Vielfalt lesbisch-schwuler Medien nimmt ab

  • 2003 erschien die erste Ausgabe von "L-MAG", "Deutschlands Magazin für Lesben". Auf dem Coverbild der Ausgabe von November/Dezember 2011: Berliner Rapperin und "local heroine" Sookee.
    foto: l-mag

    2003 erschien die erste Ausgabe von "L-MAG", "Deutschlands Magazin für Lesben". Auf dem Coverbild der Ausgabe von November/Dezember 2011: Berliner Rapperin und "local heroine" Sookee.

Verlage ringen ums Überleben - Bund Lesbischer und Schwuler JournalistInnen bezieht Position zur Situation des Pressemarktes

Nicht nur am Mainstream-Pressemarkt, auch in der lesbisch-schwulen Medienlandschaft hat sich die Konzentration massiv verstärkt - zu diesem Schluss kommt der Bund Lesbischer und Schwuler JournalistInnen (BLSJ) , der jüngst in einer öffentlichen Stellungnahme die "Gratiskultur, geringe Löhne und starke wirtschaftliche Zwänge" kritisierte.

Leerstellen im Regenbogen

"Einige Redaktionen bestehen gerade mal aus einer Person. Die Vielfalt verschiedener Anbieter ist auf wenige Verlage geschrumpft. Angebote für Lesben sind meist nur noch mit der Lupe zu finden", so der BLSJ.

Zuletzt wurden im Sommer 2012 die Frankfurter "Gab", das Kölner Szenemagazin "rik" und das schwule Magazin für Düsseldorf und Ruhrgebiet "Exit" von der Berliner "Blu"-Mediengruppe übernommen. "Was die Pressekonzentration für die Vielfalt der Berichterstattung über das Leben der Schwulen, Lesben und Bisexuellen bedeutet, ist noch nicht absehbar", sagte Markus Bechtold, Vorstandsmitglied vom BLSJ.

Thesen zum Überlebenskampf

Vor diesem Hintergrund formulierte der BLSJ fünf Thesen zur aktuellen Situation lesbisch-schwuler Medien in Deutschland:

  • Lesbisch-schwule Presse als kulturelles Gut: Lesbisch-schwule Medien schaffen ein Bewusstsein für die eigene Identität und die Community und beleuchten deren Lebensrealität - sie seien daher ein kulturelles Gut, das" nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden" dürfe.
  • Qualitätsjournalismus trotz Krise: Angesichts der wirtschaftlichen Situation des Medienmarktes sei ein Konzentrationsprozess "unvermeidlich" - die Reduzierung auf einige wenige Angebote und Verlage dürfe jedoch nicht zu einer Verkümmerung der journalistischen Qualität führen.
  • Gratiskultur auf den Prüfstand: Eine qualitativ hochwertige lesbisch-schwule Presse könne nur dann überleben, wenn die "Kostenloskultur" überdacht werde. Gerade in der lesbisch-schwulen Community werde viel durch ehrenamtliche Arbeit erreicht. Dafür brauche es zum einen Angebote, für die die LeserInnenschaft gerne Geld bezahlt - andererseits brauche es aber auch eine Wertschätzung und ein Bewusstsein der Leserinnen und Leser für Qualitätsjournalismus.
  • Keine PR-Artikel: Immer häufiger würden in den kostenlosen Magazinen Party-Termine aus der Szene, Mode-, Styling- oder Fitnesstipps und ähnliches aufgegriffen, die sich gut vermarkten und mit Anzeigenverkäufen verbinden lassen. Der BLSJ appelliert an JournalistInnen und VerlegerInnen, aktiv gesellschaftsrelevante Themen wie beispielsweise "Benachteiligung im Steuerrecht", "Homosexuelle im Alter" oder "Leben mit HIV" zu verfolgen. Die LeserInnen ermuntert der BLSJ wiederum, kräftiger mitzumischen: Sie sollen klar sagen, welche Themen sie interessieren und worüber sie mehr erfahren wollen.
  • Keine Hunger-Löhne für JournalistInnen: "Guter Journalismus kostet Geld", so der BLSJ. "Wir appellieren an die Verlage, ihre JournalistInnen vernünftig zu bezahlen. Hunger-Löhne führen zu einem weiteren Qualitätsverlust."

Der Bund Lesbischer und Schwuler JournalistInnen setzt sich laut Selbstdefinition für eine "faire, vorurteilsfreie Berichterstattung über Lesben, Schwule und Bisexuelle" ein. Einmal im Jahr verleiht er dafür den Felix-Rexhausen-Preis für besonders gelungene Beiträge. (red, dieStandard.at, 21.12.2012)

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