Vielfalt lesbisch-schwuler Medien nimmt ab

21. Dezember 2012, 13:20
  • 2003 erschien die erste Ausgabe von "L-MAG", "Deutschlands Magazin für Lesben". Auf dem Coverbild der Ausgabe von November/Dezember 2011: Berliner Rapperin und "local heroine" Sookee.
    foto: l-mag

    2003 erschien die erste Ausgabe von "L-MAG", "Deutschlands Magazin für Lesben". Auf dem Coverbild der Ausgabe von November/Dezember 2011: Berliner Rapperin und "local heroine" Sookee.

Verlage ringen ums Überleben - Bund Lesbischer und Schwuler JournalistInnen bezieht Position zur Situation des Pressemarktes

Nicht nur am Mainstream-Pressemarkt, auch in der lesbisch-schwulen Medienlandschaft hat sich die Konzentration massiv verstärkt - zu diesem Schluss kommt der Bund Lesbischer und Schwuler JournalistInnen (BLSJ) , der jüngst in einer öffentlichen Stellungnahme die "Gratiskultur, geringe Löhne und starke wirtschaftliche Zwänge" kritisierte.

Leerstellen im Regenbogen

"Einige Redaktionen bestehen gerade mal aus einer Person. Die Vielfalt verschiedener Anbieter ist auf wenige Verlage geschrumpft. Angebote für Lesben sind meist nur noch mit der Lupe zu finden", so der BLSJ.

Zuletzt wurden im Sommer 2012 die Frankfurter "Gab", das Kölner Szenemagazin "rik" und das schwule Magazin für Düsseldorf und Ruhrgebiet "Exit" von der Berliner "Blu"-Mediengruppe übernommen. "Was die Pressekonzentration für die Vielfalt der Berichterstattung über das Leben der Schwulen, Lesben und Bisexuellen bedeutet, ist noch nicht absehbar", sagte Markus Bechtold, Vorstandsmitglied vom BLSJ.

Thesen zum Überlebenskampf

Vor diesem Hintergrund formulierte der BLSJ fünf Thesen zur aktuellen Situation lesbisch-schwuler Medien in Deutschland:

  • Lesbisch-schwule Presse als kulturelles Gut: Lesbisch-schwule Medien schaffen ein Bewusstsein für die eigene Identität und die Community und beleuchten deren Lebensrealität - sie seien daher ein kulturelles Gut, das" nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden" dürfe.
  • Qualitätsjournalismus trotz Krise: Angesichts der wirtschaftlichen Situation des Medienmarktes sei ein Konzentrationsprozess "unvermeidlich" - die Reduzierung auf einige wenige Angebote und Verlage dürfe jedoch nicht zu einer Verkümmerung der journalistischen Qualität führen.
  • Gratiskultur auf den Prüfstand: Eine qualitativ hochwertige lesbisch-schwule Presse könne nur dann überleben, wenn die "Kostenloskultur" überdacht werde. Gerade in der lesbisch-schwulen Community werde viel durch ehrenamtliche Arbeit erreicht. Dafür brauche es zum einen Angebote, für die die LeserInnenschaft gerne Geld bezahlt - andererseits brauche es aber auch eine Wertschätzung und ein Bewusstsein der Leserinnen und Leser für Qualitätsjournalismus.
  • Keine PR-Artikel: Immer häufiger würden in den kostenlosen Magazinen Party-Termine aus der Szene, Mode-, Styling- oder Fitnesstipps und ähnliches aufgegriffen, die sich gut vermarkten und mit Anzeigenverkäufen verbinden lassen. Der BLSJ appelliert an JournalistInnen und VerlegerInnen, aktiv gesellschaftsrelevante Themen wie beispielsweise "Benachteiligung im Steuerrecht", "Homosexuelle im Alter" oder "Leben mit HIV" zu verfolgen. Die LeserInnen ermuntert der BLSJ wiederum, kräftiger mitzumischen: Sie sollen klar sagen, welche Themen sie interessieren und worüber sie mehr erfahren wollen.
  • Keine Hunger-Löhne für JournalistInnen: "Guter Journalismus kostet Geld", so der BLSJ. "Wir appellieren an die Verlage, ihre JournalistInnen vernünftig zu bezahlen. Hunger-Löhne führen zu einem weiteren Qualitätsverlust."

Der Bund Lesbischer und Schwuler JournalistInnen setzt sich laut Selbstdefinition für eine "faire, vorurteilsfreie Berichterstattung über Lesben, Schwule und Bisexuelle" ein. Einmal im Jahr verleiht er dafür den Felix-Rexhausen-Preis für besonders gelungene Beiträge. (red, dieStandard.at, 21.12.2012)

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18 Postings

Ich denke, das liegt an der Blog-Kultur. Es gibt hunderte informative LGBT blogs, wozu eine Zeitschrift kaufen?

Und apropos Zeitschriften... ich muss zugeben, ich hab eine Schwäche für diese "Mädchen" Magazine, auch wenn ich längst schon zu alt dafür bin. Ich hätt dasselbe gern in "lesbisch". Kein "wie kriegst du deinen Dreamboy" mehr, sondern "finde dein Dreamgirl", etc.

"Vielfalt lesbisch-schwuler Medien nimmt ab"

Ich bin erschüttert...

Christinnen und Christen

frohe Weihnachten

L & S werden glücklicherweise nicht mehr als "abnormal" eingestuft. Eigene Medien erübrigen sich daher zT, denn in fast allen Medien kommen wertfreie Meldungen zu diesen Themen

Medien können lesbisch oder schwul sein? Können auch Filme lesbisch oder schwul sein? Fernseher, Radios, Computer? Wie stelle ich fest, ob meine Wohnzimmercoach hetero oder lesbisch oder schwul ist?

hahaha machte meine Nacht

so wie bei nicht lesbisch-schwulen medien völlig nebensächlich. mediale vielfalt, die für bürger relevant ist, bezieht sich auf inhaltliche vielfalt und nicht auf die frage, wieviele medien ihren eigentümern profite bringen.
so gesehen ist es völlig wurscht, ob es 10 oder zwanzig schwule medien im lande gibt oder wieviele tageszeitungen erscheinen, weil sie sich ja nur im layout unterscheiden...

Wozu Medien?

Es gibt doch Facebook! Und falls man wirklich Storys lesen will, kann man ja auch noch ins Heute schauen.

na, es nehmen nur die ab, die kritisch sind, alle, die sich brav ins herrschaftssystem einfügen, denen geht's ganz ok...
so lässt sich kritik auch ganz gut mundtot machen, weil schwieriger zu argumentieren, dass diskriminierung aufgrund von...

Oder einfach die Mehrheit wollen halt was anderes Konsumieren als das. So ist halt der Markt und regelt das entsprechend hat nix mit "Kritik unterdrücken" zu tun. Man könnte solche Magizine breiter aufstellen und halt nur ein paar Seiten pro Auflage dem Thema widmen.

ja genau, der freie markt, der bestimmt.
die magazine, die nicht haufenweise werbung reinknallen, überleben, es gibt welche, die aus politischen gründen keine werbung reinsetzen, die werden halt betrieben bis zu viele leute in diesen projekten es sich nicht mehr leisten können gratis zu hackeln und/oder zu viele leute in einem projekt ausgebrannt sind und sich zu wenig nachfolgende leute finden...

richtig

so funktioniert der markt

Zum abgebildeten, kommerziell ausgerichteten Magazin ein paar Worte: Ich, lesbisch, über 35, finde mich darin definitiv nicht wieder. Viele Berichte drehen sich um Partys, Szeneevents, irgendwelche lesbischen Szene Sängerinnen (von denen ich noch nie zuvor gehört habe), Piercings, Tatoos. Oder Klischee-Typen, Stichwort: Schubladen-Lesbe, was von der Redaktion zwar mit Humor gesehen wird, einen Teil der Leserschaft aber ungläubig den Kopf schütteln lässt (siehe Facebook-Kommentare dazu). Es ist ein Party-Szene-Magazin - und somit sowieso nur für eine bestimmte Zielgruppe innerhalb der sogenannten "Szene" interessant. Eine stinknormale Frauenzeitschrift a la "Brigitte" gibt mir da jedenfalls inhaltlich mehr.

Hut ab vor allen, die sich die Zeit nehmen, um ehrenamtlich ein Magazin herausgeben, egal, ob mit lesbisch-schwuler Thematik oder sonst was. Es ist aufwendig, beansprucht Zeit und Nerven. Ich schätze dieses Engagement und es stimmt schon: die Bereitschaft, dafür zu zahlen, ist nicht besonders ausgeprägt. Zumal es ja vieles an Inhalten "gratis" online gibt.

Und in Wien -

wie sieht es da mit diesen Medien aus?

sehen's welche, die nicht auf konsum abzielen? außer konsum-schwulen-magazinen gibt's da was genau? ja, gute frage

xtra

bei uns in wien gibts das xtra. und bei dem muss man sich über "Verkümmerung der journalistischen Qualität" keine sorgen machen, weil die hat's nie gegeben ;-)

aber wir müssen ja froh sein, dass überhaupt das eine überlebt. ich denke, im kleinstrukturiert-katholischen österreich haben bezahl-magazine, die man sich in der trafik kaufen muss, noch weniger chance als in deutschland. man outet sich ja ungern bei der trafikantin...

Meßlatte Trafikantin?

Es geht einfach nicht, seine Meinung zu äußern, ohne Ö als reaktionär-klerikalfaschistoides Land darzustellen, oder?
Ich bin Katholik und darf Ihnen verkünden: Es ist mir herzlich wurscht, wie Sie Ihre Sexualität leben. Seit Jahrzehnten ist das Thema Homosexualität am Tapet - es ist nicht neu, spannend, aufregend. Wenn Sie Schwierigkeiten dabei haben, ein Magazin zu kaufen ("sich zu outen"), haben Sie ein größeres Problem mit sich selbst als die Trafikantin mit Ihnen. Glauben Sie nicht, der Trafikantin könnte es auch wurscht sein, wie Sie leben? Was genau könnte die Trafikantin denn tun, das Ihr Leben beeinflußt?

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