"Heißes Eisen"

Buffy und die Folgen einer wilden Nacht

15. Februar 2012, 07:00

Die neue Ausgabe des Comics über die Vampirjägerin Buffy greift ein politisches Thema auf: Ungewollte Schwangerschaft - Achtung, Spoiler-Alarm

"Buffy the Vampire Slayer" hat gerade andere Sorgen als die Monster-Jagd. Sie ist ungewollt schwanger. Zudem ist ihr nicht klar, wer genau der Mann ist, mit dem sie eine wilde Nacht mit viel Alkohol und Sex verbracht hat.

"Laxe Sexualmoral" kommentieren die einen den neuesten Plot des Comics, "endlich wird darüber geredet" freuen sich hingegen andere über die vergangenen Donnerstag in den USA erschiene Buffy-Ausgabe. Der Verlag beschreibt Buffys Lage etwas verhalten als "ein eher persönliches Problem", berichtet der Guardian. Verhalten ist meist auch der Umgang mit ungewollter Schwangerschaft in der Populärkultur. Das Wort "Abtreibung" wird trotz der im Raum stehenden Frage, was wohl jetzt zu tun sei, nur selten in den Mund genommen, und die Entscheidung für einen Abbruch scheint vor allem in der US-amerikanischen Populärkultur schlichtweg nicht zu existieren.

Es nimmt daher nicht Wunder, dass die neunte Ausgabe von "Buffy the Vampire Slayer" Aufmerksamkeit auf sich zieht. "Ich habe etwas vor und ich glaube, es wird schwierig werden. Daher habe ich gehofft, du könntest mir helfen", meint Buffy gegenüber Spike, einer von jenen Männern, der möglicherweise die Schwangerschaft mitzuverantworten hat. Sie erzählt ihm von ihrem chaotischen Leben und ihrem lockeren Umgang mit Alkohol, was das Rätsel, von wem sie schwanger sei, deutlich mache. Zumindest die Vampir-Jägerei habe sie im Griff, doch "für alles andere bin nicht bereit. Zumindest nicht jetzt."

TV-Shows über Teenagerschwangerschaften

Joss Whedon, Drehbuchautor des Buffy-Films (1992), der Kultserie (1997 bis 2003) und Produzent der Comic-Serie, sieht in Buffys Entscheidung einen wichtigen gesellschaftspolitischen Aspekt: "Das Recht von Frauen zu wählen, ist nach wie vor unter Beschuss. Das ist für dieses Land eine gefährliche Sache." Er kritisierte gegenüber Entertainment Weekly die von Medien transportieren Bilder von Teenagerschwangerschaften, die nicht berücksichtigen, dass die gezeigten jungen Frauen weder finanziell noch emotional gerüstet seien. Doch diverse TV-Shows oder auch Filme wie "Juno" würden das einfach ignorieren. Die Tatsache, dass sich tagtäglich Frauen für eine Abtreibung entscheiden, werde laut Whedon weitgehend verschwiegen. "Selbst wenn Filme vorgeben, sich mit Abtreibung zu beschäftigen, wird das Wort 'Abtreibung' nicht ausgesprochen", so der Drehbuchautor. 

Laut Guardian sind die ersten Reaktionen über den Umgang mit dem politischen Thema positiv. Die Rezensentin Kelly Thompson etwa nennt sich in ihrem Beitrag angesichts der neuen Ausgabe einen stolzen Buffy-Fan. 

Es gab allerdings auch weniger beeindruckte Stimmen. Die Diskussion über Abtreibung im Buffy-Comic sei in einer Pro-Choice-Rhetorik verfasst worden, heißt es in einem Beitrag auf Live-Action von einem jungen Mann, für den Abtreibung die "größte menschenrechtliche Ungerechtigkeit unserer Zeit " ist, und der Produzent Whedon die schon erwähnte laxe Sexualmoral vorwirft.

Diese Republikaner

Diese Position entspricht der in den USA immer größer werdenden Gruppe von christlichen FundamentalistInnen, die ihre Positionen zunehmend durch rigider werdende Abtreibungsgesetze bestätigt sehen.

"Oh, Republikaner", fällt Guardian-Autorin Naomi Alderman zu solchen Aussagen nur ein. "Was die eine laxe Auffassung von Sexualmoral nennen, sind nur die Ansichten von Menschen, die nicht an Gott glauben oder daran, dass alles, was wir mit unseren Genitalien tun, ungesund sei." Alderman bejubelt den aktuellen Buffy-Comic und bedauert gleichzeitig, dass es das Thema Abtreibung über die vor fast 10 Jahren eingestellte TV-Show nicht mehr ins Fernsehen schaffte. "Diese Geschichte verdient ein größeres Publikum als uns Buffy-FanatikerInnen, die die Comic-Bücher kaufen." Wie Whedon spricht auch Alderman von einem ängstlichen Umgang mit dem Thema, obwohl in den USA eine von drei Frauen abtreibt. Für diesen Umgang macht sie vor allem ein politisch gänzlich überlastetes Vokabular verantwortlich. "Selbst die Etiketten der Pro-Life und Pro-Choice-Bewegung wirken seltsam gequält", meint sie. Alderman will auch nicht akzeptieren, dass Abtreibung stets nur als Frauenproblem auftaucht, "schließlich sei wohl in jedem Fall ein Mann beteiligt".

Neben dem Entschluss, eine Abtreibung machen zu lassen, begeht "Buffy the Vampire Slayer" auch hier einen Tabubruch: Sie vertraut sich einem Freund an, der vielleicht von der ungewollten Schwangerschaft auch betroffen sein könnte. Doch unabhängig davon will sie erstens damit nicht allein zurechtkommen und erwartet sich zweitens Hilfe von einem verständnisvollen Mann. Hier hört ausnahmsweise einmal nicht die Freundin geduldig zu. 

Für eine kluge und nachdenkliche Diskussion über Abtreibung in Serien für Teenager sei es höchste Zeit, meint Naomi Alderman. Und wie immer ist Buffy dem Ganzen einen Schritt voraus. (beaha, dieStandard.at, 15.2.2012)

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Pygar
 
13
15.2.2012, 15:19

Spike kann nicht der Vater sein, denn es würde an ein Wunder grenzen von einem Vampir schwanger zu werden.

Ich wusste gar nicht, dass Buffy's Memoiren als Comic fortgeführt werden. Wie dem auch sei muss man die Entscheidung jeder Frau ein Kind zu gebären oder nicht zu gebären natürlich akzeptieren. Dass sich die Jägerin dagegen entschieden hat, zeigt auch wie verantwortungsvoll sie ist! Für eine Jägerin ist ein Kind nämlich eine Einschränkung. Das wiederum wirkt sich dann auch nachteilig für alle Menschen aus, weil sie verwundbarer wird und weniger Zeit hat um gegen das Böse zu kämpfen.

Also: Herzlichen Dank und weiter so, Buffy!

SchneckenChecker27cm
01
22.2.2012, 01:06
...denn es würde an ein Wunder grenzen von einem Vampir schwanger zu werden.

Das behaupten alle Vampiere, weil sie keine Kondome benutzen wollen.

Denen kann man nicht trauen!

Captain Smoker
00
18.2.2012, 14:41

Es gibt doch zu so gut wie jeder erfolgreichen Serie/jedem erfolgreichen Film einen Comic, eine Zeichentrickserie oder sonst was wo die Geschichte vor, nach oder zwischen den schon gezeigten Geschichten weitergesponnen wird.

Jehane
01
15.2.2012, 15:30

Die Comics wurden 1-2 Jahre nach Serienende gestartet, glaube ich; ich kenn sie selber auch noch nicht, sie sind mir auch mit durchschnittlich 15 Euro pro Heft/Buch etwas zu teuer. Es gibt übrigens auch eine Comic-Fortsetzung von Angel, nennt sich "After the Fall" und umfasst ebenfalls mehrere Bände. Dazu gibt's noch Einzelbände zu Spike :)

Nixennacht
00
15.2.2012, 18:30

Ich wünschte allerdings sie wären besser. After the Fall war ganz gut. Aber die S8 comics ziehen sich eben und haben einen unglaublich doofen Plot.

S9 scheint wieder ein wenig besser zu sein, aber nach S8 will ich eigentlich kein Geld mehr dafür ausgeben.

Pygar
 
00
15.2.2012, 16:52

OK, danke!

Adam Markus
01
15.2.2012, 15:06

Wer glaubt, dass es solche christlichen Fndamentalilsten nur in den USA gibt, soll sich den Artikel über den geplanten Bau der Stupa in Österreich durchlesen, wo unter anderem ein Flugblatt von "christlichen" Vereinen beiligt, welches genau in der Sprache solcher religiösen Fundamentalisten gehalten ist.

Ansonsten gratuliere ich für den Mut, hoffe Whedon wiird dafür nicht von einem Verrückten erschossen. Das machen radikale AbtreibungsgegnerInnen nämlich recht oft und gerne.

jackk 2
32
15.2.2012, 13:07
Diensttag Wäschetag

Warum ist der Diensttag eigentlich forumsfreier Tag auf diestandard? Nützen die Feministinnen diesen Tag um daheim brav die Wäsche zu waschen???

dr. ecksau
 
01
16.2.2012, 00:27

"Diensttag" (sic!) kommt nicht von Dienst und sollte daher nicht als Tag missverstanden werden, der für etwaige Dienste vorgesehen ist.
Es ließe sich außerdem nicht erklären, wieso Deppen auch mittwochs im Dienst sind.

jackk 2
00
16.2.2012, 12:47

Tippfehler Herr Oberlehrer!

Jehane
01
15.2.2012, 10:19

Ich wage zu bezweifeln, dass Spike der Vater ist. Vampire können bei Joss Whedon an sich keine Kinder zeugen, Ausnahme: Angel und Darla.

Hitecut
03
15.2.2012, 09:08
Also ist es doch nicht nur Einbildung

dass Abtreibung in fast allen Serien und Filmen nie eine echte Option darstellt bzw. zumindest nie durchgeführt wird. Über die Jahre bekommt man ständig Szenarien präsentiert, wo Abtreibung die naheliegendste und sinnvollste Lösung wäre, nur damit sich die Protagonisten ständig dagegen entscheiden, ungeachtet aller Probleme und negativen Auswirkungen durch diese Entscheidung. Nachdem aber gleichzeitig klar ist, dass auch in den USA sehr wohl viele Abtreibungen durchgeführt werden, fand ich diesen Umstand immer schon seltsam.

Pygar
 
10
15.2.2012, 16:27

Ja, leider ist Hollywood sehr konservativ was das betrifft.

Sarah Silverman kann ich da als empfehlenswerte Ausnahme empfehlen. In der Folge "Babies und Bomben" hat sie es mit militanten Fanatikern zu tun.

Mathias Steinlaus
 
12
15.2.2012, 10:15
Nachdem aber gleichzeitig klar ist, dass auch in den USA sehr wohl viele Abtreibungen durchgeführt werden, fand ich diesen Umstand immer schon seltsam.

Die ganze konservative PolitikerInnen-Kaste ist doch in allen Ländern äußerst "seltsam" ... da wird Wasser gepredigt aber Orgien abgehalten ...

C R3
12
15.2.2012, 10:07

Die neueste Idee ist, die Pille als Abtreibung zu klassifizieren (also in den Medien)
http://www.americanindependent.com/211450/at... d-abortion

Der Bereich ist hart umkämpft und die konservativen Kräfte tun ihr bestes das Ideal der Frau als Mutter mit 5+ Kindern zu verbreiten.

Freigeistin1
00
15.2.2012, 13:03

Die Minipille hat eine frühabtreibende Wirkung (wie die Spirale) - die "normale Pille" allerdings nicht.

Frl. Sutterlüty
00
16.2.2012, 00:06

Auch Frauen haben eine frühabtreibende Wirkung ;)

Freigeistin1
00
16.2.2012, 07:31

Stimmt. Das regelt die Natur.

Mathias Steinlaus
 
11
15.2.2012, 10:36
... und die konservativen Kräfte tun ihr bestes das Ideal der Frau als Mutter mit 5+ Kindern zu verbreiten.

Ich warte ja nur noch darauf, daß gefordert wird, daß diese Mütter dann vom Präsidenten eine Urkunde oder Medaillie bekommen sollen ...

ridentem dicere verum
04
15.2.2012, 13:40
wenn schon, dann auch richtig:

Ab vier Kindern erhielten die Mütter das bronzene, ab sechs Kindern das silberne und ab acht Kindern das goldene Mutterkreuz

war doch schließlich nicht alles schlecht damals...

*sarcasm off*

Mathias Steinlaus
 
00
15.2.2012, 14:30
..jetzt machen Sie darüber Witze ...

... aber wurde doch sowas ähnliches schon mal in Russland angedacht ..

Bin gespannt, wieviele hier applaudieren und sowas gut finden, wenn zB der Erdogan sowas einführen würde ...

Pygar
 
11
15.2.2012, 16:29

Der Erdogan braucht so etwas nicht einführen, denn das ist ja schon im Islam eingeführt.

Fritz Meyer
04
15.2.2012, 09:00
Whedons Material ist um Klassen besser...

als dieser reaktionäre Twilight-Dreck.

Adam Markus
02
15.2.2012, 15:10

Twilight?

Meinen Sie die Serie, wo ein unsterblicher Vampir keine Menschen umbringt und nur davon träumt mit Frau und Kind in der Vorstadt zu leben, nie fremdzugehen und das bis in alle Ewigkeit. Nicht zu vergessen, dass er mit dem Beischlaf brav wartet bis der Ring am Finger ist?

Nein, das ist doch nicht reaktionär.........

Mathias Steinlaus
 
00
15.2.2012, 08:28
"Oh, Republikaner", fällt Guardian-Autorin Naomi Alderman zu solchen Aussagen nur ein.

Es sind doch immer wieder die gleichen konservativen Parteien, die in den eigenen Reihen ein "Sodom & Gomorra" leben, aber nach außen hin ein Leben als biederen Spießbürger predigen ...

Go, Joss Whedon, go :-)

PS: eine Sci-Fi Serie von Joss Whedon hat leider nicht die Anerkennung erhalten, die sie eigentlich sehr verdienen würde: "Firefly"

( http://de.wikipedia.org/wiki/Fire... nsehserie) )

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