauen verkaufen ihre Leistung unter ihrem Wert. Männer fordern durchschnittlich einmal im Jahr eine Gehaltserhöhung, Frauen hingegen nur alle zwei bis drei Jahre, so Frauenberger. Häufig verlangen Frauen auch weniger Gehalt als männliche Kollegen oder geben sich mit weniger zufrieden. Wie viel sie eigentlich verdienen könnten, ist vielen nicht bekannt. Frauen scheuen öfter vor entsprechenden Verhandlungen zurück und haben weniger Übung damit. An diesem Punkt setzen die "Gehaltsverhandlungstipps für Frauen" an. Zielgruppen sind unselbstständig beschäftigte Frauen, Wiedereinsteigerinnen, Berufseinsteigerinnen und Studentinnen.

"Darf ich überhaupt etwas fordern?"

In der Broschüre werden verschiedene Aspekte beleuchtet, die Frauen von Gehaltsforderungen abhalten. Oftmals sind es innere Widerstände, die Frauen daran hindern, überhaupt Forderungen zu stellen. Fragen wie "Darf ich überhaupt etwas fordern? Macht das nicht schlechte Stimmung? Riskiere ich meinen Job? Wie viel steht mir denn eigentlich zu?" entmutigen Frauen.

Oftmals stoßen Frauen aber auch auf äußere Widerstände, sobald sie Forderungen stellen. Sätze wie "So jemanden wie Sie kann ich auch billiger bekommen! Was können Sie konkret vorweisen, ehe Sie Forderungen stellen? Der Firma geht es gerade so schlecht!" sind typische Beispiele.

Konkrete Tipps

Die neue Publikation will hier mit konkreten Tipps und Hintergrundinformationen helfen. Handlungstipps für die Wahl des richtigen Zeitpunktes und den optimalen Ablauf seien für die Vorbereitung ebenso hilfreich wie das konstante Führen eines Leistungstagebuchs und die beigefügten Checklisten für Bewerbungsgespräch und Gehaltsverhandlung, so die Organisatorinnen.

Frauenstadträtin Sandra Frauenberger: "Das geringere Einkommen von Frauen hat hauptsächlich gesellschaftlich-strukturelle Hintergründe. Die gerechtere Verteilung der unbezahlten Arbeit, die Herstellung von Gehaltstransparenz, Quoten für Führungsetagen oder gezielte Qualifizierungsprogramme für Frauen sind wichtige Säulen im Kampf gegen die Einkommensschere. Aber auch die einzelne Frau selbst hat - oft ungenützte - Möglichkeiten, um ihr Einkommen zu verbessern. Die Gehaltsverhandlungstipps für Frauen zeigen Handlungsspielräume auf und ermutigen Frauen, diese für sich zu nutzen."

"Wo es keine transparenten Gehaltsschemata gibt, sind Frauen gefordert, für sich selbst gut zu verhandeln. Mit dieser Broschüre motivieren wir Frauen dahingehend, sich anhand von konkreten Tipps und weiterführenden Links optimal auf erfolgreiche Gehaltsverhandlungen vorzubereiten", unterstreicht FH-Professorin Ulrike Alker. (red)

Service:

Die "Gehaltsverhandlungstipps für Frauen" können ab sofort bei der Frauenabteilung der Stadt Wien (MA 57) unter der Telefonnummer 01/4000-83518, per E-Mail frauen@ma57.wien.gv.at sowie auf der Webseite www.frauen.wien.at kostenlos bestellt werden.

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6 Postings
Die Broschüre nutzt nichts gegen Pay Gap.

Ich hab sie mir nämlich auch besorgt.

Warum? Ich hab die Broschüre nicht, vielleicht können Sie das erläutern.
Ich finde diesen Ansatz nämlich wirklich gut. Das verstehe ich unter Emanzipation: Für sich selber einstehen, lernen wie man Argumentiert und für sich kämpft anstatt in der Opferrolle bleiben und jammern, das andere es besser machen.

Es ist doch so: Wann immer in diesem ...

... Forum jemand schreibt, dass die Frauen doch selber schuld wären, weil sie schlecht verhandeln, folgt der Aufschrei der Damen, dass das nicht wahr wäre, denn sie würden diskriminiert, weil sie Frauen sind uund nicht weil sie schlecht verhandeln.
Wenn sie also gleich gut verhandeln, brauchen sie keine Broschüre, wenn sie aber schlechter verhandeln, verschafft ihnen die Broschüre keinen Vorteil, denn wenn sie ihre Argumente vorab schon offenlegen, nämlich auch den bösen männlichen Chefs, torpedieren sie ihre eigene Verhandlungstaktik.

Begrüßenswerter Ansatz, der endlich mal über das übliche "böse Chefs" hinausgeht.

Schade allerdings, daß es einer Broschüre bedarf um den Betroffenen Selbstverständlichkeiten wie "Wo es keine transparenten Gehaltsschemata gibt, sind Frauen gefordert, für sich selbst gut zu verhandeln" zu vermitteln.

Ich weiß nicht, ob das der Aufhänger ist. Aber grundsätzlich müssen ja auch Männer ihren Gehalt selbst verhandeln...

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