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vergrößern 500x768"Buffy the Vampire Slayer" hat gerade andere Sorgen als die Monster-Jagd. Sie ist ungewollt schwanger. Zudem ist ihr nicht klar, wer genau der Mann ist, mit dem sie eine wilde Nacht mit viel Alkohol und Sex verbracht hat.
"Laxe Sexualmoral" kommentieren die einen den neuesten Plot des Comics, "endlich wird darüber geredet" freuen sich hingegen andere über die vergangenen Donnerstag in den USA erschiene Buffy-Ausgabe. Der Verlag beschreibt Buffys Lage etwas verhalten als "ein eher persönliches Problem", berichtet der Guardian. Verhalten ist meist auch der Umgang mit ungewollter Schwangerschaft in der Populärkultur. Das Wort "Abtreibung" wird trotz der im Raum stehenden Frage, was wohl jetzt zu tun sei, nur selten in den Mund genommen, und die Entscheidung für einen Abbruch scheint vor allem in der US-amerikanischen Populärkultur schlichtweg nicht zu existieren.
Es nimmt daher nicht Wunder, dass die neunte Ausgabe von "Buffy the Vampire Slayer" Aufmerksamkeit auf sich zieht. "Ich habe etwas vor und ich glaube, es wird schwierig werden. Daher habe ich gehofft, du könntest mir helfen", meint Buffy gegenüber Spike, einer von jenen Männern, der möglicherweise die Schwangerschaft mitzuverantworten hat. Sie erzählt ihm von ihrem chaotischen Leben und ihrem lockeren Umgang mit Alkohol, was das Rätsel, von wem sie schwanger sei, deutlich mache. Zumindest die Vampir-Jägerei habe sie im Griff, doch "für alles andere bin nicht bereit. Zumindest nicht jetzt."
TV-Shows über Teenagerschwangerschaften
Joss Whedon, Drehbuchautor des Buffy-Films (1992), der Kultserie (1997 bis 2003) und Produzent der Comic-Serie, sieht in Buffys Entscheidung einen wichtigen gesellschaftspolitischen Aspekt: "Das Recht von Frauen zu wählen, ist nach wie vor unter Beschuss. Das ist für dieses Land eine gefährliche Sache." Er kritisierte gegenüber Entertainment Weekly die von Medien transportieren Bilder von Teenagerschwangerschaften, die nicht berücksichtigen, dass die gezeigten jungen Frauen weder finanziell noch emotional gerüstet seien. Doch diverse TV-Shows oder auch Filme wie "Juno" würden das einfach ignorieren. Die Tatsache, dass sich tagtäglich Frauen für eine Abtreibung entscheiden, werde laut Whedon weitgehend verschwiegen. "Selbst wenn Filme vorgeben, sich mit Abtreibung zu beschäftigen, wird das Wort 'Abtreibung' nicht ausgesprochen", so der Drehbuchautor.
Laut Guardian sind die ersten Reaktionen über den Umgang mit dem politischen Thema positiv. Die Rezensentin Kelly Thompson etwa nennt sich in ihrem Beitrag angesichts der neuen Ausgabe einen stolzen Buffy-Fan.
Es gab allerdings auch weniger beeindruckte Stimmen. Die Diskussion über Abtreibung im Buffy-Comic sei in einer Pro-Choice-Rhetorik verfasst worden, heißt es in einem Beitrag auf Live-Action von einem jungen Mann, für den Abtreibung die "größte menschenrechtliche Ungerechtigkeit unserer Zeit " ist, und der Produzent Whedon die schon erwähnte laxe Sexualmoral vorwirft.
Diese Republikaner
Diese Position entspricht der in den USA immer größer werdenden Gruppe von christlichen FundamentalistInnen, die ihre Positionen zunehmend durch rigider werdende Abtreibungsgesetze bestätigt sehen.
"Oh, Republikaner", fällt Guardian-Autorin Naomi Alderman zu solchen Aussagen nur ein. "Was die eine laxe Auffassung von Sexualmoral nennen, sind nur die Ansichten von Menschen, die nicht an Gott glauben oder daran, dass alles, was wir mit unseren Genitalien tun, ungesund sei." Alderman bejubelt den aktuellen Buffy-Comic und bedauert gleichzeitig, dass es das Thema Abtreibung über die vor fast 10 Jahren eingestellte TV-Show nicht mehr ins Fernsehen schaffte. "Diese Geschichte verdient ein größeres Publikum als uns Buffy-FanatikerInnen, die die Comic-Bücher kaufen." Wie Whedon spricht auch Alderman von einem ängstlichen Umgang mit dem Thema, obwohl in den USA eine von drei Frauen abtreibt. Für diesen Umgang macht sie vor allem ein politisch gänzlich überlastetes Vokabular verantwortlich. "Selbst die Etiketten der Pro-Life und Pro-Choice-Bewegung wirken seltsam gequält", meint sie. Alderman will auch nicht akzeptieren, dass Abtreibung stets nur als Frauenproblem auftaucht, "schließlich sei wohl in jedem Fall ein Mann beteiligt".
Neben dem Entschluss, eine Abtreibung machen zu lassen, begeht "Buffy the Vampire Slayer" auch hier einen Tabubruch: Sie vertraut sich einem Freund an, der vielleicht von der ungewollten Schwangerschaft auch betroffen sein könnte. Doch unabhängig davon will sie erstens damit nicht allein zurechtkommen und erwartet sich zweitens Hilfe von einem verständnisvollen Mann. Hier hört ausnahmsweise einmal nicht die Freundin geduldig zu.
Für eine kluge und nachdenkliche Diskussion über Abtreibung in Serien für Teenager sei es höchste Zeit, meint Naomi Alderman. Und wie immer ist Buffy dem Ganzen einen Schritt voraus. (beaha, dieStandard.at, 15.2.2012)
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