Frauen haben 40 Prozent weniger Lohn zur Verfügung

19. Dezember 2012, 12:59

Neue Studie sieht Einkommensschere unverändert - Die Arbeitereinkommen werden immer weniger wert, Angestellte stagnieren

Wien - Der Rechnungshof hat am Mittwoch seinen alle zwei Jahre fälligen Einkommensbericht veröffentlicht. Die darin enthaltenen Zahlen sind ernüchternd: Seit 1998 haben die Einkommen der Arbeiterinnen und Arbeiter in Österreich teils massiv an Wert verloren, auch die der Angestellten stagnieren. Besonders stark unter Druck sind die Bezüge der unteren Einkommensschichten. Kaufkraftgewinne gab es dagegen für die meisten BeamtInnen. Und die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen bei den Durchschnittseinkommen (Teil- und Vollzeit zusammengenommen) hat sich in den vergangenen 14 Jahren nicht verringert.

Durchschnittliches Gehalt bei weniger als 25.000 Euro

Insgesamt zählt der Einkommensbericht rund 4,0 Millionen unselbstständig Erwerbstätige - also ArbeiterInnen, Angestellte, BeamtInnen und Vertragsbedienstete mit unterschiedlichen Arbeitszeiten und Beschäftigungsmodellen. Ihr Medianeinkommen (das ist jener Wert, bei dem genau die Hälfte mehr und die andere Hälfte weniger verdient) im Jahr 2011 betrug 24.843 Euro brutto. Die niedrigsten Medianeinkommen hatten die 1,6 Millionen ArbeiterInnen mit 18.157 Euro Jahresbrutto, die höchsten Werte gibt es (wegen hohem AkademikerInanteil und Dienstalter) bei den BeamtInnen mit 49.274 Euro. Schlechter entlohnt werden Vertragsbedienstete (29.103 Euro), der mittlere Angestellte verdiente im Vorjahr 28.092 Euro.

Realeinkommen um 15 Prozent gesunken

Gerade die untersten Einkommensschichten mussten seit 1998 die stärksten Kaufkraftverluste hinnehmen, weil ihre Einkommenszuwächse teils deutlich unter der Inflationsrate lagen. Quer über alle Berufsgruppen sanken die Realeinkommen des untersten Viertels der EinkommensbezieherInnen in den vergangenen 14 Jahren um mehr als 15 Prozent. Besonders stark betroffen sind die ArbeiterInnen, die Kaufkraft der Angestellten stagniert. Ein inflationsbereinigtes Kaufkraftplus bei unteren, mittleren und oberen Einkommen gab es nur bei den Beamten.

Niederösterreich mit höchsten Durchschnittseinkommen

Bei den Bundesländern führte Niederösterreich mit einem Durchschnittseinkommen von 27.236 Euro die Liste an. Am wenigsten verdienten die Menschen 2011 in Tirol: Dort betrug das mittlere Einkommen 22.955 Euro.

Frauen haben nur 60 Prozent des männlichen Durchschnittseinkommens zur Verfügung

Seit 14 Jahren unverändert ist die Einkommensschere zwischen den Geschlechtern: Das mittlere Einkommen aller erwerbstätiger Frauen (unabhängig von Teil- oder Vollzeitbeschäftigung) lag 1998 wie 2011 nur bei 60 Prozent des mittleren Männereinkommens. Ein Grund dafür ist der große Frauenanteil bei "atypisch Beschäftigten", die vom Rechnungshof gesondert ausgewiesen wurden: 59 Prozent aller unselbstständig beschäftigten Frauen waren demnach 2011 "atypisch" - also entweder in Teilzeitarbeit, geringfügig beschäftigt oder bei einer Leiharbeitsfirma angestellt. Bei den Männern waren es nur 22 Prozent.

In Vorarlberg verdienten die Frauen mit durchschnittlich 16.596 Euro am wenigsten (48 Prozent des männlichen Medianeinkommens), in Wien mit 21.439 Euro am meisten (78 Prozent des männlichen Medianeinkommens).

Zahl der BeamtInnen rückläufig

Am geringsten ist die Einkommensschere nach wie vor im öffentlichen Dienst: Das mittlere Einkommen der Beamtinnen erreichte 2011 immerhin 94 Prozent des Vergleichswerts der männlichen Kollegen, bei den Vertragsbediensteten waren es 77 Prozent. Davon profitieren können allerdings immer weniger ÖsterreicherInnen, ging die Zahl der BeamtInnen doch wegen des Spardrucks im öffentlichen Dienst seit 2003 von 273.599 auf 213.727 zurück. 

Höchste Einkommen bei den FreiberuflerInnen

Die höchsten Medianeinkommen sind allerdings ohnehin nicht bei den Unselbstständigen zu suchen, sondern bei den FreiberuflerInnen: FachärztInnen verdienten zuletzt 113.944 Euro jährlich, AllgemeinmedizinerInnen 82.687 Euro und RechtsberaterInnen 61.350 Euro. Bei letzteren ist die Einkommensschere übrigens ebenfalls groß: Männer verdienen hier 1,7 Mal mehr als Frauen mit einem mittleren Einkommen von 40.627 Euro. Zu beachten ist: Die Angaben für die Freiberufler bezeihen sich auf 2009, neuere Zahlen liegen noch nicht vor. (APA, red, dieStandard.at, 19.12.2012)

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natürlich gehts auch darum

(wiewohl das nicht der einzige grund dafür ist, daß frauen schlecht bezahlte und teiklzeitstellen annehmen)

nur sollte man das halt dann auch so sagen und nicht etwas anderes suggerieren

keiner zwingt irgendjemanden kinder zu bekommen

sollen die frauen,die es stört, daß sie dann nur teilzeit arbeiten können, drauf verzichten und halt keine bekommen.

wenn ich mich zb. entschließe 3 jahre als senner am berg zu arbeiten brauch ich mich dann auch nicht aufregen, daß andere, die 3 jahre lang weitergearbeitet haben in meiner branche, bessere jobs bekommen und mehr verdienen.

Sichtweise ändern

Wer nicht will soll auch nicht wollen müssen. Absolut richtig.
Die Natur hat es aber so gestaltet dass Frauen Kinder bekommen. Und hier geht es um "alle" Frauen.
Das ist und bleibt ein Naturgesetz.

Nun haben wir auch ein Gesetz erschaffen. Dieses ist das Gesetzt des Kapitalismus.

Welchem Gesetzt sollen wir folgen bzw. weiterhin folgen?

es ist kein "gesetz des kapitalismus",

daß es zu wenig kinderbetreuungsmöglichkeiten gibt, die frauen eine vereinbarkeit von arbeit und familie ermöglichen, und auch keins, daß männer sich keinen erziehungsurlaub nehmen, erst recht keins, daß frauen sich lieber von ihrem mann aushalten lassen und ahlt nebenbei ein bisserl teilzeit arbeiten, wobei es ihnen ja auf die bezahlung nicht ankommt

fürs erste ist die politik zuständig, für die beiden weiteren die männer und die frauen.also"wir", und "wir" sind es auch, die die politik bestimmen

jedenfalls, wenn wir wollen und was dafür tun

Frauen lassen sich aushalten. Sie kennen aber viele Frauen.

Sehen Sie.

Frauen bekommen Kinder, das ist ein Gesetz der Natur. Männer müssen Unterhalt bezahlen, das ist ein Gesetzt des Kapitalismus. Ich nehme mal an, da haben Sie gengen das Gesetz des Kapitalismus wohl weniger Einwände. ;-)

Dafür, dass Frauen wegen Betreuungsarbeit weniger eigenen Erwerb haben, gibt es Unterhaltsleistungen und Familientransfer. Bei einem Schnitt von 1,5 Kindern gehen bereits (zB bei getrennten Vätern) alleine ca 30% seines Einkommens in den Haushalt der Mutter, zusätzlich zur staatlichen Familienbeihilfe.

Wenn wir bei den Naturgesetzen bleiben, dann sorgt der Vater für seine Familie und nicht für Exfrauen und Kinder die garnicht bei ihm sind.

Welchem Gesetz wollen sollen wir jetzt folgen?

in welchem geswtz genau soll stehen, daß nur männer unterhalt zahlen müssen?

Im Unterhaltsrecht.

Wer nicht im gemeinsamen Haushalt, also getrennt von seinem Kind, lebt, muß Unterhalt in Form von Geldunterhalt leisten und das in den Haushalt, wo das Kind lebt.

Im Gesetz steht ja nicht, dass nur Männer müssen Unterhalt bezahlen müssen, aber durch andere Gesetze und gängige Rechtssprechung ergibt es sich nunmal so, dass es zumeist Männer sind, die Unterhaltspflichtig werden.

Diese Fakten sind mir bekannt.
Ich finde es sehr schade, dass sie meine Message nicht verstanden haben :-(

Was war denn die Message?

Ist ja kein Widerspruch.

Nur gibt's die Schere nicht, _weil_ es Frauen sind (zumindest unter diesem Aspekt).

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